Aroniasaft und Mondkekse

In unserem Kleingärtnerverein ist es eine schöne Tradition, in der Vorweihnachtszeit gemeinsam Kekse zu backen. Meine Gartennachbarin Frau B. rührte bereits im November die Werbetrommel. Das gemeinsame Backen im Vereinshaus hat mehrere Vorteile. Frau B. kann dem neuesten Vereinstratsch frönen, hin und wieder lernt man neue Mitglieder kennen, Rezepte werden ausgetauscht und nach getanem Backwerk muss niemand zu Hause Mehlstaub fegen.

Eine der wichtigsten Zutaten unserer Keksbäckerei ist Rotwein. Daraus bereitet Frau B. zunächst einen feinen Glühwein.
Für die teilnehmenden Kinder und mich habe ich selbstgemachten Aroniasaft mitgebracht.
Für diesen Saft ließ ich ein Kilogramm abgestielte Aroniabeeren und eine Stange Zimt in einem knappen Liter Wasser zirka eine halbe Stunde köcheln. Danach bearbeitete ich die Masse mit dem Kartoffelstampfer bevor ich die Flüssigkeit durch ein Sieb und ein Baumwolltuch goss. Den Fruchtsaft kochte ich nun mit einem weiteren knappen Liter Wasser und 130 g Rohrohrzucker abermals auf und füllte ihn noch heiß in Bügelflaschen. Er taugt als Zutat für Grießbrei, Vanilleeis oder Sprudelwasser oder, wie in unserem Fall, für Kinderpunsch.
Die anderen trinken Glühwein tauschen Gartentipps.

Also ich gärtnere ja nur noch mit dem Mond“, sagt eine zierliche, junge Frau mit Zöpfen, die erst ein paar Monate Mitglied in unserem Verein ist.

Mit dem Mond ist besser als auf dem Mond“, kommentiert Frau B. und füllt Glühwein nach.

„Nein im Ernst“, die Bezopfte lässt sich nicht beirren,„ich hab hier diesen Kalender. Da steht alles drin.“ Sie schiebt ein buntes Kalenderheft auf den Tisch. Frau B. blättert interessiert darin herum.
Aha, sagt sie und liest vor: „11. Dezember; Kurz vor Neumond besser nicht säen oder pflanzen.“ Frau B. blickt sich vielsagend um und dann aus dem Fenster in den grauen Winterhimmel. Als ich zu schmunzeln beginne, triumphiert sie. „Ja, der braucht eine Weile. Nicht?“
Ich versuche zu beschwichtigen. „Wir können ja Mondkekse backen.“
„Ja, Mondkekse, Mondkekse“, rufen die Kinder.
„Dann kommt mal her ihr Rangen“, sagt Frau B. mütterlich.
Ich hatte schon am Vortag ein Kilo gesiebtes Mehl Typ 405 mit 600 g Margarineflocken, 300 g Rohrohrzucker, 200 g geriebenen Mandeln, 150 g geriebenen Haselnüssen, ein paar Spritzern Zitronenöl, dem Inneren von drei Vanilleschoten und einer Prise Salz zu einem Teig geknetet. Den Teig wickelte ich in Frischhaltefolie und stellte ihn kalt. Die Menge reicht für ungefähr vier Backbleche.
Frau B. unterweist die Kinder in der Herstellung kleiner Halbmonde. Ich lege derweil Backpapier auf die Bleche. Der Ofen ist bereits auf 190 °C vorgeheizt. Die Kekse werden bei dieser Temperatur zwischen 10 und 15 Minuten gebacken, bis sie eine leicht goldgelbe Farbe bekommen. Schließlich vermengen wir sechs Päckchen Vanillezucker und 300 g Puderzucker bestäuben damit die noch warmen Plätzchen. Frau B. blättert wieder im Mondkalender und liest vor: „31. Dezember; Mond am Knoten ist ungünstig für Saat und Pflanzung; Viel Glück und Freude im neuen Jahr!“

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8 Gedanken zu “Aroniasaft und Mondkekse

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