Erdbeer-Königskerzenblüten-Smoothie

„Wenn das eine Königskerze ist, dann sind das dort auch welche.“ Mein Fräulein Tochter Jasmin nimmt einen jungen Blütenstand zwischen Daumen und Zeigefinger ihrer rechten Hand und deutet mit ihrer linken auf zahlreiche Blattrosetten.
„Gut“, lenkt ihr Freund ein und lässt sein Smartphone mit der Pflanzenbestimmungs-App sinken, “dann ist das eben kein dichtblütiges Wollkraut. Aber sind es nun kleinblütige Königskerzen, flockige Königskerzen oder filzige Königskerzen?“
„Die hier sind filzig.“ Das Fräulein Tochter streicht über die Blätter. „Also ist es eine filzige Königskerze. Oder doch kleinblütig?“, zweifelt sie.

Ich habe es mir im Hängestuhl im Garten meiner Tochter bequem gemacht und beobachte die beiden Naturforscher.
Am Zaun schlendert Pierre vorbei.
„He Pierre“, rufe ich, „was meinst du, dichtblütiges Wollkraut oder kleinblütige Königskerze.“
Pierre beschattet seine Augen mit der Hand, lässt seine Blicke schweifen und sagt: „Das ist doch
dasselbe, oder? Wie lautetet denn der botanische Name?“
Jasmin greift sich das Smartphone und liest: „Dichtblütiges Wollkraut – Verbascum densiflorum.
„Verbascum densiflorum ist die großblütige Königskerze, Wollkraut ist wohl nur ein anderer Name. Habt ihr da hinten auch Nachtkerzen?“
„Ja“, strahlt das Fräulein Tochter.
„Mhm“, pflichtet ihr Freund bei, “ist wie Weihnachten hier, überall Kerzen.“
„Dann passt mal schön auf, dass noch genügend Platz für Obst und Gemüse bleibt.“
„Wieso mindestens die Nachtkerzen sind Anbau und die Königskerzen zählen als Kräuter“, grinst Jasmin listig.
„Aber nicht, wenn der halbe Garten damit voll steht“, brummt Pierre, „und überhaupt, wieso ist die Nachtkerze Anbau?“
„Wir wollen die Wurzel als Gemüse essen“, klärt Jasmins Freund auf. „Die heißen auch Schinkenwurzel und werden wie Schwarzwurzel zubereitet.“
„Und ihr wollt Schinkenwurzel essen?“, fragt Pierre misstrauisch, „ich denke ihr seid Veganer?“
Jasmin stöhnt: „Nicht du auch noch, Pierre. Wir müssen uns hier schon genug dumme Sprüche anhören.“
„Dumme Sprüche?“, frage ich unschuldig.
„Mama, du weißt doch: Veganer essen meinem Essen das Essen weg. Essen Veganer Fleischtomaten? Wenn ihr Veganer seid, warum habt ihr nur so eine kleine Wiese?“
„Wiese? Versteh ich nicht“, wundert sich Pierre.
„Na Veganer essen doch nur Gras und Steine.“ Jasmin zwinkert Pierre versöhnlich zu.
„Ich sehe ja, dass ihr genügend Gemüseanbau im Garten habt. Kürbis, Mais, Bohnen, Salat. Nur das hier vorn, wo ihr Kaiserkrone dran geschrieben habt, das ist eine Kartoffel.“
„Nee, das ist schon richtig so, die Kartoffelsorte heißt Kaiserkrone.“
„Oh, wieder was gelernt. Na dann!“ Pierre wendet sich zum Gehen.
„Ihr zwei“, übernehme ich das Kommando, „könnt schon mal ein halbes Kilo Erdbeeren, ein paar Königskerzenblüten und einige Blätter Zitronenmelisse pflücken. Da mache ich uns einen schönen Smoothie draus. Wenn irgendwo schon ein paar Taglilien blühen, könnt ihr auch noch drei bis vier Blüten bringen.“
„Taglilienblüten?“, freut sich Jasmin, „dann zählen die ja auch zum Anbau.“

Kandierte Gänseblümchen

Ich stehe mit meinem Fräulein Tochter Jasmin in der Küche ihrer Wohngemeinschaft und rühre Zuckersirup. Mit 100 Milliliter Wasser hatte ich 125 Gramm Rohrohrzucker aufgelöst und kurz köcheln lassen. Nun rühre ich den langsam erkaltenden Sirup. Jasmin wusch derweil Gänseblümchen mit kaltem Wasser und legte sie auf ein Leinentuch zum Trocknen.

