Pak Choi-Karottenpfanne mit Teriyaki-Soße

Auf dem Weg zwischen meinem Garten und der Parzelle unseres stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Holger, den alle nur Bruce nennen, weil er dem jungen Bruce Willis ähnlich sieht, steht seit ein paar Wochen eine Gartenbank.
Seitdem es die Kontaktbeschränkungen gibt, blieben immer häufiger Gärtnerinnen und Gärtner auf dem Weg stehen, um ein Schwätzchen mit Bruce oder mir oder Bruce und mir zu halten. Da haben wir es ein wenig bequemer gestaltet und auch Klappstühle in unseren Parzellen bereitgestellt, um den Abstand wahren zu können.
Auf der Bank sitzt heute Rapunzel. Als sie mich sieht, setzt sie schnell eine FFP2-Maske auf.
„Moin Karo“, nuschelt Rapunzel.
„Moin!“
Kaum bin ich vorbei, zieht Rapunzel ihre Maske wieder herunter.
Mein Fräulein Tochter schenkte mir ein Stimmungsset. Mund-Nasen-Bedeckungen für jede Gemütslage. Heute wäre eigentlich „Lächeln“ dran gewesen, denn schließlich habe ich einen Gartentag geplant. Aber diese Maske war in der Wäsche und so ist es doch die mit dem gefletschten Raubtiergebiss geworden.
„Uiuiui, du siehst aber gefährlich aus“, kommentiert Rapunzel. Ich ziehe meine Maske herunter und frage: „Wartest du auf mich oder auf Bruce?“
„Auf dich. Ich hab das da geerntet“, Rapunzel deutet auf ein Körbchen mit Blattgemüse, „und wollte dich fragen, was du da draus machen würdest.“
„Was hast du denn da?“
„Frisch getriebene Mangoldblättchen und Pak Choi.“
„Pak Choi, mhm was ganz Feines. Da sag noch Einer, aus China kämen nur Viren und Schutzmasken.“
„Ich würde gern irgendwas Kurzgebratenes oder Gedünstetes damit machen.“
„Dann versuch es doch mal mit Möhren, Zwiebeln, Reis und Teriyaki-Soße.“
„Teriwas?“
„Teriyaki. Das ist eine japanische Soße. Die kannst du entweder fertig kaufen oder du mischst Sojasoße, Zucker und Reiswein zu ungefähr gleichen Teilen und kochst das Ganze kurz auf und reduzierst bei schwacher Hitze, bis du die gewünschte Konsistenz hast. Manche nehmen auch Knoblauch und Ingwer dazu.“
„Ich glaube, ich schau mal nach der fertigen Soße. Reiswein und Sojasoße hab ich auch nicht vorrätig. Und das Gemüse einfach kurz anbraten?“
„Zunächst schneidest du aus zwei großen Zwiebelhälften Streifen. Dann zwei große Möhren schälen und in kleine Stifte teilen. Einen Esslöffel Rapsöl erhitzen. Darin die Karottenstifte und Zwiebelringe mit einer Prise Zucker anbraten. Von 500 Gramm Pak Choi zunächst die Blattrippen heraustrennen, in mundgerechte Stücke teilen und ebenfalls in die Pfanne geben und kurz scharf anbraten. Nun 3 Messerspitzen schwarzer Pfeffer, je zwei Messerspitzen Nelkenpulver und Fenchelpulver, je eine Messerspitze Anispulver und Zimtpulver sowie 5 Esslöffel Teriyaki-Soße und das in Streifen geschnittene Blattgemüse hinzufügen. Wenn vorhanden, gibst du noch einen Esslöffel Sesam hinein. Diese schnelle Gemüsepfanne schmeckt zu Reis oder auch Nudeln.“
„Donnerwetter, das hast du einfach so im Kopf?“
„Na ja, ich habe grad am Wochenende Chinakohl auf diese Art zubereitet. Nächste Woche hätte ich auch wieder nachschlagen müssen.“

