Pak Choi-Karottenpfanne mit Teriyaki-Soße

Auf dem Weg zwischen meinem Garten und der Parzelle unseres stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Holger, den alle nur Bruce nennen, weil er dem jungen Bruce Willis ähnlich sieht, steht seit ein paar Wochen eine Gartenbank.
Seitdem es die Kontaktbeschränkungen gibt, blieben immer häufiger Gärtnerinnen und Gärtner auf dem Weg stehen, um ein Schwätzchen mit Bruce oder mir oder Bruce und mir zu halten. Da haben wir es ein wenig bequemer gestaltet und auch Klappstühle in unseren Parzellen bereitgestellt, um den Abstand wahren zu können.
Auf der Bank sitzt heute Rapunzel. Als sie mich sieht, setzt sie schnell eine FFP2-Maske auf.
„Moin Karo“, nuschelt Rapunzel.
„Moin!“
Kaum bin ich vorbei, zieht Rapunzel ihre Maske wieder herunter.
Mein Fräulein Tochter schenkte mir ein Stimmungsset. Mund-Nasen-Bedeckungen für jede Gemütslage. Heute wäre eigentlich „Lächeln“ dran gewesen, denn schließlich habe ich einen Gartentag geplant. Aber diese Maske war in der Wäsche und so ist es doch die mit dem gefletschten Raubtiergebiss geworden.
„Uiuiui, du siehst aber gefährlich aus“, kommentiert Rapunzel. Ich ziehe meine Maske herunter und frage: „Wartest du auf mich oder auf Bruce?“
„Auf dich. Ich hab das da geerntet“, Rapunzel deutet auf ein Körbchen mit Blattgemüse, „und wollte dich fragen, was du da draus machen würdest.“
„Was hast du denn da?“
„Frisch getriebene Mangoldblättchen und Pak Choi.“
„Pak Choi, mhm was ganz Feines. Da sag noch Einer, aus China kämen nur Viren und Schutzmasken.“
„Ich würde gern irgendwas Kurzgebratenes oder Gedünstetes damit machen.“
„Dann versuch es doch mal mit Möhren, Zwiebeln, Reis und Teriyaki-Soße.“
„Teriwas?“
„Teriyaki. Das ist eine japanische Soße. Die kannst du entweder fertig kaufen oder du mischst Sojasoße, Zucker und Reiswein zu ungefähr gleichen Teilen und kochst das Ganze kurz auf und reduzierst bei schwacher Hitze, bis du die gewünschte Konsistenz hast. Manche nehmen auch Knoblauch und Ingwer dazu.“
„Ich glaube, ich schau mal nach der fertigen Soße. Reiswein und Sojasoße hab ich auch nicht vorrätig. Und das Gemüse einfach kurz anbraten?“
„Zunächst schneidest du aus zwei großen Zwiebelhälften Streifen. Dann zwei große Möhren schälen und in kleine Stifte teilen. Einen Esslöffel Rapsöl erhitzen. Darin die Karottenstifte und Zwiebelringe mit einer Prise Zucker anbraten. Von 500 Gramm Pak Choi zunächst die Blattrippen heraustrennen, in mundgerechte Stücke teilen und ebenfalls in die Pfanne geben und kurz scharf anbraten. Nun 3 Messerspitzen schwarzer Pfeffer, je zwei Messerspitzen Nelkenpulver und Fenchelpulver, je eine Messerspitze Anispulver und Zimtpulver sowie 5 Esslöffel Teriyaki-Soße und das in Streifen geschnittene Blattgemüse hinzufügen. Wenn vorhanden, gibst du noch einen Esslöffel Sesam hinein. Diese schnelle Gemüsepfanne schmeckt zu Reis oder auch Nudeln.“
„Donnerwetter, das hast du einfach so im Kopf?“
„Na ja, ich habe grad am Wochenende Chinakohl auf diese Art zubereitet. Nächste Woche hätte ich auch wieder nachschlagen müssen.“