„Sieht hübsch aus“, stellt sie fest und zupft die Blüten zu einem Ring.

Mein Telefon klingelt und Bruce ist dran.

„Hör mal, Karo“, druckst er herum, „würdest du, ähm dürfte ich …“

„Was“, frage ich streng.

„Ich möchte dich gern als Schlichterin vorschlagen.“

Das Fräulein Tochter macht lange Ohren. Ich stelle das Telefon auf Lautsprecher.

„Jasmin hört mit“, sage ich.

„Hallo Holger“, flötet das Fräulein Tochter. Wir grinsen, als wir merken wie seltsam es sich anhört, wenn Bruce nicht mit seinem Spitznamen angesprochen wird.

„Hallo Jasmin“, krächzt es aus dem Lautsprecher.

„Also was sagst du?“

Jasmin stupst mich an und nickt theatralisch.

„Ach ich weiß nicht, was müsste ich da denn …?“

Das Fräulein Tochter schlägt sich die flache Hand vor die Stirn.

„Nuuun“, Bruce atmet hörbar, „wenn sich mal zwei Gärtner über irgendwas nicht einigen können, dann könntest du – ähm vermitteln.“

„Aber das mach ich doch schon. Zum Beispiel bei Hans-Georg und dem Neuen mit der LKW-Plane.“

„Weiß ich doch, aber wenn die Mitgliederversammlung dich als Schlichterin gewählt hat, dann machst du es offiziell.“

„Mhm, offiziell hört sich nach Verpflichtung an.“

„Sie macht es“, ruft Jasmin dazwischen.

„Also das möchte ich schon von deiner Mutter …“ Im Lautsprecher raschelt es.

„Bist du noch dran? Na gut, schlag mich halt vor.“ Rascheln und Knarzen.

„Das freut mich. Ich hätte da auch schon die erste Schlichtung.“

„Ich bin doch noch gar nicht gewählt.“

„Aber in drei Wochen wirst du gewählt sein. Bis dahin sollte der vorliegende Fall nicht weiter eskalieren.“

Ich bereue meine Zusage und frage tapfer: „Um welchen Fall handelt es sich denn?“

Das Fräulein Tochter simuliert lautlos einen Lachanfall.

„Na um Hans-Georg und den Neuen mit der LKW-Plane.“

Jasmin prustet los.

„Was ist denn mit den beiden schon wieder“, frage ich.

„Du weißt doch noch, wie die Parzelle des Neuen aussah, als der Wind die LKW-Plane verschoben hatte?“

„Ja, als wäre ein Heißluftballon notgelandet.“

„Der Neue behauptet, Hans-Georg hätte die Leinen der Plane gelockert. Also Danke für deine Kandidatur Karo, wir sehen uns spätestens zur Mitgliederversammlung.“ Bruce legt auf.

„Meine Mama kandidiert“, fasst Jasmin feierlich zusammen.

„Ja, ja“, wehre ich ab, “jetzt lass uns hier erstmal kandieren.

Wir tauchen die Gänseblümchen vorsichtig in den Sirup. Dann befestigen wir die Blütenstängel an einem Bindfaden und hängen die Blümchen über Backpapier zum Trocknen auf.