Wirsingkohl mit Buchweizen und Schwarzwurzel

Als ich zum ersten Mal Buchweizen anbaute, fragte meine Gartennachbarin Frau B. misstrauisch: „Was ist das denn schon wieder für neumodischer Kram?“
Doch obwohl ich das Pseudogetreide seither regelmäßig anbaue, ernte ich die Nüsschen dieses Knöterichgewächses nicht mehr. Die Reife ist mir zur unregelmäßig. Damit ist das Ernten sehr mühselig und das Schälen mit der Handmühle war auch eine Erfahrung, die ich nicht wiederholen möchte.
Dennoch bestelle ich ganz gern ein Beet mit den wärmeliebenden Pflanzen. Die Insekten lieben die weiß-rosa Blüten, die Pflanzen taugen auch zur Gründüngung.
Zum Kochen verwende ich Buchweizen aus der Tüte.
Aber zunächst schäle ich 300 Gramm Schwarzwurzeln, 100 Gramm Knollensellerie, zwei Zwiebeln und zwei Karotten und schneide grobe, bissgerechte Stücke. Sechs mittelgroße Champignons putze ich und schneide sie in Scheiben.
In einer hohen Pfanne erhitze ich Rapsöl und gebe das ganze Gemüse und 100 Gramm rohen Buchweizen hinein. Dann wasche ich 300 Gramm Wirsingkohlblätter und schneide sie in zirka 1,5 Zentimeter breite Streifen gebe sie mit in die Pfanne und lasse sie kurz mitbraten. Zwei Knoblauchzehen zerquetsche ich und füge sie auch zum Gemüse. Danach gieße ich Wasser an, bis das Gemüse fest bedeckt ist und decke die Pfanne zu. Der Buchweizen benötigt das Wasser zum Garen. Hin und wieder sehe ich nach, ob noch ausreichend Flüssigkeit in der Pfanne ist und gieße bei Bedarf etwas Wasser nach. Wenn der Buchweizen gar ist, schmecke ich mit Pfeffer und Salz ab.
Ich sehe zur Uhr. Mein Fräulein Tochter hatte sich zum Essen angemeldet.
Mein Telefon klingelt. Bruce ist dran.
Er druckst herum. „Karo, du kochst doch gern?“
„Ja?“
„Es gibt da diesen Wettbewerb der Kleingärtnervereine.“
„Und?“
„Kennst Du unseren Nachbarverein?“
„Nehmen die jetzt auch am Wettbewerb teil?“
„Ja und ein Vögelchen hat mir gesungen, dass die jetzt ein Kochbuch mit den Lieblingsrezepten ihrer Gärtner gemacht haben.“
„Ach, das hab ich in der Post gehabt. Ich fragte mich schon, was das soll.“
„Das hab ich dir in den Briefkasten gesteckt, damit du weißt, worum es da geht und vielleicht so was Ähnliches für unseren Verein machen kannst.“
„Krieg ich Bedenkzeit?“
„Bis gestern!“
Es klingelt an der Tür.
„Ich melde mich“, flöte ich in den Hörer, lege auf und lasse meine Tochter Jasmin herein.
Im Flur greife ich das Kochbuch vom Altpapierstapel.
„Oh, Weiterbildung?“, scherzt das Fräulein Tochter.
Ich reiche ihr die Broschüre mit verzweifelter Geste. „Bruce will ein Kochbuch für unseren Verein.“
Jasmin blättert und zitiert aus dem Inhaltsverzeichnis: „Würstchen im Schlafrock, Pflaumen im Speckmantel, Grillsteak mit Käse überbacken. So was sollst Du auch machen?“
„Mhm.“
„Dem ist aber schon klar, dass du nix mit Speck, Butter oder“, Jasmin zeigt auf ein Brombeertortenrezept und zitiert: „Gelatine machst?“
„Ich weiß nicht.“ Er sagt, dass die das Kochbuch in ihrem Vereinsheim ausgestellt haben.
„Vereinsheim“, stöhnt Jasmin, „weißt du wie mein Freund die Bude nennt? Mettigelauffangstation.“

Kartoffelkuchen

„Das ist nett von Dir, aber danke. Vielleicht hast du ja wichtigere Termine.“
Mein zukünftiger Schwiegersohn zieht seine Haare zu einem straffen Dutt.
„Ach, das macht mir überhaupt nichts aus“, wiegele ich ab.
Mein Fräulein Tochter kommt zu uns. „Was gibst?
Deine Mutter will uns beim Zaunbau helfen.
„Und einen Kuchen bringe ich auch mit“, trumpfe ich auf.
„Kuchen ist immer gut. Wir sehen uns dann morgen.“
Die jungen Leute gehen und ich mache aus 250 Gramm Weizenmehl, 160 Milliliter Wasser und 30 Gramm Frischhefe einen Vorteig, den ich eine Stunde an einem warmen Ort gehen lasse bis er sein Volumen ungefähr verdreifacht hat.
Derweil werden 250 Gramm geschälte Kartoffeln gekocht.
Dann walke ich aus dem Vorteig, weiteren 500 Gramm Weizenmehl, die mittlerweile ausgekühlten und zerdrückten Kartoffeln, 50 Gramm feingehacktes Orangeat, 200 Gramm zerlassene Margarine, 1 Gramm Zimt, eine Prise Nelkenpulver und eine Prise gemahlener Kardamom ungefähr 10 Minuten bis ein geschmeidiger Teig entstanden ist, der nicht mehr klebt. Anschließend füge ich 100 Gramm Rohrohrzucker und 10 Gramm Salz hinzu und knete nochmals durch. Zum Schluss 100 Gramm Rosinen unter den Teig heben und alles auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech ausbreiten, mit den Fingerspitzen kleine Dellen eindrücken und mit einem Gemisch aus 100 Gramm Rohrohrzucker, 70 Gramm zerlassener Margarine und einem Teelöffel Zimt übergießen. Nach weiteren 20 Minuten an einem warmen, zugfreien Ort schiebe ich das Blech auf mittlerer Schiene bei 180 ° C für eine halbe Stunde in den Backofen.
Am nächsten Morgen packe ich eine Thermoskanne Kaffee, ein paar Becher und meinen Kartoffelkuchen ein und mache mich auf den Weg in unsere Kleingartenanlage. Als ich eintreffe, ist die Erneuerung des Gartenzaunes bereits in vollem Gange. Ich schnappe mir einen Klappstuhl und lasse mich an einer Stelle nieder, von der ich das Baugeschehen gut überblicken kann.
„So sieht also Deine Hilfe aus, Mama“, tadelt mich Jasmin.
„Ich bin euer Joker. Falls es Schwierigkeiten gibt.“
Nicht, dass ich den jungen Leuten den Zaunbau nicht zutrauen würde, ich bin vor allem auf eine andere Entwicklung gespannt.
Wie nicht anders erwartet, dauert es nicht lange und die ersten Gartennachbarn machen den Kleingartenneulingen ihre Aufwartung.
„Neuer Zaun? Viel Arbeit, was?“
„Ja, ja viel Arbeit!“
„Aber der alte Zaun war doch noch gut.“
„Noch gut?“ Jasmins Philosophiestudent hält anklagend ein sichtlich angegriffenes Stück Holz hoch.
„Die Querriegel kommen meist zu erst. Viel Arbeit was?“
„Ja, ja viel Arbeit.“
„Hm, hier riecht es nach frischem Holz. Habt ihr die Latten vorher schon mit Holzschutz gestrichen?“
„Haben wir.“ Jasmin deutet auf zwei Böcke auf denen Latten zur weiteren Verwendung lagern.
„Könnt ihr dann bei mir gleich weitermachen, was?“
„Erstmal sehen wie weit wir hier kommen.“
„Und soll da später noch Farbe dran?“
„Wissen wir noch nicht. Wir dachten, wir lassen das Holz verwittern und es wird dann silbergrau.“
„Ich hab noch eine Büchse mit brauner Farbe.“
„Nein danke.“
„Trotzdem viel Arbeit.“
„Ja, ja viel Arbeit.“

