Buchteln mit Ölweidenbeerenmarmelade

Auf dem Weg vor dem Garten meiner Tochter Jasmin stehen meine Gartennachbarin Frau B., deren Mann Hans-Georg und unser Gartenfachberater Pierre. Ich geselle mich dazu. Auf der anderen Seite des Zaunes sind meine Tochter und ihr Freund mit dem Rückschnitt von Sträuchern beschäftigt.

Frau B fragt: „Was sind das für Sträucher?“

Mein zukünftiger Schwiegersohn ergreift die Chance und hält einen kleinen Vortrag.

„Das sind Ölweiden. Sie gehören zu den Pioniergehölzen und trotzen nicht nur Hitze, Trockenheit und Wind. Sie gedeihen auch auf nährstoffarmen Böden und ernähren dabei sogar Nachbarpflanzen. Sie leben mit der Bakterien-Art Frankia alni in Symbiose. Die Bakterien helfen der Pflanze, den Stickstoff aus der Luft umzuwandeln und in den knöllchenartigen Gebilden an der Wurzel zu binden. Auf diese Weise gelingt den Ölweiden die Besiedlung stickstoffarmer Böden, auf denen sie ohne die Bakterien vermutlich keine Chance hätten.“

„Außerdem blühen die Ölweiden sehr schön und liefern Insekten damit reichlich Nahrung und für uns reifen vitaminhaltige Beeren. Diese Beeren sind je nach Ölweidensorte rot oder gelb“, ergänzt Jasmin.

„Ich seh schon.“ Frau B. zeigt auf eine dichte Traube johannisbeergroßer Früchte.

„Ein paar haben wir für die Vögel drangelassen. Die zwei Sträucher trugen über zehn Kilogramm Früchte“, erklärt Jasmin stolz.

„Macht ihr da Saft draus?“

„Saft und Marmelade,“ strahlt das Fräulein Tochter, streift ein paar Beeren ab und hält sie über den Zaun.

Wir naschen die gelben Früchte. Während Frau B. sich mit spitzen Fingern bedienen will, wurstelt sich ein junger Ohrenkneifer unter den Beeren hervor.

„Dich essen wir aber nicht mit.“ Jasmin füllt die Beeren von der einen in die andere Hand und schüttelt das Insekt dabei zu Boden.

„Schmeckt gut. Nicht zu süß, nicht zu sauer.“ Frau B. greift zur nächsten Beere.

„Ich habe auch Buchteln mit Ölweidenbeerenmarmelade mit.“ Jasmin läuft zum Gartenhaus und kehrt wenig später mit einer Papiertüte zurück. Für die Buchteln hatte mein Fräulein Tochter 30 Gramm frische Hefe in 250 Milliliter lauwarmer Hafermilch aufgelöst und mit 500 Gramm Dinkelmehl, 70 Gramm Puderzucker und zwei Prisen Salz zu einem geschmeidigen Hefeteig verknetet und diesen zugedeckt an einem warmen Ort eine Stunde gehen lassen. Dann teilte sie den Hefeteig in sechs gleichmäßige Stücke auf. Die Teigstücke füllte sie Marmelade und formte sie rund. Dann gab sie die Buchteln mit der Verschlussseite nach unten in eine mit zerlassener Margarine bestrichenen Form und bepinselte auch die Oberseite mit der zerlassenen Margarine. Dann lies sie die Teigstücken in der Form zugedeckt an einem warmen Ort abermals ca. 20 Minuten gehen.

Im auf 170 °C Ober- und Unterhitze vorheizen Backofen auf der mittleren Schiene wurde das Ganze in ca. 25 Minuten fertig gebacken und mit Puderzucker bestäubt.

Für die Marmelade kochte sie die Ölweidenbeeren in wenig Wasser und strich den entstehenden Fruchtbrei durch ein Sieb. Dieser Brei wurde nochmals mit Gelierzucker, Zimt, Ingwer und Orangenöl aufgekocht und in Gläser gefüllt.

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Maronen-Kürbis-Rosenkohlpfanne

„Heute machen wir mal ein feines Outdoorküchenkochrezept.“ Mein Fräulein Tochter Jasmin strahlt in die Runde. Rapunzel, meine Gartennachbarin Frau B. und ich haben uns um Jasmins großen Grill eingefunden.

„Outdoorküchenkochrezept“, wiederholt meine Gartennachbarin Frau B. und dehnt dabei jede Silbe.

„Mit Kürbis, Maronen und Rosenkohl.“ Jasmin nickt bekräftigend.

„Ich sehe nur einen Grill mit Deckel und einen Campinggaskocher.“ Frau B. ist skeptisch. „Soll das deine Outdoorküche sein?“

„Na klar, mehr brauchen wir nicht.“ Jasmin öffnet den Deckel des Grills und entzündet die Holzkohle.

„Zuerst schneiden wir bei 450 g Maronen die Schale zirka anderthalb Zentimeter lang kreuzweise ein und rösten sie.“

Wir beginnen, die Maronen zu bearbeiten. „Sind die alle von dem kleinen Bäumchen, dass wir vor zwei Jahren auf die Gemeinschaftsfläche gepflanzt haben?“ Rapunzel blickt sich ungläubig um.

„Nein, ich habe 250 g gekauft, aber die anderen 200 g sind eigene Ernte“, gesteht Jasmin. Sie schiebt ein Blech über die Glut, stellt eine Keramikschale mit Wasser darauf, verteilt die geschlitzten Maronen um das Gefäß und schließt den Deckel. Das Thermometer zeigt 160 ° C.

„Die brauchen jetzt zirka 20 Minuten, bis die Schale sich an den Schnittstellen öffnet. Inzwischen müssen wir 1300 g Rosenkohl putzen und bürsten zwei Hokkaidokürbisse sauber und das Kürbisfleisch in Würfel schneiden. Wir brauchen ungefähr 1600 g Kürbiswürfel.“

Frau B. stichelt: „Hast du eine Waage in deiner Outdoorküche?“

Jasmin nimmt unbeeindruckt einen Kürbis von zirka 15 Zentimetern Durchmesser in die Hand. „Der hat ungefähr ein Kilo.“

Frau B. runzelt ihre Stirn und ruft: „Hans-Georg kannst du mal die Waage bringen.“

Wenig später liegt der Kürbis auf einer alten Küchenwaage und der Zeiger steht bei 920 Gramm.

