Tote Oma versus toter Waschbär

Wenn junge Menschen, wie zum Beispiel meine Tochter Jasmin, sich sehr früh für eine vegane Lebensweise entscheiden, dann kennen sie oft Gerichte wie Eisbein oder Kassler mit Sauerkraut gar nicht. Ein weiteres Sauerkrautgericht meiner Kindheit war Grützwurst auch kurz und herzlos „Tote Oma“ genannt.
Nun leuchten mir die vielen Gründe für tierleidfreie Ernährung ja durchaus ein. Andererseits sind da diese Gerüche und Geschmäcker der Kindheit. Wer kennt ihn nicht, den Heißhunger, der sich überfallartig einstellt, wenn bestimmte Gerüche aus einem geöffneten Küchenfenster dringen.
Bei Grützwurst mit Sauerkraut und Salzkartoffeln habe ich mir ein eigenes Rezept gebastelt, das ohne Schweinebauch und Schweineblut auskommt.
Ich schneide 250 Gramm Räuchertofu in feine Würfel und röste diese in zwei Esslöffeln Rapsöl zusammen mit 100 Gramm Zwiebelwürfeln an. Ich koche Kidneybohnen, Bulgur und Belugalinsen.
250 Gramm Kidneybohnen und 100 Gramm geschälte und gekochte rote Bete werden dann mit 10 Gramm Salz, 2 Gramm gemahlenem schwarzen Pfeffer, 1 Gramm gemahlenem Kümmel, 2 Gramm frischem Majoran, 2 Gramm gemahlenem Piment und einer kräftigen Prise Zimt im Mixer püriert. Unter die entstandene Masse werden dann 125 Gramm Belugalinsen, 125 Gramm Bulgur und die gebratenen Tofu- und Zwiebelwürfel gehoben.
Das Fräulein Tochter assistiert mir in der Küche. Wohl auch, weil sie ein Glas voll als Brotaufstrich abgreifen will. Demonstrativ versieht sie das Etikett mit dem Wort GrützVurst.
Auch aufgewärmt schmeckt die Masse hervorragend. Doch wir bereiten Sauerkraut mit Apfel und Salzkartoffeln zum Sofortverzehr.
Nach dem Essen fragt das Fräulein Tochter: „Und das habt ihr echt „Tote Oma“ genannt?“
Ich nicke stumm.
Unser Verdauungsspaziergang führt in Richtung Garten. Mein Garten liegt nur eine viertel Stunde zu Fuß von meiner Wohnung entfernt.
Auf halbem Weg begegnen wir Bruce.
„Gehst du schon nach Hause?“, fragt das Fräulein Tochter kess und fügt hinzu: „Ich habe heute meine erste tote Oma gekocht und gegessen.“
„Schön für dich“, antwortet Bruce zerstreut.
„Tote Oma? Verstehst du?“
„Besser tote Oma als toter Waschbär“, antwortet Bruce ernst und fügt nach kurzer Pause hinzu: „Mir ist schlecht. Den Gestank könnt ihr euch nicht vorstellen.“
„Ein toter Waschbär in unserer Kleingartenanlage?“
„Heute früh bat mich Pierre in seinen Garten. Schon am Eingang seiner Parzelle stank es ganz gewaltig. Erst dachten wir an einen Fuchs oder Marder, der sein Revier markiert hat. Aber dann haben wir unter Pierres Holzterrasse den Kadaver eines Waschbären gefunden. Der muss da schon eine Weile gelegen haben, denn es ringelten sich schon die Maden aus den Augenhöhlen. Das war wie in einem Horrorfilm.“
Bruce schüttelt sich.
„Und wo ist der jetzt?“
„Pierre?“
„Unsinn, der Waschbär.“
„Pierre hat ihn einen Müllsack gesteckt und beim Tierschutz angerufen.“
„Tierschutz? Ist das nicht ein bisschen spät?“
Meine Tochter reicht Bruce das Glas GrützVurst und fragt mitleidig: „Tote Oma?“
„Nein Danke. Kein Appetit heute.“

