Erdbeer-Königskerzenblüten-Smoothie

„Wenn das eine Königskerze ist, dann sind das dort auch welche.“ Mein Fräulein Tochter Jasmin nimmt einen jungen Blütenstand zwischen Daumen und Zeigefinger ihrer rechten Hand und deutet mit ihrer linken auf zahlreiche Blattrosetten.
„Gut“, lenkt ihr Freund ein und lässt sein Smartphone mit der Pflanzenbestimmungs-App sinken, “dann ist das eben kein dichtblütiges Wollkraut. Aber sind es nun kleinblütige Königskerzen, flockige Königskerzen oder filzige Königskerzen?“
„Die hier sind filzig.“ Das Fräulein Tochter streicht über die Blätter. „Also ist es eine filzige Königskerze. Oder doch kleinblütig?“, zweifelt sie.

Ich habe es mir im Hängestuhl im Garten meiner Tochter bequem gemacht und beobachte die beiden Naturforscher.
Am Zaun schlendert Pierre vorbei.
„He Pierre“, rufe ich, „was meinst du, dichtblütiges Wollkraut oder kleinblütige Königskerze.“
Pierre beschattet seine Augen mit der Hand, lässt seine Blicke schweifen und sagt: „Das ist doch
dasselbe, oder? Wie lautetet denn der botanische Name?“
Jasmin greift sich das Smartphone und liest: „Dichtblütiges Wollkraut – Verbascum densiflorum.
„Verbascum densiflorum ist die großblütige Königskerze, Wollkraut ist wohl nur ein anderer Name. Habt ihr da hinten auch Nachtkerzen?“
„Ja“, strahlt das Fräulein Tochter.
„Mhm“, pflichtet ihr Freund bei, “ist wie Weihnachten hier, überall Kerzen.“
„Dann passt mal schön auf, dass noch genügend Platz für Obst und Gemüse bleibt.“
„Wieso mindestens die Nachtkerzen sind Anbau und die Königskerzen zählen als Kräuter“, grinst Jasmin listig.
„Aber nicht, wenn der halbe Garten damit voll steht“, brummt Pierre, „und überhaupt, wieso ist die Nachtkerze Anbau?“
„Wir wollen die Wurzel als Gemüse essen“, klärt Jasmins Freund auf. „Die heißen auch Schinkenwurzel und werden wie Schwarzwurzel zubereitet.“
„Und ihr wollt Schinkenwurzel essen?“, fragt Pierre misstrauisch, „ich denke ihr seid Veganer?“
Jasmin stöhnt: „Nicht du auch noch, Pierre. Wir müssen uns hier schon genug dumme Sprüche anhören.“
„Dumme Sprüche?“, frage ich unschuldig.
„Mama, du weißt doch: Veganer essen meinem Essen das Essen weg. Essen Veganer Fleischtomaten? Wenn ihr Veganer seid, warum habt ihr nur so eine kleine Wiese?“
„Wiese? Versteh ich nicht“, wundert sich Pierre.
„Na Veganer essen doch nur Gras und Steine.“ Jasmin zwinkert Pierre versöhnlich zu.
„Ich sehe ja, dass ihr genügend Gemüseanbau im Garten habt. Kürbis, Mais, Bohnen, Salat. Nur das hier vorn, wo ihr Kaiserkrone dran geschrieben habt, das ist eine Kartoffel.“
„Nee, das ist schon richtig so, die Kartoffelsorte heißt Kaiserkrone.“
„Oh, wieder was gelernt. Na dann!“ Pierre wendet sich zum Gehen.
„Ihr zwei“, übernehme ich das Kommando, „könnt schon mal ein halbes Kilo Erdbeeren, ein paar Königskerzenblüten und einige Blätter Zitronenmelisse pflücken. Da mache ich uns einen schönen Smoothie draus. Wenn irgendwo schon ein paar Taglilien blühen, könnt ihr auch noch drei bis vier Blüten bringen.“
„Taglilienblüten?“, freut sich Jasmin, „dann zählen die ja auch zum Anbau.“