„Naja“, kommentiert Frau B., “das will ich mal durchgehen lassen.“

Dann sind auch schon die Maronen fertig und wir beginnen sie zu schälen. Auf das Blech kommen nun für ungefähr 20 Minuten die Kürbiswürfel. Das Thermometer zeigt mittlerweile 200 ° C. Jasmin träufelt über die Kürbiswürfel zwei EL Rapsöl, die sie zuvor mit einem TL Salz verrührt hat.

Auf dem Gaskocher hat mein Fräulein Tochter einen Topf mit Salzwasser zum Kochen gebracht und füllt die Rosenkohlröschen ein. Nach zirka zehn Minuten ist der Kohl bissfest gar und wird mit kaltem Wasser abgeschreckt und zum Abtropfen warmgestellt.

Wir schälen vier Zwiebeln und schneiden sie in kleine Würfel und Jasmin dünstet diese auf dem Gaskocher in einer hohen Pfanne mit sechs EL Öl an, bevor sie die geschälten Maronen und den Rosenkohl sowie etwas Wasser hinzufügt und mit Pfeffer und Salz abschmeckt.

Die Kürbiswürfel haben unterdessen Farbe angenommen und werden von uns portionsweise unter die Zutaten der restliche Gemüsepfanne gehoben.

Hans-Georg hält als erster seine Schüssel hin. Seine Frau schaut ihn missbilligend an. „Nichts beigetragen, aber …“

„Ich habe die Waage beigetragen“, unterbricht Hans-Georg seine Frau.

„Na dann will ich nichts gesagt haben.“

Auberginenbällchen

Meine Gartennachbarinnen Rapunzel und Frau B. hocken mit meinem Fräulein Tochter Jasmin und mir in meinem Garten zusammen und planen das nächste Gartenfest.

„Wollen wir wieder Suppen machen?“ Jasmin sieht fragend in die Runde.

„Da müssten wir Pfand auf unsere Suppenschalen nehmen oder Einweggeschirr benutzen. Die Brotschalen, die man mitessen konnte, gibt es leider nicht mehr,“ berichtet Rapunzel.

„Was?“ Das Fräulein Tochter ist empört. „Da gibt es ein umweltfreundliches Produkt und dann wird das einfach nicht mehr hergestellt?“

„Ja,“ nickt Rapunzel betrübt, „die hatten nur eine kleine Referenzproduktion laufen, weil sie eigentlich ihre weltweit einmalige Backtechnologie verkaufen wollten, mit der sie die knusprigen, essbaren Schalen in bio-veganer Qualität mit brotähnlichem Geschmack herstellten.“

„Du hörst dich an wie die Werbemanagerin von denen“, brummt Frau B. und angelt sich eines der Kochbücher, die vor uns auf dem Gartentisch liegen.

Jasmin springt auf und empört sich. „Das kannst du dir nicht ausdenken. Die waren Pioniere der Null-Müll-Bewegung und ihrer Zeit meilenweit voraus. Und dann scheitert sowas Großartiges an, ähm ja an was eigentlich?“

„Die haben einfach keine mutigen Partner für die Großproduktion der notwendigen Backmaschinen gefunden. Man könnte sagen, sie sind an den Bedenkenträgern in der kapitalistischen Marktwirtschaft gescheitert.“ Rapunzel zwirbelt sich ihre Haarspitzen.

„Scheißmarktwirtschaft,“ schreit Jasmin.

„Nana,“ Frau B. sieht von ihrem Kochbuch auf, „ist schon wieder Revolution?“

„Nun beruhige dich mal wieder,“ mische ich mich ein. „Dann müssen wir uns was anderes einfallen lassen. Das haben wir doch früher auch immer gemacht.“

„Genau,“ grinst Frau B., „es geht immer irgendwie weiter! Für jede Tür, die hinter dir ins Schloss fällt, öffnet sich vor dir eine Kellerluke.“

„Wir könnten Fingerfood anbieten,“ überlege ich weiter.

„Zum Beispiel Auberginenbällchen,“ Frau B. liest vor: „Vier mittelgroße Auberginen waschen, würfeln, mit Salz bestreuen und eine Weile stehen lassen. Vier Frühlingszwiebel in Ringe schneiden, vier Knoblauchzehen schälen und hacken. Je vier Esslöffel Leinsamen und Wasser vermischen. In einer Pfanne vier Esslöffel Olivenöl erhitzen, die Auberginenwürfel fünf Minuten braten und dann 100 Milliliter Wasser auffüllen und das Gemüse fertig garen.

Das Leinsamengemisch mit Frühlingszwiebeln, Knoblauch, abgetropften Auberginen, 300 Gramm Semmelbrösel und zwei Esslöffeln Sojasoße vermengen und Bällchen formen. Die Bällchen in weiteren sechs Esslöffeln Olivenöl ausbacken.“

„Das hört sich gut an, die können wir dann im Fladenbrot anbieten, mit Sojajoghurt und gehackten Chilis,“ schlage ich vor.

„Oder mit einer schönen, fruchtigen Tomaten-Paprika-Pflaumen-Soße,“ springt Jasmin an.

„Da brate ich acht große, geschälte, gewürfelte Tomaten in Olivenöl, bis der Pfanneninhalt eindickt und schneide einen Blockpaprika und sechs Zwetschen in kleine Stücke, koche die kurz mit, gebe einen Esslöffel Pektin dazu, nochmal aufkochen – fertig.

Boule-Kohlrabi Bowl

„Ich denke Betonflächen im Garten sind verboten?“ Meine Gartennachbarin Frau B. grinst. Unser stellvertretender Vorsitzender Holger, den alle nur Bruce nennen, weil er aussieht wie der jungen Bruce Willis, hatte uns vom neuen Pétanque-Spielplatz berichtet, der neben dem Kinderspielplatz angelegt worden ist.