Lasagne mit roter Bete

Bruce und Pierre stehen bei Rapunzel am Zaun und schwatzen mit ihr. Als ich dazu komme schweigen sie.
„Was ist los? Habt ihr etwa Geheimnisse?“
Die drei schütteln die Köpfe. Bruce zeigt auf ein Beet in dem rote Rüben stehen. „Ich sagte nur eben zu Rapunzel, dass sie Glück gehabt hat, dass sie damals so viel Feldsalat gemacht hat. Heute müssten wir sie vermutlich rote Rübe nennen.“
„Ich dachte ihr nennt mich Rapunzel, weil ich so schöne, lange Haare hab“, kokettiert die Geneckte und dreht einen ihrer Zöpfe um den Zeigefinger.
„Oder so“, sagt Bruce und zu mir. „Ich hab gehört, deine Jasmin wird langsam erwachsen?“
Pierre fragt: „Ist sie schwanger?“
Und Rapunzel: „Oder heiratet sie den bärtigen Philosophen mit dem Dutt?“
„Mein Fräulein Tochter erzählt mir zwar schon lange nicht mehr alles, aber das wüsste ich vermutlich schon. Keine Ahnung was du meinst, Bruce.“
„Nein“, raunt Bruce, „sie hat sich um einen Garten beworben.“
„Ach das meinst du. Will sie wirklich immer noch eine Kleingartenparzelle? Ich dachte das wäre nur so eine Phase. Wird denn bald was frei?“
„Das schon“, Bruce spannt seine Daumen unter die Träger seiner Latzhose, „aber wir haben viele Bewerber. Wir werden wohl einen Aufnahmetest einführen müssen.“
„Au ja“, freut sich Pierre, „zum Beispiel: Nennen sie drei Einrichtungsgegenstände, die für Sie in einem Kleingarten sehr wichtig sind.“
„Genau und wenn der Bewerber dann Grill, Pool und Trampolin schreibt, dann kommt er gar nicht erst auf die Warteliste“, ergänzt Bruce.
„Da hat Jasmin kein Problem. Die schreibt da glatt Frühbeet, Kompostbehälter und Gewächshaus. Die hat doch mit ihrem Philosophen schon bei den Stadtgärtnern mitgemacht. Essbare Stadt und so, erinnert ihr euch?“
Rapunzel fragt: „Will jemand rote Bete?“
Sie reicht eine Rübe von der Größe eines Kinderhandballs herüber. Ich nehme ihr das Gemüse ab. „Ich hab auch noch ein Rezept für dich.“ Rapunzel steckt mir einen Zettel zu.
Wir zerstreuen uns.
Zu Hause koche ich zunächst die rote Bete. Ich schäle die Zwiebel und röste sie in einem EL Olivenöl an. Die zwei Karotten schäle ich ebenfalls, hacke sie zusammen mit 60 Gramm geputzten Champions sehr fein und gebe alles zu der Zwiebel in die Pfanne. Dann schäle ich die gekochte rote Rübe und schneide feine Würfel daraus. 300 Gramm Rübenwürfel kommen ebenfalls in die Pfanne. Nach zirka 5 Minuten gebe ich 60 Milliliter Mandelsahne, einen Esslöffel Rübensirup, Pfeffer, Salz und Oregano dazu und lasse alles weitere 5 Minuten köcheln.
Dann rühre ich mit dem Schneebesen 3 Esslöffel Mehl in 2 Esslöffel zerlassene Margarine, lösche, immer weiter rührend, mit 350 Milliliter Sojamilch ab bis eine streichfähige Sauce entstanden ist. Diese Sauce würze ich mit Pfeffer, Salz und geriebenem Muskat.
Ich heize den Ofen auf 160 °C vor und gebe 250 Gramm Lasagneblätter wie folgt in eine mit Olivenöl ausgepinselte Form: Lasagneblätter, Hälfte der Füllung, Lasagneblätter, Rest der Füllung, Lasagneblätter, Mehl-Muskat-Sauce und darüber drei EL Hefeflocken verteilen. Die Backzeit beträgt zirka 40 Minuten.

Awesome Blogger Award

Titelbild von Klaus Mand Öl auf Leinwand

Stephanie Jaeckel mit ihrem wunderbaren Blog „Klunker des Alltags“ nomierte mich vor einiger Zeit zum Awesome Award, vielen Danke dafür.
Den ganzen Regelkram schenke ich mir und beantworte sogleich die Fragen:

Ein Leben ohne Blog: Vorstellbar? Beziehungsweise, was würde Dir fehlen?

Ja. Ein Leben ohne diesen Blog ist vorstellbar. Hier wird ja nicht im klassischen Sinn gebloggt. Um ehrlich zu sein wurde erst mit den ersten Beiträgen Stück für Stück erkundet, was es mit Followern und Likes so auf sich hat. Damals im Oktober 2015 sollte zunächst nur ein Platz im Internet geschaffen werden, wo die monatlichen Zeitungsbeiträge auch für Leute zu Verfügung stehen, die keine andere Möglichkeit haben, den sächsischen Regionalteil der Zeitung Gartenfreund zu lesen.
Aber dann stellte sich recht schnell heraus, dass der direktere Kontakt zu den Lesern des Blogs sich sehr gut zur Therapie von Selbstzweifeln eignet.
Mit der Teilnahme beim MitMachBlog wurde es noch etwas turbulenter. Leider fiel dieses Projekt der DSGVO zum Opfer. Wenn Du kein Publikum, keine Follower mehr hast, macht ein Blog auch keinen Sinn mehr.

Wie unterscheidet sich Dein zu Hause von dem Deiner Freund/innen?

Ich glaube, ich muss mal wieder Fenster putzen. Oder Freund/innen besuchen.

Hast Du während des Lockdowns neue Seiten an Dir entdeckt?

Nein. Außer vielleicht, dass mich das ganze Outbreak-Szenario mehr mitgenommen hat, als ich es mir eingestehen will. Die Kleingärtner waren häufiger in Ihren Gärten. Es gab ein paar Videokonferenzen mehr als bisher und es fielen ein paar Pflichtveranstaltungen aus. Die Leute rennen dem Gartenvorstand die Bude ein, weil jeder jetzt einen Garten haben will. Aber sonst? Alles wie immer nur mit weniger Menschen. Hätte so bleiben können.