Lasagne mit roter Bete

Bruce und Pierre stehen bei Rapunzel am Zaun und schwatzen mit ihr. Als ich dazu komme schweigen sie.
„Was ist los? Habt ihr etwa Geheimnisse?“
Die drei schütteln die Köpfe. Bruce zeigt auf ein Beet in dem rote Rüben stehen. „Ich sagte nur eben zu Rapunzel, dass sie Glück gehabt hat, dass sie damals so viel Feldsalat gemacht hat. Heute müssten wir sie vermutlich rote Rübe nennen.“
„Ich dachte ihr nennt mich Rapunzel, weil ich so schöne, lange Haare hab“, kokettiert die Geneckte und dreht einen ihrer Zöpfe um den Zeigefinger.
„Oder so“, sagt Bruce und zu mir. „Ich hab gehört, deine Jasmin wird langsam erwachsen?“
Pierre fragt: „Ist sie schwanger?“
Und Rapunzel: „Oder heiratet sie den bärtigen Philosophen mit dem Dutt?“
„Mein Fräulein Tochter erzählt mir zwar schon lange nicht mehr alles, aber das wüsste ich vermutlich schon. Keine Ahnung was du meinst, Bruce.“
„Nein“, raunt Bruce, „sie hat sich um einen Garten beworben.“
„Ach das meinst du. Will sie wirklich immer noch eine Kleingartenparzelle? Ich dachte das wäre nur so eine Phase. Wird denn bald was frei?“
„Das schon“, Bruce spannt seine Daumen unter die Träger seiner Latzhose, „aber wir haben viele Bewerber. Wir werden wohl einen Aufnahmetest einführen müssen.“
„Au ja“, freut sich Pierre, „zum Beispiel: Nennen sie drei Einrichtungsgegenstände, die für Sie in einem Kleingarten sehr wichtig sind.“
„Genau und wenn der Bewerber dann Grill, Pool und Trampolin schreibt, dann kommt er gar nicht erst auf die Warteliste“, ergänzt Bruce.
„Da hat Jasmin kein Problem. Die schreibt da glatt Frühbeet, Kompostbehälter und Gewächshaus. Die hat doch mit ihrem Philosophen schon bei den Stadtgärtnern mitgemacht. Essbare Stadt und so, erinnert ihr euch?“
Rapunzel fragt: „Will jemand rote Bete?“
Sie reicht eine Rübe von der Größe eines Kinderhandballs herüber. Ich nehme ihr das Gemüse ab. „Ich hab auch noch ein Rezept für dich.“ Rapunzel steckt mir einen Zettel zu.
Wir zerstreuen uns.
Zu Hause koche ich zunächst die rote Bete. Ich schäle die Zwiebel und röste sie in einem EL Olivenöl an. Die zwei Karotten schäle ich ebenfalls, hacke sie zusammen mit 60 Gramm geputzten Champions sehr fein und gebe alles zu der Zwiebel in die Pfanne. Dann schäle ich die gekochte rote Rübe und schneide feine Würfel daraus. 300 Gramm Rübenwürfel kommen ebenfalls in die Pfanne. Nach zirka 5 Minuten gebe ich 60 Milliliter Mandelsahne, einen Esslöffel Rübensirup, Pfeffer, Salz und Oregano dazu und lasse alles weitere 5 Minuten köcheln.
Dann rühre ich mit dem Schneebesen 3 Esslöffel Mehl in 2 Esslöffel zerlassene Margarine, lösche, immer weiter rührend, mit 350 Milliliter Sojamilch ab bis eine streichfähige Sauce entstanden ist. Diese Sauce würze ich mit Pfeffer, Salz und geriebenem Muskat.
Ich heize den Ofen auf 160 °C vor und gebe 250 Gramm Lasagneblätter wie folgt in eine mit Olivenöl ausgepinselte Form: Lasagneblätter, Hälfte der Füllung, Lasagneblätter, Rest der Füllung, Lasagneblätter, Mehl-Muskat-Sauce und darüber drei EL Hefeflocken verteilen. Die Backzeit beträgt zirka 40 Minuten.

Korona-Torte

„Ich will mich bei Pierre für die Türschlossreparatur bedanken.“

Rapunzel steht an meinem Zaun und hält einen Tortenbehälter hoch. Meine Gartennachbarin Frau B. reckt sich und ruft: „Hat hier jemand Torte gesagt?“

Rapunzel und ich im Chor: “ Nein!“

Frau B. beäugt misstrauisch die Tortenglocke. „Erdbeeren? Eigene Ernte?“

„Natürlich!“ Rapunzel ist entrüstet.

„Ich wollte euch fragen, ob ihr mit zu Pierre rüber kommt. Allein kriegen wir den Kuchen ja nicht alle.“

„Ist der vegan“, frage ich und Frau B.: „Hast du die Erdbeeren gut gewaschen?“

„Ja und ja“, seufzt Rapunzel. „Kommt ihr jetzt?“

„Bei einer Pandemie kann man nicht vorsichtig genug sein“, schnarrt Frau B. „Andererseits: Es gibt Kuchen. Hans-Georg? Kommst du mit?“

Rapunzel seufzt abermals und klärt mich beim Gehen über die Entstehung der Erdbeertorte auf.

„Ich mischte für den Boden 180 Gramm Dinkelmehl Type 630, 100 Gramm Zucker, eine Messerspitze Salz, einen halben Teelöffel Vanillezucker und einen Teelöffel Backpulver mit 80 Milliliter Rapsöl und einen Viertelliter kohlensäurehaltigem Mineralwasser. Dann goss ich den Teig in eine gefettete Backform und buk den Boden bei 200 °C auf mittlerer Schiene zirka 15 Minuten.
Währenddessen kochte ich aus zwei Esslöffeln Speisestärke, einem Esslöffel Vanillezucker und 300 Millilitern Mandelmilch einen Pudding und lies diesen abkühlen.
Dann verteilte ich den Pudding auf dem Boden und gab 800 Gramm geputzte und gewaschene Erdbeeren hinein. Ich hab die ganze Zeit mit Handschuhen und Atemschutzmaske gearbeitet.“

„Hört, hört“, schnauft Frau B. und öffnet Pierres Gartenpforte.