„Nicht Beton, Pétanque. Das ist eine Fläche zum Boule spielen.“

„Boule? Ist das sowas wie Boccia? Mit Kugeln?“

„Ja.“

„Karo, wollen wir uns das mal ansehen?“

Wir lassen Bruce stehen und gehen zum Vereinsheim. An einer mit Kiefernstämmen gerahmten und mit Splitt bedeckten Fläche steht ein Schild. Frau B. nestelt an ihrer Brille und liest: „Einfach zu spielen, schwer zu gewinnen.“

Pierre kommt des Weges. Er stellt seinen Erntekorb ab. „Donnerwetter,“ kommentiert Frau B., „um diese Zeit schon so große Kohlrabi?“ Pierre schmunzelt: „Jetzt zahlt sich aus, dass sie die ersten Wochen unter Glas standen. Ihr wollt wohl Boule spielen?“

Frau B. sieht sich hilflos um. „Bruce hat gesagt, Kugeln gibt es beim Wirt. Aber es scheint niemand da zu sein.“

Pierre fischt einen grünen Kohlrabi aus seinem Korb und entfernt die Blätter. „Damit würde es auch gehen. Als Ziel nehmt ihr einen Kieselstein und zum Spielen schenke ich euch diesen grünen und einen roten Kohlrabi.“

„Mit Essen spielt man nicht,“ tadelt Frau B., nimmt dem edlen Spender die Kohlknolle aus der Hand und stellt fest: „Obwohl, schön rund, das Teil.“

„Die werden doch sowieso geschält,“ sage ich und greife mir eine rote Gemüsekugel.

Nach zwei Runden kommt Bruce um die Ecke. „Ich kann Euch Stahlkugeln geben, wir haben ein Set im Vorstandsbüro.“

„Au ja, unser naturbelassenes Bouleset ist doch schon ganz schön ramponiert.“ Frau B. putzt Splittsteinchen von der Gemüseschale. „Willst du meinen haben? Hans-Georg verdaut die immer so laut.“

Ich bedanke mich. „Da mache ich mir eine schöne Bowl draus.“

„Bowl? Ich kenne nur Bowle. Aber die geht nicht mit Kohlrabi.“

„Bowl heißt ja erstmal nix weiter als Schüssel. Da ist dann eine kohlenhydratreiche Basis wie Reis oder Nudeln drin und darauf kommt eine Kombination aus Gemüsen, Kräutern und Soßen. Ich werde zunächst eine Zwiebel von zirka 100 Gramm schälen, fein würfeln und in wenig Öl zusammen mit einer Knoblauchzehe glasig dünsten. Dann schäle ich die Kohlrabis und schneide dünne Stifte. 400 Gramm Kohlrabistifte gebe ich zur Zwiebel und braten sie zirka zwei Minuten mit. Dann lösche ich mit 300 ml Gemüsebrühe und 400 ml Kokosmilch ab und lasse alles ca. 20 Minuten bei geringer Hitze offen köcheln, bis das Gemüse gar und die Soße sämig ist. Dann wird mit Pfeffer, Salz, Chili und gemahlenem Kümmel abgeschmeckt. In der Zwischenzeit bereite ich 400 Gramm Penne. Bis die Nudeln bissfest sind, ziehe ich mit dem Sparschäler dünne Streifen von einer Möhre und zupfe einige junge Blätter Giersch. Die kommen als Topping meiner Bowl zusammen mit kurz in der Pfanne geschwenkten Blütenknospen von Spitzwegerich und Löwenzahn über die Kohlrabisoße.

Die Mengen sollten für vier Portionen reichen.

Löwenzahnknospen schmecken nicht nur kurz angebraten, sondern können z.B. wie Kapern eingelegt werden.

Rhabarbercurry mit grünem Spargel

„Soll das Kunst sein?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beschattet ihre Augen mit der Hand und betrachtet skeptisch den Ostgiebel unseres Vereinsheims, an dem ein Baugerüst steht. Ihr Mann Hans-Georg zuckt mit den Schultern. Wenig unterhalb des Dachfirstes sind vier gelbe Knubbel an der Wand. In Höhe der Traufe ragt ein grauer Zylinder von der Größe eines Schnellkochtopfes aus der Fassade.

Ich bleibe stehen und lege ebenfalls meinen Kopf in den Nacken.

„Was guckt ihr?“ Rapunzel und Bruce gesellen sich zu uns.

„Wir fragen uns, was wir von der Fassadenkunst halten sollen.“ erklärt Hans Georg.

„Welche Kunst?“ Rapunzel hebt ratlos die Arme.

„Genau, welche Kunst?“ Lacht Bruce. „Wenn ihr die gelben Dinger meint, dass sind die Keramikisolatoren von der alten elektrischen Oberleitung, die die Maler abgeklebt haben.“

„Wirklich? Die sind mir noch nie aufgefallen.“ Meine Gartennachbarin Frau B. staunt. „Und was ist mit dem Topf weiter unten?“

„Das ist die Außenseite der Raumentlüftung, auch abgeklebt.“

„Schön, dass ich Euch alle hier treffe“, platzt mein Fräulein Tochter in die Runde, „Ich brauche noch Rhabarber, hat jemand welchen für mich?“

„Rhabarber kriegst du von uns“, sagt Hans-Georg großväterlich. „was hast du denn damit vor?“

„Ich will ein Rhabarbercurry machen.“  

„Das klingt interessant, verräts du das Rezept?“ Rapunzel kramt in ihrem Rucksack nach Zettel und Stift.

„Für vier Portionen nehme ich fünf bis sechs Stangen möglichst rote Stangen Rhabarber, weil die nicht so sauer sind.“

„Fünf bis sechs große oder kleine Stangen?“

„Es sollten so um die 450 Gramm sein, geschält und in ein bis zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. Dazu brauchst du 120 Gramm Zwiebelwürfel, 350 Gramm grob gewürfelte Süßkartoffel, 150 Gramm in kleine Stücke geschnittenen grünem Spargel und 100 Gramm abgespülte rote Linsen. Aber zunächst werden je ein Esslöffel Senfkörner, gemahlener Kreuzkümmel, ein Teelöffel gemahlene Kurkuma, je eine Teelöffelspitze Anissamen und Cayenne-Pfeffer sowie fünf Kardamomkapseln in einem Topf mit etwas Rapsöl angeröstet. Dann zwei Esslöffel Sojasoße und die Zwiebelwürfel dazugeben. Wenn die Zwiebel glasig gedünstet ist, werden je vier Teelöffel fein gewürfelten Knoblauch und Ingwer hinzugefügt. Immer wieder rühren, damit nichts anbrennt eventuell etwas Wasser angießen. Dann Rhabarber, Süßkartoffel, Spargel und rote Linsen dazugeben, mit 750 Milliliter Wasser auffüllen und eine halbe Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss mit ein bis zwei Esslöffeln Rohrohrzucker und ein paar Prisen Salz abschmecken und mit Reis servieren.“

Rapunzel beendet ihre Notizen und fragt: „Hat jemand noch grünen Spargel für mich?“

„Da sollte sich auch noch welcher finden“, sagt Hans-Georg.