Was würdest Du sofort lernen, wenn Du genug Zeit oder Geld hättest?

Nix. Genug Zeit und / oder genug Geld sind unrealistische Voraussetzungen.
Na gut – Holzbildhauerei.

Welcher Mensch hat Dich am meisten geprägt – oder waren es mehrere?

Die Liebe zum Kochen und Backen kommt von der Mutter meiner Mutter. Der Rest ist ein Gemischtwarenladen aus Zufälligkeiten.

Was siehst Du als erstes, wenn Du zu Hause aus dem Fenster schaust?

Das Dach des Vorderhauses.

Hast Du oft Fernweh? Und wenn ja, wohin?

Ich habe eher Heimweh, wenn ich mal eine Straßenbahnstation zu weit gefahren bin.

Worauf freust Du Dich im Sommer?

Auf veganes Speiseeis.

Wofür gibst Du gerne Geld aus?

Für gutes, veganes Essen, nachhaltige Kleidung, Material für Kunstwerke und Basteleien und für (Garten-)Werkzeug.

Hättest Du gerne (noch) ein Kunstwerk in Deiner Wohnung oder in Deinem Garten? Und wann ja, welches?

Ja. Der diesjährige Volkshochschulkurs für Stahlskulpturengestaltung steht noch aus. Dabei wird ein Wochenende lang mit Flex, Schweißgerät und Eisenschrott herumhantiert. Das Ergebnis landet wahlweise im Garten oder in der Wohnung. Außerdem hat ein Kunstmaler unsere Gartenanlage als Sujet entdeckt. Da habe ich auch schon paar Bilder gekauft und zwei weitere sind schon reserviert.

Auf der Suche – Öl auf Leinwand – Klaus Mand

Zu guter Letzt sollten eigentlich neue Fragen und Nominierungen stehen.
Ich möchte statt dessen auf einige lesenswerte Blogs hinweisen, von denen ich annehme, dass die Autor*innen sich nicht am Award-Schnickschnack beteiligen. Sollte dennoch jemand irgendwelche Fragen beantworten wollen, dann reiche ich hiermit die obigen Fragen von Stephanie weiter.


Kassandras Kristallkugel
Glumm
Patricia denkt sich was
Grünschreiber
Natur auf dem Balkon

Kartoffelkäfersuppe und Bienenstich

Ich blinzle in die Sonne. Im Nachbargarten hühnern Hans-Georg B. und seine Frau durch ihre Kartoffelreihen. Sie suchen, soweit ich das von meinem Liegestuhl aus erkennen kann, Kartoffelkäfer.
„Sammelt ihr Käfer ab?“
„Ja“, knurrt meine Gartennachbarin mürrisch, „und nein, wir kommen nicht, um bei dir weiterzumachen.“
„Ich hab doch gar nichts gesagt“, flöte ich unschuldig.
„Das reicht, wenn ich sehe, wie du guckst.“ Meine Gartennachbarin drückt ihr Kreuz durch.
Kipirr, schellt es an meinem Gartentor. Mein Fräulein Tochter kommt herein.
„Kartoffelkäfer?“ fragt sie.
Meine Gartennachbarin holt tief Luft, doch bevor sie etwas sagen kann, zeigt ihr Gatte ein kleines Eimerchen vor und mein Fräulein Tochter sieht hinein.
„Kartoffelkäfersuppe“ kommentiert er.
„Iihiehh!“
„Insekten sind ein erstklassiger Proteinlieferant“, doziert Hans-Georg.
„Aber ich esse ja gar keine tierischen Produkte. Also auch keine Kartoffelkäfer.“ Das Fräulein Tochter rümpft die Nase.
„Kartoffelkäfersuppe?“ überlege ich, „Ich glaube, ich habe im Internet mal ein Rezept dafür gelesen.“
„Im Internet steht auch, dass die Erde eine Scheibe ist“, moniert meine Tochter schnippisch.
„Ich würde so was auch nicht essen wollen.“ Frau B. verzieht angewidert das Gesicht.
Ihr Gatte hat sein Eimerchen abgestellt und schlägt in die Luft.
„Was ist los?“
„Eine flotte Biene. Ich weiß auch nicht, was die hat.“
Hans-Georg B. geht ein paar Schritte auf und ab. Das Insekt folgt ihm beharrlich. Immer wieder fliegt es gegen den Kopf des Gärtners.
„Jetzt hat die mich tatsächlich gestochen.“
Frau B. holt eine Zwiebel aus dem Beet, zerschneidet diese und drückt eine Zwiebelhälfte auf die Einstichstelle am Hals ihres Mannes.
„Zum Glück bin ich nicht allergisch“, konstatiert dieser grimmig.
„Bienenstich könnte ich auch mal wieder backen“, sinniert mein Fräulein Tochter halblaut und wenig diplomatisch.
„Bienenstich? Gibt es da ein veganes Rezept?“
„Natürlich! Im Internet!“
„Ach?“
„Ja, ja. Manchmal stehen da auch gute Sachen drin. Hier zum Beispiel: 250 Gramm Mehl, eine halbe Packung Trockenhefe, zwei Esslöffel Wasser, 35 Gramm Zucker und 125 Milliliter Mandelmilch zusammenrühren. Nach fünf Minuten ein halbes Tütchen Backpulver, ein Esslöffel Sojamehl, 35 Gramm Margarine und eine Prise Salz dazu rühren. Den Hefeteig kneten, eine halbe Stunde gehen lassen, dann auf eine 26er Springform ziehen und an einem warmen Ort nochmals gehen lassen.
5 Esslöffel Mandelmilch, 15 Gramm Vanillezucker, 75 Gramm Margarine, 100 Gramm Zucker in einem Tiegel unter Rühren erhitzen und sobald das Gemisch leicht aufbrodelt von der Herdplatte ziehen und 125 Gramm gehobelte Mandeln unterheben.
Diese Mandelmischung wird nun auf dem Teig verteilt und dieser bei 180 Grad Celsius Umluft zirka 20 Minuten auf mittlerer Schiene gebacken.
Einem halben Liter Mandelmilch mit zwei Päckchen Vanille-Puddingpulver a. 37 Gramm aufkochen, 50 Gramm Margarine und 20 Gramm Puderzucker dazu rühren und abkühlen lassen.
Sobald der Kuchen abgekühlt ist, wird er mit einem großen Messer in Boden und Deckel geteilt. Dann wird der Pudding auf dem Boden verteilt und der Deckel wieder aufgesetzt.