Pierre kommt aus seinem Gewächshaus, in der Hand einen Tomatensämling.

„Was verschafft mir die Ehre?“

„Ich wollte mich nochmal für die Türschlossreparatur bedanken“, sagt Rapunzel mit schönstem Augenaufschlag.

„Hier entlang.“ Pierre deutet auf seine Sitzecke. Das Ehepaar B. beginnt sofort, die Stühle in respektable Abstände zu rücken. Hans-Georg hat sich eine Meterleiste von Pierres Holzsteckkompostrahmen geangelt und nutzt sie als Behelfsmaß.

Rapunzel streift sich Handschuhe und eine Mundnasemaske über, öffnet die Tortenglocke und schaufelt die Kuchenstücke auf Teller, die sie aus ihrem Rucksack holt. Dann verteilt sie Kuchengabeln und gießt Kaffee aus der Thermoskanne in ebenfalls mitgebrachte Tassen.

Wir essen.

Plötzlich kommen mein Fräulein Tochter und ihr Philosophiestudent Arm in Arm den Gartenweg heruntergeschlendert.

„Na guck mal“, kommentiert Pierre, “die Liebe in Zeiten der Corona.“

Die beiden gesellen sich zu uns. Hans Georg und Pierre rücken noch zwei Klappstühle in Sicherheitsabstand. Rapunzel verteilt zwei weitere Portionen.

„Man kann’s auch übertreiben sagt Jasmin und zeigt auf Rapunzels Atemmaske.“

„Sicher ist sich“ nuschelt Rapunzel durch den Stoff.

„Die Erdbeeren schmecken prima“, wirft Pierre ein, „welche Sorte ist das?“

Rapunzel zieht sich die Schutzmaske unters Kinn und grinst: „Korona.“

„Was?“ Frau B. stellt ihren Teller hin.

„Nur keine Angst“, lacht Rapunzel schallend, „die werden mit K geschrieben.“

Grüne Limonade

Liebe Leserinnen und Leser,

ein paar Worte vorab:

Natürlich sind auch wir Kleingärtner von der Allgemeinverfügung wegen der Covid-19-Pandemie betroffen und es ist auch schon eine Geschichte zum Thema entstanden. Allerdings erscheint diese erst Anfang Mai. Das ist den langen redaktionellen Vorlaufzeiten unserer Gartenzeitung GARTENFREUND geschuldet. Hier also zunächst ein anderes Thema.

Bleibt alle gesund.

Grüne Limonade

Meine Gartennachbarinnen Rapunzel und Frau B. stehen am Eingang unserer Kleingartenanlage und tuscheln.

„Hast Du schon gehört?“ raunen sie mir zu, „Die Polizei hat Pierre mitgenommen.“

„Pierre?“ Ich bleibe ungläubig stehen. „Warum denn das?“

„Sie haben ihn erwischt“, grinst Frau B., „in flagranti.“

„Auf frischer Tat?“

„Beim Einbruch in meine Laube.“ Rapunzel grinst verdächtig breit.

„Ihr wollt mich doch auf den Arm nehmen.“

„Jetzt wird untersucht, ob Pierre was mit den anderen Einbrüchen in der Nachbarschaft zu tun hat.“

In jüngster Vergangenheit gab es einige Laubeneinbrüche. Auch Rapunzels Gartenhäuschen war schon aufgebrochen worden.

„Wenn du mich fragst, wer diese Hütte aufbricht, kann nicht viel in der Birne haben.“ Meine Gartennachbarin macht mit ihrem Zeigefinger eine kreisende Bewegung in Höhe ihrer Schläfe.

„Was soll das denn heißen?“ Rapunzels gespielte Empörung konnte mich nicht darüber hinwegtäuschen, dass an dieser Geschichte etwas faul war.

„Es ist doch allgemein bekannt, dass bei dir nicht viel zu holen ist“, Frau B. verschränkt ihre Arme vor der Brust.

„Beim letzten Mal haben sie meinen Mixer mitgenommen“, schmollt Rapunzel.

„Mein Fräulein Tochter hat dir doch einen neuen Mixer aus dem Tauschladen mitgebracht“, wende ich ein.

„Aber mein schöner alter Mixer ist weg und das Türschloss haben sie auch kaputtgemacht.“

Wie aufs Stichwort kommt das Fräulein Tochter um die Ecke und schwenkt ein Netz Zitronen. „Seht mal, was es beim Foodsharing gab.“

„Die wollen mir hier grad weismachen, dass Pierre beim Einbruch in Rapunzels Laube verhaftet worden ist.“

„Verhaftet“, Rapunzel winkt ab, „wir haben gesagt die Polizei hat Pierre mitgenommen.“

„Wortklauberei, könnt ihr vielleicht endlich mal genau erzählen, was los war?“

Auch meine Tochter sieht die beiden gespannt an.

