Auberginenbällchen

Meine Gartennachbarinnen Rapunzel und Frau B. hocken mit meinem Fräulein Tochter Jasmin und mir in meinem Garten zusammen und planen das nächste Gartenfest.

„Wollen wir wieder Suppen machen?“ Jasmin sieht fragend in die Runde.

„Da müssten wir Pfand auf unsere Suppenschalen nehmen oder Einweggeschirr benutzen. Die Brotschalen, die man mitessen konnte, gibt es leider nicht mehr,“ berichtet Rapunzel.

„Was?“ Das Fräulein Tochter ist empört. „Da gibt es ein umweltfreundliches Produkt und dann wird das einfach nicht mehr hergestellt?“

„Ja,“ nickt Rapunzel betrübt, „die hatten nur eine kleine Referenzproduktion laufen, weil sie eigentlich ihre weltweit einmalige Backtechnologie verkaufen wollten, mit der sie die knusprigen, essbaren Schalen in bio-veganer Qualität mit brotähnlichem Geschmack herstellten.“

„Du hörst dich an wie die Werbemanagerin von denen“, brummt Frau B. und angelt sich eines der Kochbücher, die vor uns auf dem Gartentisch liegen.

Jasmin springt auf und empört sich. „Das kannst du dir nicht ausdenken. Die waren Pioniere der Null-Müll-Bewegung und ihrer Zeit meilenweit voraus. Und dann scheitert sowas Großartiges an, ähm ja an was eigentlich?“

„Die haben einfach keine mutigen Partner für die Großproduktion der notwendigen Backmaschinen gefunden. Man könnte sagen, sie sind an den Bedenkenträgern in der kapitalistischen Marktwirtschaft gescheitert.“ Rapunzel zwirbelt sich ihre Haarspitzen.

„Scheißmarktwirtschaft,“ schreit Jasmin.

„Nana,“ Frau B. sieht von ihrem Kochbuch auf, „ist schon wieder Revolution?“

„Nun beruhige dich mal wieder,“ mische ich mich ein. „Dann müssen wir uns was anderes einfallen lassen. Das haben wir doch früher auch immer gemacht.“

„Genau,“ grinst Frau B., „es geht immer irgendwie weiter! Für jede Tür, die hinter dir ins Schloss fällt, öffnet sich vor dir eine Kellerluke.“

„Wir könnten Fingerfood anbieten,“ überlege ich weiter.

„Zum Beispiel Auberginenbällchen,“ Frau B. liest vor: „Vier mittelgroße Auberginen waschen, würfeln, mit Salz bestreuen und eine Weile stehen lassen. Vier Frühlingszwiebel in Ringe schneiden, vier Knoblauchzehen schälen und hacken. Je vier Esslöffel Leinsamen und Wasser vermischen. In einer Pfanne vier Esslöffel Olivenöl erhitzen, die Auberginenwürfel fünf Minuten braten und dann 100 Milliliter Wasser auffüllen und das Gemüse fertig garen.

Das Leinsamengemisch mit Frühlingszwiebeln, Knoblauch, abgetropften Auberginen, 300 Gramm Semmelbrösel und zwei Esslöffeln Sojasoße vermengen und Bällchen formen. Die Bällchen in weiteren sechs Esslöffeln Olivenöl ausbacken.“

„Das hört sich gut an, die können wir dann im Fladenbrot anbieten, mit Sojajoghurt und gehackten Chilis,“ schlage ich vor.

„Oder mit einer schönen, fruchtigen Tomaten-Paprika-Pflaumen-Soße,“ springt Jasmin an.

„Da brate ich acht große, geschälte, gewürfelte Tomaten in Olivenöl, bis der Pfanneninhalt eindickt und schneide einen Blockpaprika und sechs Zwetschen in kleine Stücke, koche die kurz mit, gebe einen Esslöffel Pektin dazu, nochmal aufkochen – fertig.

Robby-Bubble-Bowle

(In diesem Beitrag wird eine Kindersekt-Sorte erwähnt. Die Autor:in wurde von der Herstellerfirma nicht dafür bezahlt. Trotzdem vorsichtshalber hiermit die Werbekennzeichnung.)

Mein zukünftiger Schwiegersohn kämpft mit dem Gartenschlauch, der in zahlreichen Schleifen und Windungen zu seinen Füßen liegt. „Was hast du denn mit dem Schlauch gemacht? Deinen Namen getanzt?“  

Mein Fräulein Tochter ist empört. „Das war ich nicht. Ich bin doch eben erst mit dir in den Garten gekommen. Vielleicht war es meine Mutter.“

Die beiden haben mich noch nicht bemerkt.

„Deine Mutter“, der Freund meiner Tochter macht eine bedeutsame Pause, „deine Mutter weiß, wie man mit einem Gartenschlauch umgeht.“

„Deine Mutter, deine Mutter“, äfft meine Tochter Jasmin ihn nach.

„Oh, ihr seid schon aus eurem Urlaub zurück?“, frage ich unschuldig.

„Huch, jetzt hast du mich aber erschreckt, wo kommst du denn so plötzlich her?“

Ich deute mit gestrecktem Zeigefinger Richtung Himmel.

„Wer hat unseren Schlauch derart verknotet?“, fragt Jasmin streng.

