Kartoffelkäfersuppe und Bienenstich

Ich blinzle in die Sonne. Im Nachbargarten hühnern Hans-Georg B. und seine Frau durch ihre Kartoffelreihen. Sie suchen, soweit ich das von meinem Liegestuhl aus erkennen kann, Kartoffelkäfer.
„Sammelt ihr Käfer ab?“
„Ja“, knurrt meine Gartennachbarin mürrisch, „und nein, wir kommen nicht, um bei dir weiterzumachen.“
„Ich hab doch gar nichts gesagt“, flöte ich unschuldig.
„Das reicht, wenn ich sehe, wie du guckst.“ Meine Gartennachbarin drückt ihr Kreuz durch.
Kipirr, schellt es an meinem Gartentor. Mein Fräulein Tochter kommt herein.
„Kartoffelkäfer?“ fragt sie.
Meine Gartennachbarin holt tief Luft, doch bevor sie etwas sagen kann, zeigt ihr Gatte ein kleines Eimerchen vor und mein Fräulein Tochter sieht hinein.
„Kartoffelkäfersuppe“ kommentiert er.
„Iihiehh!“
„Insekten sind ein erstklassiger Proteinlieferant“, doziert Hans-Georg.
„Aber ich esse ja gar keine tierischen Produkte. Also auch keine Kartoffelkäfer.“ Das Fräulein Tochter rümpft die Nase.
„Kartoffelkäfersuppe?“ überlege ich, „Ich glaube, ich habe im Internet mal ein Rezept dafür gelesen.“
„Im Internet steht auch, dass die Erde eine Scheibe ist“, moniert meine Tochter schnippisch.
„Ich würde so was auch nicht essen wollen.“ Frau B. verzieht angewidert das Gesicht.
Ihr Gatte hat sein Eimerchen abgestellt und schlägt in die Luft.
„Was ist los?“
„Eine flotte Biene. Ich weiß auch nicht, was die hat.“
Hans-Georg B. geht ein paar Schritte auf und ab. Das Insekt folgt ihm beharrlich. Immer wieder fliegt es gegen den Kopf des Gärtners.
„Jetzt hat die mich tatsächlich gestochen.“
Frau B. holt eine Zwiebel aus dem Beet, zerschneidet diese und drückt eine Zwiebelhälfte auf die Einstichstelle am Hals ihres Mannes.
„Zum Glück bin ich nicht allergisch“, konstatiert dieser grimmig.
„Bienenstich könnte ich auch mal wieder backen“, sinniert mein Fräulein Tochter halblaut und wenig diplomatisch.
„Bienenstich? Gibt es da ein veganes Rezept?“
„Natürlich! Im Internet!“
„Ach?“
„Ja, ja. Manchmal stehen da auch gute Sachen drin. Hier zum Beispiel: 250 Gramm Mehl, eine halbe Packung Trockenhefe, zwei Esslöffel Wasser, 35 Gramm Zucker und 125 Milliliter Mandelmilch zusammenrühren. Nach fünf Minuten ein halbes Tütchen Backpulver, ein Esslöffel Sojamehl, 35 Gramm Margarine und eine Prise Salz dazu rühren. Den Hefeteig kneten, eine halbe Stunde gehen lassen, dann auf eine 26er Springform ziehen und an einem warmen Ort nochmals gehen lassen.
5 Esslöffel Mandelmilch, 15 Gramm Vanillezucker, 75 Gramm Margarine, 100 Gramm Zucker in einem Tiegel unter Rühren erhitzen und sobald das Gemisch leicht aufbrodelt von der Herdplatte ziehen und 125 Gramm gehobelte Mandeln unterheben.
Diese Mandelmischung wird nun auf dem Teig verteilt und dieser bei 180 Grad Celsius Umluft zirka 20 Minuten auf mittlerer Schiene gebacken.
Einem halben Liter Mandelmilch mit zwei Päckchen Vanille-Puddingpulver a. 37 Gramm aufkochen, 50 Gramm Margarine und 20 Gramm Puderzucker dazu rühren und abkühlen lassen.
Sobald der Kuchen abgekühlt ist, wird er mit einem großen Messer in Boden und Deckel geteilt. Dann wird der Pudding auf dem Boden verteilt und der Deckel wieder aufgesetzt.