Schokokuchen mit Schweizerhose

Ich heize meinen Backofen auf 180 Grad Celsius vor. Den Inhalt von je einem Päckchen Backpulver und Vanillezucker vermenge ich mit 350 Gramm Mehl, 130 Gramm Zucker, je einer Prise Salz und Zimt, einer Messerspitze Nelkenpulver, 6 Esslöffeln Kakaopulver stark entölt und 100 Gramm fein gehackter Zartbitterschokolade.
Dann rühre ich 100 Milliliter Rapsöl, einen halben Liter Hafermilch sowie 70 Gramm fein gehackte Walnüsse dazu.
Den entstandenen Teig gebe ich in eine gefettet 26er Springform. Danach wasche, schäle und viertele ich 600 Gramm Birnen. Das vergangene Jahr war bei uns ein Birnenjahr. Mein Bäumchen von der Sorte Schweizerhose hing zum ersten Mal richtig voll. Ich erntete kurz vor der Vollreife. So waren die Früchte in der kühlen Kammer recht gut lagerfähig. Die Birnenteilchen drücke ich im Wechsel mit etwa 30 Gramm grob gehackten Walnüssen rundherum in den Teig. Danach schiebe ich die Springform für eine dreiviertel Stunde auf die mittlere Schiene bei Ober- und Unterhitze ins vorgeheizte Rohr. Nach zirka 35 bis 40 Minuten mache ich die Stäbchenprobe. Wenn kein Teig mehr am Holzstäbchen haftet, ist der Kuchen gar.
Ich lasse mein Backwerk auskühlen und rüste mich für einen Spaziergang in meinen Garten.
Kaum in der Gartenanlage angekommen, begegnet mir Rapunzel.
„Mhm!“ macht sie und schmult in meinen Picknickkorb. „Schokokuchen?“
„Mit Schweizerhose“, ergänze ich.
„Wie jetzt? Du hast Schweizerhosen an?“
„Unsinn, die Birnen heißen Schweizerhose, weil sie grün und gelb gestreift sind, wie die Hosen von der Schweizergarde.“
„Und diese Birnen hast du woher?“
„Dort von meinem Birnbaum“, ich zeige Rapunzel die Richtung. „Das ist eine sehr alte Sorte, die nur in sonnigen, geschützten Weinlagen richtig gut gedeiht.“
Im Hintergrund rappelt sich meine Gartennachbarin Frau B. aus ihrem mit Decken dick gepolsterten Gartenstuhl. In der Hand hält sie ein Fernglas.
„Aha“, lästert Rapunzel, “Vorsicht, wachsame Nachbarschaft.“
„Jawohl“, entgegnet Frau B. grimmig, „aber nicht wie du denkst. Ich beobachte die Vögel am Futterhaus.“
„Beobachtest du auch den da?“ Rapunzel zeigt auf eine gestreifte Katze.
„Der ist eine die, und stört hier immer meine Piepmätze“ korrigiert Frau B. grimmig
„Aber den rufen doch alle Wilhelm? Und da hört er auch drauf.“
„Was du nicht alles weißt“, grummelt Frau B. und ruft: “Wilhelm, Wilhelm.“
Die Katze interessiert sich mehr für die Vögel am Futterhaus.
Nun schürzt Rapunzel die Lippen, schnalzt mit der Zunge und flötet: „Wilhelm mein Katerle, komm doch mal her.“
Tatsächlich wendet sich das gestreifte Katzentier von der Vogelfutterstelle ab und tänzelt federnd in Richtung Rapunzel.
Frau B. bückt sich überraschend behände, greift die Streunerin und hält sie an den Vordertatzen hoch.
„Wenn das ein Kater ist, fresse ich einen Besen.“
Nach erfolgter Diagnose setzt Frau B. die Katze wieder auf den Gartenboden. Die flüchtet umgehend zu Rapunzel und streicht um deren Beine.
„Na gut“ sagt Rapunzel versöhnlich und hockt sich nieder, „ dann nenne ich dich eben Frau Wilhelm.“

