Gegrillter Udo mit Tempeh und Erdnussdipp

„Dafür, dass ihr Veganer seid, grillt ihr ganz schön oft. Was riecht denn da so lecker?“

Meine Gartennachbarin Frau B. steht mit mir am Zaun des Gartens meiner Tochter Jasmin und schnuppert demonstrativ in Richtung des Grills an dem Jasmins Freund irgendwelche Spieße wendet.

„Das wird gegrillter Udo mit Tempeh, wollt ihr mal kosten?“ Mein Fräulein Tochter macht eine einladende Geste.

„Hans-Georg, riech doch mal, die jungen Leute grillen irgendeinen Udo.“

Hans-Georg B. legt seinen Kopf in den Nacken und bläht seine Nasenflügel wie ein brünftiger Rothirsch. „Udo, kannte ich den?“

Jasmin zeigt auf eine zirka 1,2 Meter hohe Staude. „Darf ich vorstellen? Udo die japanische Aralie, Aralia cordata. Das Aroma der jungen Triebe wird oft mit Fenchel, mildem Liebstöckel mit Zitrusnoten oder als sellerieartig beschrieben. In Asien wird die Pflanze im Frühjahr mit Gefäßen abgedeckt, sodass bleiche Triebe entstehen. Aber auch die grünen Triebe sind essbar. Udo wird auch japanischer Spargel genannt.

„Waren da nicht im vergangenen Jahr große helle Blütendolden dran?“

„Ja und im Herbst dunkele violette Beeren. Die sind aber nicht essbar. Wir nehmen nur die jungen Triebe und die Stängel. Die Stängel müssen allerdings geschält und kurz in Wasser oder Essigwasser eingelegt werden. Die Wurzeln werden in der traditionellen chinesischen Medizin mitunter als Ersatz für Ginseng eingesetzt.“

Meine Gartennachbarin Frau B. streicht versonnen über die Aralienblätter. „Was ihr alles habt.“

„Das ist neben Spargel, Rhabarber und ewigem Kohl unser viertes Dauergemüse, wegen der kleingärtnerischen Nutzung.“ Jasmin zwinkert uns verschwörerisch zu. Wir begleiten sie zum Grill.

„Und was ist das zwischen dem Grünzeug?“, fragt Frau B. und zieht sich die Happen direkt vom Schaschlikspieß in den Mund.

„Schmeckt wie Speck mit Pilzen“, schmatzt Hans-Georg.

„Das ist Tempeh, eine Masse aus fermentierten Sojabohnen oder anderen Bohnen.“

„Da werden Sojabohnen mit Schimmelpilzen geimpft“, informiert der Grillmeister.

„Schimmelpilze?“ Hans-Georg lässt seinen Spieß sinken.

„Jetzt tu nicht so, Blauschimmelkäse isst du doch auch.“ Seine Frau knufft ihn in die Seite.

„Der Schimmelpilz sorgt dafür, dass die Eiweiße der Bohne aufgeschlossen und die Oligosaccharide verringert werden, die Blähungen verursachen“, doziert der Grillmeister weiter.

„Hörst du, weniger Blähungen.“ Frau B. zwinkert ihrem Gatten zu.

„Wir haben 400 Gramm Tempeh in mundgerechte Streifen geschnitten und in 60 Milliliter Sojasoße, 30 Milliliter Sesamöl, je einem halben Teelöffel Kreuzkümmel und geräuchertem Paprika und einigen Prisen Rauchsalz mariniert und später im Wechsel mit Udo-Trieben auf die Holzspieße gesteckt. Hier haben wir noch einen Erdnussdipp.“ Das Fräulein Tochter schiebt ein Schälchen in die Mitte des Gartentisches. „Für den Dipp haben wir 160 Gramm ungesalzene Erdnussbutter mit 30 Millilitern Sojasoße, 60 Millilitern Rübensirup, 90 Millilitern Limettensaft, 60 Millilitern Wasser und vier gestrichene Teelöffel Chilipulver verrührt.“

Fräulein Tochters Cevapcici mit Frühlingssalat

Mein Fräulein Tochter hat sich zum Gartenbesuch angekündigt. „Mama, ich bringe Cevapcici mit“, sprach sie durchs Telefon. „Machst du einen Salat?“

Meine Jasmin ernährt sich vegan und fertigt Cevapcici aus Kidneybohnen, Champignons, Kartoffeln, Walnusskernen und Kichererbsen.

