Eiersalat ohne Eier

„Ach Bruno“, schluchzt mein Fräulein Tochter, „du bist der einzige Mann, der mich versteht. Bruno, der Promenadenmischling, stupst mit seiner Pfote dem Fräulein Tochter ans Knie.

„Bruunooo!“ Meine Gartennachbarin Frau B. betritt, auf der Suche nach dem Hund ihrer Schwester Moni, meine Parzelle.

An den Osterfeiertagen ist viel los in der Gartenanlage. Die Kinder suchen bunte Eier und allerlei Naschwerk. Die Erwachsenen halten aufmerksam Ausschau nach kleinen Schnapsflaschen, die der Vorstandsosterhase in die Bäume gehängt hat. Hans-Georg B. hat ein Fläschchen Apfelkorn erspäht, reckt sich, erreicht es mit einiger Mühe und zieht es, mitsamt dem Zweig, an dem es hängt, herunter. „Unser Osterhase kann aber hoch springen“, kommentiert er. Dann fällt sein Blick auf meine Tochter Jasmin und er fragt sie: „Bist du erkältet?“

Jasmin schnäuzt sich und schüttelt ihren Kopf.

„Heuschnupfen?“

„Männer“, stöhnt Frau B. „Das Mädchen hat Liebeskummer, das sieht man doch.“ Bruno bellt. „Ja, nicht? Brunolein! Du kriegst so was mit.“

„Der kriegt nur mit, dass da Knabberkram auf dem Gartentisch steht“, knurrt Hans-Georg B. und kippt seinen Apfelkorn.

„Der Herr Philosoph geht für ein halbes Jahr nach Berlin, um dort das Prinzip der essbaren Stadt zu studieren“, erkläre ich.

„Na das ist doch kein Grund zu heulen.“ Hans-Georg B. winkt ab. „Ich würde das ein halbes Jahr sturmfrei nennen.“

Jasmin zieht ein neues Taschentuch aus der Packung und seufzt.

„Wer will Eiersalat?“, frage ich.

Jasmin rafft sich auf und sagt vorwurfsvoll: „Mama, ich esse schon so lange vegan, da könntest du dir ruhig mal merken, dass ich keine Eier esse.“

„Weiß ich doch, das ist ja auch ein Eiersalat ohne Eier“, entgegne ich.

„Was kommt als Nächstes“, stöhnt Hans-Georg, „Schnapspralinen ohne Schnaps?“

Meine Gartennachbarin knufft ihren Mann. Ich bereite schnell ein paar Eiersalatschnittchen mit Pumpernickel.

„Das schmeckt ja wirklich nach Eiern“ schmatzt Hans-Georg.

„Das liegt an den Kichererbsen und dem Kala Namak“, kläre ich auf.

„Kala was?“

„Namak, Kala Namak!“

„Ich kenn nur Salam alaikum“, stellt mein Gartennachbar kauend fest.

„Salami kennst Du vielleicht“, rügt Frau B. ihren Gatten. „Salam alaikum, so ein Quatschkopf.“

„Kala Namak ist ein schwefelhaltiges schwarzes Salz“, näselt das Fräulein Tochter und schnäuzt sich erneut.

„Was ist in dem Salat sonst noch drin?“, will Frau B. wissen.

Ich zähle auf: „Für zwölf Portionen koche ich 150 g Spirelli in Salzwasser bissfest und hacke sie grob. 320 g gekochte Kichererbsen püriere ich zusammen mit einem gestrichenen Teelöffel Kurkuma. Zwei mittelgroße Zwiebeln (zirka 120 g) schneide ich in feine Würfel. Eine Hand voll Schnittlauch schneide ich in feine Röllchen und vermische alle Zutaten mit 220 g veganer Mayonnaise, Salzen, Pfeffern, fertig. Die Mayo bereite ich nach folgendem Rezept: 100 ml Sojamilch mit einem Teelöffel Senf und mit einem Esslöffel weißem Balsamicoessig in einem hohen, schmalen Behälter mixen und unter ständigem Rühren 150 bis 200 ml Rapsöl zufügen.“

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25 Gedanken zu “Eiersalat ohne Eier

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