Lasagne mit roter Bete

Bruce und Pierre stehen bei Rapunzel am Zaun und schwatzen mit ihr. Als ich dazu komme schweigen sie.
„Was ist los? Habt ihr etwa Geheimnisse?“
Die drei schütteln die Köpfe. Bruce zeigt auf ein Beet in dem rote Rüben stehen. „Ich sagte nur eben zu Rapunzel, dass sie Glück gehabt hat, dass sie damals so viel Feldsalat gemacht hat. Heute müssten wir sie vermutlich rote Rübe nennen.“
„Ich dachte ihr nennt mich Rapunzel, weil ich so schöne, lange Haare hab“, kokettiert die Geneckte und dreht einen ihrer Zöpfe um den Zeigefinger.
„Oder so“, sagt Bruce und zu mir. „Ich hab gehört, deine Jasmin wird langsam erwachsen?“
Pierre fragt: „Ist sie schwanger?“
Und Rapunzel: „Oder heiratet sie den bärtigen Philosophen mit dem Dutt?“
„Mein Fräulein Tochter erzählt mir zwar schon lange nicht mehr alles, aber das wüsste ich vermutlich schon. Keine Ahnung was du meinst, Bruce.“
„Nein“, raunt Bruce, „sie hat sich um einen Garten beworben.“
„Ach das meinst du. Will sie wirklich immer noch eine Kleingartenparzelle? Ich dachte das wäre nur so eine Phase. Wird denn bald was frei?“
„Das schon“, Bruce spannt seine Daumen unter die Träger seiner Latzhose, „aber wir haben viele Bewerber. Wir werden wohl einen Aufnahmetest einführen müssen.“
„Au ja“, freut sich Pierre, „zum Beispiel: Nennen sie drei Einrichtungsgegenstände, die für Sie in einem Kleingarten sehr wichtig sind.“
„Genau und wenn der Bewerber dann Grill, Pool und Trampolin schreibt, dann kommt er gar nicht erst auf die Warteliste“, ergänzt Bruce.
„Da hat Jasmin kein Problem. Die schreibt da glatt Frühbeet, Kompostbehälter und Gewächshaus. Die hat doch mit ihrem Philosophen schon bei den Stadtgärtnern mitgemacht. Essbare Stadt und so, erinnert ihr euch?“
Rapunzel fragt: „Will jemand rote Bete?“
Sie reicht eine Rübe von der Größe eines Kinderhandballs herüber. Ich nehme ihr das Gemüse ab. „Ich hab auch noch ein Rezept für dich.“ Rapunzel steckt mir einen Zettel zu.
Wir zerstreuen uns.
Zu Hause koche ich zunächst die rote Bete. Ich schäle die Zwiebel und röste sie in einem EL Olivenöl an. Die zwei Karotten schäle ich ebenfalls, hacke sie zusammen mit 60 Gramm geputzten Champions sehr fein und gebe alles zu der Zwiebel in die Pfanne. Dann schäle ich die gekochte rote Rübe und schneide feine Würfel daraus. 300 Gramm Rübenwürfel kommen ebenfalls in die Pfanne. Nach zirka 5 Minuten gebe ich 60 Milliliter Mandelsahne, einen Esslöffel Rübensirup, Pfeffer, Salz und Oregano dazu und lasse alles weitere 5 Minuten köcheln.
Dann rühre ich mit dem Schneebesen 3 Esslöffel Mehl in 2 Esslöffel zerlassene Margarine, lösche, immer weiter rührend, mit 350 Milliliter Sojamilch ab bis eine streichfähige Sauce entstanden ist. Diese Sauce würze ich mit Pfeffer, Salz und geriebenem Muskat.
Ich heize den Ofen auf 160 °C vor und gebe 250 Gramm Lasagneblätter wie folgt in eine mit Olivenöl ausgepinselte Form: Lasagneblätter, Hälfte der Füllung, Lasagneblätter, Rest der Füllung, Lasagneblätter, Mehl-Muskat-Sauce und darüber drei EL Hefeflocken verteilen. Die Backzeit beträgt zirka 40 Minuten.

Grüne Limonade

Liebe Leserinnen und Leser,

ein paar Worte vorab:

Natürlich sind auch wir Kleingärtner von der Allgemeinverfügung wegen der Covid-19-Pandemie betroffen und es ist auch schon eine Geschichte zum Thema entstanden. Allerdings erscheint diese erst Anfang Mai. Das ist den langen redaktionellen Vorlaufzeiten unserer Gartenzeitung GARTENFREUND geschuldet. Hier also zunächst ein anderes Thema.

