Perspektiven

MitmachBlog

Liebe LeserInnen,

im Hof des Hauses, in dem ich lebe, steht eine Teppichklopfstange. Es gibt dort keine neumodischen Wäschespinnen, sondern zwei Rohrkonstruktionen mit angeschweißten Haken, zwischen denen die Wäscheleinen gespannt sind und es gibt die Teppichklopfstange, die auf zwei senkrechten Rohren befestigt ist. Selten wird dort tatsächlich ein Teppich gereinigt. Viel häufiger turnen die Kinder der Nachbarschaft daran herum.

Heute, es ist schon nach 22:00 Uhr und die Schwüle des Tages staut sich zwischen den Häusern, hängt an der Teppichklopfstange mein Nachbar vom Planeten Dings.
Er hat sich irgendwie hinaufgezogen und seine Knie über die Stange gehakt. Nun baumelt er kopfüber und schlenkert mit den Armen.

„Ach, die Frau Aldente“, sagt er, als er mich bemerkt.

Ich gucke ihm in die Nasenlöcher und erschrecke, denn er kann aus seiner Position ja auch in meine Nasenlöcher sehen. Ich drehe mich unwillkürlich weg und suche nach einem Papiertaschentuch.

„Na, alles Paletti?“, fragt…

Ursprünglichen Post anzeigen 133 weitere Wörter

Das Gähnen

MitmachBlog

Liebe LeserInnen,

morgen ist Mittwoch, hat mein Nachbar vom Planeten Dings heute zu mir gesagt.

Ich merke gerade, dass es ein gewagtes Unterfangen ist, mit dieser Information schon zu Beginn des Textes herauszurücken. Denn so muss ich den Beitrag heute noch abschließen. Sonst stehe ich morgen da und ändere heute in gestern.

Oder ich streiche ganze Sätze.

„Morgen ist Mittwoch“, sagte mein Nachbar vom Planeten Dings heute. Er machte große, erwartungsvolle Augen.

Nach einer Weile starren fragte er: „Und?“

„Was und?“

„Und Mitmachblog?“

„Nix Mitmachblog!“

Mein Nachbar gähnte.

Ich spürte auch in mir ein Gähnen aufsteigen. Ich versuchte es zu unterdrücken. Es gelang nicht. Ich gähnte.

„Mhm“, kommentierte mein Nachbar, „ein Psychophat bist du jedenfalls nicht.“

„Psychophatin, ich bin keine Psychophatin. Aber woran willst du das jetzt erkannt haben?“

„Ganz einfach, Psychophaten lassen sich von Gähnen nicht anstecken.“ Mein Nachbar zuckte mit seinen Schultern und fuhr fort: „Schreibst du heute noch…

Ursprünglichen Post anzeigen 12 weitere Wörter

Das Wochenende

MitmachBlog

Liebe LeserInnen,

mein Nachbar vom Planeten Dings nimmt den Mitmachblog sehr ernst. Er macht zwar kaum mit, dafür achtet er aber sehr genau darauf, ob ich mitmache.

Seiner etwas einseitigen Abmachung zufolge, schreiben wir nämlich für den Mitmachblog, was am Ende mit schöner Regelmäßigkeit darauf hinausläuft, das ich etwas schreibe und er mehr oder weniger zufrieden damit ist.

„Du hast in dieser Woche überhaupt nichts geschrieben.“ Mein Nachbar vom Planeten Dings schaut mich vorwurfsvoll an.

„Wieso? Es ist ja noch Wochenende. Da habe ich noch bis heute Abend Zeit.“

„Von wegen! Gestern Abend war das Wochenende vorbei. Heute ist Feiertag!“

„Hoppla. Das ist mir jetzt glatt – was war denn das Thema?“

„Es lebt.“

„Wie jetzt? Es lebt? Was lebt?“

„Was weiß denn ich? Das Ding unter der Kellertreppe. Die Woche ist ja jetzt eh vorüber, sogar der Monat.“

„Ich könnte ja trotzdem noch was schreiben. Welches Ding unter der…

Ursprünglichen Post anzeigen 221 weitere Wörter

Stockbrot – herzhaft oder süß

Einige Gartennachbarn nehmen jede Gelegenheit wahr, größere Feuer zu entfachen. Osterfeuer, Sommersonnenwende, Martinsfeuer, Wintersonnenwende, es vergeht kaum ein Monat, an dem nicht irgendein zündender Anlass gefunden wird. Auf dem Zettel an der Tür zum Vereinsheim steht: Heute Walpurgisfeuer.

Die Kinder tragen schon seit einigen Tagen jedes Holzstück, dessen sie habhaft werden können, zur Festwiese. An einigen Zäunen lichtet sich die Lattung und die Kleingärtnerschaft sieht dem kommenden Ereignis durchaus mit gemischten Gefühlen entgegen.