Zunächst gart sie 250 Gramm fein gewürfelte, festkochende Kartoffeln. Nebenher putzt sie 300 Gramm Champignons, schneidet sie in kleine Stücke und brät diese mit zwei gehackten Schalotten in einer Pfanne mit 2 Esslöffel Olivenöl, bis die Flüssigkeit verdampft ist. 230 Gramm Kichererbsen und 255 Gramm Kidneybohnen aus der Dose werden abgegossen und mit einer zerquetschten Knoblauchzehe und den Kartoffelstücken in einer Pfanne erhitzt. Dann werden alle Zutaten mit einer Gabel grob zerdrückt. 100 Gramm Walnusskerne mit einem Mixer zu einer feinen Masse zerkleinern und mit 120 Gramm Paniermehl und einen halben Teelöffel Kreuzkümmel zum Kartoffel-Bohnen-Pilz-Gemisch rühren. Mit Pfeffer aus der Mühle und Rauchsalz abschmecken, zirka drei Zentimeter dicke und acht bis zehn Zentimeter lange Röllchen formen und für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen. Vor dem Grillen werden die Röllchen mit Olivenöl eingepinselt.

Auf dem Weg zu meinem Garten sehe ich Rapunzel inmitten einer Hundemeute. Seit sich herumgesprochen hat, dass Rapunzel Hunde hütet, hat sich ihr Rudel stetig vergrößert. Heute sind ein Rehpinscher, ein Yorkshire Terrier, Bruno, der Promenadenmischling der Schwester meiner Gartennachbarin Frau B. und der Basset Hound unseres alten Vorsitzenden in ihrer Obhut. Die kleinen Hunde springen wechselseitig im Halbkreis umeinander herum und der Basset hockt zu Rapunzels Füßen.

„Hunde sind in der gesamten Kleingartenanlage an der Leine zu führen“, äffe ich mit gespielter Strenge unseren alten Vorsitzenden nach.

Rapunzel winkt ab. „Bei dem da“, sagt sie und nickt in Richtung des Basset, „wäre das ja auch kein Problem, die anderen drei machen nur Fitz.“

„War ja auch nur Spaß“, lache ich.

„Wenn ich weiter gehe, lege ich sie wieder in Ketten“, fügt Rapunzel entschlossen hinzu.
Die Hunde buhlen um meine Aufmerksamkeit. Nur der Basset verfolgt das Treiben scheinbar emotionslos. Erst als Bruno nur zwei Meter vor ihm ein Bein hebt, rappelt er sich auf, tappert zu der Stelle, die Bruno markiert hat und hebt nun seinerseits einen Hinterlauf. Doch genau in dem Moment, als er seinen Herrschaftsanspruch wieder herstellen will, springt ihm der Zwergpinscher in die Seite. Der Basset verliert sein Gleichwicht und plumpst auf den Hintern.

Wir lachen. Mein Fräulein Tochter gesellt sich zu uns. Von Hunden umringt hebt sie die mitgebrachte Schüssel über ihren Kopf.

„Was hast du denn da?“ Rapunzel reckt sich neugierig.

Jasmin hält die Schüssel Rapunzel hin, lüpft den Deckel und sagt: “Rate mal.“

„Hm“, rätselt Rapunzel, „sieht ein bisschen aus wie das hier.“ Sie hält ein oben verknotetes, schwarzes Beutelchen hoch.

„Du bist doof“, schmollt Jasmin und fragt mich: „Was gibt es für Salat?“

„Feldsalat, junge Löwenzahnblätter mit Gänseblümchen- und Veilchenblüten, Essig und Öl.“