Bleibt alle gesund.

Grüne Limonade

Meine Gartennachbarinnen Rapunzel und Frau B. stehen am Eingang unserer Kleingartenanlage und tuscheln.

„Hast Du schon gehört?“ raunen sie mir zu, „Die Polizei hat Pierre mitgenommen.“

„Pierre?“ Ich bleibe ungläubig stehen. „Warum denn das?“

„Sie haben ihn erwischt“, grinst Frau B., „in flagranti.“

„Auf frischer Tat?“

„Beim Einbruch in meine Laube.“ Rapunzel grinst verdächtig breit.

„Ihr wollt mich doch auf den Arm nehmen.“

„Jetzt wird untersucht, ob Pierre was mit den anderen Einbrüchen in der Nachbarschaft zu tun hat.“

In jüngster Vergangenheit gab es einige Laubeneinbrüche. Auch Rapunzels Gartenhäuschen war schon aufgebrochen worden.

„Wenn du mich fragst, wer diese Hütte aufbricht, kann nicht viel in der Birne haben.“ Meine Gartennachbarin macht mit ihrem Zeigefinger eine kreisende Bewegung in Höhe ihrer Schläfe.

„Was soll das denn heißen?“ Rapunzels gespielte Empörung konnte mich nicht darüber hinwegtäuschen, dass an dieser Geschichte etwas faul war.

„Es ist doch allgemein bekannt, dass bei dir nicht viel zu holen ist“, Frau B. verschränkt ihre Arme vor der Brust.

„Beim letzten Mal haben sie meinen Mixer mitgenommen“, schmollt Rapunzel.

„Mein Fräulein Tochter hat dir doch einen neuen Mixer aus dem Tauschladen mitgebracht“, wende ich ein.

„Aber mein schöner alter Mixer ist weg und das Türschloss haben sie auch kaputtgemacht.“

Wie aufs Stichwort kommt das Fräulein Tochter um die Ecke und schwenkt ein Netz Zitronen. „Seht mal, was es beim Foodsharing gab.“

„Die wollen mir hier grad weismachen, dass Pierre beim Einbruch in Rapunzels Laube verhaftet worden ist.“

„Verhaftet“, Rapunzel winkt ab, „wir haben gesagt die Polizei hat Pierre mitgenommen.“

„Wortklauberei, könnt ihr vielleicht endlich mal genau erzählen, was los war?“

Auch meine Tochter sieht die beiden gespannt an.

„Pierre wollte nach Feierabend mein Türschloss reparieren“, beginnt Rapunzel die Aufklärung. „Mitten in der Arbeit macht sein Akkuschrauber schlapp. Also ging er rüber auf seine Parzelle, um das Gerät zu laden. Als der Akku wieder genug Leistung hatte, war die Nacht hereingebrochen. Also hat sich Pierre seine Stirnlampe aufgesetzt und ist wieder zurück zu meiner Gartenlaube.“

„Warst du da gar nicht dabei?“, will das Fräulein Tochter wissen.

„Ich hatte doch Spätdienst.“

„Das Ende vom Lied war, dass ein aufmerksamer Bürger die Polizei gerufen hat, weil er jemanden in der Dunkelheit mit Stirnlampe an der Laubentür hat hantieren sehen“, ergänzt Frau B. ungeduldig.

„Und weil der Pierre keinen Ausweis einstecken hatte, wollte die Staatsmacht ihm nicht glauben, dass er im Dunkeln Einbruchschäden repariert.“

„Darauf eine grüne Limonade“, sage ich und deute auf das Netz Zitronen.

Schnell pflücken wir jungen Spinat, Petersilie aus dem Frühbeet, Minze und Bärlauch. Ich hacke je 60 Gramm Petersilie und Spinat und zirka sechs Teelöffel Minze sowie zwei Blätter Bärlauch. Zusammen mit der abgeriebenen Schale einer Zitrone zwei bis drei Esslöffel Rübensirup und 90 Milliliter Zitronensaft und einem halben Liter kaltem Wasser kurz durchmixen. Prost.

