Spinatstrudel mit Kürbis

„Was ist denn da schon wieder los?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beugt sich über ihren Kompost und späht über die rückwärtige Grenze unserer Gärten hinüber zum nächsten Vereinsweg. Vor der Parzelle eines sehr alten Gartenfreundes haben sich der alte Vorsitzende, Bruce, Pierre, Kojak und einige andere Kleingärtner eingefunden.

„Los Karo, wir gehen da auch mal rüber“, ordnet Frau B. an und ich folge neugierig.

Bruce und Kojak gestikulieren in Richtung des pittoresken Gartenhäuschens.

„Für die einen ist es ein historisches Bauwerk und für die anderen die wahrscheinlich längste Holzwurmfarm der Anlage“, höre ich Kojak sagen.

„Die Wertermittler haben der Bude eine Standzeitverlängerung von drei Jahren zugebilligt“, wendet Bruce ein.

Meine Gartennachbarin deutet auf die Parzelle und fragt: „Hat der etwa aufgehört?“
Pierre grinst: „So kann man das auch sagen.“

Bruce zeigt nach oben: „Der gärtnert nun woanders und wir werden hier jetzt erst mal aufräumen, bevor die Parzelle neu verpachtet wird.“

Wir betreten den leicht verwahrlosten Garten. Bruce öffnet das Gartenhaus. Die Männer beginnen, die Einrichtungsgegenstände zu sortieren. „Seht mal, was ich gefunden habe!“ Kojak wuchtet einen Plastiksack aus dem Abstellraum.

„VEB Leuna-Werke Walter Ulbricht“, liest Pierre vor. „Hier ist noch mehr.“ Bruce nimmt eine Halbliterflasche mit Bi 58 aus einem Regal.

VEB_Leuna_Werke

Es folgen ein Blechkanister mit der Aufschrift: „Holzschutz – bienengefährlich“ und mehrere Säcke mit verblichenen Etiketten.

„Das wird ein Fall für die Schadstoffannahmestelle“, brummt Bruce.
Frau B. und ich sehen uns im Garten um.

„Na, brauchst Du Spinat?“ Meine Gartennachbarin deutet auf ein sehr großes Beet mit Spinatpflanzen, die ganz offensichtlich gut über den Winter gekommen waren. Ich deute auf die Chemikaliensammlung vor der Laube und sage: „Nicht aus diesem Garten.“

„Oder den hier“, Frau B. zeigt auf einen Hokkaidokürbis, der im oberen Mulm des Kompostbehälters halb versunken und offensichtlich nicht mehr zu gebrauchen ist.

Ich lehne ab. „Nee, lass mal, habe ich alles noch selbst. Aber gute Idee.“

Zu Hause bereite ich aus 250 Gramm Mehl, einer Prise Salz, einer Tasse Wasser und zwei Esslöffel Rapsöl einen Strudelteig und stelle ihn beiseite.

Für die Füllung gare ich 400 Gramm Hokkaidokürbisfleisch in 50 Milliliter Apfelsaft zirka fünf Minuten, quetsche es mit einer Gabel zu Püree und schmecke mit Pfeffer, Salz und Muskat ab. Eine Zwiebel und eine Knoblauchzehe schälen und hacken. 100 Gramm Räuchertofu mit einer Gabel zerdrücken und mit wenig Rapsöl in einer Pfanne goldgelb rösten. Dann die Zwiebel und die Knoblauchzehe mit braten. 250 Gramm Blattspinat klein schneiden, ebenfalls in die Pfanne geben und mit Pfeffer, Salz, Muskatnuss und Paprikapulver abschmecken.
Ich heize den Backofen auf 220 °C Ober- und Unterhitze vor und rolle den Strudelteig auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech aus. Zunächst die Kürbismasse aufstreichen, danach die Spinatfüllung darüber verteilen, den Strudel einrollen, mit zwei bis drei Esslöffel Sojasahne bestreichen und zirka 20 Minuten backen.

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Fräulein Tochters Cevapcici mit Frühlingssalat

Mein Fräulein Tochter hat sich zum Gartenbesuch angekündigt. „Mama, ich bringe Cevapcici mit“, sprach sie durchs Telefon. „Machst du einen Salat?“

Meine Jasmin ernährt sich vegan und fertigt Cevapcici aus Kidneybohnen, Champignons, Kartoffeln, Walnusskernen und Kichererbsen.