Zunächst wird der zur Verbrennung vorgesehene Haufen noch einmal durchwühlt. Einerseits, um etwaige Untermieter, wie zum Beispiel Igel aufzuscheuchen und andererseits, um noch intakte Zaunlatten wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zuzuführen. Nach vollzogener Inspektion wird das Brennmaterial in der anderthalb Meter großen Feuerschale aufgeschichtet.

Ich wurde überredet, Teig für Stockbrote anzusetzen. Dazu fertigte ich zunächst aus 200 Gramm Kokosfett, fünfzig Millilitern Sonnenblumenöl, einem Apfel, einer mittelgroßen Zwiebel, zwei Knoblauchzehen, einem Esslöffel frischem Thymian, einem halben Teelöffel Salz und einer Prise frisch gemahlenem Pfeffer ein Glas voll Zwiebelschmalz. Dazu würfelte ich die Zwiebel, den Apfel und die Knoblauchzehen fein und hackte den Thymian. Ich zerließ fünfzig Gramm Kokosfett mit den fünfzig Milliliter Öl und schwitzte darin alle Zutaten an. Später gab ich das restliche Kokosfett dazu, bis alles ganz zerlassen war, salzte, pfefferte und füllte ein großes Bügelglas.

Für einen herzhaften Teig würfelte ich zwei weitere Zwiebeln und dünstete diese in vier Esslöffeln meines Apfelschmalzes an. Dann löste ich einen Würfel Hefe in einem Gemisch aus 240 Millilitern Wasser und zwei Teelöffeln Apfeldicksaft auf. Ich vermengte 400 Gramm Dinkelmehl (Typ 630) mit 100 Gramm Kastanienmehl und einem Teelöffel Salz, rührte die Hefe und das flüssige Zwiebelschmalz dazu und knetete einen geschmeidigen Teig, den ich zugedeckt in einer Schüssel gehen ließ.

Einen weiteren Teig knetete ich aus einem Würfel Hefe, 500 Gramm Dinkelmehl (Typ 630), 100 Gramm getrockneten Cranberrys und einer Prise Salz. Zuvor hatte ich den Würfel Hefe in 260 Millilitern lauwarmer Hafermilch mit drei Esslöffeln Apfeldicksaft gelöst. Auch diesem Teig gab ich zirka anderthalb Stunden Zeit zum Gehen.

Als ich meine Teigschüsseln Richtung Feuerstelle trage, werde ich dort schon erwartet. Die Männer schnitzen ihren Sprösslingen Backstöcke oder starren in die Flammen und führen bedächtig Bierflaschen zum Munde.

Die Frauen hocken unter dem Vordach des Vereinsheimes um einen Tisch, auf dem eine Kanne mit selbst angesetztem Kräutertrank steht. In einer Ecke lehnen Besen.

Wir bestücken Backstöcke und nippen vom Gebräu. Hin und wieder darf einer der Knirpse eine Handvoll getrockneten weißen Salbei auf die Glut werfen. Die Rauchschwaden winden sich durchs Geäst des Walnussbaumes und wehen dann hexengleich davon.

Okraschoten fürs Volk

MitmachBlog

Liebe LeserInnen,

„Ich freue mich über jeden, der einen Platz im Leben gefunden hat“, sagt mein Nachbar vom Planeten Dings. „Nehmen wir zum Beispiel dich“, fährt er fort, „du bist in deinem Garten, in deinem Gartenverein, in deiner schönen kleinen Welt.“

Ich überlege, ob ich darauf antworte.

Aber ich mag nicht antworten.

Mein Nachbar vom Planeten Dings mag keine Antworten.

Er erwartet keine Antworten. Er erwartet Bestätigung.

„Da wo ich herkomme,“ sagt er, „haben die Herrschenden den Armen auch kleine Gärten für kleines Geld überlassen. Da können die Armen Gemüse und Obst für den Eigenbedarf anbauen. So sind sie schön beschäftigt und kommen gar nicht auf die Idee, die herrschenden Verhältnisse in Frage zu stellen.“

Wieder schaut er mich erwartungsvoll an.

„Was soll ich jetzt dazu sagen?“, frage ich nach einer Weile.

„Weiß nicht, Viva la Revolution vielleicht?“

„Du guckst schon wie: Viva la Revolution.“

„Wie wäre es mit Okraschoten…

Ursprünglichen Post anzeigen 58 weitere Wörter

Versatile Blogger Award Resumption

Bücherwurmsophia nominierte Karotinasblog zum Versatile Blogger Award.

Da es sich dabei schon um die vierte Versatile-Blogger-Award-Nominierung handelt, gilt es Acht zu geben, dass die sieben Fakten, die heute hier aufgeschrieben werden sollen, nicht schon irgendwo erwähnt wurden. Am Ende stand schon einmal was bei einer der neun Liebster-Blogger-Award-Nominierungen, das wäre ja schreckich.