„Anstelle von Reis müsste doch auch Hirse gehen?“

„Ja, auch Quinoa oder Bulgur.“

„Na mal sehen, was der Vorratsschrank so hergibt.“

Unterdessen betrachtet das Fräulein Tochter die Baustelle am Vereinsheim. „Was sind das eigentlich für gelbe Dinger da oben?“

Wir sehen uns an und rufen gemeinsam: „Das ist Kunst.“

„Soll das Kunst sein?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beschattet ihre Augen mit der Hand und betrachtet skeptisch den Ostgiebel unseres Vereinsheims, an dem ein Baugerüst steht. Ihr Mann Hans-Georg zuckt mit den Schultern. Wenig unterhalb des Dachfirstes sind vier gelbe Knubbel an der Wand. In Höhe der Traufe ragt ein grauer Zylinder von der Größe eines Schnellkochtopfes aus der Fassade.

Ich bleibe stehen und lege ebenfalls meinen Kopf in den Nacken.

„Was guckt ihr?“ Rapunzel und Bruce gesellen sich zu uns.

„Wir fragen uns, was wir von der Fassadenkunst halten sollen.“ erklärt Hans Georg.

„Welche Kunst?“ Rapunzel hebt ratlos die Arme.

„Genau, welche Kunst?“ Lacht Bruce. „Wenn ihr die gelben Dinger meint, dass sind die Keramikisolatoren von der alten elektrischen Oberleitung, die die Maler abgeklebt haben.“

„Wirklich? Die sind mir noch nie aufgefallen.“ Meine Gartennachbarin Frau B. staunt. „Und was ist mit dem Topf weiter unten?“

„Das ist die Außenseite der Raumentlüftung, auch abgeklebt.“

„Schön, dass ich Euch alle hier treffe“, platzt mein Fräulein Tochter in die Runde, „Ich brauche noch Rhabarber, hat jemand welchen für mich?“

„Rhabarber kriegst du von uns“, sagt Hans-Georg großväterlich. „was hast du denn damit vor?“

„Ich will ein Rhabarbercurry machen.“  

„Das klingt interessant, verräts du das Rezept?“ Rapunzel kramt in ihrem Rucksack nach Zettel und Stift.

„Für vier Portionen nehme ich fünf bis sechs Stangen möglichst rote Stangen Rhabarber, weil die nicht so sauer sind.“

„Fünf bis sechs große oder kleine Stangen?“

„Es sollten so um die 450 Gramm sein, geschält und in ein bis zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. Dazu brauchst du 120 Gramm Zwiebelwürfel, 350 Gramm grob gewürfelte Süßkartoffel, 150 Gramm in kleine Stücke geschnittenen grünem Spargel und 100 Gramm abgespülte rote Linsen. Aber zunächst werden je ein Esslöffel Senfkörner, gemahlener Kreuzkümmel, ein Teelöffel gemahlene Kurkuma, je eine Teelöffelspitze Anissamen und Cayenne-Pfeffer sowie fünf Kardamomkapseln in einem Topf mit etwas Rapsöl angeröstet. Dann zwei Esslöffel Sojasoße und die Zwiebelwürfel dazugeben. Wenn die Zwiebel glasig gedünstet ist, werden je vier Teelöffel fein gewürfelten Knoblauch und Ingwer hinzugefügt. Immer wieder rühren, damit nichts anbrennt eventuell etwas Wasser angießen. Dann Rhabarber, Süßkartoffel, Spargel und rote Linsen dazugeben, mit 750 Milliliter Wasser auffüllen und eine halbe Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss mit ein bis zwei Esslöffeln Rohrohrzucker und ein paar Prisen Salz abschmecken und mit Reis servieren.“

Rapunzel beendet ihre Notizen und fragt: „Hat jemand noch grünen Spargel für mich?“

„Da sollte sich auch noch welcher finden“, sagt Hans-Georg.

„Anstelle von Reis müsste doch auch Hirse gehen?“

„Ja, auch Quinoa oder Bulgur.“

„Na mal sehen, was der Vorratsschrank so hergibt.“

Unterdessen betrachtet das Fräulein Tochter die Baustelle am Vereinsheim. „Was sind das eigentlich für gelbe Dinger da oben?“

Wir sehen uns an und rufen gemeinsam: „Das ist Kunst.“

„Soll das Kunst sein?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beschattet ihre Augen mit der Hand und betrachtet skeptisch den Ostgiebel unseres Vereinsheims, an dem ein Baugerüst steht. Ihr Mann Hans-Georg zuckt mit den Schultern. Wenig unterhalb des Dachfirstes sind vier gelbe Knubbel an der Wand. In Höhe der Traufe ragt ein grauer Zylinder von der Größe eines Schnellkochtopfes aus der Fassade.

Ich bleibe stehen und lege ebenfalls meinen Kopf in den Nacken.

„Was guckt ihr?“ Rapunzel und Bruce gesellen sich zu uns.

„Wir fragen uns, was wir von der Fassadenkunst halten sollen.“ erklärt Hans Georg.

„Welche Kunst?“ Rapunzel hebt ratlos die Arme.

„Genau, welche Kunst?“ Lacht Bruce. „Wenn ihr die gelben Dinger meint, dass sind die Keramikisolatoren von der alten elektrischen Oberleitung, die die Maler abgeklebt haben.“

„Wirklich? Die sind mir noch nie aufgefallen.“ Meine Gartennachbarin Frau B. staunt. „Und was ist mit dem Topf weiter unten?“

„Das ist die Außenseite der Raumentlüftung, auch abgeklebt.“

„Schön, dass ich Euch alle hier treffe“, platzt mein Fräulein Tochter in die Runde, „Ich brauche noch Rhabarber, hat jemand welchen für mich?“

„Rhabarber kriegst du von uns“, sagt Hans-Georg großväterlich. „was hast du denn damit vor?“

„Ich will ein Rhabarbercurry machen.“  

„Das klingt interessant, verräts du das Rezept?“ Rapunzel kramt in ihrem Rucksack nach Zettel und Stift.