Bunter Salat mit Rübensirup-Senf-Cashewkern-Dressing

„Das ist mir ganz egal, dass der Bengel nicht Fußballspielen gehen kann, weil der Sportplatz gesperrt ist. Hier war das Gebolze schon immer verboten.“ Mit grimmiger Miene wirft mein Gartennachbar Hans-Georg B. einer sichtlich verdatterten Mutter einen bunten Lederball zu.

„Jetzt sehen sich die die Sauerei ruhig genauer an. Meine schönen Erbsen einfach umgekegelt“, zetert er weiter. „Und wenn ich nicht da gewesen wäre, wäre der Bengel wieder hinterher gesprungen und hätte mir auch noch die anderen Beete zertrampelt.“
„Jetzt beruhig dich doch mal Hans-Georg. Bei mir lag der Ball auch schon im Beet.“
„Da vorn zwischen den Kartoffeln? Pah – da gibt es ja auch kaum Schäden. Aber sag mal Karo, ich sehe du hast wieder deine berühmten Kartoffelkurven gelegt?“
„Ich finde meine Kartoffelreihen gut. In der Natur gibt es keine graden Linien, um mal Herrn Friedensreich Hundertwasser zu zitieren.“
„Genau wie im vergangenen Jahr. Als wäre ein besoffener Bauer bei dir durchgetorkelt.“
„Nix da besoffener Bauer, ich habe meine Kartoffel selbst unter die Erde gebracht. Aber wie willst du wissen wie im vergangenen Jahr meine Reihen aussahen? Ich hatte das Beet doch dahinten auf der anderen Seite.“
„Das hat mir Pierre auf Goggle Maps gezeigt.“
„Ihr spioniert mir nach?“
„Nee, wir haben nur die Satellitenbilder von der Gartenanlage angesehen und da sind uns deine Kartoffeln aufgefallen. Wirfst du die Kartoffeln vom Beetrand in die Pflanzlöcher?“
„Na? Nervt er?“ Meine Gartennachbarin Frau B. mischt sich ein.
„Wer nervt? Ich? Keine Spur! Ich sag nur Schubkarre.“
Ich blicken die beiden fragend an.
„Das ist nämlich auch so eine.“ Hans-Georg B. zeigt auf seine Gattin. „Kaum hat man ein Beet vorbereitet und sich einmal umgedreht, schon hat sie Kartoffeln reingelegt. Auch wenn da was ganz anderes hin sollte“
„Was anderes. Ich hatte dich um ein Kartoffelbeet gebeten. Schön mit frischen Kompost und so.“
„Na hab ich das etwa nicht gemacht? Extra mit der Schubkarre Kompost geholt. Und eh ich mich verseh, stecken vor mir und hinter mir Kartoffeln in der Erde. Wo man hintritt Kartoffeln. Selbst in die Schubkarre hat sie zwei gesteckt.“
Frau B. grinst. „Das Späßchen konnte ich mir nicht verkneifen. Wenn er auch von der Arbeit wegrennt, um mit Bruce Bier zu trinken.“
Mein Telefon signalisiert eine eingehende SMS.
In den Wochen der Kontaktbeschränkung haben mein Fräulein Tochter und ich eine Art Rezeptaustauschwettbewerb ins Leben gerufen. Jeder schickt dem anderen mindestens ein Rezept täglich.
Ich hatte einen schnellen Salat aus frischen Eichblattsalat, Erdbeeren, jungen geraspelten Möhren, Radieschenscheiben und grünen Erbsen vorgeschlagen.
Mein Fräulein Tochter retournierte mit einem Dressing.
100 Gramm ungeröstete Cashewkerne in 150 Milliliter heißem Wasser für zirka eine halbe Stunde einweichen und dann mit dem Mixer pürieren. Fünfzig Gramm gekörnten Senf, und zweieinhalb Esslöffel Rübensirup und eine halbe Schalotte zugeben und fertig mixen. Danach für mindestens eine halbe Stunde kalt stellen.