Zunächst gart sie 250 Gramm fein gewürfelte, festkochende Kartoffeln. Nebenher putzt sie 300 Gramm Champignons, schneidet sie in kleine Stücke und brät diese mit zwei gehackten Schalotten in einer Pfanne mit 2 Esslöffel Olivenöl, bis die Flüssigkeit verdampft ist. 230 Gramm Kichererbsen und 255 Gramm Kidneybohnen aus der Dose werden abgegossen und mit einer zerquetschten Knoblauchzehe und den Kartoffelstücken in einer Pfanne erhitzt. Dann werden alle Zutaten mit einer Gabel grob zerdrückt. 100 Gramm Walnusskerne mit einem Mixer zu einer feinen Masse zerkleinern und mit 120 Gramm Paniermehl und einen halben Teelöffel Kreuzkümmel zum Kartoffel-Bohnen-Pilz-Gemisch rühren. Mit Pfeffer aus der Mühle und Rauchsalz abschmecken, zirka drei Zentimeter dicke und acht bis zehn Zentimeter lange Röllchen formen und für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen. Vor dem Grillen werden die Röllchen mit Olivenöl eingepinselt.

Auf dem Weg zu meinem Garten sehe ich Rapunzel inmitten einer Hundemeute. Seit sich herumgesprochen hat, dass Rapunzel Hunde hütet, hat sich ihr Rudel stetig vergrößert. Heute sind ein Rehpinscher, ein Yorkshire Terrier, Bruno, der Promenadenmischling der Schwester meiner Gartennachbarin Frau B. und der Basset Hound unseres alten Vorsitzenden in ihrer Obhut. Die kleinen Hunde springen wechselseitig im Halbkreis umeinander herum und der Basset hockt zu Rapunzels Füßen.

„Hunde sind in der gesamten Kleingartenanlage an der Leine zu führen“, äffe ich mit gespielter Strenge unseren alten Vorsitzenden nach.

Rapunzel winkt ab. „Bei dem da“, sagt sie und nickt in Richtung des Basset, „wäre das ja auch kein Problem, die anderen drei machen nur Fitz.“

„War ja auch nur Spaß“, lache ich.

„Wenn ich weiter gehe, lege ich sie wieder in Ketten“, fügt Rapunzel entschlossen hinzu.
Die Hunde buhlen um meine Aufmerksamkeit. Nur der Basset verfolgt das Treiben scheinbar emotionslos. Erst als Bruno nur zwei Meter vor ihm ein Bein hebt, rappelt er sich auf, tappert zu der Stelle, die Bruno markiert hat und hebt nun seinerseits einen Hinterlauf. Doch genau in dem Moment, als er seinen Herrschaftsanspruch wieder herstellen will, springt ihm der Zwergpinscher in die Seite. Der Basset verliert sein Gleichwicht und plumpst auf den Hintern.

Wir lachen. Mein Fräulein Tochter gesellt sich zu uns. Von Hunden umringt hebt sie die mitgebrachte Schüssel über ihren Kopf.

„Was hast du denn da?“ Rapunzel reckt sich neugierig.

Jasmin hält die Schüssel Rapunzel hin, lüpft den Deckel und sagt: “Rate mal.“

„Hm“, rätselt Rapunzel, „sieht ein bisschen aus wie das hier.“ Sie hält ein oben verknotetes, schwarzes Beutelchen hoch.

„Du bist doof“, schmollt Jasmin und fragt mich: „Was gibt es für Salat?“

„Feldsalat, junge Löwenzahnblätter mit Gänseblümchen- und Veilchenblüten, Essig und Öl.“

Grünkohlsuppe

„Da bleibt ja gar nichts übrig.“ Rapunzel schlägt entsetzt beide Hände über dem Kopf zusammen. Unser Vorstand hatte einen Hobbywinzer engagiert, der an den Rebstöcken, die rings um Rapunzels Laube rankten, soeben eine Schnittvorführung beendete.

