Kartoffel-Apfel-Auflauf

Unser Vereinsvorstandsvorsitzender ist ein älterer Herr. Er trägt einen Menjou-Bart und hat meistens ein Barett auf dem Kopf. Er grüßt stets höflich und schaut kritisch über die Zäune. Hin und wieder bemängelt er zu hoch gewachsene Hecken oder zu geringe Anbauflächen fürs Gemüse. Zu den meisten Gartenfreunden hat er ein entspanntes Verhältnis. Manche sprechen ihn mit Vornamen an, für andere ist er der Herr mit dem Bärtchen und der Baskenmütze und bei einigen wenigen ist er der Typ mit der Rotzbremse und dem Krautblatt auf der Rübe.

Als er neulich an meiner Gartenpforte stehen blieb, hatte er noch seine Stellvertreterin und unseren Gartenfachberater  dabei. Die Stellvertreterin schrieb eifrig Notizen in mitgebrachte Listen und sie steckten die Köpfe zusammen und tuschelten. Offenbar hatten sie mich noch nicht gesehen, denn ich grub grad Kartoffeln aus. Also erhob ich mich und zog auf dem Weg zur Pforte noch einen Knollensellerie aus der Erde. Ich ließ ihn am Grün locker hin und her baumeln und trat zur Vorstandsdelegation.

„Guten Tag Frau Aldente,“ sagte der Vorsitzende und die anderen beiden nickten mir freundlich zu. „Hab ich was falsch gemacht?“ Fragte ich keck und verlieh meinem Sellerie neuen Schwung.

„Hm, mal sehen,“ murmelte der Vorsitzende.

„Gartennummer?“

„ Am Tor!“ Sagte die Stellvertreterin.

„Wasserzähler?“

„ Neu und geeicht!“

„Elektroprotokoll?“

„Muss erst in zwei Jahren erneuert werden.“

„Na das hört sich doch gut an,“ sagte der Vorsitzende.

„Und sonst so? Kartoffelernte gut?“

„Mittelmäßig“, antwortete ich.“Da sind in diesem Jahr viele kleine dabei.“

„Und ihre Äpfel essen sie wohl gar nicht?“ Fragte der Fachberater und deutete auf ein Häuflein Fallobst, das ich schon zusammengeharkt hatte.

„Doch, doch! Da mach ich einen Auflauf draus.“

„Apfelauflauf?“ Fragte die Stellvertreterin.

„Nö, eigentlich Kartoffeln, Äpfel und den hier,“ sagte ich und ließ meinen Sellerie kreisen wie einen Morgenstern.

„Na dann.“ sagte Vorsitzende, „werden wir unseren Auflauf hier mal beenden. Ist ihre Nachbarin da?“ Ich zuckte mit den Schultern. Der Garten lag wie verlassen. Der Vorsitzende reckte seinen Hals. Vor ein paar Minuten war meine Nachbarin Frau B. hinter ihrer Hollywoodschaukel in Deckung gegangen.

Zuhause machte ich mich ans Werk. Für vier Personen nahm ich 500 g Kartoffeln, 500 g Sellerie und 300 g saure Äpfel. Die Kartoffeln und Sellerie schälte ich und schnitt zirka Zweieurostück große Scheiben, nicht dicker als fünf Millimeter. Die Selleriescheiben dünstete ich zusammen mit einer halben, in feine Würfel geschnittenen Zwiebel in zwei Esslöffeln Rapsöl zugedeckt für zirka zehn Minuten an. Dann verrührte ich 30 g Vollkornmehl mit 400 ml Sojamilch, kochte das Gemisch unter Rühren auf und ließ es zirka zwei Minuten köcheln. Eine Prise Muskat, einen halben Esslöffel geriebenen Ingwer, Pfeffer, Salz und einen Esslöffel Zitronensaft rührte ich in die Sauce, bevor ich die Kartoffel-, Apfel- und Selleriescheiben wie Dachziegel in eine Auflaufform legte und damit begoss. Zu guter Letzt streute ich noch zwei Esslöffel gehackte Sonnenblumenkerne darüber und stellte die Form für zirka 15 Minuten zugedeckt bei 170°C in den Backofen. Danach nahm ich den Deckel ab und schob den Auflauf für weitere zehn Minuten ins Rohr. Als Garnitur verwende ich gern frische Blüten der Kapuzinerkresse.

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3 Gedanken zu “Kartoffel-Apfel-Auflauf

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