„Pierre wollte nach Feierabend mein Türschloss reparieren“, beginnt Rapunzel die Aufklärung. „Mitten in der Arbeit macht sein Akkuschrauber schlapp. Also ging er rüber auf seine Parzelle, um das Gerät zu laden. Als der Akku wieder genug Leistung hatte, war die Nacht hereingebrochen. Also hat sich Pierre seine Stirnlampe aufgesetzt und ist wieder zurück zu meiner Gartenlaube.“

„Warst du da gar nicht dabei?“, will das Fräulein Tochter wissen.

„Ich hatte doch Spätdienst.“

„Das Ende vom Lied war, dass ein aufmerksamer Bürger die Polizei gerufen hat, weil er jemanden in der Dunkelheit mit Stirnlampe an der Laubentür hat hantieren sehen“, ergänzt Frau B. ungeduldig.

„Und weil der Pierre keinen Ausweis einstecken hatte, wollte die Staatsmacht ihm nicht glauben, dass er im Dunkeln Einbruchschäden repariert.“

„Darauf eine grüne Limonade“, sage ich und deute auf das Netz Zitronen.

Schnell pflücken wir jungen Spinat, Petersilie aus dem Frühbeet, Minze und Bärlauch. Ich hacke je 60 Gramm Petersilie und Spinat und zirka sechs Teelöffel Minze sowie zwei Blätter Bärlauch. Zusammen mit der abgeriebenen Schale einer Zitrone zwei bis drei Esslöffel Rübensirup und 90 Milliliter Zitronensaft und einem halben Liter kaltem Wasser kurz durchmixen. Prost.

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Spinatstrudel mit Kürbis

„Was ist denn da schon wieder los?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beugt sich über ihren Kompost und späht über die rückwärtige Grenze unserer Gärten hinüber zum nächsten Vereinsweg. Vor der Parzelle eines sehr alten Gartenfreundes haben sich der alte Vorsitzende, Bruce, Pierre, Kojak und einige andere Kleingärtner eingefunden.

„Los Karo, wir gehen da auch mal rüber“, ordnet Frau B. an und ich folge neugierig.

Bruce und Kojak gestikulieren in Richtung des pittoresken Gartenhäuschens.

„Für die einen ist es ein historisches Bauwerk und für die anderen die wahrscheinlich längste Holzwurmfarm der Anlage“, höre ich Kojak sagen.

„Die Wertermittler haben der Bude eine Standzeitverlängerung von drei Jahren zugebilligt“, wendet Bruce ein.

Meine Gartennachbarin deutet auf die Parzelle und fragt: „Hat der etwa aufgehört?“
Pierre grinst: „So kann man das auch sagen.“

Bruce zeigt nach oben: „Der gärtnert nun woanders und wir werden hier jetzt erst mal aufräumen, bevor die Parzelle neu verpachtet wird.“

Wir betreten den leicht verwahrlosten Garten. Bruce öffnet das Gartenhaus. Die Männer beginnen, die Einrichtungsgegenstände zu sortieren. „Seht mal, was ich gefunden habe!“ Kojak wuchtet einen Plastiksack aus dem Abstellraum.

„VEB Leuna-Werke Walter Ulbricht“, liest Pierre vor. „Hier ist noch mehr.“ Bruce nimmt eine Halbliterflasche mit Bi 58 aus einem Regal.

VEB_Leuna_Werke

Es folgen ein Blechkanister mit der Aufschrift: „Holzschutz – bienengefährlich“ und mehrere Säcke mit verblichenen Etiketten.

„Das wird ein Fall für die Schadstoffannahmestelle“, brummt Bruce.
Frau B. und ich sehen uns im Garten um.

„Na, brauchst Du Spinat?“ Meine Gartennachbarin deutet auf ein sehr großes Beet mit Spinatpflanzen, die ganz offensichtlich gut über den Winter gekommen waren. Ich deute auf die Chemikaliensammlung vor der Laube und sage: „Nicht aus diesem Garten.“

„Oder den hier“, Frau B. zeigt auf einen Hokkaidokürbis, der im oberen Mulm des Kompostbehälters halb versunken und offensichtlich nicht mehr zu gebrauchen ist.

Ich lehne ab. „Nee, lass mal, habe ich alles noch selbst. Aber gute Idee.“

Zu Hause bereite ich aus 250 Gramm Mehl, einer Prise Salz, einer Tasse Wasser und zwei Esslöffel Rapsöl einen Strudelteig und stelle ihn beiseite.

Für die Füllung gare ich 400 Gramm Hokkaidokürbisfleisch in 50 Milliliter Apfelsaft zirka fünf Minuten, quetsche es mit einer Gabel zu Püree und schmecke mit Pfeffer, Salz und Muskat ab. Eine Zwiebel und eine Knoblauchzehe schälen und hacken. 100 Gramm Räuchertofu mit einer Gabel zerdrücken und mit wenig Rapsöl in einer Pfanne goldgelb rösten. Dann die Zwiebel und die Knoblauchzehe mit braten. 250 Gramm Blattspinat klein schneiden, ebenfalls in die Pfanne geben und mit Pfeffer, Salz, Muskatnuss und Paprikapulver abschmecken.
Ich heize den Backofen auf 220 °C Ober- und Unterhitze vor und rolle den Strudelteig auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech aus. Zunächst die Kürbismasse aufstreichen, danach die Spinatfüllung darüber verteilen, den Strudel einrollen, mit zwei bis drei Esslöffel Sojasahne bestreichen und zirka 20 Minuten backen.