Die anderen Gartenfreunde, die dieser Schulungsveranstaltung beiwohnen, schweigen andächtig. Stumm beginnt Rapunzel die Weinruten einzusammeln.
„Du wirst schon sehen, wie schnell das alles wieder wächst“, tröstet Pierre und greift zur Harke.

„Wir haben da auch noch einen Weinstock“, meldet sich meine Gartennachbarin Frau B. und zwinkert mir listig zu.

Wir wechseln auf die Parzelle von Familie B. und der Hobbywinzer erklärt noch einmal das Prinzip des Zapfenschnitts. „Für Traubenwein ist der Zapfenschnitt fast immer geeignet. Bei alten Sorten und bei sehr wüchsigen, jungen Pflanzen versagt er jedoch mitunter. Diese tragen dann zwar Laub, aber keine Früchte, weil ihre stammnahen Knospen keine Anlagen zur Fruchtbildung enthalten. Dann sollten die Zapfen nicht nur ein bis zwei Knospen, sondern mindestens drei bis fünf Augen haben oder sogar mit einem Streckerschnitt gepflegt werden. Bei diesem mittellangen Schnitt bleiben drei bis sieben Knospen stehen. Der Streckerschnitt bietet eine höhere Ertragssicherheit, als der Zapfenschnitt.“

weinschnittklein

„Hohen Ertrag brauchen wir“, meldet sich Hans-Georg B. zu Wort. Ein Raunen geht durch die Reihen der Kleingärtner.

Ich winke Rapunzel zu. „Komm“, rufe ich, „wir müssen noch das Mittagessen fertig machen. Ich setze im Vereinsheim einen großen Topf mit zirka fünf EL Rapsöl auf die Herdplatte. Darin röste ich fünf in Würfel geschnittene Zwiebeln und gebe zwei Kilogramm klein geschnittene Grünkohlblätter dazu, die ich scharf anbrate. Dann lösche ich mit einem Liter Weißwein ab und füge zwei Liter kräftige Gemüsebrühe mit vier EL grobem Senf zu. Der Grünkohl muss nun ungefähr 20 Minuten köcheln. Rapunzel hat unterdessen zwei Kilogramm gekochte Kartoffeln gepellt, in kleine Würfel geschnitten und diese in Rapsöl goldgelb angebraten.

Als die Kleingärtner anrücken, füllen wir die Grünkohlsuppe in Schalen und geben jeweils Röstkartoffeln als Einlage hinzu.

Während des Essens geht die Fachsimpelei über den Rebschnitt weiter.

„Fruchtholz beim Wein ist einjähriges Holz, das auf zweijährigem Holz steht.“

„Im Mai werden Kümmertriebe ohne Blütenansatz und nicht benötigte Wasserschosse ausgebrochen. Wenn einer Knospe mehrere Triebe entspringen, bleibt nur der kräftigste stehen.“

„Dem Winterschnitt und dem Ausbrechen im Frühjahr folgen das Entspitzen im Juni und der Sommerschnitt.“

„Beim Sommerschnitt werden alle Triebe entfernt, die keine Trauben tragen. Je Traube verbleiben sechs bis acht Blätter an der Ranke.“

Rapunzel wendet ihren Kopf hin und her. „Donnerwetter, seid ihr plötzlich alle Weinschnittexperten?“

„Naja“, winkt Frau B. ab, „auf nix ist man so stolz, wie auf das, was man seit zwei Minuten weiß. Mal sehen, was im Sommer noch übrig ist, vom Fachwissen.“

„Oder nächstes Jahr“, fügt Hans-Georg B. hinzu.

Blaue Gnocchi mit Salbei

Ein Vorteil der Kleingärtnerei ist, dass Nutzpflanzen angebaut werden können, die es im Handel selten oder gar nicht gibt. Mein Lieblingsbeispiel ist die Erdbeersorte „Mieze Schindler“, aber auch dünnschalige Tomatensorten wie die „Berner Rose“ oder blaue Kartoffeln sind sehr beliebt. Blaue Kartoffeln waren in Europa recht verbreitet, doch dann fiel die Wahl der Landwirte immer häufiger auf die robusteren und ertragreicheren hellen Sorten. Ich hatte im vergangenen Jahr die Sorten „Blaue St. Galler“ und „Blauer Schwede“ angebaut.