„Für vier Portionen nehme ich fünf bis sechs Stangen möglichst rote Stangen Rhabarber, weil die nicht so sauer sind.“

„Fünf bis sechs große oder kleine Stangen?“

„Es sollten so um die 450 Gramm sein, geschält und in ein bis zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. Dazu brauchst du 120 Gramm Zwiebelwürfel, 350 Gramm grob gewürfelte Süßkartoffel, 150 Gramm in kleine Stücke geschnittenen grünem Spargel und 100 Gramm abgespülte rote Linsen. Aber zunächst werden je ein Esslöffel Senfkörner, gemahlener Kreuzkümmel, ein Teelöffel gemahlene Kurkuma, je eine Teelöffelspitze Anissamen und Cayenne-Pfeffer sowie fünf Kardamomkapseln in einem Topf mit etwas Rapsöl angeröstet. Dann zwei Esslöffel Sojasoße und die Zwiebelwürfel dazugeben. Wenn die Zwiebel glasig gedünstet ist, werden je vier Teelöffel fein gewürfelten Knoblauch und Ingwer hinzugefügt. Immer wieder rühren, damit nichts anbrennt eventuell etwas Wasser angießen. Dann Rhabarber, Süßkartoffel, Spargel und rote Linsen dazugeben, mit 750 Milliliter Wasser auffüllen und eine halbe Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss mit ein bis zwei Esslöffeln Rohrohrzucker und ein paar Prisen Salz abschmecken und mit Reis servieren.“

Rapunzel beendet ihre Notizen und fragt: „Hat jemand noch grünen Spargel für mich?“

„Da sollte sich auch noch welcher finden“, sagt Hans-Georg.

„Anstelle von Reis müsste doch auch Hirse gehen?“

„Ja, auch Quinoa oder Bulgur.“

„Na mal sehen, was der Vorratsschrank so hergibt.“

Unterdessen betrachtet das Fräulein Tochter die Baustelle am Vereinsheim. „Was sind das eigentlich für gelbe Dinger da oben?“

Wir sehen uns an und rufen gemeinsam: „Das ist Kunst.“

„Soll das Kunst sein?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beschattet ihre Augen mit der Hand und betrachtet skeptisch den Ostgiebel unseres Vereinsheims, an dem ein Baugerüst steht. Ihr Mann Hans-Georg zuckt mit den Schultern. Wenig unterhalb des Dachfirstes sind vier gelbe Knubbel an der Wand. In Höhe der Traufe ragt ein grauer Zylinder von der Größe eines Schnellkochtopfes aus der Fassade.

Ich bleibe stehen und lege ebenfalls meinen Kopf in den Nacken.

„Was guckt ihr?“ Rapunzel und Bruce gesellen sich zu uns.

„Wir fragen uns, was wir von der Fassadenkunst halten sollen.“ erklärt Hans Georg.

„Welche Kunst?“ Rapunzel hebt ratlos die Arme.

„Genau, welche Kunst?“ Lacht Bruce. „Wenn ihr die gelben Dinger meint, dass sind die Keramikisolatoren von der alten elektrischen Oberleitung, die die Maler abgeklebt haben.“

„Wirklich? Die sind mir noch nie aufgefallen.“ Meine Gartennachbarin Frau B. staunt. „Und was ist mit dem Topf weiter unten?“

„Das ist die Außenseite der Raumentlüftung, auch abgeklebt.“

„Schön, dass ich Euch alle hier treffe“, platzt mein Fräulein Tochter in die Runde, „Ich brauche noch Rhabarber, hat jemand welchen für mich?“

„Rhabarber kriegst du von uns“, sagt Hans-Georg großväterlich. „was hast du denn damit vor?“

„Ich will ein Rhabarbercurry machen.“  

„Das klingt interessant, verräts du das Rezept?“ Rapunzel kramt in ihrem Rucksack nach Zettel und Stift.

„Für vier Portionen nehme ich fünf bis sechs Stangen möglichst rote Stangen Rhabarber, weil die nicht so sauer sind.“

„Fünf bis sechs große oder kleine Stangen?“

„Es sollten so um die 450 Gramm sein, geschält und in ein bis zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. Dazu brauchst du 120 Gramm Zwiebelwürfel, 350 Gramm grob gewürfelte Süßkartoffel, 150 Gramm in kleine Stücke geschnittenen grünem Spargel und 100 Gramm abgespülte rote Linsen. Aber zunächst werden je ein Esslöffel Senfkörner, gemahlener Kreuzkümmel, ein Teelöffel gemahlene Kurkuma, je eine Teelöffelspitze Anissamen und Cayenne-Pfeffer sowie fünf Kardamomkapseln in einem Topf mit etwas Rapsöl angeröstet. Dann zwei Esslöffel Sojasoße und die Zwiebelwürfel dazugeben. Wenn die Zwiebel glasig gedünstet ist, werden je vier Teelöffel fein gewürfelten Knoblauch und Ingwer hinzugefügt. Immer wieder rühren, damit nichts anbrennt eventuell etwas Wasser angießen. Dann Rhabarber, Süßkartoffel, Spargel und rote Linsen dazugeben, mit 750 Milliliter Wasser auffüllen und eine halbe Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss mit ein bis zwei Esslöffeln Rohrohrzucker und ein paar Prisen Salz abschmecken und mit Reis servieren.“

Rapunzel beendet ihre Notizen und fragt: „Hat jemand noch grünen Spargel für mich?“

„Da sollte sich auch noch welcher finden“, sagt Hans-Georg.

„Anstelle von Reis müsste doch auch Hirse gehen?“

„Ja, auch Quinoa oder Bulgur.“

„Na mal sehen, was der Vorratsschrank so hergibt.“

Unterdessen betrachtet das Fräulein Tochter die Baustelle am Vereinsheim. „Was sind das eigentlich für gelbe Dinger da oben?“

Wir sehen uns an und rufen gemeinsam: „Das ist Kunst.“

7 G Gemüsegebäck

Beim Aufräumen meines Vorratsschrankes entdeckte ich eine Schraubdose mit getrockneten Steinpilzen. Ich weichte zirka 40 Gramm davon ein. Dann bereitete ich 800 Gramm Pellkartoffeln zu. Je 400 Gramm Grünkohl und Mangold wurden geputzt, gewaschen und für zirka zehn Minuten getrennt voneinander in Salzwasser gekocht. Danach drückte ich das Blattgemüse trocken und hackte es fein. Vier mittelgroße Zwiebeln wurden geschält und in feine Würfel geschnitten. Die abgekühlten Pellkartoffeln zerkleinerte ich mit einer groben Reibe. Zu jeweils 400 Gramm Kartoffeln mischte ich den Grünkohl und den Mangold. Dazu gab ich jeweils die Hälfte der Zwiebelwürfel und der geschnittenen Pilze. Zu jeder Mischung fügte ich je zwei Esslöffel Sojamehl, Semmelbrösel und Hefeextrakt und je einen Esslöffel Mehl sowie zwei Teelöffel Majoran und etwas Pfeffer hinzu. Dann rührte ich die beiden Teige mit dem Knethaken kräftig durch und ließ sie etwas ruhen.