„Ich nicht. Vielleicht war es Rapunzel, sie hat mir in den vergangenen Tagen geholfen euren Garten zu gießen.“

„Und dann lässt sie dieses Kuddelmuddel einfach liegen?“

„Sie wollte bestimmt noch weitermachen. Sie gibt am Vereinsheim nur schnell den Kindern was zu Trinken.“

„Durst hätte ich auch. Komm wir gehen mal gucken

Am Vereinsheim sitzen sieben Kinder mit Gläsern in den Händen, aus denen Trinkhalme ragen. „Klopf, klopf.“ Rufe ich und luge durch die Küchentür. Rapunzel wendet sich vom geöffneten Kühlschrank ab und fragt mit Blick auf meine Begleitung: „Na, wie wars in Amsterdam?“

„Das sag ich dir erst, wenn du mir auch was zu trinken gibst“, zickt mein Fräulein Tochter. Rapunzel schenkt ein und beginnt Zutaten aufzuzählen. Zunächst habe ich gestern einen Aufguss von je einer Hand voll  Melisse, Ysop, Thymian, schwarzen Johannisbeeren und Pfefferminze sowie je einer kräftigen Prise Kardamom, Nelke, Muskatnuss und Zimt gemacht. Da wollte ich eigentlich was für mich draus mixen. Aber als vorhin die Kinder kamen, habe ich kurzerhand acht Zentiliter davon mit zwei Litern eiskaltem Mineralwasser, 0,3 Liter Bitterlemon und zwei Flaschen von diesem Kindersekt hier gemischt, der bei der jüngsten Feier übriggeblieben ist. Rapunzel hält eine bunte Flasche hoch.

Ich lese: „Robby-Bubble-Berry“.

„Dazu gab ich noch 150 Gramm Heidelbeeren und einige Zweige Estragon“, ergänzt Rapunzel.

„Also wie wars in Amsterdam?“ Wiederholt Rapunzel ihre Frage.

„Für Radfahrer ein Traum. Da können sich die deutschen Städte mal eine Scheibe abschneiden“, beginnt der Freund meiner Tochter zu schwärmen. Sein Männerdutt hüpft auf und nieder, während er die Erlebnisse der Urlaubsradtour schildert.

„Und wie viele berühmte Personen da geboren sind“, stichelt Jasmin.

„Genau,“ steigt unser Alleinunterhalter ein, „Rembrandt, Baruch de Spinoza, Peter Post.“

„Und wie viele berühmte Personen da gestorben sind“, frotzelt Jasmin.

„Auch Rembrandt, Oswalt Kolle, Robby Müller.“

Rapunzel fragt: „Wer sind Peter Post und Robby Müller?“

„Peter Post war ein Radsportler und Robby Müller ein begnadeter Kameramann.“

Mein zukünftiger Schwiegersohn schüttelt den Kopf über so viel Unwissenheit.

Gegrillter Udo mit Tempeh und Erdnussdipp

„Dafür, dass ihr Veganer seid, grillt ihr ganz schön oft. Was riecht denn da so lecker?“

Meine Gartennachbarin Frau B. steht mit mir am Zaun des Gartens meiner Tochter Jasmin und schnuppert demonstrativ in Richtung des Grills an dem Jasmins Freund irgendwelche Spieße wendet.

„Das wird gegrillter Udo mit Tempeh, wollt ihr mal kosten?“ Mein Fräulein Tochter macht eine einladende Geste.

„Hans-Georg, riech doch mal, die jungen Leute grillen irgendeinen Udo.“

Hans-Georg B. legt seinen Kopf in den Nacken und bläht seine Nasenflügel wie ein brünftiger Rothirsch. „Udo, kannte ich den?“

Jasmin zeigt auf eine zirka 1,2 Meter hohe Staude. „Darf ich vorstellen? Udo die japanische Aralie, Aralia cordata. Das Aroma der jungen Triebe wird oft mit Fenchel, mildem Liebstöckel mit Zitrusnoten oder als sellerieartig beschrieben. In Asien wird die Pflanze im Frühjahr mit Gefäßen abgedeckt, sodass bleiche Triebe entstehen. Aber auch die grünen Triebe sind essbar. Udo wird auch japanischer Spargel genannt.

„Waren da nicht im vergangenen Jahr große helle Blütendolden dran?“

„Ja und im Herbst dunkele violette Beeren. Die sind aber nicht essbar. Wir nehmen nur die jungen Triebe und die Stängel. Die Stängel müssen allerdings geschält und kurz in Wasser oder Essigwasser eingelegt werden. Die Wurzeln werden in der traditionellen chinesischen Medizin mitunter als Ersatz für Ginseng eingesetzt.“

Meine Gartennachbarin Frau B. streicht versonnen über die Aralienblätter. „Was ihr alles habt.“

„Das ist neben Spargel, Rhabarber und ewigem Kohl unser viertes Dauergemüse, wegen der kleingärtnerischen Nutzung.“ Jasmin zwinkert uns verschwörerisch zu. Wir begleiten sie zum Grill.

„Und was ist das zwischen dem Grünzeug?“, fragt Frau B. und zieht sich die Happen direkt vom Schaschlikspieß in den Mund.

„Schmeckt wie Speck mit Pilzen“, schmatzt Hans-Georg.

„Das ist Tempeh, eine Masse aus fermentierten Sojabohnen oder anderen Bohnen.“

„Da werden Sojabohnen mit Schimmelpilzen geimpft“, informiert der Grillmeister.

„Schimmelpilze?“ Hans-Georg lässt seinen Spieß sinken.

„Jetzt tu nicht so, Blauschimmelkäse isst du doch auch.“ Seine Frau knufft ihn in die Seite.

„Der Schimmelpilz sorgt dafür, dass die Eiweiße der Bohne aufgeschlossen und die Oligosaccharide verringert werden, die Blähungen verursachen“, doziert der Grillmeister weiter.

„Hörst du, weniger Blähungen.“ Frau B. zwinkert ihrem Gatten zu.

„Wir haben 400 Gramm Tempeh in mundgerechte Streifen geschnitten und in 60 Milliliter Sojasoße, 30 Milliliter Sesamöl, je einem halben Teelöffel Kreuzkümmel und geräuchertem Paprika und einigen Prisen Rauchsalz mariniert und später im Wechsel mit Udo-Trieben auf die Holzspieße gesteckt. Hier haben wir noch einen Erdnussdipp.“ Das Fräulein Tochter schiebt ein Schälchen in die Mitte des Gartentisches. „Für den Dipp haben wir 160 Gramm ungesalzene Erdnussbutter mit 30 Millilitern Sojasoße, 60 Millilitern Rübensirup, 90 Millilitern Limettensaft, 60 Millilitern Wasser und vier gestrichene Teelöffel Chilipulver verrührt.“

Boule-Kohlrabi Bowl

„Ich denke Betonflächen im Garten sind verboten?“ Meine Gartennachbarin Frau B. grinst. Unser stellvertretender Vorsitzender Holger, den alle nur Bruce nennen, weil er aussieht wie der jungen Bruce Willis, hatte uns vom neuen Pétanque-Spielplatz berichtet, der neben dem Kinderspielplatz angelegt worden ist.