Sandorn-Hagebutten-Suppe

„Ist das nicht schön?“ Mein Fräulein Tochter strahlt übers ganze Gesicht und lehnt sich an ihren Freund, der seine Blicke schweifen lässt wie ein Großgrundbesitzer.
Die beiden stehen vor einer zirka 200 Quadratmeter großen Kleingartenparzelle in unserer Anlage, nur einen Gartenweg von meinem Garten entfernt. Im Vordergrund rostet ein altes Rollreifenfass, dahinter schließen sich einige Rosensträucher und vier Sanddornbüsche an, die grade groß genug sind, um die alte Holzlaube pittoresk erscheinen zu lassen.
„Was habt ihr dafür bezahlt?“
„Das ist das Beste! Wir haben sogar noch vierhundertfünfzig Euro bekommen.“
„Aber dafür müsst ihr doch bestimmt noch viele Aufgaben erfüllen?“
„Die drei großen, alten Stubben und die Zuckerhutfichte müssen wir roden, den frei stehenden Schuppen dahinten abreißen und vierzig Quadratmeter Gemüsebeete neu anlegen. Wollen wir mal reingehen?“
Ich nicke.
Wir betreten den Weg aus alten Betonplatten, der schnurgrade vom Gartentor zur Gartenlaube führt.
„Den müssen wir auch noch neu gestalten.“ Jasmin beschreibt mit großer Geste den Bogen, in dem der künftige Weg vom Tor an die Grenze zur Nachbarparzelle und weiter zum Gartenhaus verlaufen soll.
Neben der Laube liegt ein Riffelblech.
„Was ist denn da drunter?“ Ich bücke mich und versuche die Metallplatte anzuheben.
„Ach“, wiegelt das Fräulein Tochter ab, das ist eine alte Grube, die müssen wir auch noch verfüllen. Unter dem Blech ist der Rand eines eingegrabenen Fasses zu sehen. Ein beißender Geruch schlägt uns entgegen. „Das ist ja widerlich.“ Ich wende mich ab.
„Der alte Pächter hat gesagt, dass er jahrelang nichts mehr da reingetan hat“, nörgelt Jasmin.
„Riecht nicht so“, stellt der neue Hausherr fest und nestelt an seinem Dutt.
„Das kriegen wir schon hin, nicht?“ Jasmin knufft ihren Philosophen in die Seite.
Bei den Sanddornsträuchern, stelle ich fest, dass die Beeren reif sind. Sie sind kräftig orange, weich und auf der Oberfläche leicht glasig.
„Komm, wir pflücken gleich.“ Jasmin holt eine Schale. Ihr Freund zupft unterdessen Hagebutten von den Rosenbüschen. „Lass noch welche für die Vögel dran“, instruiert ihn das Fräulein Tochter. „An diesem Sanddorn hier sind gar keine Beeren“, wundert sie sich. „Das könnte daran liegen, dass das ein männlicher Strauch ist“, mokiert sich ihr Galan.
„Ich wollte nur mal testen, ob du das weißt“, schmollt Jasmin.
Sie legt Folien unter die weiblichen Sanddornpflanzen. „Für den Fall, dass welche runterfallen“, kommentiert sie. Vorsichtig beginnen wir mit der Ernte. „Nachher zählen wir, wer die wenigsten Kratzer hat“, ruft Jasmin fröhlich.
Zuhause halbieren wir 250 g Hagebutten und entfernen die Kerne. Wir setzen sie zusammen mit 150 g gewaschenen und zerdrückten Sanddornbeeren, 50 g Zucker, 20 g geschältem und fein gehacktem Ingwer und einem halben Liter naturtrübem Apfelsaft für 20 Minuten zum Köcheln auf.
Danach ziehen wir den Pürierstab kurz durch die Suppe, würzen mit Vanillezucker und Zimt und servieren mit Birnenstückchen, gehackten Walnüssen und Zwieback.