„Blaue Schweden“ sind mehlig kochend und eignen sich deshalb hervorragend für Gnocchi. Ich schälte ein Kilogramm Kartoffeln und koche sie in Salzwasser. Nach dem Auskühlen zerdrückte ich die Kartoffeln und vermengte sie mit 120 Gramm Mehl. Leider verlieren die „Blauen Schweden“ beim Kochen ein wenig von ihrer Farbe. Wer besonders blaue Gnocchi haben möchte, kann ein paar Tropfen Saft von Roter Beete zum Teig geben.

Ich knetete den Teig mit einer kräftigen Prise Muskatnuss vorsichtig, bis er nicht mehr klebte. Dann formte ich zirka zwei Zentimeter starke Rollen und schnitt diese in zwei Zentimeter lange Stücken. Die Teigteile drückte ich mit einer Gabel leicht ein und gab sie in kochendes Salzwasser. Als die Gnocchi an die Oberfläche kamen, nahm ich sie mit einer Schaumkelle heraus und gab sie in eine mit vier Esslöffeln Rapsöl und einer Handvoll Salbeiblätter vorbereitete Pfanne und schwenkte sie darin. Das heißt, ich wollte das tun, denn ich musste feststellen, dass ich keinen Salbei mehr im Haus hatte.

Ich packte die fertigen Gnocchi in einen Thermobehälter und machte mich auf den Weg in meinen Garten.

Wider Erwarten finde ich die Gartenanlage nicht winterlich verwaist vor. Meine Gartennachbarin Frau B. ist damit beschäftigt, Reisig an Ihrem Rosenbogen zu drapieren.

„Hallo Karo“, begrüßt sie mich, „ich vertu mal eben unseren Weihnachtsbaum.“

„Gib mir mal einen Faden“, fährt sie, an ihren Mann gewendet, fort.

Der fragt: „Spaten?“

„Der hört wieder schwer“, murmelt Frau B. und ruft lauter, „FADEN, ich brauche eine STRIPPE.“

Hans-Georg lugt hinter dem Gewächshaus vor und fragt: „Schippe? Ja was denn jetzt, Spaten oder Schippe?“

„Männer“, stöhnt Frau B., „zu nix zu gebrauchen aber zu allem fähig.“

„Halt mal!“ Sie drückt mir einen Tannenzweig in die Hand und stapft in Richtung ihrer Laube davon.

Nach ihrer Rückkehr binden wir gemeinsam das Reisig zwischen Rose und Clematis.

„Der hat heute Morgen das Gewächshaus ausgeschwefelt“, berichtet Frau B. mit einem leichten Nicken in Richtung ihres Mannes. „Das stinkt vielleicht, kann ich Dir sagen.“

„Wollen wir da noch mal mit Indianersalbei räuchern“, frage ich.

„Hast du welchen?“

Ich nicke. Wir nehmen jeweils ein Bündel getrockneten weißen Salbei und brennen es an. Als die ersten Flammen züngeln, schlagen wir sie mit einer schnellen Bewegung wieder aus und schwenken die rauchenden Reste durch Garten und Gewächshaus.

„Hm“, Frau B. schnuppert den würzigen Duft, „da kann die neue Saison ja kommen.“

Frohe Feiertage!

Auch wenn es hier bis auf die monatlichen Beiträge recht ruhig geworden ist, halten dennoch viele Leser diesem kleinen Blog die Treue.

Dafür sei heute Danke gesagt.

Weihnachtsbaum_Gemüse_Spitzkohl_Wirsing_Radis_Schneeeffekt

Allen Lesern und Followern frohe Feiertage

und einen guten Start ins neue (Garten-) Jahr.

Quittengelee

Ich bin auf den Weg zur Wohngemeinschaft, in der auch mein Fräulein Tochter haust. Ihr Freund ist aus Berlin zurückgekehrt und so luden die beiden mich zu einem vorweihnachtlichen Abendessen ein. Als Geschenk habe ich ein Glas Quittengelee im Gepäck. Mein Quittenbaum ist zwar erst fünf Jahre alt, doch er trägt in jedem Jahr mehr Früchte, als ich verarbeiten kann. Leider ist es gar nicht so einfach, den Überschuss unters Volk zu bringen, denn viele meiner Gartenfreunde scheuen die Verarbeitung der harten Früchte. Pierre konnte ich wenigstens als Erntehelfer gewinnen. Er kescherte mit dem Obstpflücker eine sehr große, sehr gelbe Quitte und zog. Der Ast bog sich auf uns zu. Doch die gewählte Frucht saß fest am Zweig.

