Geräucherte Kartoffeln mit Auberginendip

Mein Fräulein Tochter Jasmin und ich bereiten eine Sesampaste, die auch Tahini oder Tahin genannt  wird. Wir rösten 500 Gramm Sesamkörner in einer Pfanne ohne Fett goldgelb an und lassen sie wieder abkühlen. Dann geben wir den Inhalt der Pfanne zusammen zwei Gramm Salz in einen Mixer und fügen nach und nach sechs Esslöffel Rapsöl hinzu, bis eine cremige Masse entstanden ist.

Dann heizen wir den Backofen auf 220 °C vor. Auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech platzieren wir sechs Auberginen (zirka 1,3 kg), die wir zuvor gewaschen und mit einer Gabel eingestochen haben. Auf mittlerer Schiene backen die Eierfrüchte nun eine knappe halbe Stunde lang, bis die äußere Haut stellenweise verbrannt ist.

Währenddessen schälen wir sechs Knoblauchzehen und bereiten 125 Milliliter frisch gepressten Zitronensaft. Dann verrühren wir 200 Gramm Sojajoghurt mit 250 Gramm unserer Sesampaste, den zerquetschten Knoblauchzehen und dem Zitronensaft.

Von den abgekühlten Auberginen entfernen wir die verbrannte Schale und die Strünke. Das Innere der Eierfrüchte zerdrücken wir mit einer Gabel und heben die Gemüsemasse unter die Joghurt-Tahin-Mischung. Wir schmecken mit Salz ab und machen uns mit unserem Dip auf den Weg in unsere Gartenanlage.

Im Garten meiner Tochter herrscht reges Treiben. Einige junge Leute haben sich um einen Edelstahltrog versammelt. Der Freund meiner Tochter begrüßt uns. Sein Männerdutt ist ausgefranst und schwarze Striemen zieren sein Gesicht.

„Na mein Pflanzenkohle-Held,“ begrüßt das Fräulein Tochter ihren Philosophiestudenten und wir nicken in die Runde.

„Eine Ladung haben wir schon fertig,“ strahlt der Hobbyköhler und deutet auf einen Haufen Holzkohlestücke. „Die müssen nur noch zerkleinert und aufgeladen werden.“

„Aufgeladen?“

„Na zum Beispiel mit Urin oder einer Lösung mit effektiven Mikroorganismen“, erklärt einer. „Oder wir streuen das Kohlepulver nur in den Kompost“, wirft ein anderer ein.

Die Runde diskutiert über die jüngsten Erfahrungen. Begriffe wie Kontiki, Kohlendioxidspeicherung, Terra Preta, Biodiversität und Urgesteinsmehl schwirren hin und her.

Ich sehe mir den Stahlbottich genauer an. Am unteren Ende ist an einem Ventil ein Wasserschlauch angeschlossen. Im Inneren befindet sich eine tricherförmige Vertiefung in der gleichmäßig aufgeschichtete Holzstücke glimmen. Hin und wieder züngelt eine Flamme.

„Ich glaube wir können die nächste Lage einschichtet, beschließt das Fräulein Tochter und beginnt ungefähr gleich große Holzstücke in den Trichter zu legen.

„Wir können damit nachher noch grillen und wir haben Kartoffeln im Smoker.“

Wir inspizieren den Räucherofen. Die jungen Leute hatten vor einer Stunde das Gerät auf 130 °C vorgeheizt, mittelgroße Kartoffeln ringsum zehnmal mit einer Gabel eingestochen und mit einer Mischung aus Rapsöl, Salz und Pfeffer eingepinselt. Dann gaben sie eingeweichte Erlenholzschnitzel in den Einschub des Gerätes und die Erdäpfel in die Räucherkammer.

„Pack mal unsern Dip aus,“ weise ich Jasmin an, “ich glaube die sind gleich gar.“

