Ragout fin vom Baumhuhn

Ein Wort Voraus:

Die folgende Geschichte wurde inspiriert durch einen Beitrag der Bloggerin Iris Blitz auf ihrem wunderbaren Blog: Durantis

Vielen herzlichen Dank, liebe Iris, auch für die zahlreichen anderen Anregungen.

Meine Gartennachbarin Frau B. steht mit ihrem Mann Hans-Georg und Bruce an meinem Zaun. „Sag mal“, Frau B. stupst Bruce an, „als Vorstandsmitglied kennst du dich doch jetzt aus. Ist Kleintierhaltung auf den Parzellen nun erlaubt, oder nicht?“

„Wie kommst du darauf?“ Brunce runzelt seine Brauen.

„Na“, fährt Frau B. fort, „der Pierre hat doch jetzt ein Baumhuhn.“

„Aber das ist doch gar kein ri…“, versucht Hans-Georg einzuwenden, wird aber von seiner Frau unterbrochen: „Lass doch Bruce mal erzählen, Hans-Georg.“

„Wo hat Pierre denn das Baumhuhn?“

„Na an dem alten Stubben.“

„Am Aprikosenstubben? Den sollte er doch längst rausmachen.“

„Pierre sagt, das macht das Baumhuhn für ihn.“

„Ein Huhn das Stubben rodet?“ Bruce kratzt sich ungläubig am Hinterkopf. „Und das ist nur ein Huhn?“

„Soweit ich weiß“, grinst Frau B. listig.

„Eigentlich dürfen keine Tiere auf der Parzelle gehalten werden.“ Stellt Bruce ernst fest.

„Ich möchte auch so ein Huhn.“ Frau B. sieht Bruce verschmitzt an.

„Das ist es eben. Mit einem Huhn fängt es an und zuletzt hat einer ein Pony auf der Wiese stehen.“ Bruce gibt sich unversöhnlich.

„Ein Huhn?“, Hans-Georg schüttelt seinen Kopf. „Wir haben ja nicht mal Stubben und überhaupt, ein einzelnes Huhn, das ist doch gar nicht artgerecht. Karo-Tina was sagst du?“

„Hühner fühlen sich nur in Gruppen wohl.“ Obwohl mir die Sache seltsam vorkommt, spiele ich mit.

„Und sie brauchen einen Hahn“, fügt Frau B. hinzu.

„Wenn die Hühner Stubben roden, was macht dann der Hahn? Ortbeton raushacken, vielleicht“, sinniert Hans-Georg.

Allmählich dämmert Bruce, dass Familie B. ihn auf den Holzweg führen will. „Ihr bindet mir doch einen Bären auf“, schnaubt er.

„Nein, ein Baumhuhn“ prustet Hans-Georg los. „An Pierres Aprikosenstubben wächst ein Schwefelporling und dieser essbare Pilz wird Baumhuhn genannt, weil er angeblich wie Huhn schmeckt.“

„Dann ist es ja gut“, Bruce wirkt erleichtert und fragt mich: „Hast du sowas schon mal zubereitet?“

„Das käme auf einen Versuch an.“

Ich werde Pierre 500 g Baumhuhn abschwatzen, vorzugsweise die jüngsten Randpartien denn die älteren Pilzteile sind angeblich ungeniessbar. Dann nehme ich eine geschälte Zwiebel pinne mit drei Nelken ein großes Lorbeerblatt daran fest und koche sie in einem Liter Wasser zusammen mit den Pilzstücken und 8 Pefferkörnern. Nach zirka 15 Minuten fische ich die Pilzstücken zum Abkühlen heraus und gieße einen 3/4 Liter der Brühe durch ein Sieb. In 50 g Margarine schwitze ich 50 g Mehl an und rühre mit dem Schneebesen zunächst die Brühe und dann 200 ml Sojasahne ein. Die Sauce schmecke ich mit Zucker, Pfeffer, Salz, Weißwein, Zitronensaft und Worcestershiresauce ab. Dann brate ich 200 g in Scheiben geschnittene Champignons zusammen mit zwei geschälten und gewürfelten Schalotten in wenig Rapsöl an. Die Schwefelporlingstücke werden nun auch in kleine Würfel geschnitten und zusammen mit den Champignons unter die Sauce gehoben. Zu guter Letzt wird das Ragout in Blätterteigpasteten gefüllt und im Ofen bei 175 °C Umluft gebacken.

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31 Gedanken zu “Ragout fin vom Baumhuhn

  1. Tolle Geschichte! Ich musste so lachen beim Lesen und dachte die ganze Zeit: „Wie kommt das Huhn vom Nachbarn denn jetzt in ihren Kochtopf?“ – und musste noch mehr lachen, als sich herausstellte,d dass ein Baumhuhn ein PILZ ist! Was ich aus diesem Beitrag nicht alles gelernt habe! Wunderbar! Danke schön!!

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