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Fräulein Tochters Cevapcici mit Frühlingssalat

Mein Fräulein Tochter hat sich zum Gartenbesuch angekündigt. „Mama, ich bringe Cevapcici mit“, sprach sie durchs Telefon. „Machst du einen Salat?“

Meine Jasmin ernährt sich vegan und fertigt Cevapcici aus Kidneybohnen, Champignons, Kartoffeln, Walnusskernen und Kichererbsen.

Zunächst gart sie 250 Gramm fein gewürfelte, festkochende Kartoffeln. Nebenher putzt sie 300 Gramm Champignons, schneidet sie in kleine Stücke und brät diese mit zwei gehackten Schalotten in einer Pfanne mit 2 Esslöffel Olivenöl, bis die Flüssigkeit verdampft ist. 230 Gramm Kichererbsen und 255 Gramm Kidneybohnen aus der Dose werden abgegossen und mit einer zerquetschten Knoblauchzehe und den Kartoffelstücken in einer Pfanne erhitzt. Dann werden alle Zutaten mit einer Gabel grob zerdrückt. 100 Gramm Walnusskerne mit einem Mixer zu einer feinen Masse zerkleinern und mit 120 Gramm Paniermehl und einen halben Teelöffel Kreuzkümmel zum Kartoffel-Bohnen-Pilz-Gemisch rühren. Mit Pfeffer aus der Mühle und Rauchsalz abschmecken, zirka drei Zentimeter dicke und acht bis zehn Zentimeter lange Röllchen formen und für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen. Vor dem Grillen werden die Röllchen mit Olivenöl eingepinselt.

Auf dem Weg zu meinem Garten sehe ich Rapunzel inmitten einer Hundemeute. Seit sich herumgesprochen hat, dass Rapunzel Hunde hütet, hat sich ihr Rudel stetig vergrößert. Heute sind ein Rehpinscher, ein Yorkshire Terrier, Bruno, der Promenadenmischling der Schwester meiner Gartennachbarin Frau B. und der Basset Hound unseres alten Vorsitzenden in ihrer Obhut. Die kleinen Hunde springen wechselseitig im Halbkreis umeinander herum und der Basset hockt zu Rapunzels Füßen.

„Hunde sind in der gesamten Kleingartenanlage an der Leine zu führen“, äffe ich mit gespielter Strenge unseren alten Vorsitzenden nach.

Rapunzel winkt ab. „Bei dem da“, sagt sie und nickt in Richtung des Basset, „wäre das ja auch kein Problem, die anderen drei machen nur Fitz.“

„War ja auch nur Spaß“, lache ich.

„Wenn ich weiter gehe, lege ich sie wieder in Ketten“, fügt Rapunzel entschlossen hinzu.
Die Hunde buhlen um meine Aufmerksamkeit. Nur der Basset verfolgt das Treiben scheinbar emotionslos. Erst als Bruno nur zwei Meter vor ihm ein Bein hebt, rappelt er sich auf, tappert zu der Stelle, die Bruno markiert hat und hebt nun seinerseits einen Hinterlauf. Doch genau in dem Moment, als er seinen Herrschaftsanspruch wieder herstellen will, springt ihm der Zwergpinscher in die Seite. Der Basset verliert sein Gleichwicht und plumpst auf den Hintern.

Wir lachen. Mein Fräulein Tochter gesellt sich zu uns. Von Hunden umringt hebt sie die mitgebrachte Schüssel über ihren Kopf.

„Was hast du denn da?“ Rapunzel reckt sich neugierig.

Jasmin hält die Schüssel Rapunzel hin, lüpft den Deckel und sagt: “Rate mal.“

„Hm“, rätselt Rapunzel, „sieht ein bisschen aus wie das hier.“ Sie hält ein oben verknotetes, schwarzes Beutelchen hoch.

„Du bist doof“, schmollt Jasmin und fragt mich: „Was gibt es für Salat?“

„Feldsalat, junge Löwenzahnblätter mit Gänseblümchen- und Veilchenblüten, Essig und Öl.“

Grünkohlsuppe

„Da bleibt ja gar nichts übrig.“ Rapunzel schlägt entsetzt beide Hände über dem Kopf zusammen. Unser Vorstand hatte einen Hobbywinzer engagiert, der an den Rebstöcken, die rings um Rapunzels Laube rankten, soeben eine Schnittvorführung beendete.