Rhabarberkuchen und Kartoffelchip

Eines meiner Lieblingsgemüse im Frühjahr ist der Rhabarber.
Ich entferne die Blätter und ziehe die Fasern entlang der Stange ab. Wenn ich ein halbes Kilogramm Rhabarberstangen beisammen habe, schneide ich zirka einen Zentimeter lange Stücke, streue 125 Gramm Rohrohrzucker zum Saft ziehen darüber und stelle die Schüssel beiseite.
Aus einem halben Kilogramm Mehl und einer Packung Trockenhefe knete ich mit 50 Gramm Rohrohrzucker, 80 Gramm Margarine, 125 Gramm Hafermilch und einer Prise Salz einen geschmeidigen Teig, der dann abgedeckt an einem warmen Ort auf die doppelte Größe gehen kann.
Den durch das Einzuckern gewonnenen Rhabarbersaft fülle ich mit Hafermilch auf einen halben Liter auf. Von dem Gemisch nehme ich fünf Esslöffel ab und rühre damit ein Päckchen Vanillepuddingpulver und 40 Gramm Zucker an. Die restliche Saft-Hafermilchmischung koche ich auf, nehme den Topf von der Platte, rühre das Puddingpulvergemisch unter und koche das Ganze noch einmal kurz auf. Dann hebe ich die Rhabarberstückchen unter.
Nun knete ich nur noch schnell 100 Gramm Rohrohrzucker, 150 Gramm Margarine und 200 Gramm gemahlene Haselnüsse für die Streusel und würze mit einer kräftigen Prise Zimtpulver und einer Messerspitze Salz.
Nun drücke ich den Hefeteig auf ein gefettetes Backblech, verteile das Rhabarber-Pudding-Gemisch darauf und darüber krümele ich die Streusel. Zum Schluss gebe ich das Blech auf die mittlere Schiene bei 180°C Ober- und Unterhitze für zirka eine halbe Stunde in den Backofen.
Ich packe eine Thermoskanne Kaffee und den Rhabarberkuchen ein und mache mich auf den Weg in die Kleingartenanlage. Bin gespannt wie weit mein Fräulein Tochter und ihr Freund mit ihrer Parzelle gekommen sind.
Doch erstmal gehe ich in meinen eigenen Garten. Meine Gartennachbarin Frau B. und ihr Mann Hans-Georg sind mit der Frühjahrsbestellung beschäftigt. Genauer, Hans-Georg bereitet im Hintergrund Beete vor und Frau B. kommt zu mir herüber, als sie mich meine Gartenpforte öffnen sieht.
„Na?“, fragt sie mit herausfordernder Geste, „Was sagst du zu meinem Elitegärtner?“
„Du meinst, weil er dort alles so schön auf Kante harkt? Sozusagen Saatbeet deluxe?“
„Nee“, prustet Frau B. los, „weil er alle elf Minuten eine Kartoffel aus dem vergangenen Jahr findet.“
„Alle elf Minuten? War das nicht die andere Truppe? Nicht Elitegärtner sondern Par- ähm Gärtnership?“
„Dann schon besser Kartoffelchip, hähähä.“
„Lacht ihr über mich?“ Hans-Georg hat seine Harke weggestellt und kommt zu uns herüber.
„Nöö“, wimmeln wir ab.
Ich hebe meinen Picknickkorb hoch. „Schau, ich habe hier Rhabarberkuchen und du weißt doch, sauer macht lustig.“
„Außerdem hast du doch mich.“ Frau B. tätschelt ihrem Gatten beruhigend den Hals.
Der beißt in ein Stück Kuchen und mümmelt: „Ich versteh Bahnhof. So sauer ist der doch gar nicht.“
„Ich hätte da hinten auch noch Rhabarber, brauchst du noch welchen?“, bietet Frau B. an.
Bevor ich abwehren kann, macht sich Hans-Georg auf den Weg. „Ich hol schnell welchen.“
Frau B. lacht und zwinkert mir zu.

Kartoffelkuchen

„Das ist nett von Dir, aber danke. Vielleicht hast du ja wichtigere Termine.“
Mein zukünftiger Schwiegersohn zieht seine Haare zu einem straffen Dutt.
„Ach, das macht mir überhaupt nichts aus“, wiegele ich ab.
Mein Fräulein Tochter kommt zu uns. „Was gibst?
Deine Mutter will uns beim Zaunbau helfen.
„Und einen Kuchen bringe ich auch mit“, trumpfe ich auf.
„Kuchen ist immer gut. Wir sehen uns dann morgen.“
Die jungen Leute gehen und ich mache aus 250 Gramm Weizenmehl, 160 Milliliter Wasser und 30 Gramm Frischhefe einen Vorteig, den ich eine Stunde an einem warmen Ort gehen lasse bis er sein Volumen ungefähr verdreifacht hat.
Derweil werden 250 Gramm geschälte Kartoffeln gekocht.
Dann walke ich aus dem Vorteig, weiteren 500 Gramm Weizenmehl, die mittlerweile ausgekühlten und zerdrückten Kartoffeln, 50 Gramm feingehacktes Orangeat, 200 Gramm zerlassene Margarine, 1 Gramm Zimt, eine Prise Nelkenpulver und eine Prise gemahlener Kardamom ungefähr 10 Minuten bis ein geschmeidiger Teig entstanden ist, der nicht mehr klebt. Anschließend füge ich 100 Gramm Rohrohrzucker und 10 Gramm Salz hinzu und knete nochmals durch. Zum Schluss 100 Gramm Rosinen unter den Teig heben und alles auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech ausbreiten, mit den Fingerspitzen kleine Dellen eindrücken und mit einem Gemisch aus 100 Gramm Rohrohrzucker, 70 Gramm zerlassener Margarine und einem Teelöffel Zimt übergießen. Nach weiteren 20 Minuten an einem warmen, zugfreien Ort schiebe ich das Blech auf mittlerer Schiene bei 180 ° C für eine halbe Stunde in den Backofen.
Am nächsten Morgen packe ich eine Thermoskanne Kaffee, ein paar Becher und meinen Kartoffelkuchen ein und mache mich auf den Weg in unsere Kleingartenanlage. Als ich eintreffe, ist die Erneuerung des Gartenzaunes bereits in vollem Gange. Ich schnappe mir einen Klappstuhl und lasse mich an einer Stelle nieder, von der ich das Baugeschehen gut überblicken kann.
„So sieht also Deine Hilfe aus, Mama“, tadelt mich Jasmin.
„Ich bin euer Joker. Falls es Schwierigkeiten gibt.“
Nicht, dass ich den jungen Leuten den Zaunbau nicht zutrauen würde, ich bin vor allem auf eine andere Entwicklung gespannt.
Wie nicht anders erwartet, dauert es nicht lange und die ersten Gartennachbarn machen den Kleingartenneulingen ihre Aufwartung.
„Neuer Zaun? Viel Arbeit, was?“
„Ja, ja viel Arbeit!“
„Aber der alte Zaun war doch noch gut.“
„Noch gut?“ Jasmins Philosophiestudent hält anklagend ein sichtlich angegriffenes Stück Holz hoch.
„Die Querriegel kommen meist zu erst. Viel Arbeit was?“
„Ja, ja viel Arbeit.“
„Hm, hier riecht es nach frischem Holz. Habt ihr die Latten vorher schon mit Holzschutz gestrichen?“
„Haben wir.“ Jasmin deutet auf zwei Böcke auf denen Latten zur weiteren Verwendung lagern.
„Könnt ihr dann bei mir gleich weitermachen, was?“
„Erstmal sehen wie weit wir hier kommen.“
„Und soll da später noch Farbe dran?“
„Wissen wir noch nicht. Wir dachten, wir lassen das Holz verwittern und es wird dann silbergrau.“
„Ich hab noch eine Büchse mit brauner Farbe.“
„Nein danke.“
„Trotzdem viel Arbeit.“
„Ja, ja viel Arbeit.“

