Fenchel-Aprikosen-Gemüse mit Kichererbsenreis

Der Freund meiner Tochter Jasmin hockt im Garten vor einem großen Stein und hält in der Hand einen kleineren Stein.
„Klopf, klopf“, rufe ich über den Zaun. „Was treibst du da?“
„Ich versuche Aprikosensteine zu knacken, um an die Kerne zu gelangen.“
„Wie in der Steinzeit?“
„Hm, experimentelle Archäologie gewissermaßen.“
„Unfug“, ruft das Fräulein Tochter unter dem Vordach der Laube hervor, „der Nussknacker ist zu groß für die kleinen Dinger. Wir brauchen nur sechs Esslöffel Aprikosenkerne“, beschwichtigt Jasmin und winkt mich zu sich.
„Ein Glück, dass wir kein Persipan machen wollen“, stellt der experimentierende Archäologe fest.
„Persipan?“, frage ich.
„Das ist das Marzipan der armen Leute. Wenn keine Mandeln zur Verfügung standen, wurden als Ersatz Aprikosen- oder Pfirsichkerne verarbeitet. Dabei dürfen nur Kultursorten verwendet werden, denn die Kerne der Wildsorten enthalten zu viel Blausäure und schmecken bitter.“
„Wir haben ja eine Kultursorte“, sagt Jasmin und winkt erneut.
Unter dem Vordach zeigt sie mir einen Zettel mit einem Rezept.
60 Gramm Kichererbsen in kaltem Wasser einweichen und am nächsten Tag mit ungesalzenem Wasser gar kochen. 150 Gramm Reis in Gemüsebrühe kochen und dann mit je einem Teelöffel Kurkuma- und Korianderpulver mischen. Zwei Esslöffel Olivenöl erhitzen und darin eine geschälte und gehackte Zwiebel glasig dünsten. Die Zwiebel mit 20 Gramm gehackter, glatter Petersilie und je fünf Gramm gehacktem Koriandergrün und Minze zusammen den Kichererbsen und dem Saft einer Zitrone ebenfalls unter den Reis heben.
500 Gramm Knollenfenchel längs halbieren und in feine Streifen hobeln und in sechs Esslöffel Rapsöl mit zwei Teelöffel Kümmel für 30 Minuten marinieren. Bei acht Aprikosen das Fruchtfleisch vom Stein lösen. Die Steine knacken und die Kerne herauslösen und mit weiteren sechs Esslöffel Aprikosenkernen in einer Pfanne ohne Fett rösten. Sechs Esslöffel Zucker in einem Topf schmelzen lassen, die geviertelten Aprikosen und fünf Esslöffel Wasser hinzugeben kurz schwenken mit einem Teelöffel Kreuzkümmel, einer kleinen getrockneten Chilischote und je einer Prise Nelkenpulver, Anis, Zimt, schwarzem Pfeffer und Muskat würzen und zur Seite stellen. Pfanne abermals erhitzen und Fenchel mit der Marinade goldbraun anbraten.
Mit Salz abschmecken, Fenchel mit den Aprikosen und den Aprikosenkernen mischen und auf dem Reis anrichten.
„Da krieg ich ja beim Lesen Appetit.“
„Ja, nicht wahr?“ Das Fräulein Tochter strahlt. „Die Aprikosen haben wir übrigens von Bruce bekommen. Sein alter Baum trägt ganz gut. Unserer dagegen sieht eher traurig aus.“ Jasmin deutet auf einen jungen Aprikosenbaum, der einige verdorrte Äste hat. Irgendwas machen wir falsch.“
„Das könnte Apoplexie sein. Die trifft oft Bäume zwischen dem dritten und dem siebenten Standjahr. Erste Anzeichen sind, wenn nach anfänglichem Austrieb die Blätter und Triebspitzen welken. Unterhalb der welken Partien tritt oft Gummifluss auf, weil die Leitungsbahnen verstopft sind. Fragt mal Pierre was zu tun ist. Der ist schließlich unser Gartenfachberater. Aber der Baum ist vermutlich hin.“

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