Krautsalat mit Extras

Als in unserem Verein beschlossen wurde, eine Tauschbörse einzurichten, gingen die Meinungen weit auseinander. Einige unkten Tauschbörse sei nur ein vornehmer Begriff für Gerümpelecke. Andere fanden die Idee prima.

Wie meist im Leben, hatten alle ein bisschen recht. Mitunter liegen in der Tauschecke stumpfe Sägen, angeschlagenes Geschirr oder zerflederte Gartenzeitungen. Derlei Gaben werden diskret entsorgt. Denn auch gut funktionierende Kinderschubkarren, wunderbare weiße Dahlien und herrlich nostalgische Tischdeckenhalter fanden durch die Tauschbörse neue Besitzer.

Ich stehe vor einem Karton mit Büchern und Schallplatten und blättere in einem alten Kochbuch.

„Na“, fragt Pierre, der unbemerkt zu mir herangetreten ist, „Schätze heben?“
„Ich weiß noch nicht“, antworte ich unschlüssig.

Pierre nimmt eine Schallplatte und liest vor: „Ein Laubenpieper ist keine Kreuzung von Fliegenschnäpper und Regenpfeifer.“

„Hä?“ Ich lasse das Kochbuch sinken.

Pierre hält das Cover hoch. „Laubenpiepers Hitparade“ steht darauf.

„Die ist 32 Jahre alt, genau wie Du, Karo!“

Ich merke wie ich erröte. „Ach, Pierre, du alter Charmeur.“

„Ich habe noch einen Schallplattenspieler in meiner Laube“, fährt Pierre fort. „Wir könnten heute Abend eine kleine Party machen und Welthits wie „Schön ist so ein Gartenzwerg“ oder „Laubenpiepergartenhundefest“ anhören.

Ich nicke.

„Okay, ich sage dann mal den anderen Bescheid.“ Pierre klemmt sich die Schallplatte unter den Arm.

Ich rette zwei kleine Rotkohlköpfe durch vorzeitige Ernte vor gefräßigen Raupen. Zirka 120 g Sellerie schneide ich in feine Streifen, 400 g Rotkohl und 200 g Möhren werden fein geraspelt und vier Salatköpfe in mundgerechte Stücke geteilt.

Für das Dressing weiche ich 200 g ungeröstete Cashewkerne in 350 ml heißem Wasser für eine halbe Stunde im Mixbecher ein. Dann gebe ich zwei EL Senf, zwei Knoblauchzehen, eine Hand voll Dill, ein wenig Estragon, je vier EL Gewürzessig und Olivenöl hinzu, mixe alles durch und stelle das Dressing kühl.

Aus einem Zweipfundweißbrot vom Vortag schneide ich Würfel und vermenge diese mit vier EL Olivenöl, zwei EL Kräuteressig, Pfeffer, Salz und vier zerquetschten Knoblauchzehen. Wenn die Brotwürfel gut durchgezogen sind, werden sie in der Pfanne oder auf einem Backblech geröstet.

Am Abend weht von Pierres Laube „Wir sind die lustigen Holzhackerbuam“ herüber. Meine Gartennachbarin Frau B. tänzelt beschwingt den Gartenweg entlang und mahnt ihren Mann Hans-Georg, der zwei große Klappstühle schleppt, zur Eile.

Ich verdrehe die Augen, Bruce und Rapunzel kommen auch herüber und schauen mich mitleidig an. „Das kann ja heiter werden“, wispert Rapunzel und nickt in Richtung Pierres Partylaube. Von dort klingt die Melodie des Schneewalzers auf einer Ziehharmonika. Als wir eintreffen tönt es: „Wir trinken auf die Nachbarschaft, mit Erdbeerwein und Möhrensaft. Widdewiddewitt bumm bumm.“

Auch Pierre hat Krautsalat zubereitet. „Wie früher“ strahlt er, „Weißkohl, Karotten und Äpfel reiben, Pfeffer, Salz, Essig – fertig.“

 

Das Coverfoto der Amiga-Schallplatte von 1986 ist von Volker Ettelt.

Gemüselasagne

Seit ein paar Jahren haben wir in unseren Kleingartenanlage Restmülltonnen, eine Recycling-Tonne für Papier und Pappe und eine gelbe Tonne für Verpackungsmüll aus Metall und Kunststoff.

Ich komme grade dazu, als Pierre und Rapunzel einen großen Karton aus Wellpappe, der neben der blauen Tonne steht, wegschleppen wollen.

„Was soll das denn werden?“, frage ich und die zwei halten inne.