Deftiger Kohlrabi-Eintopf

„Die jungen Leute können alle kein Gartenhaus mehr bauen.“

Mein Gartennachbar Hans-Georg B. deutet auf eine Bauruine, die in unserer Gartenanlage nur „das Hochhaus“ genannt wird. Ein Junggärtner hatte das undichte Pultdach einer Laube abgerissen und bevor er die neuen Sparren auflegte, einen Ring aus alten Fenstern eingebaut.

Hochhauslaube_klein

Dabei unterliefen ihm einige Fehler, die dazu führten, dass er das neue Dach wenig später mit Planen abdecken musste. Gespannt warteten die anderen Gärtner auf die Fortsetzung des Baugeschehens. Doch der Wind zerriss die erste Plane, wenig später die zweite und bald auch Plane Nummer drei.

Da der verhinderte Gartenhausarchitekt auch keinen nennenswerten Obst- und Gemüseanbau realisierte, wurde er vom Vorstand gekündigt. Der nächste Bauherr installierte zunächst eine massive LKW-Plane.

„Na, habt ihr da einen Neuen?“ fragt Hans-Georg unseren stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Bruce, der grade des Weges kommt.

„Hm“, brummt Bruce, kratzt sich am Kopf und schaut nachdenklich auf das Planenungetüm, das wie ein auf einer Streuobstwiese liegengebliebener 40-Tonner wirkt.

„Nach hoffentlich renkt der sich nicht auch beim Arschabwischen den Daumen aus.“

„Hans-Georg“, tadelt meine Gartennachbarin Frau B. ihren Gatten und fügt hinzu: “Ihr müsst den jungen Lauten auch mal was zutrauen.“

„Mach ich doch“, grollt Hans-Georg, „denen trau ich alles zu.“

„Ich hab schon Hilfe angeboten, aber er meint, er kriegt das allein hin.“ Bruce wendet sich seinem Garten zu.

„Dann sollen die Neuen eben nur noch diese Baumarkthütten zusammenstecken. Dafür wird es ja wohl noch reichen. So kann das jedenfalls nicht bleiben“ murrt Hans-Georg.

„Da sind wir uns einig. Wenigsten gärtnert der Neue“, sage ich und zeige auf einige Mangold- und Grünkohlpflanzen.

„Ist der Kohlrabi noch vom letzten Jahr?“, fragt Frau B., zeigt auf das Frühbeet und zieht sich fröstelnd ihre Strickjacke enger um die Schultern.

„Na im Winter ist der sicher nicht gewachsen“ spottet Hans-Georg.

„Habt ihr es denn noch nicht gelesen?“ frage ich. „Kohlrabi funktioniert angeblich im Frühbeet als Wintergemüse. Selbst wenn er durchgefroren war, wird er wieder knackig.“

„Na, wer’s glaubt.“ Hans-Georg winkt ab.

Ich gehe in meinen Garten und hole Kohlrabi aus meinem Gewächshaus und Kartoffeln, Sellerie und Möhren aus der Miete.

