Fräulein Tochters Cevapcici mit Frühlingssalat

Mein Fräulein Tochter hat sich zum Gartenbesuch angekündigt. „Mama, ich bringe Cevapcici mit“, sprach sie durchs Telefon. „Machst du einen Salat?“

Meine Jasmin ernährt sich vegan und fertigt Cevapcici aus Kidneybohnen, Champignons, Kartoffeln, Walnusskernen und Kichererbsen.

Zunächst gart sie 250 Gramm fein gewürfelte, festkochende Kartoffeln. Nebenher putzt sie 300 Gramm Champignons, schneidet sie in kleine Stücke und brät diese mit zwei gehackten Schalotten in einer Pfanne mit 2 Esslöffel Olivenöl, bis die Flüssigkeit verdampft ist. 230 Gramm Kichererbsen und 255 Gramm Kidneybohnen aus der Dose werden abgegossen und mit einer zerquetschten Knoblauchzehe und den Kartoffelstücken in einer Pfanne erhitzt. Dann werden alle Zutaten mit einer Gabel grob zerdrückt. 100 Gramm Walnusskerne mit einem Mixer zu einer feinen Masse zerkleinern und mit 120 Gramm Paniermehl und einen halben Teelöffel Kreuzkümmel zum Kartoffel-Bohnen-Pilz-Gemisch rühren. Mit Pfeffer aus der Mühle und Rauchsalz abschmecken, zirka drei Zentimeter dicke und acht bis zehn Zentimeter lange Röllchen formen und für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen. Vor dem Grillen werden die Röllchen mit Olivenöl eingepinselt.

Auf dem Weg zu meinem Garten sehe ich Rapunzel inmitten einer Hundemeute. Seit sich herumgesprochen hat, dass Rapunzel Hunde hütet, hat sich ihr Rudel stetig vergrößert. Heute sind ein Rehpinscher, ein Yorkshire Terrier, Bruno, der Promenadenmischling der Schwester meiner Gartennachbarin Frau B. und der Basset Hound unseres alten Vorsitzenden in ihrer Obhut. Die kleinen Hunde springen wechselseitig im Halbkreis umeinander herum und der Basset hockt zu Rapunzels Füßen.

„Hunde sind in der gesamten Kleingartenanlage an der Leine zu führen“, äffe ich mit gespielter Strenge unseren alten Vorsitzenden nach.

Rapunzel winkt ab. „Bei dem da“, sagt sie und nickt in Richtung des Basset, „wäre das ja auch kein Problem, die anderen drei machen nur Fitz.“

„War ja auch nur Spaß“, lache ich.

„Wenn ich weiter gehe, lege ich sie wieder in Ketten“, fügt Rapunzel entschlossen hinzu.
Die Hunde buhlen um meine Aufmerksamkeit. Nur der Basset verfolgt das Treiben scheinbar emotionslos. Erst als Bruno nur zwei Meter vor ihm ein Bein hebt, rappelt er sich auf, tappert zu der Stelle, die Bruno markiert hat und hebt nun seinerseits einen Hinterlauf. Doch genau in dem Moment, als er seinen Herrschaftsanspruch wieder herstellen will, springt ihm der Zwergpinscher in die Seite. Der Basset verliert sein Gleichwicht und plumpst auf den Hintern.

Wir lachen. Mein Fräulein Tochter gesellt sich zu uns. Von Hunden umringt hebt sie die mitgebrachte Schüssel über ihren Kopf.

„Was hast du denn da?“ Rapunzel reckt sich neugierig.

Jasmin hält die Schüssel Rapunzel hin, lüpft den Deckel und sagt: “Rate mal.“

„Hm“, rätselt Rapunzel, „sieht ein bisschen aus wie das hier.“ Sie hält ein oben verknotetes, schwarzes Beutelchen hoch.