Also, ömnömnömnöm, was könnte hier also preisgegeben werden?

Ah – zum Beispiel das alle, die an Karotinasblog beteiligt sind, einer Sammelleidenschaft frönen. Wer also ein Figürchen von Wendt & Kühn oder einen Bonsai verschenken möchte … aber lassen wir das.

Die Wesen hinter dem Blog, wie Roxana Pircher von Criticalpixie immer zu sagen pflegt, sind beide Elektrofahrradfahrer und benutzen ansonsten Bus und Bahn.

Beide Blogmacher lieben Bücher. Die Spanne reicht von Kochbuch bis Krimi.

In den Gärten der Blogmacher stehen Gewächshäuser.

In den Gewächshäusern wachsen im Sommer schwarze und gestreifte Tomaten.

Im vergangenen Monat ging die Anzahl neuer Follower erstmalig seit einem Jahr auf unter 30 zurück.

Die derzeitig 740 Follower kommen aus über zwanzig Ländern.

Uff – geschafft.

Nominiert wird nicht.
Regeln? Pah –

Osterhillbillies

MitmachBlog

Liebe LeserInnen,

eben war ich im Keller. Ich musste dringend neues Kaminholz heraufholen. Auf halber Treppe standen mein Nachbar vom Planeten Dings und Frau Anderlecht. Ich hörte, wie er zu ihr sagte: „Wussten sie eigentlich, dass in manchen Gegenden der Kuckuck die Ostereier bringt?“

„Nee,“ entgegnete Frau Anderlecht, „vom Osterhahn und vom Osterstorch hab ich wohl schon gehört, aber ein Osterkuckuck?“

„Ja,“ mein Nachbar vom Planeten Dings winkt mich heran, wir stecken die Köpfe zusammen und er raunt: „Der bringt die Osterkuckuckseier.“

Frau Anderlecht winkt ab. „Sie wollen uns doch veralbern.“

„Verkackeieren,“ füge ich hinzu.

„Nein!“ Mit ernster Miene fügt der Nachbar vom Planeten Dings hinzu: „Es gibt auch Osterfüchse und Osterbilbys.“

Frau Anderlecht winkt abermals ab. „Was soll denn das sein? Ein Osterbilby?“

„Osterbilby klingt ein wenig wie Osterbiene. Gibt es Osterbienen? Müsste es eigentlich geben,“ denke ich laut weiter. „Die Solitärbienen verstecken ja auch grad ihre Eier im…

Ursprünglichen Post anzeigen 151 weitere Wörter

Poetische Kostbarkeit

MitmachBlog

Liebe LeserInnen,

„Kraut und Rüben“ ist als Thema für eine Gärtnerin natürlich ein Heimspiel vor ausverkauften Rängen, sollte man meinen.

An meiner Wohnungstür hat sich mein Nachbar vom Planeten Dings eingefunden. Aus seiner Wohnung dröhnt „Zehn kleine Jägermeister“ von den „Toten Hosen“. Er steht im Hausflur und spielt Luftgitarre.

„Heyyyy“, sagt er, als ich meine Türe öffne.

„Guten Tag“, antworte ich zurückhaltend.

„Du schreibst doch einen Schrebergartenblog?“ Er reißt die Luftgitarre herum. „Sieben fuhr’n nach Düsseldorf und einer fuhr nach Köln“, kreischt es aus seiner Wohnung.

Ich nicke.

„Und hast Du schon was zum Mitmachblog-Thema ‚Kraut und Rüben‘ geschrieben?“ Er springt auf einem Bein herum und fährt, ohne meine Antwort abzuwarten, fort: „Ich hab da was. Da kommt sogar Kraut und Rüben drin vor.“ Er zückt einen Zettel.

„Zeig mal.“

„Autor unbekannt,“ grinst mein Nachbar mit geheimnisvoller Miene.

„Sechs kleine Jägermeister wollten Steuern sparen, einer wurde eingelocht, fünf durften nachbezahlen“…

Ursprünglichen Post anzeigen 384 weitere Wörter

Spargel – Rosmarin – Kartoffeln

„Ein Alien, ein Alien!“, schreit der kleine Max und rennt aus meinem Garten zu Rapunzel hinüber.

Er hatte mir geduldig beim Kompostaussieben zugesehen. Hin und wieder klaubte er Regenwürmer aus dem frischen, duftenden Humus und steckte sie in eine Papiertüte.

„Was willst Du denn mit den Würmern machen?“, fragte ich.