Nachdem ich das Gemüse geputzt und geschält habe, setze ich einen Topf mit einem Liter Wasser auf. Zuerst gebe ich 200 Gramm feingewürfelten Knollensellerie hinein, dann 500 Gramm Kartoffelwürfel und 250 Gramm gestiftelte Möhren. Einen halben Teelöffel Salz dazu und zehn Minuten kochen lassen. Danach gebe ich zirka zwei Kilo kleine Kohlrabiwürfel zur Suppe und lasse das Ganze weitere zehn Minuten kochen.
Aus einem Esslöffel Mehl und einer Flocke Margarine bereite ich in einem kleinen Tiegel eine helle Mehlschwitze, die ich zum Binden unter die Suppe ziehe. Danach schmecke ich mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss ab. Zu guter Letzt zupfe ich frischen Feldsalat und verteile ihn über den Portionen.

Grünkohl-Kartoffel-Auflauf mit Roter Bete, Sonnenblumenkernen und Erdnussguss

„Das gruselige Ding steht ja immer noch hier rum.“ Bruce schnappt sich den Halloween-Kürbis und trägt ihn aus dem Vereinsheim. Rapunzel, meine Gartennachbarin Frau B. und ich folgen ihm neugierig.

„Das ist nur, damit das neue Jahr genauso furchtbar anfängt, wie das alte aufgehört hat“, kommentiert Frau B. und schaut grimmig drein.

„Das neue Jahr soll NICHT genauso furchtbar anfangen, deshalb steht der Kürbis noch hier“, korrigiert Rapunzel.

„Euer altes Jahr war furchtbar?“ Bruce nimmt die Kerzenreste aus dem Kürbis und stellt ihn auf einen Stubben zwischen wilden Rosen. Dann schüttet er aus einem Eimer Vogelfutter hinein.

„Naja, erst der Hagelschaden im Frühjahr, dann die ewige Hitze, die Kartoffelkäferinvasion und dann ist auch noch Kojak gestorben“ sagt Rapunzel mit Trauermiene.

„Unser Kojak?“ Frau B. guckt ungläubig. Der wohnt doch bei uns nebenan.

„Wohnte“, sagt Bruce und nickt betrübt.

„Sein Auto steht noch an der Straße“, Hans-Georg B. blickt Hilfe suchend zu seiner Frau.

„Der war doch noch gar nicht so alt.“

„Knapp über 70“, bestätigt Bruce und fügt hinzu: „Ist schon beerdigt, alles im kleinen Kreis.“

Rapunzel stochert mit dem Fuß im Gebüsch unter dem Kürbis. „Iiiih – das hier müssen wir auch beerdigen.“ Sie schiebt mit der Fußspitze einen kleinen Kadaver aus der Grasnabe.

„Ist das eine tote Ratte?“

Bruce bückt sich.

„Nee, ein toter Maulwurf.“

Frau B. lädt uns ins Vereinsheim. „Lasst uns ein letztes Mal auf Kojak anstoßen.“
Sie füllt die Gläser mit alkoholfreiem Sekt. „Was anderes ist nicht da.“

„Da muss doch noch“, Bruce kramt im Schrank hinter der Theke. Er fördert einige Packungen Sonnenblumenkerne und gesalzene Erdnüsse zutage. „Mindestens haltbar bis Juli 2015“, liest er vor, „wann haben wir hier eigentlich zum letzten Mal Inventur gemacht?“

„Die sind bestimmt noch gut“, sage ich und öffne eine Tüte Erdnüsse.

„Lebensmittel sind wertvoll“, grinst Frau B.

Ich könnte einen Leichenschmaus richten“, schlage ich vor.

„Für den Maulwurf?“, fragt Rapunzel.

„Unsinn für Kojak.“

Ich hole aus meinem Garten Kartoffeln, Grünkohl und Rote Beete.
Nach 20 Minuten sind 600 Gramm Pellkartoffeln fertig. Unterdessen putzte ich 800 Gramm Grünkohl und schälte 200 Gramm Rote Bete und schnitt alles in Scheiben und mundgerechte Happen. Ich fette eine große Auflaufform. Die gepellten und in Scheiben geschnittenen Kartoffeln werden nun abwechselnd mit Grünkohl und Roter Bete eingeschichtet. Zu guter Letzt streue ich 5 Esslöffel Sonnenblumenkerne drüber und mixe gesalzene Erdnüsse mit Sonnenblumenöl und Wasser zu einem Guss, den ich über das Gemüse träufele. Muskat und Pfeffer aus der Mühle darüber streuen und bei 200 Grad Celsius Umluft für 20 Minuten in den Backofen schieben.

Wir essen.

Rapunzel sieht aus dem Fenster. Vor dem Vereinsheim versammeln sich Rabenkrähen.
„Ich glaube, immer wenn einer gestorben ist, dann kommen die Krähen“ sinnt Rapunzel.

„Quatsch“, Frau B. schüttelt ihren Kopf.

Wir sind alle ans Fenster getreten. Eine Krähe schnappt sich den Maulwurfkadaver und hüpft davon.

