Chicorée à la Pierre

Da unsere Kleingartenanlage recht groß ist, kommt es vor, dass neue Gärtnerinnen und Gärtner, die ihre Namen nicht schnell genug publik machen, von den Nachbarn einen Spitznamen erhalten. Schnell wird aus Eva Rapunzel oder aus Detlef Kojak. Ein Gärtner den alle Pierre nennen, heißt eigentlich Lutz. Er ist ein schlanker, hochgewachsener Mann mit blonden Locken und hellgrauen freundlichen Augen und erinnerte die Gartenfreunde wohl an Pierre Richard.

Pierre besitzt großes altes Glasgewächshaus. Darin legt er zur Winterzeit eine Sandmiete an, in der er neben Mohrrüben auch Chicorée-Wurzeln lagert. Aus den Blattachsen und Terminalknospen der Chicorée-Wurzeln treiben bis zum Frühjahr zirka 20 Zentimeter lange und bis zu 5 Zentimeter dicke Knospen.

Bei meinen Frühlingsspaziergängen durch unsere Anlage verweile ich gern an Pierres Zaun und betrachte das schöne Gewächshaus mit dem aus Ziegeln gemauerten Fundament und den lilienförmigen Firstspitzen. Ich hoffe, Pierre anzutreffen. Als es endlich geklappt hat, bedeutet er mir mit verschmitztem Grinsen, ihm ins Treibhaus zu folgen. Beim Eintreten zieht er den Kopf ein und weicht geschickt der hinter der Tür vom First baumelnden roten Petroleum-Laterne aus, bückt sich, nimmt einen Karton beiseite, bricht ein paar der Chicorée-Knospen aus und reicht sie mir.

„Salat mit Orange und Rosinen?“ fragt er.

Keine schlechte Idee, denke ich. Es ist wohl das bekannteste Chicorée-Salat-Rezept. Einfach einen Apfel und eine Apfelsine schälen, filetieren und in mundgerechte Happen schneiden, feingeschnittene Streifen von Chicorée-Knospenblättern, Nüsse und Rosinen dazugeben und je nach Laune Balsamico, ein Vinaigrette-Dressing oder einfach nur Zitronensaft darüber gießen – fertig.

„Wie wär es denn mit Grillen? Ich habe Walnussbrot gebacken.“ Pierre sieht mich fragend an.

Ich trete ins Freie.

„Hast du etwa auch Nüsse vom Baum am Vereinsheim gestohlen?“, frage ich mit gespielter Strenge.

Hinter mir scheppert es.

„Hoppla“, feixt Pierre, “nicht gestohlen nur gefunden.“

Er presst seine rechte Hand an die Stirn. Mit schief gehaltenem Kopf duckt er sich unter dem Türrahmen durch, bleibt prompt mit dem Fuß an der Schwelle hängen, stolpert und stößt mit mir zusammen.

Wir sammeln die Chicorée-Ernte wieder auf. Pierre heizt den Grill. Ich putze und wasche die Knospen, schneide die groben Strünke heraus und wir legen die Gemüseschiffchen zusammen mit Walnussbrotscheiben auf den Holzkohlegrill. Auf die gegrillten Brotscheiben legen wir auch Feldsalatblättchen und Schnittlauchspitzen.

Am Zaun schleicht Kojak vorbei, aber das ist eine andere Geschichte.

Und hier noch schnell das Rezept für Pierres Walnussbrot:

Ein Päckchen Trockenhefe mit 1 EL Zucker, 1 TL Salz, 2 EL Öl und 250 ml warmem Wasser vermengen. 400 g Mehl und 100 g Walnusskerne hinzufügen und alles zu einem Teig verarbeiten. Zugedeckt an einem warmen Ort ca. 1 Stunde gehen lassen.
Den Ofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Einen Laib formen und auf ein mit Backpapier bedecktes Blech setzen. Nach ca. 30 Minuten ist das Brot fertig.

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15 Gedanken zu “Chicorée à la Pierre

  1. Ich bin nicht neugierig … ich muss nur alles wissen … wie ging es nach dem Essen weiter?😏
    .
    .
    .
    Ich meine natürlich: Wer hat den Tisch abgeräumt und wer hat abgewaschen? 😆

    Schmunzelnde nächtliche Grüße aus dem Indian Summer …
    Gaby

    Gefällt 1 Person

  2. Das klingt ja total lecker! Ich liebe solche ,,einfachen“, Gerichte! Wenn man auch weiß, woher die Zutaten kommen, ist es umso schöner, wie dieser Chicorée aus dem Gewächshaus…Ich habe einen Rosmarin-Busch, der steht als „Deko-Büschchen“ neben dem Eingang unterm Dach. Er hat uns soviele leckere mediterrane Mahlzeiten beschert. Nur fehlem ihm mittlerweile soviele Nadeln, dass mir eine Schonfrist fair erscheint! Alles Liebe, Nessy von den happinessygirls

    Gefällt 1 Person

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