Tote Oma versus toter Waschbär

Wenn junge Menschen, wie zum Beispiel meine Tochter Jasmin, sich sehr früh für eine vegane Lebensweise entscheiden, dann kennen sie oft Gerichte wie Eisbein oder Kassler mit Sauerkraut gar nicht. Ein weiteres Sauerkrautgericht meiner Kindheit war Grützwurst auch kurz und herzlos „Tote Oma“ genannt.
Nun leuchten mir die vielen Gründe für tierleidfreie Ernährung ja durchaus ein. Andererseits sind da diese Gerüche und Geschmäcker der Kindheit. Wer kennt ihn nicht, den Heißhunger, der sich überfallartig einstellt, wenn bestimmte Gerüche aus einem geöffneten Küchenfenster dringen.
Bei Grützwurst mit Sauerkraut und Salzkartoffeln habe ich mir ein eigenes Rezept gebastelt, das ohne Schweinebauch und Schweineblut auskommt.
Ich schneide 250 Gramm Räuchertofu in feine Würfel und röste diese in zwei Esslöffeln Rapsöl zusammen mit 100 Gramm Zwiebelwürfeln an. Ich koche Kidneybohnen, Bulgur und Belugalinsen.
250 Gramm Kidneybohnen und 100 Gramm geschälte und gekochte rote Bete werden dann mit 10 Gramm Salz, 2 Gramm gemahlenem schwarzen Pfeffer, 1 Gramm gemahlenem Kümmel, 2 Gramm frischem Majoran, 2 Gramm gemahlenem Piment und einer kräftigen Prise Zimt im Mixer püriert. Unter die entstandene Masse werden dann 125 Gramm Belugalinsen, 125 Gramm Bulgur und die gebratenen Tofu- und Zwiebelwürfel gehoben.
Das Fräulein Tochter assistiert mir in der Küche. Wohl auch, weil sie ein Glas voll als Brotaufstrich abgreifen will. Demonstrativ versieht sie das Etikett mit dem Wort GrützVurst.
Auch aufgewärmt schmeckt die Masse hervorragend. Doch wir bereiten Sauerkraut mit Apfel und Salzkartoffeln zum Sofortverzehr.
Nach dem Essen fragt das Fräulein Tochter: „Und das habt ihr echt „Tote Oma“ genannt?“
Ich nicke stumm.
Unser Verdauungsspaziergang führt in Richtung Garten. Mein Garten liegt nur eine viertel Stunde zu Fuß von meiner Wohnung entfernt.
Auf halbem Weg begegnen wir Bruce.
„Gehst du schon nach Hause?“, fragt das Fräulein Tochter kess und fügt hinzu: „Ich habe heute meine erste tote Oma gekocht und gegessen.“
„Schön für dich“, antwortet Bruce zerstreut.
„Tote Oma? Verstehst du?“
„Besser tote Oma als toter Waschbär“, antwortet Bruce ernst und fügt nach kurzer Pause hinzu: „Mir ist schlecht. Den Gestank könnt ihr euch nicht vorstellen.“
„Ein toter Waschbär in unserer Kleingartenanlage?“
„Heute früh bat mich Pierre in seinen Garten. Schon am Eingang seiner Parzelle stank es ganz gewaltig. Erst dachten wir an einen Fuchs oder Marder, der sein Revier markiert hat. Aber dann haben wir unter Pierres Holzterrasse den Kadaver eines Waschbären gefunden. Der muss da schon eine Weile gelegen haben, denn es ringelten sich schon die Maden aus den Augenhöhlen. Das war wie in einem Horrorfilm.“
Bruce schüttelt sich.
„Und wo ist der jetzt?“
„Pierre?“
„Unsinn, der Waschbär.“
„Pierre hat ihn einen Müllsack gesteckt und beim Tierschutz angerufen.“
„Tierschutz? Ist das nicht ein bisschen spät?“
Meine Tochter reicht Bruce das Glas GrützVurst und fragt mitleidig: „Tote Oma?“
„Nein Danke. Kein Appetit heute.“