„Beerdigen.“ Bruce winkt ab.

Fräulein Tochters Cevapcici mit Frühlingssalat

Mein Fräulein Tochter hat sich zum Gartenbesuch angekündigt. „Mama, ich bringe Cevapcici mit“, sprach sie durchs Telefon. „Machst du einen Salat?“

Meine Jasmin ernährt sich vegan und fertigt Cevapcici aus Kidneybohnen, Champignons, Kartoffeln, Walnusskernen und Kichererbsen.

Zunächst gart sie 250 Gramm fein gewürfelte, festkochende Kartoffeln. Nebenher putzt sie 300 Gramm Champignons, schneidet sie in kleine Stücke und brät diese mit zwei gehackten Schalotten in einer Pfanne mit 2 Esslöffel Olivenöl, bis die Flüssigkeit verdampft ist. 230 Gramm Kichererbsen und 255 Gramm Kidneybohnen aus der Dose werden abgegossen und mit einer zerquetschten Knoblauchzehe und den Kartoffelstücken in einer Pfanne erhitzt. Dann werden alle Zutaten mit einer Gabel grob zerdrückt. 100 Gramm Walnusskerne mit einem Mixer zu einer feinen Masse zerkleinern und mit 120 Gramm Paniermehl und einen halben Teelöffel Kreuzkümmel zum Kartoffel-Bohnen-Pilz-Gemisch rühren. Mit Pfeffer aus der Mühle und Rauchsalz abschmecken, zirka drei Zentimeter dicke und acht bis zehn Zentimeter lange Röllchen formen und für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen. Vor dem Grillen werden die Röllchen mit Olivenöl eingepinselt.

Auf dem Weg zu meinem Garten sehe ich Rapunzel inmitten einer Hundemeute. Seit sich herumgesprochen hat, dass Rapunzel Hunde hütet, hat sich ihr Rudel stetig vergrößert. Heute sind ein Rehpinscher, ein Yorkshire Terrier, Bruno, der Promenadenmischling der Schwester meiner Gartennachbarin Frau B. und der Basset Hound unseres alten Vorsitzenden in ihrer Obhut. Die kleinen Hunde springen wechselseitig im Halbkreis umeinander herum und der Basset hockt zu Rapunzels Füßen.

„Hunde sind in der gesamten Kleingartenanlage an der Leine zu führen“, äffe ich mit gespielter Strenge unseren alten Vorsitzenden nach.

Rapunzel winkt ab. „Bei dem da“, sagt sie und nickt in Richtung des Basset, „wäre das ja auch kein Problem, die anderen drei machen nur Fitz.“

„War ja auch nur Spaß“, lache ich.

„Wenn ich weiter gehe, lege ich sie wieder in Ketten“, fügt Rapunzel entschlossen hinzu.
Die Hunde buhlen um meine Aufmerksamkeit. Nur der Basset verfolgt das Treiben scheinbar emotionslos. Erst als Bruno nur zwei Meter vor ihm ein Bein hebt, rappelt er sich auf, tappert zu der Stelle, die Bruno markiert hat und hebt nun seinerseits einen Hinterlauf. Doch genau in dem Moment, als er seinen Herrschaftsanspruch wieder herstellen will, springt ihm der Zwergpinscher in die Seite. Der Basset verliert sein Gleichwicht und plumpst auf den Hintern.

Wir lachen. Mein Fräulein Tochter gesellt sich zu uns. Von Hunden umringt hebt sie die mitgebrachte Schüssel über ihren Kopf.

„Was hast du denn da?“ Rapunzel reckt sich neugierig.

Jasmin hält die Schüssel Rapunzel hin, lüpft den Deckel und sagt: “Rate mal.“

„Hm“, rätselt Rapunzel, „sieht ein bisschen aus wie das hier.“ Sie hält ein oben verknotetes, schwarzes Beutelchen hoch.

„Du bist doof“, schmollt Jasmin und fragt mich: „Was gibt es für Salat?“

„Feldsalat, junge Löwenzahnblätter mit Gänseblümchen- und Veilchenblüten, Essig und Öl.“

Grünkohlsuppe

„Da bleibt ja gar nichts übrig.“ Rapunzel schlägt entsetzt beide Hände über dem Kopf zusammen. Unser Vorstand hatte einen Hobbywinzer engagiert, der an den Rebstöcken, die rings um Rapunzels Laube rankten, soeben eine Schnittvorführung beendete.

Die anderen Gartenfreunde, die dieser Schulungsveranstaltung beiwohnen, schweigen andächtig. Stumm beginnt Rapunzel die Weinruten einzusammeln.
„Du wirst schon sehen, wie schnell das alles wieder wächst“, tröstet Pierre und greift zur Harke.

„Wir haben da auch noch einen Weinstock“, meldet sich meine Gartennachbarin Frau B. und zwinkert mir listig zu.