„Das ist ja eine schöne Schmiererei.“ Jasmin schleckt sich ihre Finger sauber. „Wie lange brauchen die jetzt?“

„Morgen tauchst du sie noch einmal, nach zwei Tagen streust du vorsichtig Rohrohrzucker drüber und dann nochmal für weitere vier Tagen aufhängen.“

Fräulein Tochters Cevapcici mit Frühlingssalat

Mein Fräulein Tochter hat sich zum Gartenbesuch angekündigt. „Mama, ich bringe Cevapcici mit“, sprach sie durchs Telefon. „Machst du einen Salat?“

Meine Jasmin ernährt sich vegan und fertigt Cevapcici aus Kidneybohnen, Champignons, Kartoffeln, Walnusskernen und Kichererbsen.

Zunächst gart sie 250 Gramm fein gewürfelte, festkochende Kartoffeln. Nebenher putzt sie 300 Gramm Champignons, schneidet sie in kleine Stücke und brät diese mit zwei gehackten Schalotten in einer Pfanne mit 2 Esslöffel Olivenöl, bis die Flüssigkeit verdampft ist. 230 Gramm Kichererbsen und 255 Gramm Kidneybohnen aus der Dose werden abgegossen und mit einer zerquetschten Knoblauchzehe und den Kartoffelstücken in einer Pfanne erhitzt. Dann werden alle Zutaten mit einer Gabel grob zerdrückt. 100 Gramm Walnusskerne mit einem Mixer zu einer feinen Masse zerkleinern und mit 120 Gramm Paniermehl und einen halben Teelöffel Kreuzkümmel zum Kartoffel-Bohnen-Pilz-Gemisch rühren. Mit Pfeffer aus der Mühle und Rauchsalz abschmecken, zirka drei Zentimeter dicke und acht bis zehn Zentimeter lange Röllchen formen und für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen. Vor dem Grillen werden die Röllchen mit Olivenöl eingepinselt.

Auf dem Weg zu meinem Garten sehe ich Rapunzel inmitten einer Hundemeute. Seit sich herumgesprochen hat, dass Rapunzel Hunde hütet, hat sich ihr Rudel stetig vergrößert. Heute sind ein Rehpinscher, ein Yorkshire Terrier, Bruno, der Promenadenmischling der Schwester meiner Gartennachbarin Frau B. und der Basset Hound unseres alten Vorsitzenden in ihrer Obhut. Die kleinen Hunde springen wechselseitig im Halbkreis umeinander herum und der Basset hockt zu Rapunzels Füßen.

„Hunde sind in der gesamten Kleingartenanlage an der Leine zu führen“, äffe ich mit gespielter Strenge unseren alten Vorsitzenden nach.

Rapunzel winkt ab. „Bei dem da“, sagt sie und nickt in Richtung des Basset, „wäre das ja auch kein Problem, die anderen drei machen nur Fitz.“

„War ja auch nur Spaß“, lache ich.

„Wenn ich weiter gehe, lege ich sie wieder in Ketten“, fügt Rapunzel entschlossen hinzu.
Die Hunde buhlen um meine Aufmerksamkeit. Nur der Basset verfolgt das Treiben scheinbar emotionslos. Erst als Bruno nur zwei Meter vor ihm ein Bein hebt, rappelt er sich auf, tappert zu der Stelle, die Bruno markiert hat und hebt nun seinerseits einen Hinterlauf. Doch genau in dem Moment, als er seinen Herrschaftsanspruch wieder herstellen will, springt ihm der Zwergpinscher in die Seite. Der Basset verliert sein Gleichwicht und plumpst auf den Hintern.

Wir lachen. Mein Fräulein Tochter gesellt sich zu uns. Von Hunden umringt hebt sie die mitgebrachte Schüssel über ihren Kopf.

„Was hast du denn da?“ Rapunzel reckt sich neugierig.

Jasmin hält die Schüssel Rapunzel hin, lüpft den Deckel und sagt: “Rate mal.“

„Hm“, rätselt Rapunzel, „sieht ein bisschen aus wie das hier.“ Sie hält ein oben verknotetes, schwarzes Beutelchen hoch.

„Du bist doof“, schmollt Jasmin und fragt mich: „Was gibt es für Salat?“

„Feldsalat, junge Löwenzahnblätter mit Gänseblümchen- und Veilchenblüten, Essig und Öl.“