Zu guter Letzt formte ich zirka 30 kleine Puffer. In einer Pfanne mit Olivenöl unter mehrmaligem Wenden ausbacken, fertig.

Die knusprigen Puffer packte ich ein und machte mich auf den Weg, denn Bruce hatte zum Arbeitseinsatz gerufen.

Als ich in der Gartenanlage ankomme, sind mein Fräulein Tochter Jasmin, Pierre und Bruce schon damit beschäftigt, eine an den Verein zurückgegeben Parzelle zu beräumen.

„Essen ist da“, rufe ich über den Zaun.

„Komm rein“, ruft Bruce.

Pierre klappt einen alten Tisch auf und rückt Stühle. Alle haben FFP 2-Masken um den Hals baumeln.

Ich spotte: „Ist hier 3 G oder 2 G plus?“

„Ich wollte dich eben nach deinem Testzertifikat fragen“, entgegnet Bruce todernst.

„Unfug!“ Jasmin schüttelt missbilligend ihren Kopf. „Wir brauchen FFP-2 Masken, weil der da“, sie zeigt auf Bruce, “mit der Fächerscheibe an den alten Gartenstühlen herumgeschliffen hat. Jetzt liegt hier überall millimeterdick der Schleifstaub.“

„Na ja, ein wenig Abstand wegen der Seuche kann nach wie vor auch nicht schaden“, brummt Bruce.

„Immerhin sind wir alle geboostert“, stellte Pierre fest.

„Nur gegen den ollen Schleifstaub nicht“ mault das Fräulein Tochter.

Ich stelle den Korb mit der Pufferschüssel auf den Tisch und sage: „Unser Mittagessen ist jedenfalls 7 G. Gewaschen, geschält, gehackt, gekocht, gewürzt, gerührt und gebacken.“

„Und wenn es gegessen wurde und geschmeckt hat“, nimmt Bruce den Faden auf, “dann wird gerülpst und gelobt, mehr g geht gar nicht.“

Bevor wir uns über die Puffer hermachen, inspiziere ich den Fortschritt der Räumarbeiten. In einem Eimer liegen rostige Nägel und Schrauben. Daneben steht ein gelber Sack mit Margarineschachteln, in denen der Eisenschrott zuvor aufbewahrt worden war. In einem zweiten Eimer liegen alte Wasserhähne und andere Teile aus Messing.

„Hier für den nächsten Vereinsflohmarkt“, sagt Jasmin und nimmt den Deckel von einer Holzkiste. Darin liegt die Zinnfigur eines Pilgers auf einer Jakobsmuschel neben einer Öllampe aus Messing, einem Flaschenöffner in Form einer D-Mark und anderer Krimskrams.

„Zusammen mit dem Schrott muss das mindestens 50 Euro für die Vereinskasse bringen, bei den vielen Arbeitsstunden, die wir hier reingesteckt haben.“

Kohlrouladen mit Erbsen-Bohnen-Füllung

„Darf ich vorstellen Herr Winterfürst der Zweite vom Mischkulturbeet.“

Mein Fräulein Tochter hält einen stattlichen Wirsingkohlkopf hoch. Der Winterfürst 2 macht seinem Namen alle Ehre. Er steht im Februar erntereif im Beet.

Ich gebe mich verwundert „Hattet ihr im Sommer hier nicht eure Tomaten stehen?“

„Und Salat,“ bestätigt Jasmin. „Die Tomaten haben die kleinen Winterfürsten vor der Kohlfliege und dem Kleinen Kohlweißling beschützt und der Salat war gut gegen Erdflöhe und die Weiße Fliege.“

„Wann habt ihr die Wirsingkohlsaat denn ausgebracht?“

„Schon im April. In den ersten Wochen sind die kleinen Kohlpflanzen kaum aufgefallen. Die Köpfe bildeten sich ab September und der hier“, Jasmin deutet auf einen leicht zerflederten Wirsing am Beetrand,“ der darf noch blühen und Saat bilden.

„Au ja, da möchte ich auch ein paar Körner und was wirst du aus diesem schönen Kohlkopf hier machen?“

„Kohlrouladen. Da schwitze ich eine feingewürfelte Zwiebel in etwas Olivenöl an und gebe je 250 Gramm gekochte Kidneybohnen und Kichererbsen dazu. Dann schäle und würfle ich zirka 150 Gramm Karotten und hacke 100 Gramm Walnüsse und brate alles zusammen ungefähr zehn Minuten weiter. Danach wird der Pfanneninhalt mit dem Mixstab grob püriert. Die großen Kohlblätter blanchiere ich kurz in einem großen Topf mit heißem Wasser. Zuvor habe ich die großen Blattstrünke keilförmig herausgeschnitten. Nebenbei wird der Backofen auf 150 °C vorgeheizt. Die pürierte Masse wird dann mit Pfeffer und Salz abgeschmeckt und portionsweise auf den Kohlblättern verteilt. Die Blätter können nun von den Seiten her umgeklappt, zu Rouladen aufgerollt und mit Küchengarn fixiert werden. Die Füllung sollte für sechs Portionen reichen. Ich pinsele die fertigen Rollen noch mit Olivenöl ein, streue Salz und Pfeffer darüber und setze sie in eine Auflaufform. Nach 25 Minuten auf mittlerer Schiene im Backofen werden die Kohlrouladen fertig sein.“

„Das hört sich sehr lecker an, soll ich Kartoffelbrei beisteuern?“

Mein Fräulein Tochter strahlt. „Mamas Kartoffelbrei? Mit Muskatnuss? Na klar doch.“

Wir machen uns auf den Heimweg. Auf einer Parzelle, an der wir vorüber gehen steht unser stellvertretender Vorsitzender. „Hey Bruce“, rufe ich, “hast du einen neuen Garten?“

Bruce winkt uns zu. „Nee, die Parzelle wurde nur zurückgegeben und die Laube ist noch voll. Wollt ihr mal gucken kommen?“

Als wir das Gartengrundstück betreten, bemerken wir, dass sich auch schon andere Gärtnerinnen und Gärtner eingefunden haben. Wir ziehen unsere FFP2-Masken hoch und nähern uns dem Gartenhäuschen. Andächtig stehen Rapunzel, Pierre und meine Gartennachbarin Frau B. vor der geöffneten Laubentür.