„Nicht Beton, Pétanque. Das ist eine Fläche zum Boule spielen.“

„Boule? Ist das sowas wie Boccia? Mit Kugeln?“

„Ja.“

„Karo, wollen wir uns das mal ansehen?“

Wir lassen Bruce stehen und gehen zum Vereinsheim. An einer mit Kiefernstämmen gerahmten und mit Splitt bedeckten Fläche steht ein Schild. Frau B. nestelt an ihrer Brille und liest: „Einfach zu spielen, schwer zu gewinnen.“

Pierre kommt des Weges. Er stellt seinen Erntekorb ab. „Donnerwetter,“ kommentiert Frau B., „um diese Zeit schon so große Kohlrabi?“ Pierre schmunzelt: „Jetzt zahlt sich aus, dass sie die ersten Wochen unter Glas standen. Ihr wollt wohl Boule spielen?“

Frau B. sieht sich hilflos um. „Bruce hat gesagt, Kugeln gibt es beim Wirt. Aber es scheint niemand da zu sein.“

Pierre fischt einen grünen Kohlrabi aus seinem Korb und entfernt die Blätter. „Damit würde es auch gehen. Als Ziel nehmt ihr einen Kieselstein und zum Spielen schenke ich euch diesen grünen und einen roten Kohlrabi.“

„Mit Essen spielt man nicht,“ tadelt Frau B., nimmt dem edlen Spender die Kohlknolle aus der Hand und stellt fest: „Obwohl, schön rund, das Teil.“

„Die werden doch sowieso geschält,“ sage ich und greife mir eine rote Gemüsekugel.

Nach zwei Runden kommt Bruce um die Ecke. „Ich kann Euch Stahlkugeln geben, wir haben ein Set im Vorstandsbüro.“

„Au ja, unser naturbelassenes Bouleset ist doch schon ganz schön ramponiert.“ Frau B. putzt Splittsteinchen von der Gemüseschale. „Willst du meinen haben? Hans-Georg verdaut die immer so laut.“

Ich bedanke mich. „Da mache ich mir eine schöne Bowl draus.“

„Bowl? Ich kenne nur Bowle. Aber die geht nicht mit Kohlrabi.“

„Bowl heißt ja erstmal nix weiter als Schüssel. Da ist dann eine kohlenhydratreiche Basis wie Reis oder Nudeln drin und darauf kommt eine Kombination aus Gemüsen, Kräutern und Soßen. Ich werde zunächst eine Zwiebel von zirka 100 Gramm schälen, fein würfeln und in wenig Öl zusammen mit einer Knoblauchzehe glasig dünsten. Dann schäle ich die Kohlrabis und schneide dünne Stifte. 400 Gramm Kohlrabistifte gebe ich zur Zwiebel und braten sie zirka zwei Minuten mit. Dann lösche ich mit 300 ml Gemüsebrühe und 400 ml Kokosmilch ab und lasse alles ca. 20 Minuten bei geringer Hitze offen köcheln, bis das Gemüse gar und die Soße sämig ist. Dann wird mit Pfeffer, Salz, Chili und gemahlenem Kümmel abgeschmeckt. In der Zwischenzeit bereite ich 400 Gramm Penne. Bis die Nudeln bissfest sind, ziehe ich mit dem Sparschäler dünne Streifen von einer Möhre und zupfe einige junge Blätter Giersch. Die kommen als Topping meiner Bowl zusammen mit kurz in der Pfanne geschwenkten Blütenknospen von Spitzwegerich und Löwenzahn über die Kohlrabisoße.

Die Mengen sollten für vier Portionen reichen.

Löwenzahnknospen schmecken nicht nur kurz angebraten, sondern können z.B. wie Kapern eingelegt werden.

Rhabarbercurry mit grünem Spargel

„Soll das Kunst sein?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beschattet ihre Augen mit der Hand und betrachtet skeptisch den Ostgiebel unseres Vereinsheims, an dem ein Baugerüst steht. Ihr Mann Hans-Georg zuckt mit den Schultern. Wenig unterhalb des Dachfirstes sind vier gelbe Knubbel an der Wand. In Höhe der Traufe ragt ein grauer Zylinder von der Größe eines Schnellkochtopfes aus der Fassade.

Ich bleibe stehen und lege ebenfalls meinen Kopf in den Nacken.

„Was guckt ihr?“ Rapunzel und Bruce gesellen sich zu uns.

„Wir fragen uns, was wir von der Fassadenkunst halten sollen.“ erklärt Hans Georg.

„Welche Kunst?“ Rapunzel hebt ratlos die Arme.

„Genau, welche Kunst?“ Lacht Bruce. „Wenn ihr die gelben Dinger meint, dass sind die Keramikisolatoren von der alten elektrischen Oberleitung, die die Maler abgeklebt haben.“

„Wirklich? Die sind mir noch nie aufgefallen.“ Meine Gartennachbarin Frau B. staunt. „Und was ist mit dem Topf weiter unten?“

„Das ist die Außenseite der Raumentlüftung, auch abgeklebt.“

„Schön, dass ich Euch alle hier treffe“, platzt mein Fräulein Tochter in die Runde, „Ich brauche noch Rhabarber, hat jemand welchen für mich?“

„Rhabarber kriegst du von uns“, sagt Hans-Georg großväterlich. „was hast du denn damit vor?“

„Ich will ein Rhabarbercurry machen.“  

„Das klingt interessant, verräts du das Rezept?“ Rapunzel kramt in ihrem Rucksack nach Zettel und Stift.

