Deftiger Kohlrabi-Eintopf

„Die jungen Leute können alle kein Gartenhaus mehr bauen.“

Mein Gartennachbar Hans-Georg B. deutet auf eine Bauruine, die in unserer Gartenanlage nur „das Hochhaus“ genannt wird. Ein Junggärtner hatte das undichte Pultdach einer Laube abgerissen und bevor er die neuen Sparren auflegte, einen Ring aus alten Fenstern eingebaut.

Hochhauslaube_klein

Dabei unterliefen ihm einige Fehler, die dazu führten, dass er das neue Dach wenig später mit Planen abdecken musste. Gespannt warteten die anderen Gärtner auf die Fortsetzung des Baugeschehens. Doch der Wind zerriss die erste Plane, wenig später die zweite und bald auch Plane Nummer drei.

Da der verhinderte Gartenhausarchitekt auch keinen nennenswerten Obst- und Gemüseanbau realisierte, wurde er vom Vorstand gekündigt. Der nächste Bauherr installierte zunächst eine massive LKW-Plane.

„Na, habt ihr da einen Neuen?“ fragt Hans-Georg unseren stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Bruce, der grade des Weges kommt.

„Hm“, brummt Bruce, kratzt sich am Kopf und schaut nachdenklich auf das Planenungetüm, das wie ein auf einer Streuobstwiese liegengebliebener 40-Tonner wirkt.

„Nach hoffentlich renkt der sich nicht auch beim Arschabwischen den Daumen aus.“

„Hans-Georg“, tadelt meine Gartennachbarin Frau B. ihren Gatten und fügt hinzu: “Ihr müsst den jungen Lauten auch mal was zutrauen.“

„Mach ich doch“, grollt Hans-Georg, „denen trau ich alles zu.“

„Ich hab schon Hilfe angeboten, aber er meint, er kriegt das allein hin.“ Bruce wendet sich seinem Garten zu.

„Dann sollen die Neuen eben nur noch diese Baumarkthütten zusammenstecken. Dafür wird es ja wohl noch reichen. So kann das jedenfalls nicht bleiben“ murrt Hans-Georg.

„Da sind wir uns einig. Wenigsten gärtnert der Neue“, sage ich und zeige auf einige Mangold- und Grünkohlpflanzen.

„Ist der Kohlrabi noch vom letzten Jahr?“, fragt Frau B., zeigt auf das Frühbeet und zieht sich fröstelnd ihre Strickjacke enger um die Schultern.

„Na im Winter ist der sicher nicht gewachsen“ spottet Hans-Georg.

„Habt ihr es denn noch nicht gelesen?“ frage ich. „Kohlrabi funktioniert angeblich im Frühbeet als Wintergemüse. Selbst wenn er durchgefroren war, wird er wieder knackig.“

„Na, wer’s glaubt.“ Hans-Georg winkt ab.

Ich gehe in meinen Garten und hole Kohlrabi aus meinem Gewächshaus und Kartoffeln, Sellerie und Möhren aus der Miete.

Nachdem ich das Gemüse geputzt und geschält habe, setze ich einen Topf mit einem Liter Wasser auf. Zuerst gebe ich 200 Gramm feingewürfelten Knollensellerie hinein, dann 500 Gramm Kartoffelwürfel und 250 Gramm gestiftelte Möhren. Einen halben Teelöffel Salz dazu und zehn Minuten kochen lassen. Danach gebe ich zirka zwei Kilo kleine Kohlrabiwürfel zur Suppe und lasse das Ganze weitere zehn Minuten kochen.
Aus einem Esslöffel Mehl und einer Flocke Margarine bereite ich in einem kleinen Tiegel eine helle Mehlschwitze, die ich zum Binden unter die Suppe ziehe. Danach schmecke ich mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss ab. Zu guter Letzt zupfe ich frischen Feldsalat und verteile ihn über den Portionen.

13 Gedanken zu “Deftiger Kohlrabi-Eintopf

  1. Ich bin ja etwa der drittunfähigste Handwerker des Planeten. Aber wenigstens weiß ich es. Was eine Bauruine!
    »Ich traue denen alles zu.« Made my day 😀

    Und dann noch Kohlrabi. Omnomnom. Wobei ich die klassiche Variante im weißen Sößchen bevorzuge 🙂

    Gefällt 1 Person

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