Balsamicozwiebeln, Feldsalat & Walnüsse

Ich weiß ja nicht wie es in den anderen Kleingartenanlagen so zugeht, bei uns ist jedenfalls gegenwärtig eine Art Hochbeet-Manie ausgebrochen. Allen voran unsere blondbezopfte Junggärtnerin, die nach dem Mondkalender gärtnert.
Auch meine Gartennachbarin Frau B. werkelte zusammen mit ihren Mann Hans-Georg und während er missmutig in einem Geviert aus Holzpaletten hantiert, wendet sie sich zu mir.

„Angeblich ist es ja gut für den Rücken.“

„Und deshalb rackert sich ihr Mann so ab?“

„Deshalb und wegen Rapunzel, aber Achtung da kommt sie ja schon.“

Die Junggärtnerin läuft mit schnellen Schritten auf uns zu. Den Spitznamen ‚Rapunzel‘ hat sie übrigens nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, wegen ihrer Zöpfe erhalten, sondern weil sie den halben Garten, inklusive der Hochbeete voller Feldsalat stehen hat.

„Na, wie geht es voran?“ fragt Rapunzel und reckt neugierig den Hals um einen Blick auf die Baustelle zu erhaschen. Im Hintergrund wimmert Hans-Georgs Akkuschrauber.

„Hans-Georg, du lässt aber schon eine Seite offen, damit wir die Füllung da bequem rein tragen können?“ Frau B. legt besorgt ihre Stirn in Falten.

„Zu spät“, brummt Herr B, “das grobe Zeug schmeißen wir per Hand von oben rein, und zum Schluss mach ich mit der Planke hier eine Rampe für die Schubkarre.“ Herr B. tänzelt auf einer mächtigen Baubohle herum.

„Vorsicht“, ruft Rapunzel, “sie verlieren noch das Übergewicht.“

„Schön wär’s ja“, grinst Frau B.

„Apropos“, sage ich, “wie wäre es mit einem Salat? Von meiner letzten Schalottenernte könnte ich Balsamico-Zwiebeln beisteuern.“

Ich hatte für je fünfhundert Gramm Schalotten zwei Esslöffel Rohrohrzucker in einem Topf karamellisieren lassen und mit zweihundertfünfzig Millilitern dunklem Balsamicoessig und fünfzig Millilitern Portwein abgelöscht. Nachdem der Zucker gelöst war, gab ich die geschälten und in Spalten geschnittenen Schalotten in den heißen Sud. Alles kurz aufgekocht, ins Schraubglas gefüllt und gestürzt. Wer die Zwiebeln frisch zubereiten möchte, sollte sie an einem kühlen Ort zwei bis drei Tage ziehen lassen.

„Was brauchen wir noch?“ fragt Rapunzel.

„Feldsalat!“  Frau B. verzieht keine Miene.

„Vierhundert Gramm“, sage ich.

„Und sie haben doch im vergangenen Herbst bestimmt wieder Walnüsse vom Baum am Vereinsheim gesammelt?“ wende ich mich wieder an meine Gartennachbarin. Wir schlendern zu ihrer Laube.

Frau B. bringt eine Baumwolltasche mit ihrer Beute. Wir knacken Nüsse, bis wir zirka einhundertfünfzig Gramm Kerne zusammen haben.

„Zu Hause würde ich die jetzt noch rösten.“

„Können wir doch hier auch.“ Frau B. nimmt ihre Kochplatte in Betrieb und stellt eine Pfanne darauf.

Mit einer Tasse voll gehacktem Schnittlauch, einem Esslöffel Senf, vier Esslöffeln Rapsöl, Pfeffer, Salz und ein wenig von dem Zwiebelsud rühre ich ein Dressing. Rapunzel bringt den Feldsalat, wir mischen die abgetropften Zwiebeln und die gerösteten Walnusskerne dazu und heben das Dressing unter. Frau B. schneidet ein paar dicke Scheiben Roggenbrot.

„Hm“, schnalzt Hans-Georg, nachdem er seine Portion in Windeseile verschlungen hat. „Das war ja ganz gut und was gibt es zu essen?“

Advertisements

12 Gedanken zu “Balsamicozwiebeln, Feldsalat & Walnüsse

    1. Vielen Dank. 🙂 Ich kann ja schon mal verraten, dass es in der nächsten Folge nochmal um Spitznamen und Walnüsse gehen wird. Ich hab allerdings versprochen, die Beiträge auf dem Blog erst zu veröffentlichen, wenn die Zeitungsversion erschienen ist. Zwischendurch werde ich ein paar Fragen zum Liebster-Award beantworten, zu dem mich Jana Ludolf nominiert hat. B.t.w. ich suche noch jemanden, den ich nun meinerseits nominieren kann. Hättest Du etwas dagegen? Ich weiß, du bist in den vergangenen acht Monaten schon zweimal nominiert gewesen. Aber vielleicht fallen mir ja ein paar neue Fragen ein 😉
      Liebe Grüße aus dem Garten

      Gefällt 1 Person

      1. Guten Abend,
        die Nominierungen sind raus. Anbei auch an dieser Stelle nocheinmal die Fragen:
        1.Welche Ziele verfolgst du mit deinem Blog?
        2. Welchen Film sollte man deiner Ansicht nach auf jeden Fall gesehen haben?
        3. Welchem der vier Temperamente würdest du dich zuordnen?
        4. Wenn du die Wahl hättest, wo würdest du gerne leben?
        5. Welches ist dein Lieblingstier und warum?
        6. Welches ist dein Lieblingsgemüse und warum?
        7. Welches ist dein Lieblingsobst und warum?
        8. Welche Musik hörst Du am häufigsten?
        9. Würdest du eher einen Nutzgarten oder einen Ziergarten anlegen?
        10. Feuer, Wasser, Erde, Luft – welchem Element würdest du dich zuordnen und warum?
        11. Hast du jemals einen Blogeintrag bereut, den du veröffentlich hast und wenn ja warum?

        Liebe Grüße aus dem Garten ❤

        Gefällt 1 Person

  1. Ein wirklich schöner Artikel. Ich habe ihn schmunzelnd gelesen… Danke dafür! Ja, ehrlich gesagt, habe ich auch einmal mit dem Gedanken an ein Hochbeet gespielt. Wegen der Schnecken… Leider fehlt mir so ein Hans-Georg, der Lust hat, eines zu bauen, weil ich da leider komplett unbegabt bin! Der Salat klingt lecker und in so einer netten Gemeinschaft entstanden, schmeckt er sicher gleich noch einmal so gut! Auch wenn arbeitende Männer wie besagter Hans Georg ihre verbrauchten Kalorien damit anscheinend nicht ganz auffüllen konnen 😉 . Liebe Grüße, Nessy von den happinessygirls.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s