Korona-Torte

„Ich will mich bei Pierre für die Türschlossreparatur bedanken.“

Rapunzel steht an meinem Zaun und hält einen Tortenbehälter hoch. Meine Gartennachbarin Frau B. reckt sich und ruft: „Hat hier jemand Torte gesagt?“

Rapunzel und ich im Chor: “ Nein!“

Frau B. beäugt misstrauisch die Tortenglocke. „Erdbeeren? Eigene Ernte?“

„Natürlich!“ Rapunzel ist entrüstet.

„Ich wollte euch fragen, ob ihr mit zu Pierre rüber kommt. Allein kriegen wir den Kuchen ja nicht alle.“

„Ist der vegan“, frage ich und Frau B.: „Hast du die Erdbeeren gut gewaschen?“

„Ja und ja“, seufzt Rapunzel. „Kommt ihr jetzt?“

„Bei einer Pandemie kann man nicht vorsichtig genug sein“, schnarrt Frau B. „Andererseits: Es gibt Kuchen. Hans-Georg? Kommst du mit?“

Rapunzel seufzt abermals und klärt mich beim Gehen über die Entstehung der Erdbeertorte auf.

„Ich mischte für den Boden 180 Gramm Dinkelmehl Type 630, 100 Gramm Zucker, eine Messerspitze Salz, einen halben Teelöffel Vanillezucker und einen Teelöffel Backpulver mit 80 Milliliter Rapsöl und einen Viertelliter kohlensäurehaltigem Mineralwasser. Dann goss ich den Teig in eine gefettete Backform und buk den Boden bei 200 °C auf mittlerer Schiene zirka 15 Minuten.
Währenddessen kochte ich aus zwei Esslöffeln Speisestärke, einem Esslöffel Vanillezucker und 300 Millilitern Mandelmilch einen Pudding und lies diesen abkühlen.
Dann verteilte ich den Pudding auf dem Boden und gab 800 Gramm geputzte und gewaschene Erdbeeren hinein. Ich hab die ganze Zeit mit Handschuhen und Atemschutzmaske gearbeitet.“

„Hört, hört“, schnauft Frau B. und öffnet Pierres Gartenpforte.

Pierre kommt aus seinem Gewächshaus, in der Hand einen Tomatensämling.

„Was verschafft mir die Ehre?“

„Ich wollte mich nochmal für die Türschlossreparatur bedanken“, sagt Rapunzel mit schönstem Augenaufschlag.

„Hier entlang.“ Pierre deutet auf seine Sitzecke. Das Ehepaar B. beginnt sofort, die Stühle in respektable Abstände zu rücken. Hans-Georg hat sich eine Meterleiste von Pierres Holzsteckkompostrahmen geangelt und nutzt sie als Behelfsmaß.

Rapunzel streift sich Handschuhe und eine Mundnasemaske über, öffnet die Tortenglocke und schaufelt die Kuchenstücke auf Teller, die sie aus ihrem Rucksack holt. Dann verteilt sie Kuchengabeln und gießt Kaffee aus der Thermoskanne in ebenfalls mitgebrachte Tassen.

Wir essen.

Plötzlich kommen mein Fräulein Tochter und ihr Philosophiestudent Arm in Arm den Gartenweg heruntergeschlendert.

„Na guck mal“, kommentiert Pierre, “die Liebe in Zeiten der Corona.“

Die beiden gesellen sich zu uns. Hans Georg und Pierre rücken noch zwei Klappstühle in Sicherheitsabstand. Rapunzel verteilt zwei weitere Portionen.

„Man kann’s auch übertreiben sagt Jasmin und zeigt auf Rapunzels Atemmaske.“

„Sicher ist sich“ nuschelt Rapunzel durch den Stoff.

„Die Erdbeeren schmecken prima“, wirft Pierre ein, „welche Sorte ist das?“

Rapunzel zieht sich die Schutzmaske unters Kinn und grinst: „Korona.“

„Was?“ Frau B. stellt ihren Teller hin.

„Nur keine Angst“, lacht Rapunzel schallend, „die werden mit K geschrieben.“

Grüne Limonade

Liebe Leserinnen und Leser,

ein paar Worte vorab:

Natürlich sind auch wir Kleingärtner von der Allgemeinverfügung wegen der Covid-19-Pandemie betroffen und es ist auch schon eine Geschichte zum Thema entstanden. Allerdings erscheint diese erst Anfang Mai. Das ist den langen redaktionellen Vorlaufzeiten unserer Gartenzeitung GARTENFREUND geschuldet. Hier also zunächst ein anderes Thema.

Bleibt alle gesund.

Grüne Limonade

Meine Gartennachbarinnen Rapunzel und Frau B. stehen am Eingang unserer Kleingartenanlage und tuscheln.

„Hast Du schon gehört?“ raunen sie mir zu, „Die Polizei hat Pierre mitgenommen.“

„Pierre?“ Ich bleibe ungläubig stehen. „Warum denn das?“

„Sie haben ihn erwischt“, grinst Frau B., „in flagranti.“

„Auf frischer Tat?“

„Beim Einbruch in meine Laube.“ Rapunzel grinst verdächtig breit.