Lasagne mit roter Bete

Bruce und Pierre stehen bei Rapunzel am Zaun und schwatzen mit ihr. Als ich dazu komme schweigen sie.
„Was ist los? Habt ihr etwa Geheimnisse?“
Die drei schütteln die Köpfe. Bruce zeigt auf ein Beet in dem rote Rüben stehen. „Ich sagte nur eben zu Rapunzel, dass sie Glück gehabt hat, dass sie damals so viel Feldsalat gemacht hat. Heute müssten wir sie vermutlich rote Rübe nennen.“
„Ich dachte ihr nennt mich Rapunzel, weil ich so schöne, lange Haare hab“, kokettiert die Geneckte und dreht einen ihrer Zöpfe um den Zeigefinger.
„Oder so“, sagt Bruce und zu mir. „Ich hab gehört, deine Jasmin wird langsam erwachsen?“
Pierre fragt: „Ist sie schwanger?“
Und Rapunzel: „Oder heiratet sie den bärtigen Philosophen mit dem Dutt?“
„Mein Fräulein Tochter erzählt mir zwar schon lange nicht mehr alles, aber das wüsste ich vermutlich schon. Keine Ahnung was du meinst, Bruce.“
„Nein“, raunt Bruce, „sie hat sich um einen Garten beworben.“
„Ach das meinst du. Will sie wirklich immer noch eine Kleingartenparzelle? Ich dachte das wäre nur so eine Phase. Wird denn bald was frei?“
„Das schon“, Bruce spannt seine Daumen unter die Träger seiner Latzhose, „aber wir haben viele Bewerber. Wir werden wohl einen Aufnahmetest einführen müssen.“
„Au ja“, freut sich Pierre, „zum Beispiel: Nennen sie drei Einrichtungsgegenstände, die für Sie in einem Kleingarten sehr wichtig sind.“
„Genau und wenn der Bewerber dann Grill, Pool und Trampolin schreibt, dann kommt er gar nicht erst auf die Warteliste“, ergänzt Bruce.
„Da hat Jasmin kein Problem. Die schreibt da glatt Frühbeet, Kompostbehälter und Gewächshaus. Die hat doch mit ihrem Philosophen schon bei den Stadtgärtnern mitgemacht. Essbare Stadt und so, erinnert ihr euch?“
Rapunzel fragt: „Will jemand rote Bete?“
Sie reicht eine Rübe von der Größe eines Kinderhandballs herüber. Ich nehme ihr das Gemüse ab. „Ich hab auch noch ein Rezept für dich.“ Rapunzel steckt mir einen Zettel zu.
Wir zerstreuen uns.
Zu Hause koche ich zunächst die rote Bete. Ich schäle die Zwiebel und röste sie in einem EL Olivenöl an. Die zwei Karotten schäle ich ebenfalls, hacke sie zusammen mit 60 Gramm geputzten Champions sehr fein und gebe alles zu der Zwiebel in die Pfanne. Dann schäle ich die gekochte rote Rübe und schneide feine Würfel daraus. 300 Gramm Rübenwürfel kommen ebenfalls in die Pfanne. Nach zirka 5 Minuten gebe ich 60 Milliliter Mandelsahne, einen Esslöffel Rübensirup, Pfeffer, Salz und Oregano dazu und lasse alles weitere 5 Minuten köcheln.
Dann rühre ich mit dem Schneebesen 3 Esslöffel Mehl in 2 Esslöffel zerlassene Margarine, lösche, immer weiter rührend, mit 350 Milliliter Sojamilch ab bis eine streichfähige Sauce entstanden ist. Diese Sauce würze ich mit Pfeffer, Salz und geriebenem Muskat.
Ich heize den Ofen auf 160 °C vor und gebe 250 Gramm Lasagneblätter wie folgt in eine mit Olivenöl ausgepinselte Form: Lasagneblätter, Hälfte der Füllung, Lasagneblätter, Rest der Füllung, Lasagneblätter, Mehl-Muskat-Sauce und darüber drei EL Hefeflocken verteilen. Die Backzeit beträgt zirka 40 Minuten.

