Spinatstrudel mit Kürbis

„Was ist denn da schon wieder los?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beugt sich über ihren Kompost und späht über die rückwärtige Grenze unserer Gärten hinüber zum nächsten Vereinsweg. Vor der Parzelle eines sehr alten Gartenfreundes haben sich der alte Vorsitzende, Bruce, Pierre, Kojak und einige andere Kleingärtner eingefunden.

„Los Karo, wir gehen da auch mal rüber“, ordnet Frau B. an und ich folge neugierig.

Bruce und Kojak gestikulieren in Richtung des pittoresken Gartenhäuschens.

„Für die einen ist es ein historisches Bauwerk und für die anderen die wahrscheinlich längste Holzwurmfarm der Anlage“, höre ich Kojak sagen.

„Die Wertermittler haben der Bude eine Standzeitverlängerung von drei Jahren zugebilligt“, wendet Bruce ein.

Meine Gartennachbarin deutet auf die Parzelle und fragt: „Hat der etwa aufgehört?“
Pierre grinst: „So kann man das auch sagen.“

Bruce zeigt nach oben: „Der gärtnert nun woanders und wir werden hier jetzt erst mal aufräumen, bevor die Parzelle neu verpachtet wird.“

Wir betreten den leicht verwahrlosten Garten. Bruce öffnet das Gartenhaus. Die Männer beginnen, die Einrichtungsgegenstände zu sortieren. „Seht mal, was ich gefunden habe!“ Kojak wuchtet einen Plastiksack aus dem Abstellraum.

„VEB Leuna-Werke Walter Ulbricht“, liest Pierre vor. „Hier ist noch mehr.“ Bruce nimmt eine Halbliterflasche mit Bi 58 aus einem Regal.

VEB_Leuna_Werke

Es folgen ein Blechkanister mit der Aufschrift: „Holzschutz – bienengefährlich“ und mehrere Säcke mit verblichenen Etiketten.

„Das wird ein Fall für die Schadstoffannahmestelle“, brummt Bruce.
Frau B. und ich sehen uns im Garten um.

„Na, brauchst Du Spinat?“ Meine Gartennachbarin deutet auf ein sehr großes Beet mit Spinatpflanzen, die ganz offensichtlich gut über den Winter gekommen waren. Ich deute auf die Chemikaliensammlung vor der Laube und sage: „Nicht aus diesem Garten.“

„Oder den hier“, Frau B. zeigt auf einen Hokkaidokürbis, der im oberen Mulm des Kompostbehälters halb versunken und offensichtlich nicht mehr zu gebrauchen ist.

Ich lehne ab. „Nee, lass mal, habe ich alles noch selbst. Aber gute Idee.“

Zu Hause bereite ich aus 250 Gramm Mehl, einer Prise Salz, einer Tasse Wasser und zwei Esslöffel Rapsöl einen Strudelteig und stelle ihn beiseite.

Für die Füllung gare ich 400 Gramm Hokkaidokürbisfleisch in 50 Milliliter Apfelsaft zirka fünf Minuten, quetsche es mit einer Gabel zu Püree und schmecke mit Pfeffer, Salz und Muskat ab. Eine Zwiebel und eine Knoblauchzehe schälen und hacken. 100 Gramm Räuchertofu mit einer Gabel zerdrücken und mit wenig Rapsöl in einer Pfanne goldgelb rösten. Dann die Zwiebel und die Knoblauchzehe mit braten. 250 Gramm Blattspinat klein schneiden, ebenfalls in die Pfanne geben und mit Pfeffer, Salz, Muskatnuss und Paprikapulver abschmecken.
Ich heize den Backofen auf 220 °C Ober- und Unterhitze vor und rolle den Strudelteig auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech aus. Zunächst die Kürbismasse aufstreichen, danach die Spinatfüllung darüber verteilen, den Strudel einrollen, mit zwei bis drei Esslöffel Sojasahne bestreichen und zirka 20 Minuten backen.

24 Gedanken zu “Spinatstrudel mit Kürbis

  1. Ah komm, nicht so anstellen wg dem bisschen Chemie. Haben unsere Eltern doch früher alle verwendet – und wir leben noch 😉 (zwar mit mehr oder weniger Dachschaden, aber das hat bestimmt andere Ursachen *grins*).
    Schönes Rezept und Danke fürs Erinnern, dass ich meinen Garten ja noch loswerden muss 🙈.
    LG Andrea

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  2. Interessante Gartenfunde 😉 Bei dem Inhalt der Hütte hätte ich auch auf das Gemüse verzichtet! Bei dir klingt das immer so leicht. Ich würde da bestimmt ne Ewigkeit dran rumbasteln, besonders am Strudelteig 🙂 Beeindruckte Grüße vom Balkon

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  3. Bi 58 kenne ich auch noch. 😉
    Wer weiß, was man so alles findet, wenn man die Gerätehuschen und Garagen inspizierte.
    Ich habe ein paar Lackdosen mit getrockneten Resten im Keller stehen, die zum Sondermüll gehören. Angeblich gibt es in unserem Landkreis ein Schadstoffmobil, das solche Abfälle abholt. Blöd ist nur, dass man das nicht wie den Sperr- oder Elektromüll im Netz oder per Postkarte bestellen kann. Nein, das Schadstoffmobil fährt eine Route ab. Und die ist weit weg von meinem kleinen Kaff und Termine kriegt man auch nicht raus (ich müsste mich mal intensiver bemühen). Und die Annahmestelle, die auch ohne Anmeldung Sperr- und Elektromüll sowie Schadstoffe in haushaltsüblichen Mengen annimmt, liegt am anderen Ende des Kreises. Da komme ich nun überhaupt nicht hin (ohne mir einen Tag frei nehmen zu müssen). LG Paninero

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      1. Stimmt, das könnte ich meinem Nachbarn aufhalsen. Er ist schon Altersrentner, seine Frau arbeitet noch halbtags und meint, er würde eh zu viel am Rechner spielen. 😉 Damit ist er einen Vormittag beschäftigt. Die Recycling-Station befindet sich nämlich am anderen Ende des Kreises, ca. 35-40 km entfernt.

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    1. Nun ja, wie schon an anderer Stelle erwähnt, sind die Rezepte in diesem Blog nicht alle selbst entwickelt, sondern so, oder so ähnlich auch an anderen Stellen im Internet zu finden. Aber trotzdem Danke.
      😀🌻😎

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