„Rapunzel will ein Lasagne-Beet bauen“, sagt Pierre und lächelt breit.

Neugierig folge ich den beiden. Sie schichten eine Lage Pappe in einen Rahmen aus Brettern. Darauf legen sie umgedrehte Rasensoden. Dann folgt eine Schicht Holzhäcksel, feine Zweige und Laub, eine Schicht Grünschnitt, darauf eine Lage grober Kompost, wieder Holzhäcksel, Grünschnitt und so weiter, bis ein zirka fünfzig Zentimeter hohes Beet entstanden ist. Auf die oberste Lage streuen Rapunzel und Pierre ein Gemisch aus Kompost und Pflanzerde.

„Jetzt werde ich das Ganze vierzehn Tage lang kräftig wässern und dann kann ich Gemüse pflanzen.“ Rapunzel hebt die Gießkanne und ein sanfter Wasserschwall rinnt aus der Brausetülle auf ihr Schichtbeet.

„Ganz schön viel Aufwand“, stelle ich fest.

„Genau wie bei richtiger Lasagne“, sagt Pierre, „hast du schon mal Lasagne gemacht, Karo?“

Ich nicke.

Ich hackte zwei Zwiebeln und vier Knoblauchzehen klein, briet sie in einem Topf mit Olivenöl glasig und gab je 200 g fein gewürfelte Karotten und Zucchini sowie eine Tasse Gemüsebrühe dazu. Als die Flüssigkeit weitestgehend verdampft war, rührte ich vier Esslöffel Tomatenmark unter. Danach schälte ich 700 Gramm Tomaten, teilte sie in kleine Stücken schüttete diese zusammen mit je zwei Teelöffel getrockneten Oregano, Basilikum und Thymian, Pfeffer und Salz in den Topf. Auf kleiner Flamme köchelte diese Gemüsesauce vor sich hin.

In der Zwischenzeit heizte ich den Ofen auf 220°C vor und begann die Béchamelsauce zuzubereiten. Ich schmolz in einem Topf vier Esslöffel Margarine, gab sieben Esslöffel Mehl hinzu und schwitzte es goldbraun an. Dabei rührte ich mit einem Schneebesen ständig um und gab nach und nach einen Liter Sojamilch hinzu. Die Sauce dickte ein. Nach zirka zehn Minuten hatte sie die gewünschte Konsistenz erreicht und ich gab drei Teelöffel geriebene Muskatnuss zu und schmeckte mit Pfeffer und Salz ab.
Zur Gemüsesauce fügte ich 200 g fein gewürfelten Gemüsepaprika, ohne diesen mit zu kochen.

Nun bedeckte ich den Boden einer großen Auflaufform dünn mit Béchamelsauce und legte die erste Schicht Lasagneplatten hinein. Dann eine Schicht Gemüsesauce, gefolgt von einer weiteren Schicht Hartweizengrießplatten. Wieder Bécamelsauce und so fort, bis alle Zutaten aufgebraucht waren. Für die angegebenen Mengen Sauce benötigte ich eine 500 g – Packung vegane Lasagneplatten. Die letzte Schicht war Béchamelsauce. Darüber verteilte ich 400 g veganen Streukäse.

Die Lasagne buk ich bei 220°C auf mittlerer Schiene etwa eine dreiviertel Stunde lang im Ofen, bis der Käse schön goldbraun geworden war und „pflanzte“ Basilikumblätter darauf.

Pikante Heidelbeerkonfitüre

Obwohl meine Heidelbeerernte recht zufriedenstellend war, ließ ich mich von meiner Gartennachbarin Frau B. und Rapunzel zu einer Landpartie überreden, um auf einer nahe gelegenen Plantage noch ein paar Beeren zu pflücken. Denn ich will ein Rezept ausprobieren, zu dem ein Kilogramm Heidelbeeren nötig sind, und so viel kriege ich mit meinen paar Sträuchern beim besten Willen nicht zusammen, weil ich beim Pflücken immer zu viele Beeren nasche.

Als wir zur vereinbarten Zeit am Vereinstor zusammentreffen, schließt sich Pierre spontan unserer Runde an. Wir schwingen uns auf unsere Fahrräder und eine knappe halbe Stunde später biegen wir auf den Feldweg ein, der zur Heidelbeerplantage führt.
Der Landwirt hat ganz auf Entertainment gesetzt. Neben dem üblichen Schild „Selbst pflücken“ und der Preistabelle am Kassenhäuschen sitzt ein Mann mit Cowboyhut auf einem Barhocker. Er hat ein Mundharmonikagestell um, zupft auf einer zwölfsaitigen Gitarre herum und singt dazu Lieder von Bob Dylan und Jonny Cash.

Nebenan hat der Bauer für frisch Verliebte und Familien ein Labyrinth ins Maisfeld gesät. Darin kann ein Wissensquiz absolviert werden. Ersten Preis eine Flasche Heidelbeerwein, zweiter Preis eine Jumbo-Tüte Tortilla-Chips, dritter Preis freier Eintritt ins Maisfeldlabyrinth im nächsten Jahr.