Kartoffelkäfersuppe und Bienenstich

Ich blinzle in die Sonne. Im Nachbargarten hühnern Hans-Georg B. und seine Frau durch ihre Kartoffelreihen. Sie suchen, soweit ich das von meinem Liegestuhl aus erkennen kann, Kartoffelkäfer.
„Sammelt ihr Käfer ab?“
„Ja“, knurrt meine Gartennachbarin mürrisch, „und nein, wir kommen nicht, um bei dir weiterzumachen.“
„Ich hab doch gar nichts gesagt“, flöte ich unschuldig.
„Das reicht, wenn ich sehe, wie du guckst.“ Meine Gartennachbarin drückt ihr Kreuz durch.
Kipirr, schellt es an meinem Gartentor. Mein Fräulein Tochter kommt herein.
„Kartoffelkäfer?“ fragt sie.
Meine Gartennachbarin holt tief Luft, doch bevor sie etwas sagen kann, zeigt ihr Gatte ein kleines Eimerchen vor und mein Fräulein Tochter sieht hinein.
„Kartoffelkäfersuppe“ kommentiert er.
„Iihiehh!“
„Insekten sind ein erstklassiger Proteinlieferant“, doziert Hans-Georg.
„Aber ich esse ja gar keine tierischen Produkte. Also auch keine Kartoffelkäfer.“ Das Fräulein Tochter rümpft die Nase.
„Kartoffelkäfersuppe?“ überlege ich, „Ich glaube, ich habe im Internet mal ein Rezept dafür gelesen.“
„Im Internet steht auch, dass die Erde eine Scheibe ist“, moniert meine Tochter schnippisch.
„Ich würde so was auch nicht essen wollen.“ Frau B. verzieht angewidert das Gesicht.
Ihr Gatte hat sein Eimerchen abgestellt und schlägt in die Luft.
„Was ist los?“
„Eine flotte Biene. Ich weiß auch nicht, was die hat.“
Hans-Georg B. geht ein paar Schritte auf und ab. Das Insekt folgt ihm beharrlich. Immer wieder fliegt es gegen den Kopf des Gärtners.
„Jetzt hat die mich tatsächlich gestochen.“
Frau B. holt eine Zwiebel aus dem Beet, zerschneidet diese und drückt eine Zwiebelhälfte auf die Einstichstelle am Hals ihres Mannes.
„Zum Glück bin ich nicht allergisch“, konstatiert dieser grimmig.
„Bienenstich könnte ich auch mal wieder backen“, sinniert mein Fräulein Tochter halblaut und wenig diplomatisch.
„Bienenstich? Gibt es da ein veganes Rezept?“
„Natürlich! Im Internet!“
„Ach?“
„Ja, ja. Manchmal stehen da auch gute Sachen drin. Hier zum Beispiel: 250 Gramm Mehl, eine halbe Packung Trockenhefe, zwei Esslöffel Wasser, 35 Gramm Zucker und 125 Milliliter Mandelmilch zusammenrühren. Nach fünf Minuten ein halbes Tütchen Backpulver, ein Esslöffel Sojamehl, 35 Gramm Margarine und eine Prise Salz dazu rühren. Den Hefeteig kneten, eine halbe Stunde gehen lassen, dann auf eine 26er Springform ziehen und an einem warmen Ort nochmals gehen lassen.
5 Esslöffel Mandelmilch, 15 Gramm Vanillezucker, 75 Gramm Margarine, 100 Gramm Zucker in einem Tiegel unter Rühren erhitzen und sobald das Gemisch leicht aufbrodelt von der Herdplatte ziehen und 125 Gramm gehobelte Mandeln unterheben.
Diese Mandelmischung wird nun auf dem Teig verteilt und dieser bei 180 Grad Celsius Umluft zirka 20 Minuten auf mittlerer Schiene gebacken.
Einem halben Liter Mandelmilch mit zwei Päckchen Vanille-Puddingpulver a. 37 Gramm aufkochen, 50 Gramm Margarine und 20 Gramm Puderzucker dazu rühren und abkühlen lassen.
Sobald der Kuchen abgekühlt ist, wird er mit einem großen Messer in Boden und Deckel geteilt. Dann wird der Pudding auf dem Boden verteilt und der Deckel wieder aufgesetzt.

Deftiger Kohlrabi-Eintopf

„Die jungen Leute können alle kein Gartenhaus mehr bauen.“

Mein Gartennachbar Hans-Georg B. deutet auf eine Bauruine, die in unserer Gartenanlage nur „das Hochhaus“ genannt wird. Ein Junggärtner hatte das undichte Pultdach einer Laube abgerissen und bevor er die neuen Sparren auflegte, einen Ring aus alten Fenstern eingebaut.

Hochhauslaube_klein

Dabei unterliefen ihm einige Fehler, die dazu führten, dass er das neue Dach wenig später mit Planen abdecken musste. Gespannt warteten die anderen Gärtner auf die Fortsetzung des Baugeschehens. Doch der Wind zerriss die erste Plane, wenig später die zweite und bald auch Plane Nummer drei.

Da der verhinderte Gartenhausarchitekt auch keinen nennenswerten Obst- und Gemüseanbau realisierte, wurde er vom Vorstand gekündigt. Der nächste Bauherr installierte zunächst eine massive LKW-Plane.

„Na, habt ihr da einen Neuen?“ fragt Hans-Georg unseren stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Bruce, der grade des Weges kommt.

„Hm“, brummt Bruce, kratzt sich am Kopf und schaut nachdenklich auf das Planenungetüm, das wie ein auf einer Streuobstwiese liegengebliebener 40-Tonner wirkt.

„Nach hoffentlich renkt der sich nicht auch beim Arschabwischen den Daumen aus.“

„Hans-Georg“, tadelt meine Gartennachbarin Frau B. ihren Gatten und fügt hinzu: “Ihr müsst den jungen Lauten auch mal was zutrauen.“

„Mach ich doch“, grollt Hans-Georg, „denen trau ich alles zu.“

„Ich hab schon Hilfe angeboten, aber er meint, er kriegt das allein hin.“ Bruce wendet sich seinem Garten zu.