„Ihr wollt mich doch auf den Arm nehmen.“

„Jetzt wird untersucht, ob Pierre was mit den anderen Einbrüchen in der Nachbarschaft zu tun hat.“

In jüngster Vergangenheit gab es einige Laubeneinbrüche. Auch Rapunzels Gartenhäuschen war schon aufgebrochen worden.

„Wenn du mich fragst, wer diese Hütte aufbricht, kann nicht viel in der Birne haben.“ Meine Gartennachbarin macht mit ihrem Zeigefinger eine kreisende Bewegung in Höhe ihrer Schläfe.

„Was soll das denn heißen?“ Rapunzels gespielte Empörung konnte mich nicht darüber hinwegtäuschen, dass an dieser Geschichte etwas faul war.

„Es ist doch allgemein bekannt, dass bei dir nicht viel zu holen ist“, Frau B. verschränkt ihre Arme vor der Brust.

„Beim letzten Mal haben sie meinen Mixer mitgenommen“, schmollt Rapunzel.

„Mein Fräulein Tochter hat dir doch einen neuen Mixer aus dem Tauschladen mitgebracht“, wende ich ein.

„Aber mein schöner alter Mixer ist weg und das Türschloss haben sie auch kaputtgemacht.“

Wie aufs Stichwort kommt das Fräulein Tochter um die Ecke und schwenkt ein Netz Zitronen. „Seht mal, was es beim Foodsharing gab.“

„Die wollen mir hier grad weismachen, dass Pierre beim Einbruch in Rapunzels Laube verhaftet worden ist.“

„Verhaftet“, Rapunzel winkt ab, „wir haben gesagt die Polizei hat Pierre mitgenommen.“

„Wortklauberei, könnt ihr vielleicht endlich mal genau erzählen, was los war?“

Auch meine Tochter sieht die beiden gespannt an.

„Pierre wollte nach Feierabend mein Türschloss reparieren“, beginnt Rapunzel die Aufklärung. „Mitten in der Arbeit macht sein Akkuschrauber schlapp. Also ging er rüber auf seine Parzelle, um das Gerät zu laden. Als der Akku wieder genug Leistung hatte, war die Nacht hereingebrochen. Also hat sich Pierre seine Stirnlampe aufgesetzt und ist wieder zurück zu meiner Gartenlaube.“

„Warst du da gar nicht dabei?“, will das Fräulein Tochter wissen.

„Ich hatte doch Spätdienst.“

„Das Ende vom Lied war, dass ein aufmerksamer Bürger die Polizei gerufen hat, weil er jemanden in der Dunkelheit mit Stirnlampe an der Laubentür hat hantieren sehen“, ergänzt Frau B. ungeduldig.

„Und weil der Pierre keinen Ausweis einstecken hatte, wollte die Staatsmacht ihm nicht glauben, dass er im Dunkeln Einbruchschäden repariert.“

„Darauf eine grüne Limonade“, sage ich und deute auf das Netz Zitronen.

Schnell pflücken wir jungen Spinat, Petersilie aus dem Frühbeet, Minze und Bärlauch. Ich hacke je 60 Gramm Petersilie und Spinat und zirka sechs Teelöffel Minze sowie zwei Blätter Bärlauch. Zusammen mit der abgeriebenen Schale einer Zitrone zwei bis drei Esslöffel Rübensirup und 90 Milliliter Zitronensaft und einem halben Liter kaltem Wasser kurz durchmixen. Prost.

Grüne_Limonade-2

Kandierte Gänseblümchen

Ich stehe mit meinem Fräulein Tochter Jasmin in der Küche ihrer Wohngemeinschaft und rühre Zuckersirup. Mit 100 Milliliter Wasser hatte ich 125 Gramm Rohrohrzucker aufgelöst und kurz köcheln lassen. Nun rühre ich den langsam erkaltenden Sirup. Jasmin wusch derweil Gänseblümchen mit kaltem Wasser und legte sie auf ein Leinentuch zum Trocknen.

„Sieht hübsch aus“, stellt sie fest und zupft die Blüten zu einem Ring.

Mein Telefon klingelt und Bruce ist dran.

„Hör mal, Karo“, druckst er herum, „würdest du, ähm dürfte ich …“

„Was“, frage ich streng.

„Ich möchte dich gern als Schlichterin vorschlagen.“

Das Fräulein Tochter macht lange Ohren. Ich stelle das Telefon auf Lautsprecher.

„Jasmin hört mit“, sage ich.

„Hallo Holger“, flötet das Fräulein Tochter. Wir grinsen, als wir merken wie seltsam es sich anhört, wenn Bruce nicht mit seinem Spitznamen angesprochen wird.

„Hallo Jasmin“, krächzt es aus dem Lautsprecher.

„Also was sagst du?“

Jasmin stupst mich an und nickt theatralisch.

„Ach ich weiß nicht, was müsste ich da denn …?“

Das Fräulein Tochter schlägt sich die flache Hand vor die Stirn.