„Du bist doof“, schmollt Jasmin und fragt mich: „Was gibt es für Salat?“

„Feldsalat, junge Löwenzahnblätter mit Gänseblümchen- und Veilchenblüten, Essig und Öl.“

Scharfe Kirschen und Hundeblumenhonig

„Der Hans-Georg will da einen Zaun hin bauen“, schreit meine Gartennachbarin Frau B. und deutet auf den Streifen Lavendelpflanzen, der die Grenze zwischen unseren Parzellen markiert.

Im Hintergrund schiebt Herr B. seinen Rasenmäher übers Wiesengrün. Sonnabendnachmittag, denke ich. Im ausgefüllten Rentnerleben des Hans-Georg B. gibt es offenbar keine andere Zeit als diese, um Klee und Co. zu trimmen.

„Muss es denn unbedingt ein Zaun sein?“ frage ich.

„Was?“ Frau B. biegt ihr Ohr mit der Hand in meine Richtung. „Der Hans-Georg macht so‘n Krach. Hans-Georg, jetzt schalt doch mal das Ding aus. Die Karo will was wissen.“

Herr B. unterbricht seine Tätigkeit, schiebt seinen Strohhut aus der Stirn und gesellt sich zu uns.

„Die Kirschen sind bald reif“, sagt er und deutet auf meinen Sauerkirschbaum.

„Jetzt lenk nicht ab, Karo will wissen, warum du da den Zaun bauen willst.“ entgegnet Frau B. unwirsch.

„Na weißt du doch, die Moni hat doch jetzt den Bruno.“ brummt Hans-Georg.

In der Tat hatte Bruno mir schon einen Besuch abgestattet. Er inspizierte meine Kartoffelzeilen und auch mein Löwenzahnbeet gefiel dem temperamentvollen Promenadenmischling.

„Och“, sage ich, “so schlimm find ich Bruno nicht. Ein Zaun wär schlimmer.“

„Das sagst du jetzt, und was wenn Bruno an deiner Laube sein Bein hebt?“ Herr B. schüttelt besorgt den Kopf.

„Höher als 80 Zentimeter darf der Zaun doch eh nicht werden und da springt Bruno locker drüber“, wende ich ein.

„Wie du willst, spar ich Arbeit und Geld. Aber mal was anderes: Was machst du eigentlich mit den vielen Sauerkirschen?“

„Gute Frage. Zunächst mal Sauerkirsch-Schoko-Peperoni-Marmelade. Dazu entsteine ich 1 kg Sauerkirschen gebe 500 g Gelierzucker 2:1, eine kleine, scharfe, feingewürfelte Peperoni, aus der ich zuvor die Kerne entfernt habe und 200 g grob gehackte Bitterschokolade (mind. 70 %) dazu. Das Gemisch koche ich zirka 5 Minuten bis die Schokolade gut verlaufen ist und fülle es dann in bereitgestellte Schraubdeckelgläser.“

Ich sehe in Hans-Georgs Augen,  dass er in den Standby-Modus geschaltet hat und fahre dennoch unbeirrt fort:

„Und damit Abwechslung auf den Frühstückstisch kommt, nehme ich an einem trockenen Tag 250 g bis 300 g von Brunos Lieblingslöwenzahnblüten. Ich zupfe alle grünen Blütenteile ab und koche die gelben Blütenblätter zusammen mit Scheiben von zwei Zitronen in einem Liter Wasser für eine halbe Stunde. Den abgekühlten Sud schütte ich durch ein sauberes Tuch. Danach rühre ich ihn in einem großen Topf mit 2 kg Rohrohrzucker koche das Ganze nochmals für ungefähr 45 Minuten auf kleiner Flamme bis die Masse geliert. Den beim Kochen entstehende Schaum schöpfe ich ab. Je länger der Löwenzahnhonig kocht, desto zähflüssiger wird er. Wie die Kirschen, fülle ich die Masse in Schraubdeckelgläser und stürze diese.“

Nach einer längeren Pause habe ich Hans-Georgs Aufmerksamkeit wieder.

„Da gibt es doch bestimmt Kostproben? Ich helfe auch bei der Kirschernte.“ beginnt er zu verhandeln.

„Nur wenn das Rasenmähen demnächst nicht mehr am Wochenende stattfindet.“

„Versprochen“