Die anderen Gartenfreunde, die dieser Schulungsveranstaltung beiwohnen, schweigen andächtig. Stumm beginnt Rapunzel die Weinruten einzusammeln.
„Du wirst schon sehen, wie schnell das alles wieder wächst“, tröstet Pierre und greift zur Harke.

„Wir haben da auch noch einen Weinstock“, meldet sich meine Gartennachbarin Frau B. und zwinkert mir listig zu.

Wir wechseln auf die Parzelle von Familie B. und der Hobbywinzer erklärt noch einmal das Prinzip des Zapfenschnitts. „Für Traubenwein ist der Zapfenschnitt fast immer geeignet. Bei alten Sorten und bei sehr wüchsigen, jungen Pflanzen versagt er jedoch mitunter. Diese tragen dann zwar Laub, aber keine Früchte, weil ihre stammnahen Knospen keine Anlagen zur Fruchtbildung enthalten. Dann sollten die Zapfen nicht nur ein bis zwei Knospen, sondern mindestens drei bis fünf Augen haben oder sogar mit einem Streckerschnitt gepflegt werden. Bei diesem mittellangen Schnitt bleiben drei bis sieben Knospen stehen. Der Streckerschnitt bietet eine höhere Ertragssicherheit, als der Zapfenschnitt.“

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„Hohen Ertrag brauchen wir“, meldet sich Hans-Georg B. zu Wort. Ein Raunen geht durch die Reihen der Kleingärtner.

Ich winke Rapunzel zu. „Komm“, rufe ich, „wir müssen noch das Mittagessen fertig machen. Ich setze im Vereinsheim einen großen Topf mit zirka fünf EL Rapsöl auf die Herdplatte. Darin röste ich fünf in Würfel geschnittene Zwiebeln und gebe zwei Kilogramm klein geschnittene Grünkohlblätter dazu, die ich scharf anbrate. Dann lösche ich mit einem Liter Weißwein ab und füge zwei Liter kräftige Gemüsebrühe mit vier EL grobem Senf zu. Der Grünkohl muss nun ungefähr 20 Minuten köcheln. Rapunzel hat unterdessen zwei Kilogramm gekochte Kartoffeln gepellt, in kleine Würfel geschnitten und diese in Rapsöl goldgelb angebraten.

Als die Kleingärtner anrücken, füllen wir die Grünkohlsuppe in Schalen und geben jeweils Röstkartoffeln als Einlage hinzu.

Während des Essens geht die Fachsimpelei über den Rebschnitt weiter.

„Fruchtholz beim Wein ist einjähriges Holz, das auf zweijährigem Holz steht.“

„Im Mai werden Kümmertriebe ohne Blütenansatz und nicht benötigte Wasserschosse ausgebrochen. Wenn einer Knospe mehrere Triebe entspringen, bleibt nur der kräftigste stehen.“

„Dem Winterschnitt und dem Ausbrechen im Frühjahr folgen das Entspitzen im Juni und der Sommerschnitt.“

„Beim Sommerschnitt werden alle Triebe entfernt, die keine Trauben tragen. Je Traube verbleiben sechs bis acht Blätter an der Ranke.“

Rapunzel wendet ihren Kopf hin und her. „Donnerwetter, seid ihr plötzlich alle Weinschnittexperten?“

„Naja“, winkt Frau B. ab, „auf nix ist man so stolz, wie auf das, was man seit zwei Minuten weiß. Mal sehen, was im Sommer noch übrig ist, vom Fachwissen.“

„Oder nächstes Jahr“, fügt Hans-Georg B. hinzu.

Kalte grüne Suppe

Rapunzel bat mich, ihr beim junge Erbsen palen behilflich zu sein.
„Willst Du grüne Gurken?“, fragt sie nebenher. Ich nicke.

Im hinteren Teil des Gartens tuscheln die Kinder.

„Was hecken die wohl schon wieder aus?“, frage ich. Rapunzel zuckt mit den Schultern. Es ist diese Gelassenheit, die Rapunzels Parzelle bei allen Kindern der Nachbarschaft beliebt macht.