„Dann sollen die Neuen eben nur noch diese Baumarkthütten zusammenstecken. Dafür wird es ja wohl noch reichen. So kann das jedenfalls nicht bleiben“ murrt Hans-Georg.

„Da sind wir uns einig. Wenigsten gärtnert der Neue“, sage ich und zeige auf einige Mangold- und Grünkohlpflanzen.

„Ist der Kohlrabi noch vom letzten Jahr?“, fragt Frau B., zeigt auf das Frühbeet und zieht sich fröstelnd ihre Strickjacke enger um die Schultern.

„Na im Winter ist der sicher nicht gewachsen“ spottet Hans-Georg.

„Habt ihr es denn noch nicht gelesen?“ frage ich. „Kohlrabi funktioniert angeblich im Frühbeet als Wintergemüse. Selbst wenn er durchgefroren war, wird er wieder knackig.“

„Na, wer’s glaubt.“ Hans-Georg winkt ab.

Ich gehe in meinen Garten und hole Kohlrabi aus meinem Gewächshaus und Kartoffeln, Sellerie und Möhren aus der Miete.

Nachdem ich das Gemüse geputzt und geschält habe, setze ich einen Topf mit einem Liter Wasser auf. Zuerst gebe ich 200 Gramm feingewürfelten Knollensellerie hinein, dann 500 Gramm Kartoffelwürfel und 250 Gramm gestiftelte Möhren. Einen halben Teelöffel Salz dazu und zehn Minuten kochen lassen. Danach gebe ich zirka zwei Kilo kleine Kohlrabiwürfel zur Suppe und lasse das Ganze weitere zehn Minuten kochen.
Aus einem Esslöffel Mehl und einer Flocke Margarine bereite ich in einem kleinen Tiegel eine helle Mehlschwitze, die ich zum Binden unter die Suppe ziehe. Danach schmecke ich mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss ab. Zu guter Letzt zupfe ich frischen Feldsalat und verteile ihn über den Portionen.

Grünkohl-Kartoffel-Auflauf mit Roter Bete, Sonnenblumenkernen und Erdnussguss

„Das gruselige Ding steht ja immer noch hier rum.“ Bruce schnappt sich den Halloween-Kürbis und trägt ihn aus dem Vereinsheim. Rapunzel, meine Gartennachbarin Frau B. und ich folgen ihm neugierig.

„Das ist nur, damit das neue Jahr genauso furchtbar anfängt, wie das alte aufgehört hat“, kommentiert Frau B. und schaut grimmig drein.

„Das neue Jahr soll NICHT genauso furchtbar anfangen, deshalb steht der Kürbis noch hier“, korrigiert Rapunzel.

„Euer altes Jahr war furchtbar?“ Bruce nimmt die Kerzenreste aus dem Kürbis und stellt ihn auf einen Stubben zwischen wilden Rosen. Dann schüttet er aus einem Eimer Vogelfutter hinein.

„Naja, erst der Hagelschaden im Frühjahr, dann die ewige Hitze, die Kartoffelkäferinvasion und dann ist auch noch Kojak gestorben“ sagt Rapunzel mit Trauermiene.

„Unser Kojak?“ Frau B. guckt ungläubig. Der wohnt doch bei uns nebenan.

„Wohnte“, sagt Bruce und nickt betrübt.

„Sein Auto steht noch an der Straße“, Hans-Georg B. blickt Hilfe suchend zu seiner Frau.

„Der war doch noch gar nicht so alt.“

„Knapp über 70“, bestätigt Bruce und fügt hinzu: „Ist schon beerdigt, alles im kleinen Kreis.“

Rapunzel stochert mit dem Fuß im Gebüsch unter dem Kürbis. „Iiiih – das hier müssen wir auch beerdigen.“ Sie schiebt mit der Fußspitze einen kleinen Kadaver aus der Grasnabe.

„Ist das eine tote Ratte?“

Bruce bückt sich.

„Nee, ein toter Maulwurf.“

Frau B. lädt uns ins Vereinsheim. „Lasst uns ein letztes Mal auf Kojak anstoßen.“
Sie füllt die Gläser mit alkoholfreiem Sekt. „Was anderes ist nicht da.“

„Da muss doch noch“, Bruce kramt im Schrank hinter der Theke. Er fördert einige Packungen Sonnenblumenkerne und gesalzene Erdnüsse zutage. „Mindestens haltbar bis Juli 2015“, liest er vor, „wann haben wir hier eigentlich zum letzten Mal Inventur gemacht?“

„Die sind bestimmt noch gut“, sage ich und öffne eine Tüte Erdnüsse.

„Lebensmittel sind wertvoll“, grinst Frau B.

Ich könnte einen Leichenschmaus richten“, schlage ich vor.

„Für den Maulwurf?“, fragt Rapunzel.