Wir wechseln auf die Parzelle von Familie B. und der Hobbywinzer erklärt noch einmal das Prinzip des Zapfenschnitts. „Für Traubenwein ist der Zapfenschnitt fast immer geeignet. Bei alten Sorten und bei sehr wüchsigen, jungen Pflanzen versagt er jedoch mitunter. Diese tragen dann zwar Laub, aber keine Früchte, weil ihre stammnahen Knospen keine Anlagen zur Fruchtbildung enthalten. Dann sollten die Zapfen nicht nur ein bis zwei Knospen, sondern mindestens drei bis fünf Augen haben oder sogar mit einem Streckerschnitt gepflegt werden. Bei diesem mittellangen Schnitt bleiben drei bis sieben Knospen stehen. Der Streckerschnitt bietet eine höhere Ertragssicherheit, als der Zapfenschnitt.“

weinschnittklein

„Hohen Ertrag brauchen wir“, meldet sich Hans-Georg B. zu Wort. Ein Raunen geht durch die Reihen der Kleingärtner.

Ich winke Rapunzel zu. „Komm“, rufe ich, „wir müssen noch das Mittagessen fertig machen. Ich setze im Vereinsheim einen großen Topf mit zirka fünf EL Rapsöl auf die Herdplatte. Darin röste ich fünf in Würfel geschnittene Zwiebeln und gebe zwei Kilogramm klein geschnittene Grünkohlblätter dazu, die ich scharf anbrate. Dann lösche ich mit einem Liter Weißwein ab und füge zwei Liter kräftige Gemüsebrühe mit vier EL grobem Senf zu. Der Grünkohl muss nun ungefähr 20 Minuten köcheln. Rapunzel hat unterdessen zwei Kilogramm gekochte Kartoffeln gepellt, in kleine Würfel geschnitten und diese in Rapsöl goldgelb angebraten.

Als die Kleingärtner anrücken, füllen wir die Grünkohlsuppe in Schalen und geben jeweils Röstkartoffeln als Einlage hinzu.

Während des Essens geht die Fachsimpelei über den Rebschnitt weiter.

„Fruchtholz beim Wein ist einjähriges Holz, das auf zweijährigem Holz steht.“

„Im Mai werden Kümmertriebe ohne Blütenansatz und nicht benötigte Wasserschosse ausgebrochen. Wenn einer Knospe mehrere Triebe entspringen, bleibt nur der kräftigste stehen.“

„Dem Winterschnitt und dem Ausbrechen im Frühjahr folgen das Entspitzen im Juni und der Sommerschnitt.“

„Beim Sommerschnitt werden alle Triebe entfernt, die keine Trauben tragen. Je Traube verbleiben sechs bis acht Blätter an der Ranke.“

Rapunzel wendet ihren Kopf hin und her. „Donnerwetter, seid ihr plötzlich alle Weinschnittexperten?“

„Naja“, winkt Frau B. ab, „auf nix ist man so stolz, wie auf das, was man seit zwei Minuten weiß. Mal sehen, was im Sommer noch übrig ist, vom Fachwissen.“

„Oder nächstes Jahr“, fügt Hans-Georg B. hinzu.

Rosenkohlcremesuppe mit karamellisierten Walnüssen

Seit Bruce im Vorstand mitarbeitet, komme ich kaum noch an seinem Garten vorbei, ohne dass er mir Aufträge aufhalst. Mal soll ich einen Brief bei einem Gartenfreund, der in meiner Nachbarschaft wohnt, einwerfen, mal braucht Bruce Hilfestellung beim Anbringen von Zetteln im Informationskasten. Auch heute ruft er: „Karo, warte mal bitte einen Augenblick.“

Ich stelle meinen Spankorb mit Rosenkohl ab und Bruce eilt mit langen Schritten auf mich zu. Er fragt: „Hast du morgen Nachmittag schon was vor?“
Was für eine Frage? Natürlich habe ich was vor. Ich habe immer irgendwas vor. Ich schüttele meinen Kopf.

„Fein“, strahlt Bruce, „dann kannst du doch bestimmt den Baumsachverständigen zu unserem Walnussbaum am Vereinsheim führen?“

„Was ist dem mit dem Baum?“

„Da sind ziemlich zentral einige große Pilze gewachsen und ich befürchte, dass die darüber befindlichen Äste abbrechen.“

„Das wäre aber schade.“ Ich ziehe einen Flunsch.

„Viel schlimmer wäre, wenn wir deshalb den ganzen Baum fällen müssen.“ Bruce reicht mir einen Beutel mit Walnüssen. „Hier – es sind vielleicht die letzten.“

„Wann kommt der Baumsachverständige?“ frage ich.

„Gegen vierzehn Uhr. Wenn du nicht dagegen hast, sende ich ihm deine Telefonnummer.“

„Ok!“ Ich lege die Walnüsse zu meinen Kohlröschen.