Wir unterbrechen unsere Arbeit und schlendern auf Rapunzels Gewächshaus zu. Dabei kommen wir – natürlich rein zufällig – an dem Hochbeet vorbei, hinter dem die Kinder in Deckung gegangen sind.

Die Kinder sind vollkommen in ihr Spiel vertieft. Offenbar versuchen sie zwei Weinbergschnecken, zu einem Wettrennen, zu animieren. Doch die Rivalen in spe haben sich beide in ihre Behausungen zurückgezogen.

„Warum kommen die nicht raus“, fragt Paul.

„Nun ja“, antwortet Rapunzel, „stell dir mal vor, du bist vor einem Riesen in euer Gartenhaus geflüchtet und jetzt steht der Riese da und versucht dich herauszulocken. Da würdest du doch auch nicht …“

„Doch“ sagt der kleine Moritz entschlossen. „Ich würde rauskommen und schnell weg laufen.“

„Es gibt doch gar keine Riesen“, stellt Paul überlegen fest.

„Aber wenn es welche gäbe, würde ich laufen“, beharrt Moritz, „nicht drin bleiben, wie die doofe Schnecke.“

„Die Schnecke ist doch nicht doof“, wendet Rapunzel ein. „Die ist sogar ziemlich schlau und verkriecht sich in ihrem Haus, um sich zu schützen.“

„So wie die Katze?“, fragt Moritz.

Rapunzel und ich schmunzeln.

Eines schönen Abends schlossen die Eltern des kleinen Moritz aus Versehen eine streunende Katze ein, die ins Gartenhaus geschlichen war. Am nächsten Tag hatte das Tier die halbe Inneneinrichtung zerlegt und konnte nur mit einiger Mühe unter dem alten Küchenbuffet hervorgelockt werden.

„So wie die Katze“, kichert Rapunzel. „Nun aber husch, eure Mütter warten bestimmt schon.

Die Kinder ziehen ab.

„Für morgen werde ich uns eine schöne kalte grüne Suppe bereiten“, sage ich nachdem mir Rapunzel zwei Schlangengurken gereicht hatte.

Ich werde die Gurken waschen und schneide sie in grobe Stücke. Dazu gebe ich einen grünen Apfel ohne Kerngehäuse, eine kleine Zwiebel, zwei Knoblauchzehen und 150 Gramm junge Erbsen, einer großen Handvoll frischer Minze und 100 Milliliter Wasser in den Mixer. Nach dem Pürieren gebe ich 200 Gramm junge Erbsen und eine in ganz feine Stückchen geschnittene grüne Paprikafrucht hinzu, würze mit Salz und Pfeffer und stelle alles für ein paar Stunden in den Kühlschrank. Zum Servieren werde ich noch in Olivenöl geröstete Weißbrotwürfel in die kalte Suppe streuen.

Als wir gehen wollen, kommt uns ein ängstlicher Moritz entgegen.

„Ich glaube meine Eltern sind nach Hause gegangen und die Katze ist schon wieder eingesperrt.“

Ungläubig folgen wir ihm. In der Tat ist die Laube verschlossen und aus dem Inneren dringt eigenartiges Raunen und Ächzen. Rapunzel lenkt Moritz ab und ich klopfe ans Fenster. Im Inneren sehe ich die geröteten Wangen von Moritz‘ Mutter.

„Lasst mal die Katze raus, euer Kind will nach Hause“, rufe ich.

Gemüselasagne

Seit ein paar Jahren haben wir in unseren Kleingartenanlage Restmülltonnen, eine Recycling-Tonne für Papier und Pappe und eine gelbe Tonne für Verpackungsmüll aus Metall und Kunststoff.

Ich komme grade dazu, als Pierre und Rapunzel einen großen Karton aus Wellpappe, der neben der blauen Tonne steht, wegschleppen wollen.

„Was soll das denn werden?“, frage ich und die zwei halten inne.

„Rapunzel will ein Lasagne-Beet bauen“, sagt Pierre und lächelt breit.