„Für vier Portionen nehme ich fünf bis sechs Stangen möglichst rote Stangen Rhabarber, weil die nicht so sauer sind.“

„Fünf bis sechs große oder kleine Stangen?“

„Es sollten so um die 450 Gramm sein, geschält und in ein bis zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. Dazu brauchst du 120 Gramm Zwiebelwürfel, 350 Gramm grob gewürfelte Süßkartoffel, 150 Gramm in kleine Stücke geschnittenen grünem Spargel und 100 Gramm abgespülte rote Linsen. Aber zunächst werden je ein Esslöffel Senfkörner, gemahlener Kreuzkümmel, ein Teelöffel gemahlene Kurkuma, je eine Teelöffelspitze Anissamen und Cayenne-Pfeffer sowie fünf Kardamomkapseln in einem Topf mit etwas Rapsöl angeröstet. Dann zwei Esslöffel Sojasoße und die Zwiebelwürfel dazugeben. Wenn die Zwiebel glasig gedünstet ist, werden je vier Teelöffel fein gewürfelten Knoblauch und Ingwer hinzugefügt. Immer wieder rühren, damit nichts anbrennt eventuell etwas Wasser angießen. Dann Rhabarber, Süßkartoffel, Spargel und rote Linsen dazugeben, mit 750 Milliliter Wasser auffüllen und eine halbe Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss mit ein bis zwei Esslöffeln Rohrohrzucker und ein paar Prisen Salz abschmecken und mit Reis servieren.“

Rapunzel beendet ihre Notizen und fragt: „Hat jemand noch grünen Spargel für mich?“

„Da sollte sich auch noch welcher finden“, sagt Hans-Georg.

„Anstelle von Reis müsste doch auch Hirse gehen?“

„Ja, auch Quinoa oder Bulgur.“

„Na mal sehen, was der Vorratsschrank so hergibt.“

Unterdessen betrachtet das Fräulein Tochter die Baustelle am Vereinsheim. „Was sind das eigentlich für gelbe Dinger da oben?“

Wir sehen uns an und rufen gemeinsam: „Das ist Kunst.“

„Soll das Kunst sein?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beschattet ihre Augen mit der Hand und betrachtet skeptisch den Ostgiebel unseres Vereinsheims, an dem ein Baugerüst steht. Ihr Mann Hans-Georg zuckt mit den Schultern. Wenig unterhalb des Dachfirstes sind vier gelbe Knubbel an der Wand. In Höhe der Traufe ragt ein grauer Zylinder von der Größe eines Schnellkochtopfes aus der Fassade.

Ich bleibe stehen und lege ebenfalls meinen Kopf in den Nacken.

„Was guckt ihr?“ Rapunzel und Bruce gesellen sich zu uns.

„Wir fragen uns, was wir von der Fassadenkunst halten sollen.“ erklärt Hans Georg.

„Welche Kunst?“ Rapunzel hebt ratlos die Arme.

„Genau, welche Kunst?“ Lacht Bruce. „Wenn ihr die gelben Dinger meint, dass sind die Keramikisolatoren von der alten elektrischen Oberleitung, die die Maler abgeklebt haben.“

„Wirklich? Die sind mir noch nie aufgefallen.“ Meine Gartennachbarin Frau B. staunt. „Und was ist mit dem Topf weiter unten?“

„Das ist die Außenseite der Raumentlüftung, auch abgeklebt.“

„Schön, dass ich Euch alle hier treffe“, platzt mein Fräulein Tochter in die Runde, „Ich brauche noch Rhabarber, hat jemand welchen für mich?“

„Rhabarber kriegst du von uns“, sagt Hans-Georg großväterlich. „was hast du denn damit vor?“

„Ich will ein Rhabarbercurry machen.“  

„Das klingt interessant, verräts du das Rezept?“ Rapunzel kramt in ihrem Rucksack nach Zettel und Stift.

„Für vier Portionen nehme ich fünf bis sechs Stangen möglichst rote Stangen Rhabarber, weil die nicht so sauer sind.“

„Fünf bis sechs große oder kleine Stangen?“

„Es sollten so um die 450 Gramm sein, geschält und in ein bis zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. Dazu brauchst du 120 Gramm Zwiebelwürfel, 350 Gramm grob gewürfelte Süßkartoffel, 150 Gramm in kleine Stücke geschnittenen grünem Spargel und 100 Gramm abgespülte rote Linsen. Aber zunächst werden je ein Esslöffel Senfkörner, gemahlener Kreuzkümmel, ein Teelöffel gemahlene Kurkuma, je eine Teelöffelspitze Anissamen und Cayenne-Pfeffer sowie fünf Kardamomkapseln in einem Topf mit etwas Rapsöl angeröstet. Dann zwei Esslöffel Sojasoße und die Zwiebelwürfel dazugeben. Wenn die Zwiebel glasig gedünstet ist, werden je vier Teelöffel fein gewürfelten Knoblauch und Ingwer hinzugefügt. Immer wieder rühren, damit nichts anbrennt eventuell etwas Wasser angießen. Dann Rhabarber, Süßkartoffel, Spargel und rote Linsen dazugeben, mit 750 Milliliter Wasser auffüllen und eine halbe Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss mit ein bis zwei Esslöffeln Rohrohrzucker und ein paar Prisen Salz abschmecken und mit Reis servieren.“

Rapunzel beendet ihre Notizen und fragt: „Hat jemand noch grünen Spargel für mich?“

„Da sollte sich auch noch welcher finden“, sagt Hans-Georg.

„Anstelle von Reis müsste doch auch Hirse gehen?“

„Ja, auch Quinoa oder Bulgur.“

„Na mal sehen, was der Vorratsschrank so hergibt.“

Unterdessen betrachtet das Fräulein Tochter die Baustelle am Vereinsheim. „Was sind das eigentlich für gelbe Dinger da oben?“

Wir sehen uns an und rufen gemeinsam: „Das ist Kunst.“

„Soll das Kunst sein?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beschattet ihre Augen mit der Hand und betrachtet skeptisch den Ostgiebel unseres Vereinsheims, an dem ein Baugerüst steht. Ihr Mann Hans-Georg zuckt mit den Schultern. Wenig unterhalb des Dachfirstes sind vier gelbe Knubbel an der Wand. In Höhe der Traufe ragt ein grauer Zylinder von der Größe eines Schnellkochtopfes aus der Fassade.