Zu Hause putze ich ein halbes Kilo Rosenkohl und halbiere die Röschen. Dann schäle und würfele ich dreihundert Gramm mehlig kochende Kartoffeln. Außerdem schäle und hacke ich zwei Schalotten und schwitze sie in heißem Rapsöl an. Später gebe ich den Rosenkohl und die Kartoffeln zu den Schalotten und gieße 500 Milliliter Gemüsebrühe an. Nach zirka zwanzig Minuten ist das Gemüse gar und ich püriere es mit dem Zauberstab. Während des Pürierens gieße ich 350 Milliliter Sojamilch dazu. Drei kräftige Prisen Muskatnuss und zwei Esslöffel Weißweinessig werden untergerührt, die Suppe kurz aufkochen, dann die Hitze reduzieren und ungefähr vier Minuten sachte köcheln lassen.

Währenddessen erhitze ich einen Esslöffel Rapsöl in einem kleinen Tiegel. Darin bringe ich zwei Esslöffel Rohrohrzucker zum Schmelzen. Jeweils einen Esslöffel Wasser und Balsamicoessig rühre ich hinein, bis der Zucker anfängt zu karamellisieren. Dann gebe ich 80 Gramm grob gehackte Walnusskerne dazu und würze mit Salz und Pfeffer.

Dann nehme ich die Suppe vom Herd, rühre fünf Esslöffel Sojasahne hinein, schmecke mit Salz und Pfeffer ab und streue vier Esslöffel gehackte, krause Petersilie darüber.

Es geht nichts über frische Walnusskerne. Jedes Jahr gibt es ein wunderbares Schauspiel, wenn die Nüsse reif sind und die Gartenfreunde schon in aller Frühe im Laub unterm Baum herumsuchen. Jeder tut so, als sei er rein zufällig vorbei gekommen und habe just im Augenblick die Idee gehabt ein paar Nüsse aufzuklauben. Manchmal jedoch fallen die Masken und der Futterneid tritt offen zu Tage. Bruce kam einmal dazu, wie zwei Kleingärtner mit Holzstangen, die sie zum Abschlagen von Nüssen verwendet hatten, aufeinander losgingen. Er hatte damals Mühe die Streithähne zu trennen.

Kürbissuppe mit Popel

Meine Gartennachbarinnen Frau B. und Rapunzel sitzen mit einigen anderen Gärtnerinnen am Vereinsheim und bespaßen Kinder mit Herbstbasteleien. Aus Pappzylindern von verbrauchten Toilettenpapierrollen entstehen Fledermäuse. Walnussschalen und Kiefernzapfen werden zu Spinnen umgestaltet. Die Kinder sind kostümiert.

„Na“, frage ich im Vorübergehen, „wollt ihr einen Kürbis haben?“

„Ich weiß wo es lang geht.“ Paul stürmt, gefolgt von den anderen Kindern, in Richtung meines Gartens davon. Frau B. reibt sich mit einem Küchentuch die Leimreste von den Händen. Wir gehen der Rasselbande nach.

Wie nicht anders zu erwarten, hockt hinter jeder Hecke ein Pirat, ein Vampir oder ein Gespenst, um mit lautem „BUH“ hervorzuspringen, wenn wir uns nähern.

In meinem Garten stehen die Kinder ratlos am Kompost. „Und wo ist der Kürbis?“, fragt Paul.

„Der hier gefällt euch wohl nicht?“ Ich klopfe auf einen zirka sieben Kilogramm schweren, graugrünen Kürbis der Sorte „Sweet Grey“.

„Der ist ja gar nicht orange“, moniert Paul.

„Das ist doch gar kein Kürbis“, ergänzt Moritz und schließt seine Expertise mit den Worten: „Das ist ein Popel.“

„Ihhihihi, ein Popel“, kreischen die Kinder.

Ich wuchte den Kürbis auf meinen Bollerwagen und wir ziehen zurück zum Vereinsheim.

Schnell stellen die Kinder fest, dass der „Popel“ innen orange ist. Sie helfen beim Aushöhlen. Ich bereite unterdessen das Kochfeuer vor.

Schnell werden 12 Kartoffeln geschält und 12 Äpfel gewaschen und die Kerngehäuse entfernt. Die Äpfel und Kartoffeln in kleine Stücke schneiden und zusammen mit drei Kilogramm Kürbisfleischwürfeln und sechs Lorbeerblättern in drei Liter Gemüsebrühe für 20 Minuten kochen.
Währenddessen schäle und hacke ich 120 Gramm frischen Ingwer, schneide drei Chilischoten in feine Ringe vermenge alles mit dem Saft von drei Zitronen und drei Orangen. Wenn das Gemüse gar ist, werde ich diese Zutaten zusammen mit 600 Millilitern Kokosmilch in den Kessel gießen, mit Currypulver, Salz und Pfeffer würzen und das Ganze pürieren. Ein solcher Kessel reicht für ungefähr 20 Portionen.

Aber noch ist es nicht so weit. Die Kinder haben unter Aufsicht von Rapunzel den Kürbis mit einer Fratze versehen und stellen nun vorsichtig Teelichter hinein.