„Nimm doch eine andere“, bat ich.

„Hast du nicht gesehen, wie groß und gelb die ist? Die MUSS reif sein“, sprach Pierre und zog kräftiger.

„Du brichst noch den Ast ab“, bangte ich.

Plötzlich rutsche die begehrte Frucht über den Zackenrand des Pflückgerätes. Der Ast schnellte zurück und ringsum plumpsten zirka zehn Früchte zu Boden. Nur Pierres Favoritin tanzte fröhlich in den Zweigen.

Meine Gartennachbarin Frau B. hatte unser Treiben aus sicherer Entfernung beobachtet.

„Wenn das Leben dir Quitten gibt“, kommentierte sie.

„Dann mach Gelee daraus“, fiel Pierre ihr ins Wort.

„Nee, dann erfinde eine Sportart bei der die Dinger mit einem Knüppel so weit wie möglich weggeschlagen werden müssen, wollte ich sagen.“ Frau B. grinst.

„Du magst wohl keine Quitten?“

„Doch“, Frau B. zwinkerte mir zu, „aber nur als Gelee.“

Später schälte und zerteilte ich sechs Quitten, das entspricht etwa 1,5 Kilogramm. Ich setze die Obststücke mit 300 Millilitern Wasser und einer Vanilleschote zum Kochen auf die Herdplatte. Nach zirka 10 Minuten nahm ich die Schote heraus und goß einen Liter naturtrüben Apfelsaft dazu. Danach pürierte ich alles. Zur Obstmasse schüttete ich nun ein Kilogramm Gelierzucker 2:1 und den Saft einer halben Zitrone. Ich kochte alles erneut fünf Minuten auf. Mit einem eisgekühlten Teller machte ich den Geliertest. Wenn der Fruchtbrei auf dem Teller sofort geliert, kann sie in Gläser abgefüllt werden. Sollte der Geliertest einmal misslingen, kann mit Zugabe von Zitronensaft und erneutem kurzen Aufkochen gegengesteuert werden.

Beschwingt erklimme ich die Treppen zur Dachgeschosswohnung der Wohngemeinschaft meiner Tochter. Ein vollbärtiger Mann mit Dutt lugt über das Geländer.

„Ah, Quittengelee“, moderiert der Freund meiner Tochter die Geschenkübergabe.

„Jetzt lass meine Mutter doch erst mal herein“, motzt mein Fräulein Tochter und zupft ihren Philosophen am Seemannspullover.

„Wusstet ihr, dass die Quitte indirekter Namensgeber für Marmelade ist?“

Das Fräulein Tochter verdreht die Augen und schiebt mich zur Sitzecke in der Küche. „Hier steht aber Gelee drauf“, sagt sie und hält ihrem Freund das Glas hin.

„Ehrlich“, fährt der Bärtige fort, “auf portugiesisch heißt Quitte Marmelo.“

„Marmelade – Gelee“, stöhnt das Fräulein Tochter, „ist doch echt egal jetzt.“

Rübenschmalz

„Das verstößt doch ganz sicher gegen die Datenschutzgrundverordnung.“ Meine Gartennachbarin Frau B. hebt mit spitzen Fingern ein Pappschild an, das an einer Schnur zwischen zwei Straßenbäumen hängt. Auf die Pappe hatte Bruce große Buchstaben gemalt: „AM SONNABEND AB 8 UHR BITTE FREIHALTEN BAUSTOFFLIEFERUNG FÜR KLEINGÄRTNERVEREIN“

„Das verstößt eher gegen irgendwelche Werbevorschriften“, lästert Hans-Georg B. und zeigt auf die Rückseite des Schildes, auf der das Logo eines bekannten Baumarktes prangt.

Bruce und ich stehen mit Schubkarre und Schaufel am Eingang unserer Gartenanlage.