Ich bleibe stehen und lege ebenfalls meinen Kopf in den Nacken.

„Was guckt ihr?“ Rapunzel und Bruce gesellen sich zu uns.

„Wir fragen uns, was wir von der Fassadenkunst halten sollen.“ erklärt Hans Georg.

„Welche Kunst?“ Rapunzel hebt ratlos die Arme.

„Genau, welche Kunst?“ Lacht Bruce. „Wenn ihr die gelben Dinger meint, dass sind die Keramikisolatoren von der alten elektrischen Oberleitung, die die Maler abgeklebt haben.“

„Wirklich? Die sind mir noch nie aufgefallen.“ Meine Gartennachbarin Frau B. staunt. „Und was ist mit dem Topf weiter unten?“

„Das ist die Außenseite der Raumentlüftung, auch abgeklebt.“

„Schön, dass ich Euch alle hier treffe“, platzt mein Fräulein Tochter in die Runde, „Ich brauche noch Rhabarber, hat jemand welchen für mich?“

„Rhabarber kriegst du von uns“, sagt Hans-Georg großväterlich. „was hast du denn damit vor?“

„Ich will ein Rhabarbercurry machen.“  

„Das klingt interessant, verräts du das Rezept?“ Rapunzel kramt in ihrem Rucksack nach Zettel und Stift.

„Für vier Portionen nehme ich fünf bis sechs Stangen möglichst rote Stangen Rhabarber, weil die nicht so sauer sind.“

„Fünf bis sechs große oder kleine Stangen?“

„Es sollten so um die 450 Gramm sein, geschält und in ein bis zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. Dazu brauchst du 120 Gramm Zwiebelwürfel, 350 Gramm grob gewürfelte Süßkartoffel, 150 Gramm in kleine Stücke geschnittenen grünem Spargel und 100 Gramm abgespülte rote Linsen. Aber zunächst werden je ein Esslöffel Senfkörner, gemahlener Kreuzkümmel, ein Teelöffel gemahlene Kurkuma, je eine Teelöffelspitze Anissamen und Cayenne-Pfeffer sowie fünf Kardamomkapseln in einem Topf mit etwas Rapsöl angeröstet. Dann zwei Esslöffel Sojasoße und die Zwiebelwürfel dazugeben. Wenn die Zwiebel glasig gedünstet ist, werden je vier Teelöffel fein gewürfelten Knoblauch und Ingwer hinzugefügt. Immer wieder rühren, damit nichts anbrennt eventuell etwas Wasser angießen. Dann Rhabarber, Süßkartoffel, Spargel und rote Linsen dazugeben, mit 750 Milliliter Wasser auffüllen und eine halbe Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss mit ein bis zwei Esslöffeln Rohrohrzucker und ein paar Prisen Salz abschmecken und mit Reis servieren.“

Rapunzel beendet ihre Notizen und fragt: „Hat jemand noch grünen Spargel für mich?“

„Da sollte sich auch noch welcher finden“, sagt Hans-Georg.

„Anstelle von Reis müsste doch auch Hirse gehen?“

„Ja, auch Quinoa oder Bulgur.“

„Na mal sehen, was der Vorratsschrank so hergibt.“

Unterdessen betrachtet das Fräulein Tochter die Baustelle am Vereinsheim. „Was sind das eigentlich für gelbe Dinger da oben?“

Wir sehen uns an und rufen gemeinsam: „Das ist Kunst.“

„Soll das Kunst sein?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beschattet ihre Augen mit der Hand und betrachtet skeptisch den Ostgiebel unseres Vereinsheims, an dem ein Baugerüst steht. Ihr Mann Hans-Georg zuckt mit den Schultern. Wenig unterhalb des Dachfirstes sind vier gelbe Knubbel an der Wand. In Höhe der Traufe ragt ein grauer Zylinder von der Größe eines Schnellkochtopfes aus der Fassade.

Ich bleibe stehen und lege ebenfalls meinen Kopf in den Nacken.

„Was guckt ihr?“ Rapunzel und Bruce gesellen sich zu uns.

„Wir fragen uns, was wir von der Fassadenkunst halten sollen.“ erklärt Hans Georg.

„Welche Kunst?“ Rapunzel hebt ratlos die Arme.

„Genau, welche Kunst?“ Lacht Bruce. „Wenn ihr die gelben Dinger meint, dass sind die Keramikisolatoren von der alten elektrischen Oberleitung, die die Maler abgeklebt haben.“

„Wirklich? Die sind mir noch nie aufgefallen.“ Meine Gartennachbarin Frau B. staunt. „Und was ist mit dem Topf weiter unten?“

„Das ist die Außenseite der Raumentlüftung, auch abgeklebt.“

„Schön, dass ich Euch alle hier treffe“, platzt mein Fräulein Tochter in die Runde, „Ich brauche noch Rhabarber, hat jemand welchen für mich?“

„Rhabarber kriegst du von uns“, sagt Hans-Georg großväterlich. „was hast du denn damit vor?“

„Ich will ein Rhabarbercurry machen.“  

„Das klingt interessant, verräts du das Rezept?“ Rapunzel kramt in ihrem Rucksack nach Zettel und Stift.