Von dem kleinen, holzgetäfelten Raum geht ein eigenartiger Zauber aus. „Gefrorene Zeit“, haucht Rapunzel und nimmt eine Zinnfigur aus einem Setzkasten.

„Die Werkstatt hinten ist auch noch voll bis unters Dach“, stellt Bruce nüchtern fest, „So können wir das dem nächsten Pächter jedenfalls nicht übergeben. Morgen wird aussortiert. Wer macht mit?“

Grünkohlcreme auf Rote-Bete-Himbeerspiegel

Winterzeit ist Grünkohlzeit und Küchenexperimentierzeit. Mein Fräulein Tochter Jasmin werkelt in meiner Küche an einer Grünkohlcreme. Sie hatte 250 Gramm Cashewkerne eingeweicht. Dann zupft sie 250 Gramm Grünkohl in eine Schüssel und übergießt das Gemüse mit kochendem Wasser und lässt das Ganze zirka fünf Minuten ziehen und schält unterdessen vier Knoblauchzehen.

Sie gießt das Wasser ab und füllt die Cashewnüsse zusammen 120 Gramm Walnusskernen, dem Grünkohl, den Knoblauchzehen, 140 Milliliter Zitronensaft, zwei Esslöffel Apfelessig, 100 Milliliter Olivenöl, 70 Gramm Hefeflocken, zwei Teelöffel Salz und fünf kräftigen Prisen gemahlenem Pfeffer in meinen Mixer.

„Und was hast du mit diesem Pesto vor“, frage ich.

„Hast du Himbeeren?“

Ich öffne das Frostfach. „Ja.“

„Und rote Bete?“

Ich schließe das Frostfach und deute auf die Gemüsekiste.

Das Fräulein Tochter kramt im Wurzelgemüse und fördert eine stattliche rote Rübe zutage.

„Da machen wir eine schöne Soße draus“, frohlockt Jasmin, „aber wir brauchen nur 60 Gramm. Es dem Rest können wir später Gemüsechips machen.“

Ich schäle die Rübe und schneide die verlangten 60 Gramm in kleine Würfel und den Rest mit dem Sparschäler in feine Scheiben. Das Fräulein Tochter erhitzt derweil ein Gemisch aus 200 Milliliter Wasser und 100 Milliliter trockenem Rotwein und gibt die Rübenwürfel für zirka 35 Minuten zum Garen hinein. Wenn das Gemüse weich ist, kocht Jasmin noch 100 Gramm gefrorene Himbeeren und zwei Teelöffel Puderzucker kurz mit und püriert alles.

Die entstandene Soße gießen wir auf einen Teller und in den Soßenspiegel setzen wir je eine walnussgroße Kugel Grünkohlcreme.

„Sieht aus wie im Edelrestaurant.“ Jasmin betrachtet zufrieden unser Werk.

Nach dem Essen spazieren wir durch unseren Kleingärtnerverein. In Sichtweite zum Außenzaun stehen alte Tongartenwerge auf der Gemeinschaftsfläche.

Rapunzel, meine Gartennachbarin Frau B. und ihr Gatte Hans-Georg kommen vorbei.

„Ist das nicht schrecklich?“ Frau B. und deutet zum Zaun. „Irgendwer macht von da einen regelrechten Schießwettbewerb auf unsere Zwerge.“

„Apropos Wettbewerb – wie haben wir eigentlich beim Kleingartenwettbewerb abgeschnitten?“, fragt Rapunzel.

Bruce Miene verfinstert sich.

„Hast du das noch nicht gehört? Bruce hat jetzt einen neuen Spiegel im Vereinsbüro“, sagt Frau B. und blickt spitzbübisch in die Runde.

Mit verstellter, tiefer Stimme fährt sie fort: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat die schönste Kleingartenanlage im Land?“

Und weiter mit Fistelstimme: „Herr Vorsitzender, ihr habt die schönste Kleingartenanlage hier, aber hinter den freien Bergen bei den Waldfriedensgartenzwergen, ist es noch viel, viel besser als hier.“

„Ich gehe jetzt aber nicht und vergifte denen die Äpfel, falls du das meinst“, brummt Bruce und fügt hinzu: „Wir bauen hier auch weder Kegelbahn noch Garteneisenbahn.“

Rapunzel zuckt mit den Achseln. „Was solls. Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weiter geht’s. Wann startet der nächste Wettbewerb?“

Alle starren erwartungsvoll auf Bruce. Der wirft Zwergenscherben in einen Mörteleimer und knurrt: „Wettbewerb? Welcher Wettbewerb?

Kürbisburger

Neulich las ich bei einem Facebookfreund den Aufruf: „Bürger! Haltet Eure Küchentüren fest verschlossen! Bald werden Euch Gartenbesitzer wieder Kürbisse schenken wollen.“

Er erntete neben dem üblichen Kalauer von der Bowle mit den ganzen Früchten viel Widerspruch. Von: „Liebe Gartenbesitzer! Ich will Kürbisse!“ über „Her damit!“ bis: „Kann denn ein Kürbis lügen? Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Kürbisse.“

Mein Fräulein Tochter und ich verschenken zwar auch hin und wieder einen Kürbis, aber nur auf Nachfrage. Ansonsten verarbeiten wie unsere Ernte selbst.

Einen Würfel Hefe lösen wir in 300 Milliliter lauwarmem Wasser auf und kneten damit ein Gemisch aus 600 Gramm Dinkelmehl (Type 630) und zwei Teelöffeln Salz zu einem Teig, den wir 30 Minuten zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen. Danach formen wir mit bemehlten Händen 14 Portionen und backen im auf 200 °C vorgeheizten Ofen in zirka 20 Minuten Brötchen.