„Ihr könnt dann gleich mal mithelfen“, knurrt Bruce.

„Gleich werden acht Tonnen Splitt für die Gartenwege und die Winterstreugutkisten gebracht“, erkläre ich.

„Oh, Splitt“, Hans-Georg B. stemmt sich die Hand mit abgewinkeltem Ellbogen in die Nierengegend. „Ich hab Rücken.“

Frau B. streckt ihren Zeigefinger in die Höhe. „Ich hab auch Rücken.“

Bruce wiederholt wie ein Oberkellner: „Das wären dann zweimal Rücken. Wünschen die Herrschaften etwas zu trinken? Und wenn ja, wird es dann zum Breitharken reichen?“

„Meine Harke hole ich mal“, nuschelt Hans-Georg B. und schlurft in Richtung seines Gartens davon.

Bruce dirigiert den Lkw Richtung Gartenzaun und gibt das Signal zum Abkippen. Wir werfen die ersten Schaufeln Splitt in die Schubkarre.

Frau B. folgt ihrem Gatten und ruft uns zu: „Ich frag mal rum, wer noch mit anpackt.“
Wenig später tauchen einige Gärtner mit Schubkarren und Schaufeln auf. Allen voran Pierre und Rapunzel.

„Endlich sieht man den Vorstand mal arbeiten“, stichelt Rapunzel.
Bruce wuchtet missmutig seine Schubkarre hoch und begrüßt die anderen mit: „Moin, Moin, immer ran an den Sarg und mitgeweint.“

Zwei Stunden später liegt nur noch ein kleines Häuflein Splitt auf dem Gehweg vor der Anlage.

„Machen wir heute Abend Rübengeistern?“, fragt Rapunzel.

„Natürlich“, antwortet Pauls Mutter, „die Kinder haben doch schon geschnitzt, wie die Weltmeister.“ sie deutet auf einen Zaunpfahl, auf dem eine riesige Zuckerrübe mit schrecklicher Fratze prangt.

„Aber erst mal machen wir eine Brotzeit“, sage ich und hole ein Tablett mit vorbereiteten Schnitten aus meiner Laube.

„Hm, schmeckt wie Fettbemme“, schmatzt Bruce, „was ist das?“

„Rübenschmalz.“

Ich hatte 400 g Pastinaken geputzt, in zirka 1,5 Zentimeter starke Scheiben geschnitten, diese auf beiden Seiten mit etwas Öl bepinselt und auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech bei 160 °C im vorgeheizten Ofen ungefähr 20 Minuten geröstet. Unterdessen schälte ich 100 g Petersilienwurzel und zwei kleine Zwiebeln, schnitt sie in feine Würfel und röstete diese in einer Pfanne kross an. Einen kleinen Apfel rieb ich und mischte einen EL Zitronensaft unter.
Die Pastinaken gab ich mit sechs EL Mandelmilch in einen Mixbecher und pürierte sie. Dazu rührte ich 50 g geschmolzene Margarine. Zum Schluss hob ich die Petersilien- und Zwiebelwürfel, vier TL Majoran sowie den geriebenen Apfel unter und schmeckte mit Pfeffer, Rauchsalz und geriebener Gewürznelke ab.

Dreimal Dank und zweimal sorry

Liebe Leser*innen,

heute gratulierte WordPress zum dreijährigen Bestehen dieses kleinen Blogs hier.

Es ist also wieder einmal an der Zeit meinen Followern und Leser*innen Danke zu sagen.

Wie auch schon in den vergangenen zwei Jahren heißt es:

Danke für Eure Likes.

Danke für die vielen freundlichen Kommentare.

Danke für die Treue.

dav
dav

Im vergangenen Jahr verlief die Entwicklung etwas weniger rasant, als zuvor. Nach dem Ende des Mitmachblogs und vor allem nach dem Inkrafttreten der DSGVO haben einige meiner Follower Ihre Blogs auf privat geschaltet oder sind sonstwie im www verloren gegangen.

Auch ich war in den vergangenen 12 Monaten nicht mehr ganz so aktiv, wie viele es von mir gewohnt waren. Im Gartenleben war einfach zu viel los (vor allem gießen, gießen und nochmal gießen) und die Zeit für Blogbeiträge war knapp bemessen.

