Five Shades of Green

„Wollen sie da nicht mal was machen?“ Meine Gartennachbarin Frau B. steht an dem Streifen Lavendelpflanzen, der die Grenze zwischen unseren Parzellen markiert, deutet in Richtung meiner Kompostecke und schüttelt sorgenvoll ihr karminrot gefärbtes Haupt.

Von meinen Kompostkisten aus, hat sich Giersch aufgemacht, die Beete zu erobern. Die ersten Salatpflänzchen stehen schon kurz vor der bedingungslosen Kapitulation. Fenchel und Liebstöckel halten zwar wacker dagegen, doch ganz unrecht hat Frau B. nicht. Der Lavendel zu ihren Füßen hat das winterliche Grau noch nicht ganz abgelegt, aber auf unseren Parzellen sprießt und grünt es an allen Ecken.

„Hm“, sage ich, “ich hol mal meine Grabegabel.“

„Wenn sie mich fragen“, sagt Frau B., „da hilft nur Chemie.“

Ich frage sie aber nicht, denke ich, fehlt nur noch, dass sie was von Salat und Suppe erzählt.

„Giersch taugt übrigens auch für Salat. Und Suppe können sie auch davon machen“, tönt es vom Lavendel her.

Prima, denke ich, eben noch Unkrautvernichter empfehlen und gleich danach das Salatbuffet. Ich weiß, es gibt kein wirklich wirksames Mittel gegen Giersch. Außer die Gärtnerin oder (wenn vorhanden) der Gärtner greift zu Hacke, Gabel oder Sauzahn. Ich grabe die Wurzeln aus. Das ist zwar eine ganz schöne Quälerei, aber was muss das muss, wie Frau B. immer sagt.

Salat oder Suppe aus den jungen Gierschblättern machen, ist eigentlich auch ein guter Rat. Allerdings nur für Leute, deren Gierschbestände kleiner als zwei Quadratmeter sind. Für alle anderen empfiehlt sich die Biotonne oder ein schwarzer Foliensack, in dem die Gierschpflanzen samt Wurzeln der Sonne ausgesetzt werden. Ich drehe dafür bei alten Säcken, in denen ich einst Rindenmulch kaufte, das Innere nach außen.

„Giersch taugt als Umschlag gegen Gicht und Rheuma oder kann als Tee antirheumatisch, entwässernd, entzündungshemmend, harnsäurelösend, harntreibend und verdauungsanregend wirken“, klugscheißere ich zur Nachbarin hin. Die schüttelt weiter ihren Kopf.

„Und beruhigend wirkt der Tee auch“, lege ich nach. Frau B. trollt sich in Richtung ihrer Laube.

Für alle die Giersch mit in die Küche nehmen wollen, hier noch meine Lieblingsrezepte:

Smoothie: Zwei bis drei Tassen Gierschblätter, zwei Bananen, zwei reife Birnen, 400 ml Wasser oder Eiswürfel in einem leistungsfähigen Mixer (mindestens 18000 Umdrehungen oder mehr) zubereiten.

Salat: Zwei bis drei Tassen Gierschblätter, jeweils die gleiche Menge Pflücksalat und Feldsalat, eine in kleine Stücken geschnittene Orange, drei Esslöffel zerstoßene Walnusskerne, zwei Esslöffel Sonnenblumenkerne, Bärlauchblätter nach Geschmack mit einem Olivenöl-Senf-Dressing anrichten.

Suppe: Eine kleine Zwiebel würfeln und in Olivenöl andünsten. 300 g Gierschblätter dazugeben und rühren, bis sie zusammenfallen. Je 300 g klein gewürfelte Karotten und Kartoffeln zugeben, mit Wasser auffüllen bis die Gemüsewürfel bedeckt sind und bei kleiner Hitze garen. Danach salzen, pfeffern und zusammen mit Bärlauchblättern pürieren. Als Dekoration eignen sich, wie auch beim Salat, Gänseblümchenblüten.

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30 Gedanken zu “Five Shades of Green

  1. Dein Unkraut hätte ich gerne:-)))) echt , ich finde das Zeug einfach super…Ich würde drum herum graben , ein bisschen Chemie rein tun und so eingrenzen, vernichten aber nicht. Gruß

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    1. Brennnessel, Vogelmiere, Löwenzahn, alles geht anstelle von Giersch oder damit zusammen. Später im Jahr auch Weinlaub, Brombeerblätter, Himbeerblätter. Bei der Melde finde ich interessant, dass es zum einen die Ackermelde (Chenopodium album) auch Weißer Gänsefuß genannt und zum anderen die Meldearten (Atriplex) gibt, die beide zur Gattung der Fuchsschwanzgewächse gehören und essbar sind. 🙂
      Botanische Grüße aus dem Garten 🙂

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  2. Letztes Jahr habe ich Giersch versucht soviel wie möglich zu essen, so von wegen den Feind zum Freund machen. Es ist zwar ein toller Vitaminspender, auf unserem Wochenmarkt kostet es zwanzig Euro das Kilo, aber irgendwie blieb es durch enorme Verbreitung, unbezwingbares Wurzelgewirr, Omnipräsenz in jeder Gartenecke, letztlich doch nur Unkraut. Gut, von mir aus Beikraut 😀 Meine Nachbarn habe ich auch zeitweilig überzeugt. Irgendwann konnten wir aber alle das Zeug nicht mehr sehen, geschweige denn schmecken. Der Smoothie klingt aber wirklich sehr interessant. Ein HOCH auf gute Rezepte und inspirierende Ideen!

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  3. Giersch schmeckt gut, besonders die zarten jungen Blättchen, und die großen Blätter kommen in den Grüntrunkmixer zusammen mit Kiwi und Banane.
    Gleichwohl habe ich gestern in meinem Garten auch den Giersch gerodet, mit Grabegabel, Krautstecher und viel Fingerspitzengefühl beim Herausklauben der Wurzelnetzwerke. Mein Garten ist einfach zu klein, um dem Giersch ein ungestörtes Wildwucherareal zu überlassen.
    Aber Giftchemie kommt mir KEINESWEGS in den Garten!!!
    Frühlingsgrüne Grüße von
    Ulrike 🙂

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      1. Ich liege faul mit Buch und kühlem Getränk inmitten meiner Wiese, überall Halme und Blumen, 50 Insektenarten bestäuben kostenlos alles – sogar mein Unkraut. Plötzlich schiebt Frau B. ihren Kopf zwischen Sonne und mich und sagt in diesem Tonfall, den ich mir sooooooo gut vorstellen kann: „Sie müssen da mal was machen!“

        Geht gar nicht. Ich hätte da immer ein Plätzchen frei, vermutlich beim zweiten Kompost oder so. Sozialpsychologische Grüße 😀

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  4. Ich mag diesen Beitrag total, würde ja gerne mal Giersch probieren … aber hier habe ich das noch nie zu Gesicht bekommen (vielleicht bin ich aber einfach nur blind und/oder unwissend 😉 ).
    Aber verrate mir mal bitte: was muss ich mir unter einem Sauzahn vorstellen???

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      1. Dankeschön – stell Dir vor: hatte ich bei meinem Onkel im Garten schon im Gebrauch … von mir liebe voll als „Dingens“ betitelt. Ich mag den Sauzahn lieber zum Arbeiten … wobei hab nur Löwenzähne damit gezogen.

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