„Unsinn für Kojak.“

Ich hole aus meinem Garten Kartoffeln, Grünkohl und Rote Beete.
Nach 20 Minuten sind 600 Gramm Pellkartoffeln fertig. Unterdessen putzte ich 800 Gramm Grünkohl und schälte 200 Gramm Rote Bete und schnitt alles in Scheiben und mundgerechte Happen. Ich fette eine große Auflaufform. Die gepellten und in Scheiben geschnittenen Kartoffeln werden nun abwechselnd mit Grünkohl und Roter Bete eingeschichtet. Zu guter Letzt streue ich 5 Esslöffel Sonnenblumenkerne drüber und mixe gesalzene Erdnüsse mit Sonnenblumenöl und Wasser zu einem Guss, den ich über das Gemüse träufele. Muskat und Pfeffer aus der Mühle darüber streuen und bei 200 Grad Celsius Umluft für 20 Minuten in den Backofen schieben.

Wir essen.

Rapunzel sieht aus dem Fenster. Vor dem Vereinsheim versammeln sich Rabenkrähen.
„Ich glaube, immer wenn einer gestorben ist, dann kommen die Krähen“ sinnt Rapunzel.

„Quatsch“, Frau B. schüttelt ihren Kopf.

Wir sind alle ans Fenster getreten. Eine Krähe schnappt sich den Maulwurfkadaver und hüpft davon.

„Beerdigen.“ Bruce winkt ab.

Märchenhafter Mohnkloß

„Das nenne ich mal nachhaltig“ sagt Bruce und klopft auf den ausgehöhlten Kürbis in dessen Innerem Kerzen flackern, „Halloween ist doch lange vorbei.“

Die Tür des Vereinsheims fliegt auf und Pierre stürmt herein. „Braucht ihr Mohn?“

„Mohn? Ist das nicht verbo-„

Pierre unterbricht Frau B.: “Das ist morphinarmer Backmohn.“

Rapunzel tritt ein.

„Pierre verstößt gegen das Betäubungsmittelgesetz“, stichelt Frau B. und Rapunzel sieht sich mit großen Augen um.

„Wollten wir nicht heute Märchenstunde?“

„Die hat schon angefangen“, murrt Pierre.

„Ich könnte 250 Gramm Backmohn brauchen“, flüstere ich. Pierre schiebt mir eine Papiertüte zu.

„Könnt ihr eure kriminellen Machenschaften nicht woanders abwickeln“, frotzelt Frau B. weiter.

„Morphinarmer Wirtschaftsmohn ist erlaubt“, sagt Bruce. Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: “Wenn er nicht grad vorn am Gartenzaun steht.“

„Das nenne ich mal klar geregelt“, prustet Frau B. los.

Paul und sein Freund Moritz kommen zur Märchenstunde. Rapunzel hat sich mit einem alten Bettlaken hinter dem Tresen verkrochen. Wir warten, doch da keine weiteren Kinder eintreffen, rückt Frau B. ihre Brille zurecht und beginnt vorzulesen.

„In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König, dessen Töchter waren alle schön, dass die Sonne selber, die doch so vieles gesehen hat, sich verwunderte, sooft sie ihr ins Gesicht schien.“

„Wie bei uns, was Karo?“ unterbricht Frau B.

Moritz kräht dazwischen: “Das kenn ich schon.“

„Ach so?“ Frau B. sieht über den Rand ihrer Brille. „Dann weißt du bestimmt, wie es weitergeht.“

Moritz holt tief Luft: „Die Prinzessin geht immer zu einem Brunnen im Wald und spielt dort mit einer goldenen Kugel. Dann fällt die Kugel in den Brunnen und ein Frosch holt sie wieder herauf. Zum Schluss wirft die Königstochter den Frosch an die Wand und er wird zu einem Prinzen.“

„Gut, das hätten wir dann“, murmelt Frau B. und blättert weiter.

„Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen.“

Zufrieden bemerken wir, dass die Kinder dieses Märchen offenbar nicht kennen. An der Stelle als der Küster sich auf dem Glockenturm als Gespenst verkleidet hat, erhebt sich am Tresen hinter Frau B. Rapunzel mit dem übergehängten Bettlaken. Die Kinder bemerken sie zunächst gar nicht. Doch dann schreit Moritz aufgeregt: „Ein Gespenst, ein Gespenst!“

Frau B. dreht sich sehr langsam um. „Wenn wir jetzt ein Stück Mohnkuchen zur Beruhigung hätten.“

Rapunzel kichert und zieht das Laken ab. Wir lachen und Frau B. liest weiter.
Am folgenden Tag überbrühe ich 250 Gramm gemahlenen Mohn mit 250 Milliliter Zuckerwasser, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Je 50 Gramm Rosinen, gehackte Nüsse und 15 Gramm Zitronat setze ich in lauwarmen Wasser mit ein wenig Rumaroma zum Quellen an und hebe sie unter die Mohnmasse. Dann lege ich eine Schüssel mit Weißbrotscheiben oder Zwieback aus, darauf gebe ich eine Lage Mohnmasse. Dann wiederum eine Lage Weißbrot oder Zwieback, bis die Schüssel ganz gefüllt ist. Die oberste Lage ist Mohnmasse und wird nach dem Kaltstellen mit gehackten Mandeln garniert.

Mohnkloß_klein