„Nuuun“, Bruce atmet hörbar, „wenn sich mal zwei Gärtner über irgendwas nicht einigen können, dann könntest du – ähm vermitteln.“

„Aber das mach ich doch schon. Zum Beispiel bei Hans-Georg und dem Neuen mit der LKW-Plane.“

„Weiß ich doch, aber wenn die Mitgliederversammlung dich als Schlichterin gewählt hat, dann machst du es offiziell.“

„Mhm, offiziell hört sich nach Verpflichtung an.“

„Sie macht es“, ruft Jasmin dazwischen.

„Also das möchte ich schon von deiner Mutter …“ Im Lautsprecher raschelt es.

„Bist du noch dran? Na gut, schlag mich halt vor.“ Rascheln und Knarzen.

„Das freut mich. Ich hätte da auch schon die erste Schlichtung.“

„Ich bin doch noch gar nicht gewählt.“

„Aber in drei Wochen wirst du gewählt sein. Bis dahin sollte der vorliegende Fall nicht weiter eskalieren.“

Ich bereue meine Zusage und frage tapfer: „Um welchen Fall handelt es sich denn?“

Das Fräulein Tochter simuliert lautlos einen Lachanfall.

„Na um Hans-Georg und den Neuen mit der LKW-Plane.“

Jasmin prustet los.

„Was ist denn mit den beiden schon wieder“, frage ich.

„Du weißt doch noch, wie die Parzelle des Neuen aussah, als der Wind die LKW-Plane verschoben hatte?“

„Ja, als wäre ein Heißluftballon notgelandet.“

„Der Neue behauptet, Hans-Georg hätte die Leinen der Plane gelockert. Also Danke für deine Kandidatur Karo, wir sehen uns spätestens zur Mitgliederversammlung.“ Bruce legt auf.

„Meine Mama kandidiert“, fasst Jasmin feierlich zusammen.

„Ja, ja“, wehre ich ab, “jetzt lass uns hier erstmal kandieren.

Wir tauchen die Gänseblümchen vorsichtig in den Sirup. Dann befestigen wir die Blütenstängel an einem Bindfaden und hängen die Blümchen über Backpapier zum Trocknen auf.

„Das ist ja eine schöne Schmiererei.“ Jasmin schleckt sich ihre Finger sauber. „Wie lange brauchen die jetzt?“

„Morgen tauchst du sie noch einmal, nach zwei Tagen streust du vorsichtig Rohrohrzucker drüber und dann nochmal für weitere vier Tagen aufhängen.“

Deftiger Kohlrabi-Eintopf

„Die jungen Leute können alle kein Gartenhaus mehr bauen.“

Mein Gartennachbar Hans-Georg B. deutet auf eine Bauruine, die in unserer Gartenanlage nur „das Hochhaus“ genannt wird. Ein Junggärtner hatte das undichte Pultdach einer Laube abgerissen und bevor er die neuen Sparren auflegte, einen Ring aus alten Fenstern eingebaut.

Hochhauslaube_klein

Dabei unterliefen ihm einige Fehler, die dazu führten, dass er das neue Dach wenig später mit Planen abdecken musste. Gespannt warteten die anderen Gärtner auf die Fortsetzung des Baugeschehens. Doch der Wind zerriss die erste Plane, wenig später die zweite und bald auch Plane Nummer drei.

Da der verhinderte Gartenhausarchitekt auch keinen nennenswerten Obst- und Gemüseanbau realisierte, wurde er vom Vorstand gekündigt. Der nächste Bauherr installierte zunächst eine massive LKW-Plane.

„Na, habt ihr da einen Neuen?“ fragt Hans-Georg unseren stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Bruce, der grade des Weges kommt.

„Hm“, brummt Bruce, kratzt sich am Kopf und schaut nachdenklich auf das Planenungetüm, das wie ein auf einer Streuobstwiese liegengebliebener 40-Tonner wirkt.

„Nach hoffentlich renkt der sich nicht auch beim Arschabwischen den Daumen aus.“

„Hans-Georg“, tadelt meine Gartennachbarin Frau B. ihren Gatten und fügt hinzu: “Ihr müsst den jungen Lauten auch mal was zutrauen.“

„Mach ich doch“, grollt Hans-Georg, „denen trau ich alles zu.“

„Ich hab schon Hilfe angeboten, aber er meint, er kriegt das allein hin.“ Bruce wendet sich seinem Garten zu.

„Dann sollen die Neuen eben nur noch diese Baumarkthütten zusammenstecken. Dafür wird es ja wohl noch reichen. So kann das jedenfalls nicht bleiben“ murrt Hans-Georg.

„Da sind wir uns einig. Wenigsten gärtnert der Neue“, sage ich und zeige auf einige Mangold- und Grünkohlpflanzen.

„Ist der Kohlrabi noch vom letzten Jahr?“, fragt Frau B., zeigt auf das Frühbeet und zieht sich fröstelnd ihre Strickjacke enger um die Schultern.

„Na im Winter ist der sicher nicht gewachsen“ spottet Hans-Georg.

„Habt ihr es denn noch nicht gelesen?“ frage ich. „Kohlrabi funktioniert angeblich im Frühbeet als Wintergemüse. Selbst wenn er durchgefroren war, wird er wieder knackig.“

„Na, wer’s glaubt.“ Hans-Georg winkt ab.

Ich gehe in meinen Garten und hole Kohlrabi aus meinem Gewächshaus und Kartoffeln, Sellerie und Möhren aus der Miete.