Pirat Paul hat sich in der Kiste mit den Sitzauflagen versteckt. Immer wenn sich ein Ahnungsloser der Kiste nähert reißt er unter furchteinflößendem Geschrei den Deckel auf.

Ein zirka dreijähriges Gespenst sorgt für Erheiterung, weil es immer wieder auf sein Bettlaken tritt und hinfällt. Die Mutter tröstet ihren Gruselzögling, der wegen der allgemeinen Schadenfreude in Tränen ausgebrochen war.

Als die Suppe fertig ist, fülle ich sie in essbare Schalen.

Es wird ruhiger am Festplatz. Der Kürbis grinst in die Dunkelheit. Wir rücken näher ans Feuer.

„Habt ihr meinen Seeräuber gesehen?“ fragt eine Stimme aus dem Halbdunkel.
Wir schauen uns um.

„Ich hab ihn“, meldet Rapunzel. Sie hält den Deckel der Sitzkissenkiste geöffnet. Zwischen zwei Bierbankauflegern liegt selig schlummernd Paul.

Papas Arrugadas con Mojo

„Och, nicht die schon wieder.“ Meine Gartennachbarin Frau B. zieht mich am Arm hinter den alten Holunderbusch an ihrer Laube. Mit eingezogenen Köpfen spähen wir hinüber zum Zaun. Auf dem Gartenweg schlendern der kleine Paul und sein Freund Moritz. Die Kinder lugen zwischen den Latten hindurch. Schon haben sie uns entdeckt.

„Können wir Käfer sammeln?“ rufen sie uns zu.

„Mist“, murmelt Frau B. und reckt sich. Wir treten aus der Deckung.

„Na – ihr -zwei“, sagt Frau B. betont langsam und streicht sich mit beiden Händen über ihre Schürze.

„Können wir Käfer sammeln?“, wiederholt Paul seine Frage.

Vor einigen Wochen hatte Frau B. es für eine gute Idee gehalten, die Kinder zum Absammeln von Kartoffelkäfern zu rufen. Die wenigen Käfer waren schnell in alten Speiseeisverpackungen verstaut. Doch die Kinder wollten mehr. Fortan sammelten sie alles, was nicht schnell genug davonflog oder wegkrabbelte.

„Hier – äh – gibt es keine Käfer“ lügt Frau B. und scharrt mit dem Fuß ein paar Feuerwanzen beiseite.

Die Kinder bleiben skeptisch. „Wir könnten ja nochmal nachschauen.“ ruft Moritz.

„In die Ecke Besen Besen“, wispere ich. Frau B. funkelt mich an und zischt: „Lästere nur. Ich schicke die gleich zu dir.“ Doch dann huscht ein spitzbübisches Grinsen über ihr Gesicht.

„Aber mal was anderes“, ruft sie den Kindern zu, „wollt ihr mir beim Kartoffeln ernten helfen?“

„Jaaa!“

Frau B. greift zur Grabegabel. Sie zieht das Kartoffelkraut, Paul und Moritz klauben die Erdäpfel aus der Furche.

„Ach hier seid ihr!“ Pauls Mutter ist ihren Schützlingen gefolgt.

„Wie machen sie das nur“, fragt sie Frau B.“, bei uns krieg ich die kaum ins Beet.“

„Och“, erwidert Frau B. bescheiden, „das hat sich so ergeben.“

„Ihr könnt dann gleich bei uns weitermachen“, sagt Pauls Mutter zu den eifrigen Erntehelfern und fügt für Frau B. und mich erklärend hinzu: „Wir waren nämlich im Urlaub.“

„So? Urlaub?„, schnauft meine Gartennachbarin, „Wo denn?“

„Auf Teneriffa!“ schlaumeiert Paul.

„Soll ich uns Papas arrugadas machen?“, frage ich.

„Papa was?“ albert Paul.

„Diese salzigen Kartoffeln, die wir im Urlaub gegessen haben“, erklärt Pauls Mutter.

„Au ja – mit der scharfen Soße die?“

„Mit scharfer Soße – kommt sofort“, erwidere ich.

Zunächst entfache ich das Feuer in der Schale und hänge einen Kessel mit vier Litern Wasser darüber. Je Liter Wasser streue ich 300 g Speisesalz hinein. In das kochende Wasser gebe ich vier Kilogramm kleine Kartoffeln, die wir gründlich gewaschen haben. Nach zirka 20 Minuten sind die Erdäpfel gar. Ich fische sie mit einer Lochkelle heraus und gebe sie in eine Schüssel. Während des Abkühlens bildet sich eine Salzkruste. Für die scharfe Soße (Mojo) schäle ich 100 g Knoblauch, putze zwei rote Paprikaschoten und vier scharfe Peperoni und püriere alles mit vier getrocknete Tomaten, zwei Teelöffel Kreuzkümmel, zwei Teelöffel süßes Paprikapulver, zwei Teelöffel Salz in einem Mixer. Zirka 400 bis 500 Milliliter Olivenöl und 150 Milliliter Essig gebe ich vorsichtig zu, damit die Soße nicht zu dünn wird.