Deshalb auch:

Sorry für die wenigen Beiträge.

                    &

Sorry für das verpasste Blinddate der Gartenblogs.

Hoffentlich ist nicht der Eindruck entstanden, ich würde keine anderen Blogs mehr besuchen. Ich lese bei Euch so viel und so oft ich kann.  🙂 Großes Gartenblogehrenwort. 😀

Bleibt mir weiter gewogen und freut Euch auf mindestens zwölf weitere Gartengeschichten mit Rezept in den kommenden Monaten.

Allerbeste Grüße aus dem Garten

Immer die Eure  ❤  😉  😀

 

Wassermelonenschalen-Chutney

Im vergangenen Sommer entwickelten sich meine Wassermelonenpflanzen prächtig. Die Früchte konnten sich sehen lassen. Doch obwohl ich mir mit der Ernte Zeit ließ, misstrauisch an den Melonen herumklopfte und diese erst von den Pflanzen trennte, wenn sie, meiner Meinung nach, den richtigen Klang hatten, waren die Schalen meiner Wassermelonen verhältnismäßig dick. Ich suchte nach Rezepten. Die grünweiße Innenschale taugt zum Beispiel als Salatbeilage oder als Zutat für Smoothies.

Ich machte Chutney. In einer tiefen Pfanne mit 4 Esslöffel Rapsöl dünstete ich 20 Gramm feingehackten Ingwer, je vier Teelöffel gelbe Senfsamen und Kreuzkümmel und vier in kleine Würfel zerteilte Schalotten an. Dann schälte ich die harte dunkelgrüne Schale der Melone dünn ab. Ich schnitt 400 Gramm der hellgrünen Restschale in kleine Würfel und gab sie dazu. 80 Gramm Rohrohrzucker streute ich bei gelegentlichem Umrühren in die Pfanne. Als der Zucker geschmolzen war löschte ich mit je vier Esslöffel Aceto Balsamico und Apfelessig ab, goss 400 Milliliter naturtrüben Apfelsaft auf und ließ die Flüssigkeit einkochen. Danach füllte ich den Pfanneninhalt in saubere Gläser, verschloss und stürzte diese.

Schon bald ergab sich die Gelegenheit das Ergebnis meiner Kochübung einem kritischen Publikum zu präsentieren.

Bereits als ich mich auf dem Gartenweg nähere, ist aus der Richtung, in der sich die Sitzecke meiner Gartennachbarn Familie B. befindet, leises Gackern und Glucksen zu vernehmen. Dazwischen brandet lauteres Kichern und Krähen auf und als ich mich am Gartentor bemerkbar mache, schwappt mir eine Kaskade schallenden Gelächters entgegen.

„Hach Karo“, meine Gartennachbarin wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel und winkt mir, „komm rein, komm rein, komm rein.“

Bei Frau B. hatten sich fünf Gärtnerinnen zum Kaffeeklatsch eingefunden. Genauer gesagt waren sie bei meinem Eintreffen schon zum Likörklatsch übergegangen.
Ich stelle ein Glas Chutney in die fröhliche Runde.

„Wir reden grade über Kojak“, kichert Rapunzel.

Natürlich meint sie nicht den legendären Lollybälle lutschenden TV-Kommissar aus dem Manhattan der 1970er Jahre, sondern einen unserer Gärtner, der mit dem Kojak-Darsteller Telly Savalas nicht nur die Frisur gemeinsam hat.

Auch um unseren Kojak ranken sich zahlreiche Legenden. Eine besagt, dass er während seiner Armeezeit zu einer Eliteeinheit gehörte. Eine andere, dass er ein Schriftsteller sei. Manche Gärtner erzählen hinter vorgehaltener Hand, dass Kojak früher beim Geheimdienst gearbeitet habe. Wieder andere sagen, er sei Versicherungsvertreter.

„Und“, frage ich, “gibt es da was Neues?“

„Wir haben Kojak alle schon sehr lange nicht mehr gesehen. Vielleicht hat er seine Parzelle aufgegeben?“ fasst meine Gartennachbarin Frau B. zusammen.