Nachdem ich das Gemüse geputzt und geschält habe, setze ich einen Topf mit einem Liter Wasser auf. Zuerst gebe ich 200 Gramm feingewürfelten Knollensellerie hinein, dann 500 Gramm Kartoffelwürfel und 250 Gramm gestiftelte Möhren. Einen halben Teelöffel Salz dazu und zehn Minuten kochen lassen. Danach gebe ich zirka zwei Kilo kleine Kohlrabiwürfel zur Suppe und lasse das Ganze weitere zehn Minuten kochen.
Aus einem Esslöffel Mehl und einer Flocke Margarine bereite ich in einem kleinen Tiegel eine helle Mehlschwitze, die ich zum Binden unter die Suppe ziehe. Danach schmecke ich mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss ab. Zu guter Letzt zupfe ich frischen Feldsalat und verteile ihn über den Portionen.

Grünkohl-Kartoffel-Auflauf mit Roter Bete, Sonnenblumenkernen und Erdnussguss

„Das gruselige Ding steht ja immer noch hier rum.“ Bruce schnappt sich den Halloween-Kürbis und trägt ihn aus dem Vereinsheim. Rapunzel, meine Gartennachbarin Frau B. und ich folgen ihm neugierig.

„Das ist nur, damit das neue Jahr genauso furchtbar anfängt, wie das alte aufgehört hat“, kommentiert Frau B. und schaut grimmig drein.

„Das neue Jahr soll NICHT genauso furchtbar anfangen, deshalb steht der Kürbis noch hier“, korrigiert Rapunzel.

„Euer altes Jahr war furchtbar?“ Bruce nimmt die Kerzenreste aus dem Kürbis und stellt ihn auf einen Stubben zwischen wilden Rosen. Dann schüttet er aus einem Eimer Vogelfutter hinein.

„Naja, erst der Hagelschaden im Frühjahr, dann die ewige Hitze, die Kartoffelkäferinvasion und dann ist auch noch Kojak gestorben“ sagt Rapunzel mit Trauermiene.

„Unser Kojak?“ Frau B. guckt ungläubig. Der wohnt doch bei uns nebenan.

„Wohnte“, sagt Bruce und nickt betrübt.

„Sein Auto steht noch an der Straße“, Hans-Georg B. blickt Hilfe suchend zu seiner Frau.

„Der war doch noch gar nicht so alt.“

„Knapp über 70“, bestätigt Bruce und fügt hinzu: „Ist schon beerdigt, alles im kleinen Kreis.“

Rapunzel stochert mit dem Fuß im Gebüsch unter dem Kürbis. „Iiiih – das hier müssen wir auch beerdigen.“ Sie schiebt mit der Fußspitze einen kleinen Kadaver aus der Grasnabe.

„Ist das eine tote Ratte?“

Bruce bückt sich.

„Nee, ein toter Maulwurf.“

Frau B. lädt uns ins Vereinsheim. „Lasst uns ein letztes Mal auf Kojak anstoßen.“
Sie füllt die Gläser mit alkoholfreiem Sekt. „Was anderes ist nicht da.“

„Da muss doch noch“, Bruce kramt im Schrank hinter der Theke. Er fördert einige Packungen Sonnenblumenkerne und gesalzene Erdnüsse zutage. „Mindestens haltbar bis Juli 2015“, liest er vor, „wann haben wir hier eigentlich zum letzten Mal Inventur gemacht?“

„Die sind bestimmt noch gut“, sage ich und öffne eine Tüte Erdnüsse.

„Lebensmittel sind wertvoll“, grinst Frau B.

Ich könnte einen Leichenschmaus richten“, schlage ich vor.

„Für den Maulwurf?“, fragt Rapunzel.

„Unsinn für Kojak.“

Ich hole aus meinem Garten Kartoffeln, Grünkohl und Rote Beete.
Nach 20 Minuten sind 600 Gramm Pellkartoffeln fertig. Unterdessen putzte ich 800 Gramm Grünkohl und schälte 200 Gramm Rote Bete und schnitt alles in Scheiben und mundgerechte Happen. Ich fette eine große Auflaufform. Die gepellten und in Scheiben geschnittenen Kartoffeln werden nun abwechselnd mit Grünkohl und Roter Bete eingeschichtet. Zu guter Letzt streue ich 5 Esslöffel Sonnenblumenkerne drüber und mixe gesalzene Erdnüsse mit Sonnenblumenöl und Wasser zu einem Guss, den ich über das Gemüse träufele. Muskat und Pfeffer aus der Mühle darüber streuen und bei 200 Grad Celsius Umluft für 20 Minuten in den Backofen schieben.

Wir essen.

Rapunzel sieht aus dem Fenster. Vor dem Vereinsheim versammeln sich Rabenkrähen.
„Ich glaube, immer wenn einer gestorben ist, dann kommen die Krähen“ sinnt Rapunzel.

„Quatsch“, Frau B. schüttelt ihren Kopf.

Wir sind alle ans Fenster getreten. Eine Krähe schnappt sich den Maulwurfkadaver und hüpft davon.

„Beerdigen.“ Bruce winkt ab.