„Für vier Portionen nehme ich fünf bis sechs Stangen möglichst rote Stangen Rhabarber, weil die nicht so sauer sind.“

„Fünf bis sechs große oder kleine Stangen?“

„Es sollten so um die 450 Gramm sein, geschält und in ein bis zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. Dazu brauchst du 120 Gramm Zwiebelwürfel, 350 Gramm grob gewürfelte Süßkartoffel, 150 Gramm in kleine Stücke geschnittenen grünem Spargel und 100 Gramm abgespülte rote Linsen. Aber zunächst werden je ein Esslöffel Senfkörner, gemahlener Kreuzkümmel, ein Teelöffel gemahlene Kurkuma, je eine Teelöffelspitze Anissamen und Cayenne-Pfeffer sowie fünf Kardamomkapseln in einem Topf mit etwas Rapsöl angeröstet. Dann zwei Esslöffel Sojasoße und die Zwiebelwürfel dazugeben. Wenn die Zwiebel glasig gedünstet ist, werden je vier Teelöffel fein gewürfelten Knoblauch und Ingwer hinzugefügt. Immer wieder rühren, damit nichts anbrennt eventuell etwas Wasser angießen. Dann Rhabarber, Süßkartoffel, Spargel und rote Linsen dazugeben, mit 750 Milliliter Wasser auffüllen und eine halbe Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss mit ein bis zwei Esslöffeln Rohrohrzucker und ein paar Prisen Salz abschmecken und mit Reis servieren.“

Rapunzel beendet ihre Notizen und fragt: „Hat jemand noch grünen Spargel für mich?“

„Da sollte sich auch noch welcher finden“, sagt Hans-Georg.

„Anstelle von Reis müsste doch auch Hirse gehen?“

„Ja, auch Quinoa oder Bulgur.“

„Na mal sehen, was der Vorratsschrank so hergibt.“

Unterdessen betrachtet das Fräulein Tochter die Baustelle am Vereinsheim. „Was sind das eigentlich für gelbe Dinger da oben?“

Wir sehen uns an und rufen gemeinsam: „Das ist Kunst.“

Krapfen mit Preiselbeermarmelade

Mein Fräulein Tochter steht in ihrer Küche. Es duftet nach heißem Fett und süßem Gebäck.
„Mhm, was wird denn das Feines?“ Ich spähe auf die Arbeitsplatte. Auf dem Herd in einer tiefen Pfanne schwimmen runde Teigstücke in Fett.
„Krapfen“, strahlt Jasmin und hält mir ein kleines Marmeladenglas unter die Nase, „mit selbst gemachter Marmelade aus selbst angebauten Preiselbeeren.“
Vor zwei Jahren im Oktober hatten meine Tochter und ihr Freund zahlreiche Behältnisse mit saurer Erde gefüllt und Preiselbeersträucher hineingepflanzt. Ich entsinne mich noch genau, wie viel Mühe sich die jungen Leute mit der Mischung des Substrats gaben, denn sie wollten auf gar keinen Fall torfhaltige Erde verwenden. Sie sammelten das Laub von Eichen, häckselten es und mischten es der Pflanzerde bei. Dann testeten sie den pH-Wert. Dieser sollte zwischen 4,5 und 5,5 liegen.

„Ich wusste gar nicht, dass eure Preiselbeerernte so gut war.“

„Naja, fürs Erste waren es nur 250 Gramm. Die Sträucher sind ja noch klein. Aber diese 250 Gramm habe ich mit 150 Gramm Rohrohrzucker und einem Esslöffel Wasser unter ständigem Rühren aufgekocht, drei Minuten sprudelnd kochen lassen und in zwei kleine Gläser gefüllt.“

Jasmin fischt mit der Siebkelle die ersten Gebäckstücke aus der Pfanne und legt sie auf Küchenkrepp.

„Für die Krapfen habe ich 190 Milliliter Sojadrink mit 50 Gramm zerlassener Margarine und einem Esslöffel Rum verrührt und mit 500 Gramm Mehl, einer Packung Trockenhefe, einem Esslöffel Rohrohrzucker und einem Teelöffel Anispulver zu einem glatten Teig verarbeitet. Nachdem der Teig zirka eine Stunde an einem zugfreien, warmen Ort gegangen war, stach ich mit einem Esslöffel Portionen ab, die ich zunächst zu Kugeln formte und dann zu runden Platten auseinanderzog. Dabei achtete ich darauf, dass die Mitte dünner wurde als der Rand. In meiner Pfanne zerließ ich 250 Gramm Kokosfett zum Ausbacken.“

Wir füllten Preiselbeermarmelade in die Mitte der abgetropften Krapfen.

„So, nun noch ein wenig Puderzucker drüber und fertig ist die Nervennahrung.“

„Brauchen wir wieder mal starke Nerven?“

Jasmin nickt, verdreht die Augen und macht mit dem Zeigefinger eine kreisende Bewegung neben ihrer Schläfe.

Wir machen uns auf den Weg zu unserer Kleingartenanlage.

Am Vereinshaus treffen wir Bruce der den Fortschritt der Fassadenrenovierung begutachtet.

Am Baugerüst hat jemand einen Zettel angeklebt mit der Aufschrift: Unkraut ist der Widerstand der Natur gegen die Diktatur der Gärtner.

„Das nenne ich mal sehr frei zitiert“, kommentiert Jasmin. „Der Spruch von Oskar Kokoschka lautet eigentlich: Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner.“

Bruce reißt den Zettel ab und zerknüllt ihn.

„Kokoschka hat noch mehr kluge Sachen gesagt.“ Jasmin überlegt kurz. „Zum Beispiel: Jäten ist Zensur an der Natur.“

Ich lache. „Dass dir der Spruch gefällt, glaube ich.“

Jasmin überlegt weiter. „Auch von Kokoschka: Freiheit ist ein Kaugummibegriff geworden – an jedem Schlagbaum versteht man etwas anderes darunter.“ Sie hält Bruce die Schüssel mit den Preiselbeerkrapfen hin.

„Das ist wie mit meinem Krapfen, die heißen auch in jeder Gegend anders. Koste mal.“

7 G Gemüsegebäck

Beim Aufräumen meines Vorratsschrankes entdeckte ich eine Schraubdose mit getrockneten Steinpilzen. Ich weichte zirka 40 Gramm davon ein. Dann bereitete ich 800 Gramm Pellkartoffeln zu. Je 400 Gramm Grünkohl und Mangold wurden geputzt, gewaschen und für zirka zehn Minuten getrennt voneinander in Salzwasser gekocht. Danach drückte ich das Blattgemüse trocken und hackte es fein. Vier mittelgroße Zwiebeln wurden geschält und in feine Würfel geschnitten. Die abgekühlten Pellkartoffeln zerkleinerte ich mit einer groben Reibe. Zu jeweils 400 Gramm Kartoffeln mischte ich den Grünkohl und den Mangold. Dazu gab ich jeweils die Hälfte der Zwiebelwürfel und der geschnittenen Pilze. Zu jeder Mischung fügte ich je zwei Esslöffel Sojamehl, Semmelbrösel und Hefeextrakt und je einen Esslöffel Mehl sowie zwei Teelöffel Majoran und etwas Pfeffer hinzu. Dann rührte ich die beiden Teige mit dem Knethaken kräftig durch und ließ sie etwas ruhen.