„Das glaube ich nicht. Ich habe Kojak des Öfteren in aller Frühe beim Gießen gesehen“, sage ich.

„Das kriegen wir heute nicht mehr raus“, lenkt Frau B. ab und drückt mir ein Glas Likör in die Hand. Die Gärtnerinnen beginnen wieder zu giggeln.

Gebratener Kopfsalat mit Sonnenblumenkernen und Pflaumen

Es geht doch nichts über Nachbarschaftshilfe. Meine Gartennachbarin Frau B. hält meine Leiter, die unter meinem Pflaumenbaum steht, mit beiden Händen fest umklammert. Vom Mann meiner Nachbarin, Hans-Georg B., sind nur die karierten Socken in den ausgelatschten Sandalen, die Stachelbeerwaden und die Ränder der Hosenbeine von ehemals olivgrünen Cargoshorts zu sehen.

Ich habe Unterstützung bei der Pflaumenernte. Eben reicht Hans-Georg B. einen vollen Korb nach unten und stößt dabei gegen mein Vogelfutterhaus, das sich daraufhin aus seiner angestammten Astgabel löst und zu Boden kracht. Das Vogelfutter liegt in einem Meter Umkreis verstreut. „Hoppla!“, hören wir Hans-Georgs Stimme, “Was ist passiert da unten?“

„Du willst mich wohl erschlagen?“, rohrspatzt meine Gartennachbarin die Leiter hinauf.

„Jetzt hast du Karos Futterhäuschen kaputtgemacht. Das musst du aber gleich wieder reparieren!“

Zu mir gewendet fährt sie in versöhnlichem Tonfall fort: „Der Hans-Georg füttert ja jetzt auch das ganze Jahr über.“

Immer mehr Gartenfreunde füllen in den Sommermonaten Vogelfutter nach. Der Erfolg gibt ihnen Recht. In unserer Gartenanlage sind neben den allgegenwärtigen Meisen, Spatzen, Rotschwänzchen und Amseln auch Grünfinken, Rotkehlchen, Gimpel, Stieglitze, Drosseln und Buchfinken regelmäßig zu sehen.

Mein Gartennachbar steigt ächzend von der Leiter und bückt sich nach den Resten meiner Vogelfutterstelle. Unbeholfen dreht er die einzelnen Bretter hin und her. Dabei murmelt er: „Das kriegen wir schon irgendwie wieder hin.“

Wir lassen uns im Schatten meines Vordachs nieder. Hans-Georg hat zuvor seinen Werkzeugkasten geholt und beginnt mit der Restaurierung.

Auf meinem Kompost landet eine Elster. „Na?“, begrüßt meine Gartennachbarin den Rabenvogel, „Da guckste, was?“ Die Elster hält ihren Kopf schräg, als würde sie Frau B. verstehen.

Unterdessen zieht das verstreute Vogelfutter weitere Gäste an. Die Spatzen zanken laut tschilpend um die besten Bissen. Plötzlich segelt ein Schatten heran. Mit einem sanften Plop landet ein größerer Vogel auf meinem Vordach. Nach ein paar klackenden Trippelschritten, die sich anhören wie die ersten großen Regentropfen eines aufziehenden Gewitters, schiebt eine Ringeltaube ihren Kopf neugierig über die Dachkante. Wenig später flattert auch sie hinab zum Fuße des Pflaumenbaumes.

„Kochen wir dann gemeinsam Pflaumenmus?“, fragt meine Gartennachbarin.

„Später gerne, jetzt habe ich erst mal Hunger, ich brate uns schnell was.“

Ich mische eine fein gehackte Knoblauchzehe, je einen Teelöffel frisch geriebenen Ingwer und Zucker mit je einem Esslöffel Wasser und Tamari-Sojasoße. In der Pfanne erhitze ich einen Esslöffel Rapsöl und brate zwei geviertelte Salatköpfe mit Peffer und Salz zirka acht Minuten unter häufigem Wenden an. Dann gebe ich vier große, geviertelte Pflaumen und 40 g Sonnenblumenkerne hinein, rühre weitere vier Minuten. Zum Schluss gieße ich die Sojasoßenmischung darüber und rühre weiter zwei bis drei Minuten. Dazu reiche ich Fladenbrot.