Kalter Hund

„Muorjanee!“, höre ich meine Gartennachbarin Frau B. im Telefonhörer röcheln.

Vermutlich habe ich mich kurz zuvor auch nicht viel anders angehört, als mein Smartphon klingelte und Kojaks Nummer im Display prangte. An einem Sonntag vor Sonnenaufgang, darf man so klingen.

Die Nachricht, die Kojak zu übermitteln hatte, weckte allerdings umgehend alle Lebensgeister.

„Bei dir und deinen Gartennachbarn wurden die Lauben aufgebrochen. Hast du die Telefonnummern? Dann ruf die mal an. Polizei und Vorstand habe ich schon verständigt.“

Wenig später treffen wir uns in der Gartenanlage. Kojak hatte auf seinem Heimweg vom Nachtdienst offene Gartentüren bemerkt und wenig später auch die zerstörten Laubentüren und Laubenfenster entdeckt.

Schnell wird klar, dass die Schäden an den Gebäuden größer sind, als der Wert des erbeuteten Diebesgutes.

„Handwerker waren das jedenfalls keine.“, resümiert Bruce und stellt zufrieden fest, dass die Einbrecher bei ihm außer einer Flasche Wodka nichts entwendet haben. Alle Werkzeuge liegen noch im Regal.

„Gärtner waren es auch nicht.“, sage ich und zeige auf meine prall gefüllte Saatgutdose.

„Wer will Kaffee?“, ruft Frau B. und winkt mit einer Thermoskanne.

Mir war als Notfrühstück ein Naschwerk in die Hände gefallen, das ich eigentlich meiner Tochter schenken wollte.

Ich hatte 400 g Mehl, 170 g Margarine, 120 g Rohrohrzucker, acht EL Sojasahne und einem TL Salz zu einem Teig verrührt. Den Teigklumpen wickelte ich in Klarsichtfolie und stellte ihn kühl. Nach etwa zwei Stunden rollte ich ihn auf bemehlter Arbeitsfläche dünn aus und schnitt vier mal sechs Zentimeter große Kekse, die ich in den auf 180 °C vorgeheizten Backofen schob.

Ich schmolz vorsichtig 250 g Kokosfett und rührte 250 g Puderzucker, 125 g Kakaopulver hinein. Die Schokomasse darf nicht mehr zu flüssig sein, wenn sie in eine mit Alufolie, ausgekleidete Kastenform gegossen wird. Nach der ersten Schicht Schokomasse folgt eine Schicht von den Keksen und so fort bis die Form mit einer letzten Schicht Schokomasse gefüllt ist. Danach braucht die Süßigkeit einige Stunden im Kühlschrank.

Wir schlürfen Kaffee und naschen reihum aus der Backform. Die Männer sinnieren über Einbruchsabwehrstrategien. Eisenzacken auf den Eingangstüren, Scheinwerfer mit Bewegungsmeldern oder gar Kameras werden erwogen.

„Ein Wachhund wäre doch auch was.“, scherzt Bruce und zeigt auf Rapunzel, die mit einem kleinen schwarzbraunen Hund an der Leine auf uns zustrebt. Der Hund trägt ein weiß-grün kariertes Mäntelchen und zittert. Er stellt sich am Gartenzaun auf, lässt die braunen Flecken über seinen Augen tanzen und blickt flehend in alle Richtungen.

„Du hast einen Hund?“ frage ich.

„Nur zur Pflege, bis das Frauchen wieder aus dem Krankenhaus entlassen ist.“ Rapunzel erbarmt sich und nimmt den Kleinen auf den Arm.

„Oooch, wie alt ist der denn?“ will Frau B. wissen.

„Sieben!“

Frau B. runzelt ihre Stirn. „Sieben was? Wochen?“

„Nein“, lacht Rapunzel, „sieben Jahre.“

Frau B. winkt ab. „Na, dann wird das kein Dobermann mehr.“

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27 Gedanken zu “Kalter Hund

  1. Ich wunderte mich zu Anfang, was das Geschehen mit einem „kalten Hund“ (*yummie*) zu tun hat, aber das hat sich ja dann aufgeklärt 😉
    Zum Glück ist nichts weiter passiert. Schon eine Vermutung der Polizei, wer das war? Liest sich ja fast wie Beschaffungskriminalität eines Alkoholikers.
    Eine ruhige Woche wünscht mit herzlichen Grüßen
    Gaby

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  2. Ich muss immer lachen, wenn du von Lauben schreibst. In Österreich ist eine Laube
    eine Holz- oder Metallkonstruktion über die Pflanzen ranken, Rosen oder wilder Wein zB. und darunter steht da ein Tisch mit einer Bank und Sesseln (=Stühlen) 🙂
    Was für dich eine Laube ist, heißt bei uns Kleingartenhaus …..

    Gefällt 1 Person

  3. Herrlich und schön, daß du bei der Sache deinen Humor behälst. Jetzt weiß ich, wozu eine Flasche Wodka gut ist 😉 Der kalte Hund ist auch klasse (lange Leitung) und auch dein spontaner Übergang zum Naschwerk ist wieder mal grandios 🙂 Der Kuchen klingt beinahe so wie „Radiokuchen“. So nannten wir das bei uns zu Hause, diesen Schokoschichtkuchen. Erfreute Grüße vom Drinnen-Balkon

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      1. Familienintern ?? Aber kann auch sein, daß er früher mancherorts so hieß (hab sowas auch im Web gefunden). Erinnert so an die alten Radios mit den Streifen. Die Röhrenradios oder auch die Lautsprecher. – Lustigerweise hatte ich gestern abend vor dem Kühlschrank eine weitere Erleuchtung wegen deines Kalten Hundes und das, nachdem ich dachte, ich hätte es verstanden !! Das war keine lange Leitung, das war schon eine Pipeline 😉 Erschütterte Grüße aus der Küche 😉

        Gefällt 2 Personen

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