20 Gedanken zu “Kartoffelkäfersuppe und Bienenstich

  1. Ich hab die früher immer mit meinem Opa zusammen angesammelt und hatte ein riesen Spaß dabei. Besonders die orangenen Eier auf der Blattrückseite darf man nicht übersehen!! Aber ein bisschen schlucken musste ich schon bei dem Beitragsbild für ein Rezept…
    Danke für die Erinnerung 🙂

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  2. Bin kein großer Kuchenesser und allergisch gegen Bienenstiche, echt. Im Internet habe ich gelesen, dass nach dem letzten Krieg in Deutschland Maikäfersuppe verzehrt wurde, zur Sättigung und als Eiweißlieferant, kostete sicherlich Überwindung in unserer Essenskultur. Vor gut einem Monat habe ich mich gefragt, ob hunderte von Engerlingen, ausgegraben unter welkenden Pflanzen, nicht als Crevettenersatz herhalten könnten, habe den Gedanken dann doch verworfen. Lieber Bienenstich in der süßen Variante.

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  3. Echt, das wusste ich gar nicht. Glücklicherweise haben wir nur Kartoffeln und keine Käfer… oder vielleicht doch und ich habe sie nur nicht gesehen? Wie merkt man das denn? Krabbeln die einfach übers Kartoffelfeld? Bei uns in Dänemark sagt man, man bekommt keine, wenn man alle 4 Jahre die Anbaustelle für Kartoffeln wechselt. Aber Erfahrung habe ich damit nicht. Wenn Ihr die jetzt alle abgesammelt habt, was macht ihr dann mit denen?
    Das Bienenstich-Rezept war interessant und lecker. Danke..

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    1. Gerne. Freut mich, dass es geklappt hat. Die Kartoffelkäfer sind seit zwei Jahren in unsere Gärten wieder Thema. Der Flächenwechsel hilft nur bedingt, weil die Gärten insgesamt zu klein sind. Die Käfer sind zum Glück meist oben auf den Kartoffelpflanzen und lassen sich gut absammeln. Wichtig ist dabei auch gleich die gelben Gelege an den Blattunterseiten zu entfernen. Wenn sich erstmal die dunkelroten Larven entwickelt haben, wird die Sammelei unangenehmer, denn die sitzen gern mal zwischen Stängel und Blattstiel. In diesem Jahr haben wir die Lage besser im Griff als 2019. Da hatte auch noch ein Hagelschlag die Kartoffeln verwüstet.
      Erfolgreiche Grüße aus dem Garten 😊

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      1. Da hast du sicher recht. Mein Mann meinnte auch, dass es vermutlich ein Problem mit der Grösse der Gärten sei. Danked für deine guten Tipps. SDollte ich mal welche finden, wird mir das sicher helfen. Aber weisst du, worum ic h mir gerade Sorgen mache? Es hat in den letzten 2 Woche recht viel geregnet. Ich hab Angstr, dass die Kartoffeln verfaulen.

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      2. Die Braunfäule kommt ja meist gegen Ende der Saison. Die Kernfäule ist sehr sortenabhängig und schlägt meist zu, wenn zuviel Stickstoff im Boden ist. Außerdem kommt es noch auf die Bodenbeschaffenheit an. Bei sandigen Böden gibt es keine Staunässe. Schwerere Böden würde ich nochmal grubbern oder hacken.

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      3. Du weisst ja wirklich sehr viel darüber! Hast du schon lange Kartoffeln? Wir haben sehr unterschiedliche Bodenqualität, je nachdem, wo im Garten du gräbst. Staunässe habe ich auf manchen Beeten wie es scheint. Kann man dann das Gemüse noch essen?

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      4. Moos ist oft auch wegen Schattenlagen. Das macht am Gemüse nix. Oft ist das auch ehe so eine Art Algenbelag, wie sie auch im Gewächshaus vorkommen kann. Rüben werden ja eh geschält. Solange das Fruchtfleisch gesund aussieht würde ich das Gemüse essen. Probleme gibt es meist nur mit schwarzen bzw. grauen oder braunen Pilzbelägen. Da kann auch das Fruchtfleisch von den Pilzgiften kontaminiert sein, obwohl es noch gut aussieht. Je geringer die Größe und der Zuckeranteil einer Frucht, desto eher sollte sie bei Schimmelpilzbefall weggeworfen werden.

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      5. Danke für deine klugen Worte.
        Am Gemüse ist bei uns nichts, aber auf der Erde im Beet sind scharze Flecken und Moos. Schattenlage ist bei manchen Beeten sicher mit eine Ursache, aber ich habe sowas auch im Fenster im Wohnzimmer bei manchen Pflanzen gefunden, die ich da stehen haben und ich habe ich gerade Kräuter in Töpfen im Supermarkt gekauft und da war das auch so. Kennst Du das auch?

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      6. Hm, ohne Bilder sind Ferndiagnosen immer noch schwieriger. Die schwarzen Flecken sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Pilze. An Pflanzen können das schwarzer Schimmel oder auch Rußtaupilze sein. Auf dem Boden sind es wahrscheinlich andere Pilze. Vielleicht hilft das Internet weiter, da gibt es ganz gute Pilzbestimmungsseiten.

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