Während unsere Burger-Brötchen backen und abkühlen, schälen und kochen wir acht mittelgroße Kartoffeln. Auch einen Butternutkürbis wird geschält und entkernt. Dann raspele ich 600 Gramm Kürbisfleisch in eine Schüssel. Darüber werden 20 Milliliter Gemüsebrühe gegossen und sechs Esslöffel Maismehl sowie 60 Gramm Dinkelflocken gestreut. Wir rühren die zerquetschten Kartoffeln dazu und schmecken mit Muskatnuss, Pfeffer und Salz ab. Aus zwei Zwiebeln werden feine Ringe und aus vier Tomaten Scheiben geschnitten. Zwei kleine Lollo-Rosso-Salatköpfe zupfen wir vorsichtig zu einzelnen Blättern.

Die Kürbismasse formen wir zu 14 flachen Patties und braten diese bei mittlerer Hitze in etwas Öl auf beiden Seiten an.

Wir schneiden die abgekühlten Brötchen in Hälften, verteilen auf den Böden Zwiebelringe, Tomatenscheiben und Salatblätter. Darauf setzen wir die Kürbisbratlinge, geben etwas Ketchup und Steaksauce darüber und setzen die Deckel auf.

Weil diese Kürbisburger warm am besten schmecken, verpacken wir sie rasch in einer Isoliertasche und machen uns auf den Weg in unsere Gartenanlage, wo wir schon erwartet werden.

Der Vorstand und einigen Gartenfreunde und Gartenfreundinnen sitzen mit gebührendem Abstand in einem Stuhlkreis vor dem Vereinsheim um eine Feuerschale herum. Unser alter Vorsitzende, will die Amtsgeschäfte an Bruce übergeben, aber noch will niemand aus der Runde, das Amt des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von Bruce übernehmen. Just als wir eintreffen, meldet sich der Freund vom Fräulein Tochter und fragt: „Was wäre denn alles zu machen als Stellvertreter?“ Bruce brummt. „Alles.“

„Nana, nana“, mischt sich der alte Vorsitzende ein, „so schlimm ist das auch wieder nicht. Der Vorsitzende vertritt den Verein nach außen, also gegenüber Verband, Stadtverwaltung, Dienstleistungsfirmen und so weiter und der stellvertretende Vorsitzende kümmert sich um die Belange der Mitglieder, also Pachtverträge, Arbeitseinsätze, Gartenordnung und sowas alles.“

„Und sowas ALLES, sag ich doch“, knurrt Bruce.

„Ich kann‘s ja mal versuchen“, sagt mein Schwiegersohn in spe.

Ein Aufatmen geht durch die Runde, und die Kürbisburger schmecken gleich nochmal so gut.

Geräucherte Kartoffeln mit Auberginendip

Mein Fräulein Tochter Jasmin und ich bereiten eine Sesampaste, die auch Tahini oder Tahin genannt  wird. Wir rösten 500 Gramm Sesamkörner in einer Pfanne ohne Fett goldgelb an und lassen sie wieder abkühlen. Dann geben wir den Inhalt der Pfanne zusammen zwei Gramm Salz in einen Mixer und fügen nach und nach sechs Esslöffel Rapsöl hinzu, bis eine cremige Masse entstanden ist.

Dann heizen wir den Backofen auf 220 °C vor. Auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech platzieren wir sechs Auberginen (zirka 1,3 kg), die wir zuvor gewaschen und mit einer Gabel eingestochen haben. Auf mittlerer Schiene backen die Eierfrüchte nun eine knappe halbe Stunde lang, bis die äußere Haut stellenweise verbrannt ist.

Währenddessen schälen wir sechs Knoblauchzehen und bereiten 125 Milliliter frisch gepressten Zitronensaft. Dann verrühren wir 200 Gramm Sojajoghurt mit 250 Gramm unserer Sesampaste, den zerquetschten Knoblauchzehen und dem Zitronensaft.

Von den abgekühlten Auberginen entfernen wir die verbrannte Schale und die Strünke. Das Innere der Eierfrüchte zerdrücken wir mit einer Gabel und heben die Gemüsemasse unter die Joghurt-Tahin-Mischung. Wir schmecken mit Salz ab und machen uns mit unserem Dip auf den Weg in unsere Gartenanlage.

Im Garten meiner Tochter herrscht reges Treiben. Einige junge Leute haben sich um einen Edelstahltrog versammelt. Der Freund meiner Tochter begrüßt uns. Sein Männerdutt ist ausgefranst und schwarze Striemen zieren sein Gesicht.

„Na mein Pflanzenkohle-Held,“ begrüßt das Fräulein Tochter ihren Philosophiestudenten und wir nicken in die Runde.

„Eine Ladung haben wir schon fertig,“ strahlt der Hobbyköhler und deutet auf einen Haufen Holzkohlestücke. „Die müssen nur noch zerkleinert und aufgeladen werden.“

„Aufgeladen?“

„Na zum Beispiel mit Urin oder einer Lösung mit effektiven Mikroorganismen“, erklärt einer. „Oder wir streuen das Kohlepulver nur in den Kompost“, wirft ein anderer ein.

Die Runde diskutiert über die jüngsten Erfahrungen. Begriffe wie Kontiki, Kohlendioxidspeicherung, Terra Preta, Biodiversität und Urgesteinsmehl schwirren hin und her.

Ich sehe mir den Stahlbottich genauer an. Am unteren Ende ist an einem Ventil ein Wasserschlauch angeschlossen. Im Inneren befindet sich eine tricherförmige Vertiefung in der gleichmäßig aufgeschichtete Holzstücke glimmen. Hin und wieder züngelt eine Flamme.

„Ich glaube wir können die nächste Lage einschichtet, beschließt das Fräulein Tochter und beginnt ungefähr gleich große Holzstücke in den Trichter zu legen.

„Wir können damit nachher noch grillen und wir haben Kartoffeln im Smoker.“

Wir inspizieren den Räucherofen. Die jungen Leute hatten vor einer Stunde das Gerät auf 130 °C vorgeheizt, mittelgroße Kartoffeln ringsum zehnmal mit einer Gabel eingestochen und mit einer Mischung aus Rapsöl, Salz und Pfeffer eingepinselt. Dann gaben sie eingeweichte Erlenholzschnitzel in den Einschub des Gerätes und die Erdäpfel in die Räucherkammer.

„Pack mal unsern Dip aus,“ weise ich Jasmin an, “ich glaube die sind gleich gar.“