Wir lassen uns nicht ablenken und steuern geradewegs auf die Reihen der Heidelbeersträucher zu.

Nur der Beschallung aus dem Kofferverstärker des Alleinunterhalters können wir nicht ausweichen. Der Countrybarde schmückt seinen Vortrag mit kleinen Ankündigungen. Bereits als wir ankamen fragte er uns nach Wunschtiteln, was von Pierre, ohne lange zu überlegen, mit: „Strawberry Fields forever“ beantwortet wurde.

Scheinbar hat unser Kleinkünstler Pierres Wunschtitel nicht im Repertoire, denn er spielt das Lied der Beatles nicht. Stattdessen säuselt es zu uns herüber: „Im nächsten Lied geht es um einen jungen Mann, der in die Welt hinausziehen möchte. Er macht sich Sorgen, dass er eine Familie niemals wieder sehen wird, und als er sich von seiner Mutter verabschiedet, sagt sie …“
„… dann nimm mal gleich den Müll mit raus.“, ergänzt Frau B. weise.

Wir grinsen und pflücken. Nach ungefähr einer Stunde haben wir über sechs Kilo Blaubeeren in unseren Körben, bezahlen und treten zufrieden die Heimfahrt an.

Zu Hause wasche ich ein Kilogramm Heidelbeeren uns tupfe sie trocken. Mit einer Gabel stelle ich einen Fruchtbrei her, gebe den Saft einer Zitrone, eine Messerspitze gemahlener Gewürznelken, eine kräftige Prise Muskat, zwei Lorbeerblätter, schwarzen Pfeffer aus der Mühle, eine aufgeschnittene Vanilleschote und eine kleine Zimtstange sowie ein Kilo Gelierzucker hinzu und lasse alles in einem verschlossenen Topf eine Nacht lang stehen.

Morgen werde ich den Fruchtbrei unter ständigem Rühren langsam zum Kochen bringen. Nach zirka vier Minuten sprudelndem Kochen entferne ich die Zimtstange, die Lorbeerblätter und die Vanilleschote. Dann fülle ich angewärmte Schaubgläser, verschließe und stürze sie.

Chefsalat light

„Du machst was?“ Meine Gartennachbarin Frau B. verzieht ihr Gesicht. Halb bewundernd halb angewidert ruht ihr Blick auf Bruce, der sich am Kopf kratzt, auf Pierre zeigt und sagt:
„Der da hat mich überredet.“

„Einer muss die Arbeit machen“, grinst Pierre, „und der Chef ist schon ganz schön alt.“

„Wer ist schon ganz schön alt?“ fragt Rapunzel, die sich eben zu uns gesellt hat.

„Unser Vorstandsvorsitzender“, schnaubt Frau B. und fügt mit einer Kopfbewegung Richtung Bruce hinzu: „Und der da wird unser neuer Vorsitzender.“

„Stellvertretender Vorsitzender“, korrigiert Pierre, „erstmal wird er Stellvertreter.“ Pierre klopft Bruce auf die Schulter.

„Vielleicht werde ich ja nicht gewählt“, sinniert Bruce.

„Nicht gewählt, nicht gewählt“, äfft Frau B. Bruce nach. „Die werden dich schon wählen, weil sie froh sind, dass sie es nicht selber machen müssen. Das ist doch immer dasselbe. Erst will es keiner machen und kaum findet sich einer bereit, hacken alle auf ihm herum.“

„Ihr hackt doch nicht auf mir herum!“ Bruce wirkt entschlossen. Ich höre ihn schon zu dem streitsüchtigen Alten im letzten Garten unseres Weges sagen: „Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke.“

„Wir nicht“, beschwichtigt Frau B. „aber hier gibt es ja noch zweihundert andere Gärtner.“

Pierre, Rapunzel und ich nicken.

„Aaah, unser neuer Vorsitzender“, ruft Kojak schon von weitem. Kojak ist schon seit ein paar Jahren stellvertretender Vorsitzender und hat offenbar keine Ambitionen, selbst Vorsitzender zu werden.

„Stellvertretender Vorsitzender.“ antworten Rapunzel, Pierre und Bruce im Chor.

„Weiß ich doch“, sagt Kojak.

„Wenn er gewählt wird“, fügt Frau B. mit ernster Miene hinzu.

„Wird er schon.“ Kojak winkt ab. „Da kann er dann gleich mal, dem da hinten“, Kojak deutet auf den verwilderten Garten am Ende unseres Weges, „sagen, dass wir hier Obst und Gemüse anbauen und nicht Schuppen und Koniferen.“

Wir schmunzeln.

„Da mache ich euch zur Feier des Tages einen schönen Chefsalat.“ verkünde ich.

„Aber braucht es dazu nicht Eier und Schinken?“, fragt Rapunzel.

„Wenn wir Eier hätten, könnten wir Eier mit Schinken machen, wenn wir Schinken hätten“, lamentiert Frau B. und verdreht ihre Augen.