Zu guter Letzt formte ich zirka 30 kleine Puffer. In einer Pfanne mit Olivenöl unter mehrmaligem Wenden ausbacken, fertig.

Die knusprigen Puffer packte ich ein und machte mich auf den Weg, denn Bruce hatte zum Arbeitseinsatz gerufen.

Als ich in der Gartenanlage ankomme, sind mein Fräulein Tochter Jasmin, Pierre und Bruce schon damit beschäftigt, eine an den Verein zurückgegeben Parzelle zu beräumen.

„Essen ist da“, rufe ich über den Zaun.

„Komm rein“, ruft Bruce.

Pierre klappt einen alten Tisch auf und rückt Stühle. Alle haben FFP 2-Masken um den Hals baumeln.

Ich spotte: „Ist hier 3 G oder 2 G plus?“

„Ich wollte dich eben nach deinem Testzertifikat fragen“, entgegnet Bruce todernst.

„Unfug!“ Jasmin schüttelt missbilligend ihren Kopf. „Wir brauchen FFP-2 Masken, weil der da“, sie zeigt auf Bruce, “mit der Fächerscheibe an den alten Gartenstühlen herumgeschliffen hat. Jetzt liegt hier überall millimeterdick der Schleifstaub.“

„Na ja, ein wenig Abstand wegen der Seuche kann nach wie vor auch nicht schaden“, brummt Bruce.

„Immerhin sind wir alle geboostert“, stellte Pierre fest.

„Nur gegen den ollen Schleifstaub nicht“ mault das Fräulein Tochter.

Ich stelle den Korb mit der Pufferschüssel auf den Tisch und sage: „Unser Mittagessen ist jedenfalls 7 G. Gewaschen, geschält, gehackt, gekocht, gewürzt, gerührt und gebacken.“

„Und wenn es gegessen wurde und geschmeckt hat“, nimmt Bruce den Faden auf, “dann wird gerülpst und gelobt, mehr g geht gar nicht.“

Bevor wir uns über die Puffer hermachen, inspiziere ich den Fortschritt der Räumarbeiten. In einem Eimer liegen rostige Nägel und Schrauben. Daneben steht ein gelber Sack mit Margarineschachteln, in denen der Eisenschrott zuvor aufbewahrt worden war. In einem zweiten Eimer liegen alte Wasserhähne und andere Teile aus Messing.

„Hier für den nächsten Vereinsflohmarkt“, sagt Jasmin und nimmt den Deckel von einer Holzkiste. Darin liegt die Zinnfigur eines Pilgers auf einer Jakobsmuschel neben einer Öllampe aus Messing, einem Flaschenöffner in Form einer D-Mark und anderer Krimskrams.

„Zusammen mit dem Schrott muss das mindestens 50 Euro für die Vereinskasse bringen, bei den vielen Arbeitsstunden, die wir hier reingesteckt haben.“

Bitte um Unterstützung

Liebe alle,

der wunderschöne Kleingärtnerverein „Flora I“ hat sich um den Titel Verein des Jahres beworben.

Für den Publikumspreis benötigen die Kleingärtner:innen Eure Unterstützung. Bitte dem unten stehenden Link folgen, im Suchfeld Flora I eingeben, mit Eurer E-Mail-Adresse abstimmen und den Link in der Bestätigungsmail anklicken.

Nehmt Euch bitte den Moment Zeit, vielleicht verhelft Ihr den Kleingärtner:innen zu einer schönen Ergänzung der Vereinskasse.

Danke im Voraus, Ihr seid die Besten.

Ich zähl auf Euch.

Kohlrouladen mit Erbsen-Bohnen-Füllung

„Darf ich vorstellen Herr Winterfürst der Zweite vom Mischkulturbeet.“

Mein Fräulein Tochter hält einen stattlichen Wirsingkohlkopf hoch. Der Winterfürst 2 macht seinem Namen alle Ehre. Er steht im Februar erntereif im Beet.

Ich gebe mich verwundert „Hattet ihr im Sommer hier nicht eure Tomaten stehen?“

„Und Salat,“ bestätigt Jasmin. „Die Tomaten haben die kleinen Winterfürsten vor der Kohlfliege und dem Kleinen Kohlweißling beschützt und der Salat war gut gegen Erdflöhe und die Weiße Fliege.“

„Wann habt ihr die Wirsingkohlsaat denn ausgebracht?“

„Schon im April. In den ersten Wochen sind die kleinen Kohlpflanzen kaum aufgefallen. Die Köpfe bildeten sich ab September und der hier“, Jasmin deutet auf einen leicht zerflederten Wirsing am Beetrand,“ der darf noch blühen und Saat bilden.