„Ich werde Regenwurmzüchter.“

In der nächsten Ladung Komposterde, die auf dem Sieb landete, zuckte eine zirka fünf Zentimeter lange, dicke, weiße Käferlarve mit braunem Kopf. Beim nächsten Rütteln kam eine ebenso große, hellbraune Puppe zum Vorschein, bei der sich schon deutlich die Merkmale des zukünftigen Käfers abzeichneten.

Noch bevor ich erklären kann, dass es sich um Nashornkäfer handelt, rennt Max davon.

Es wird nicht lange dauern, denke ich, und er kehrt mit seinen Freunden zurück, um mit

ihnen seine Entdeckung zu bestaunen. Neben Max streifen auch Emma, Anna, Moritz, Alexander und viele andere Kinder durch unsere Gärten. Es ist im Prinzip alles so, wie vor hundert Jahren, nur dass die Eltern damals vermutlich nicht Vanessa, Jessica, Patrick und Fabian hießen.

Tatsächlich kommt Max wenig später mit Paul und Moritz zurück, um mit ihnen einen Blick auf die vermeintlichen Außerirdischen zu werfen.

„Was essen die?“, fragt Paul.

„Holz“, antworte ich.

„Ihihihi“, sagt Max und schickt sich an, in meinen Spatenstiel zu beißen.

„Apropos Essen“, höre ich vom Gartentor her. Rapunzel war den Alienforschern gefolgt.

„Ich hätte da Spargel im Angebot.“

„Jaaa! Spargel!“ Die Rasselbande stürmt auf Rapunzel zu.

Wir gehen gemeinsam zu ihr hinüber. Peu à peu finden sich Pierre, Bruce und die Eltern der Kinder ein.

Rapunzel hatte schon am Vortag Spargelstangen gestochen, gewaschen und mit Olivenöl, Rosmarin und Salz mariniert. Rapunzel hebt die Haube des Grills, um nach den Folienkartoffeln und der Grillschale mit dem Spargel zu sehen.

„Mein Rosmarin hat den Winter leider nicht überlebt!“, Rapunzel deutet auf den fast vertrockneten Strauch. Wir streifen Zweige und Nadeln ab.

„Die taugen noch fürs Badewasser“, sagt Pierre. Wir packen alle ein paar Hände voll Rosmarin ein.

„Au ja, ein Vollbad kann ich heute brauchen.“ Ich biege demonstrativ meinen Rücken grade.

„Kompost umsetzen, hm?“, brummt Bruce.

Wir gehen mit den Kindern Hände waschen. Rapunzel verteilt den Spargel und Kartoffeln auf Tellern und legt Besteck bereit.

„Die Alienkäfer essen Holz“, sagt Paul wenig später schmatzend zu Pierre.

„Und weißt Du auch, wer noch im Kompost wohnt?“, fragt Pierre.

„Regenwürmer“, prescht Max vor und zeigt auf seine Papiertüte.

„Und Bazillen“, ergänzt Moritz neunmalklug.

„Du meinst wohl Bakterien?“ fragt Rapunzel.

„Hm“, nickt Moritz.

„Außerdem sind im Kompost auch Pilze und viele andere Mikroorganismen. Deshalb muss man sich immer gut die Hände waschen“, ergänzt Rapunzel.

„Mikrowas?“, fragt Paul.

„Mi-kro-org-a-nis-men“, wiederholt Rapunzel.

„Ich kenn‘ nur Mikrowelle“, sagt Max, springt auf, greift seine Regenwurmtüte und läuft zu Rapunzels Kompost.

Ich sündige

MitmachBlog

Liebe LeserInnen,

seit ich mich rein pflanzlich ernähre, geht mir eine bestimmte Sorte Mensch zunehmend auf die Nerven.

Nein, es sind nicht jene Zeitgenossen, die bei jeder Gelegenheit betonen müssen, dass sie sich jetzt auch vegetarisch ernähren, um eilig hinzuzufügen, dass sie nur noch Fleisch von Tieren verzehren, die sich zuvor vegetarisch ernährt haben.

Die machen mich nur müde; so müde, dass ich noch nicht einmal die Hand zum Schenkelklopfer erhebe, geschweige denn zur Maulschelle.

Auch die sogenannten Flexitarier, regen mich nicht auf.

Flexitarier? Gibt es einen schwammigeren Begriff? Was soll das bedeuten? Das einmal in der Woche Gemüse gegessen wird?

Selbst jene Veganer, die ihre Bestimmung im Tierschutz gefunden haben, bringen mich selten aus der Ruhe. Außer vielleicht, wenn sie von mir erwarten, vor jedem Wanderzirkus Mahnwache zu halten.

Nein, so richtig grimmig machen mich jene Mitmenschen, die keine Möglichkeit auslassen, bei Facebook und anderswo die skandalöse Massentierhaltung anzuprangern…

Ursprünglichen Post anzeigen 212 weitere Wörter