„Keine Sorge, ich kriege auch ohne Eier und Schinken einen Chefsalat hin“, lache ich in die Runde.

Für acht Portionen zerteile ich zwei Köpfe Eisbergsalat in mundgerechte Stücke. Dazu gebe ich zwei Salatgurken, acht Tomaten, acht getrocknete Tomaten und zwei Avocado, die ich zuvor in Würfel geschnitten habe. Aus 250 g Räuchertofu schneide ich feine Streifen und hebe sie unter das Gemüse. Zu guter Letzt rühre ich aus 200 g Hummus, gehackter Petersilie, Pfeffer, Salz und Olivenöl ein dickflüssiges Dressing. Noch einmal hebe ich alles mit dem Salatbesteck um, streue einige Oliven darüber, nehme die Schüssel und geselle mich wieder zu den anderen.

„Ich nenne es einfach Chefsalat light“, sage ich während ich Portionen in kleinen Schüsseln austeile.

Frau B. reicht den Brotkorb herum und fügt hinzu: „Kunststück, es sind ja nur die stellvertretenden Chefs da.“

Spargel – Rosmarin – Kartoffeln

„Ein Alien, ein Alien!“, schreit der kleine Max und rennt aus meinem Garten zu Rapunzel hinüber.

Er hatte mir geduldig beim Kompostaussieben zugesehen. Hin und wieder klaubte er Regenwürmer aus dem frischen, duftenden Humus und steckte sie in eine Papiertüte.

„Was willst Du denn mit den Würmern machen?“, fragte ich.

„Ich werde Regenwurmzüchter.“

In der nächsten Ladung Komposterde, die auf dem Sieb landete, zuckte eine zirka fünf Zentimeter lange, dicke, weiße Käferlarve mit braunem Kopf. Beim nächsten Rütteln kam eine ebenso große, hellbraune Puppe zum Vorschein, bei der sich schon deutlich die Merkmale des zukünftigen Käfers abzeichneten.

Noch bevor ich erklären kann, dass es sich um Nashornkäfer handelt, rennt Max davon.

Es wird nicht lange dauern, denke ich, und er kehrt mit seinen Freunden zurück, um mit

ihnen seine Entdeckung zu bestaunen. Neben Max streifen auch Emma, Anna, Moritz, Alexander und viele andere Kinder durch unsere Gärten. Es ist im Prinzip alles so, wie vor hundert Jahren, nur dass die Eltern damals vermutlich nicht Vanessa, Jessica, Patrick und Fabian hießen.

Tatsächlich kommt Max wenig später mit Paul und Moritz zurück, um mit ihnen einen Blick auf die vermeintlichen Außerirdischen zu werfen.

„Was essen die?“, fragt Paul.

„Holz“, antworte ich.

„Ihihihi“, sagt Max und schickt sich an, in meinen Spatenstiel zu beißen.

„Apropos Essen“, höre ich vom Gartentor her. Rapunzel war den Alienforschern gefolgt.

„Ich hätte da Spargel im Angebot.“

„Jaaa! Spargel!“ Die Rasselbande stürmt auf Rapunzel zu.

Wir gehen gemeinsam zu ihr hinüber. Peu à peu finden sich Pierre, Bruce und die Eltern der Kinder ein.

Rapunzel hatte schon am Vortag Spargelstangen gestochen, gewaschen und mit Olivenöl, Rosmarin und Salz mariniert. Rapunzel hebt die Haube des Grills, um nach den Folienkartoffeln und der Grillschale mit dem Spargel zu sehen.

„Mein Rosmarin hat den Winter leider nicht überlebt!“, Rapunzel deutet auf den fast vertrockneten Strauch. Wir streifen Zweige und Nadeln ab.

„Die taugen noch fürs Badewasser“, sagt Pierre. Wir packen alle ein paar Hände voll Rosmarin ein.

„Au ja, ein Vollbad kann ich heute brauchen.“ Ich biege demonstrativ meinen Rücken grade.

„Kompost umsetzen, hm?“, brummt Bruce.

Wir gehen mit den Kindern Hände waschen. Rapunzel verteilt den Spargel und Kartoffeln auf Tellern und legt Besteck bereit.

„Die Alienkäfer essen Holz“, sagt Paul wenig später schmatzend zu Pierre.

„Und weißt Du auch, wer noch im Kompost wohnt?“, fragt Pierre.

„Regenwürmer“, prescht Max vor und zeigt auf seine Papiertüte.

„Und Bazillen“, ergänzt Moritz neunmalklug.

„Du meinst wohl Bakterien?“ fragt Rapunzel.

„Hm“, nickt Moritz.

„Außerdem sind im Kompost auch Pilze und viele andere Mikroorganismen. Deshalb muss man sich immer gut die Hände waschen“, ergänzt Rapunzel.

„Mikrowas?“, fragt Paul.

„Mi-kro-org-a-nis-men“, wiederholt Rapunzel.

„Ich kenn‘ nur Mikrowelle“, sagt Max, springt auf, greift seine Regenwurmtüte und läuft zu Rapunzels Kompost.