„Au ja, da möchte ich auch ein paar Körner und was wirst du aus diesem schönen Kohlkopf hier machen?“

„Kohlrouladen. Da schwitze ich eine feingewürfelte Zwiebel in etwas Olivenöl an und gebe je 250 Gramm gekochte Kidneybohnen und Kichererbsen dazu. Dann schäle und würfle ich zirka 150 Gramm Karotten und hacke 100 Gramm Walnüsse und brate alles zusammen ungefähr zehn Minuten weiter. Danach wird der Pfanneninhalt mit dem Mixstab grob püriert. Die großen Kohlblätter blanchiere ich kurz in einem großen Topf mit heißem Wasser. Zuvor habe ich die großen Blattstrünke keilförmig herausgeschnitten. Nebenbei wird der Backofen auf 150 °C vorgeheizt. Die pürierte Masse wird dann mit Pfeffer und Salz abgeschmeckt und portionsweise auf den Kohlblättern verteilt. Die Blätter können nun von den Seiten her umgeklappt, zu Rouladen aufgerollt und mit Küchengarn fixiert werden. Die Füllung sollte für sechs Portionen reichen. Ich pinsele die fertigen Rollen noch mit Olivenöl ein, streue Salz und Pfeffer darüber und setze sie in eine Auflaufform. Nach 25 Minuten auf mittlerer Schiene im Backofen werden die Kohlrouladen fertig sein.“

„Das hört sich sehr lecker an, soll ich Kartoffelbrei beisteuern?“

Mein Fräulein Tochter strahlt. „Mamas Kartoffelbrei? Mit Muskatnuss? Na klar doch.“

Wir machen uns auf den Heimweg. Auf einer Parzelle, an der wir vorüber gehen steht unser stellvertretender Vorsitzender. „Hey Bruce“, rufe ich, “hast du einen neuen Garten?“

Bruce winkt uns zu. „Nee, die Parzelle wurde nur zurückgegeben und die Laube ist noch voll. Wollt ihr mal gucken kommen?“

Als wir das Gartengrundstück betreten, bemerken wir, dass sich auch schon andere Gärtnerinnen und Gärtner eingefunden haben. Wir ziehen unsere FFP2-Masken hoch und nähern uns dem Gartenhäuschen. Andächtig stehen Rapunzel, Pierre und meine Gartennachbarin Frau B. vor der geöffneten Laubentür.

Von dem kleinen, holzgetäfelten Raum geht ein eigenartiger Zauber aus. „Gefrorene Zeit“, haucht Rapunzel und nimmt eine Zinnfigur aus einem Setzkasten.

„Die Werkstatt hinten ist auch noch voll bis unters Dach“, stellt Bruce nüchtern fest, „So können wir das dem nächsten Pächter jedenfalls nicht übergeben. Morgen wird aussortiert. Wer macht mit?“

Grünkohlcreme auf Rote-Bete-Himbeerspiegel

Winterzeit ist Grünkohlzeit und Küchenexperimentierzeit. Mein Fräulein Tochter Jasmin werkelt in meiner Küche an einer Grünkohlcreme. Sie hatte 250 Gramm Cashewkerne eingeweicht. Dann zupft sie 250 Gramm Grünkohl in eine Schüssel und übergießt das Gemüse mit kochendem Wasser und lässt das Ganze zirka fünf Minuten ziehen und schält unterdessen vier Knoblauchzehen.

Sie gießt das Wasser ab und füllt die Cashewnüsse zusammen 120 Gramm Walnusskernen, dem Grünkohl, den Knoblauchzehen, 140 Milliliter Zitronensaft, zwei Esslöffel Apfelessig, 100 Milliliter Olivenöl, 70 Gramm Hefeflocken, zwei Teelöffel Salz und fünf kräftigen Prisen gemahlenem Pfeffer in meinen Mixer.

„Und was hast du mit diesem Pesto vor“, frage ich.

„Hast du Himbeeren?“

Ich öffne das Frostfach. „Ja.“

„Und rote Bete?“

Ich schließe das Frostfach und deute auf die Gemüsekiste.

Das Fräulein Tochter kramt im Wurzelgemüse und fördert eine stattliche rote Rübe zutage.

„Da machen wir eine schöne Soße draus“, frohlockt Jasmin, „aber wir brauchen nur 60 Gramm. Es dem Rest können wir später Gemüsechips machen.“

Ich schäle die Rübe und schneide die verlangten 60 Gramm in kleine Würfel und den Rest mit dem Sparschäler in feine Scheiben. Das Fräulein Tochter erhitzt derweil ein Gemisch aus 200 Milliliter Wasser und 100 Milliliter trockenem Rotwein und gibt die Rübenwürfel für zirka 35 Minuten zum Garen hinein. Wenn das Gemüse weich ist, kocht Jasmin noch 100 Gramm gefrorene Himbeeren und zwei Teelöffel Puderzucker kurz mit und püriert alles.

Die entstandene Soße gießen wir auf einen Teller und in den Soßenspiegel setzen wir je eine walnussgroße Kugel Grünkohlcreme.

„Sieht aus wie im Edelrestaurant.“ Jasmin betrachtet zufrieden unser Werk.

Nach dem Essen spazieren wir durch unseren Kleingärtnerverein. In Sichtweite zum Außenzaun stehen alte Tongartenwerge auf der Gemeinschaftsfläche.

Rapunzel, meine Gartennachbarin Frau B. und ihr Gatte Hans-Georg kommen vorbei.

„Ist das nicht schrecklich?“ Frau B. und deutet zum Zaun. „Irgendwer macht von da einen regelrechten Schießwettbewerb auf unsere Zwerge.“

„Apropos Wettbewerb – wie haben wir eigentlich beim Kleingartenwettbewerb abgeschnitten?“, fragt Rapunzel.

Bruce Miene verfinstert sich.

„Hast du das noch nicht gehört? Bruce hat jetzt einen neuen Spiegel im Vereinsbüro“, sagt Frau B. und blickt spitzbübisch in die Runde.

Mit verstellter, tiefer Stimme fährt sie fort: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat die schönste Kleingartenanlage im Land?“

Und weiter mit Fistelstimme: „Herr Vorsitzender, ihr habt die schönste Kleingartenanlage hier, aber hinter den freien Bergen bei den Waldfriedensgartenzwergen, ist es noch viel, viel besser als hier.“

„Ich gehe jetzt aber nicht und vergifte denen die Äpfel, falls du das meinst“, brummt Bruce und fügt hinzu: „Wir bauen hier auch weder Kegelbahn noch Garteneisenbahn.“

Rapunzel zuckt mit den Achseln. „Was solls. Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weiter geht’s. Wann startet der nächste Wettbewerb?“

Alle starren erwartungsvoll auf Bruce. Der wirft Zwergenscherben in einen Mörteleimer und knurrt: „Wettbewerb? Welcher Wettbewerb?