Neugierig folge ich den beiden. Sie schichten eine Lage Pappe in einen Rahmen aus Brettern. Darauf legen sie umgedrehte Rasensoden. Dann folgt eine Schicht Holzhäcksel, feine Zweige und Laub, eine Schicht Grünschnitt, darauf eine Lage grober Kompost, wieder Holzhäcksel, Grünschnitt und so weiter, bis ein zirka fünfzig Zentimeter hohes Beet entstanden ist. Auf die oberste Lage streuen Rapunzel und Pierre ein Gemisch aus Kompost und Pflanzerde.

„Jetzt werde ich das Ganze vierzehn Tage lang kräftig wässern und dann kann ich Gemüse pflanzen.“ Rapunzel hebt die Gießkanne und ein sanfter Wasserschwall rinnt aus der Brausetülle auf ihr Schichtbeet.

„Ganz schön viel Aufwand“, stelle ich fest.

„Genau wie bei richtiger Lasagne“, sagt Pierre, „hast du schon mal Lasagne gemacht, Karo?“

Ich nicke.

Ich hackte zwei Zwiebeln und vier Knoblauchzehen klein, briet sie in einem Topf mit Olivenöl glasig und gab je 200 g fein gewürfelte Karotten und Zucchini sowie eine Tasse Gemüsebrühe dazu. Als die Flüssigkeit weitestgehend verdampft war, rührte ich vier Esslöffel Tomatenmark unter. Danach schälte ich 700 Gramm Tomaten, teilte sie in kleine Stücken schüttete diese zusammen mit je zwei Teelöffel getrockneten Oregano, Basilikum und Thymian, Pfeffer und Salz in den Topf. Auf kleiner Flamme köchelte diese Gemüsesauce vor sich hin.

In der Zwischenzeit heizte ich den Ofen auf 220°C vor und begann die Béchamelsauce zuzubereiten. Ich schmolz in einem Topf vier Esslöffel Margarine, gab sieben Esslöffel Mehl hinzu und schwitzte es goldbraun an. Dabei rührte ich mit einem Schneebesen ständig um und gab nach und nach einen Liter Sojamilch hinzu. Die Sauce dickte ein. Nach zirka zehn Minuten hatte sie die gewünschte Konsistenz erreicht und ich gab drei Teelöffel geriebene Muskatnuss zu und schmeckte mit Pfeffer und Salz ab.
Zur Gemüsesauce fügte ich 200 g fein gewürfelten Gemüsepaprika, ohne diesen mit zu kochen.

Nun bedeckte ich den Boden einer großen Auflaufform dünn mit Béchamelsauce und legte die erste Schicht Lasagneplatten hinein. Dann eine Schicht Gemüsesauce, gefolgt von einer weiteren Schicht Hartweizengrießplatten. Wieder Bécamelsauce und so fort, bis alle Zutaten aufgebraucht waren. Für die angegebenen Mengen Sauce benötigte ich eine 500 g – Packung vegane Lasagneplatten. Die letzte Schicht war Béchamelsauce. Darüber verteilte ich 400 g veganen Streukäse.

Die Lasagne buk ich bei 220°C auf mittlerer Schiene etwa eine dreiviertel Stunde lang im Ofen, bis der Käse schön goldbraun geworden war und „pflanzte“ Basilikumblätter darauf.

Pikante Heidelbeerkonfitüre

Obwohl meine Heidelbeerernte recht zufriedenstellend war, ließ ich mich von meiner Gartennachbarin Frau B. und Rapunzel zu einer Landpartie überreden, um auf einer nahe gelegenen Plantage noch ein paar Beeren zu pflücken. Denn ich will ein Rezept ausprobieren, zu dem ein Kilogramm Heidelbeeren nötig sind, und so viel kriege ich mit meinen paar Sträuchern beim besten Willen nicht zusammen, weil ich beim Pflücken immer zu viele Beeren nasche.

Als wir zur vereinbarten Zeit am Vereinstor zusammentreffen, schließt sich Pierre spontan unserer Runde an. Wir schwingen uns auf unsere Fahrräder und eine knappe halbe Stunde später biegen wir auf den Feldweg ein, der zur Heidelbeerplantage führt.
Der Landwirt hat ganz auf Entertainment gesetzt. Neben dem üblichen Schild „Selbst pflücken“ und der Preistabelle am Kassenhäuschen sitzt ein Mann mit Cowboyhut auf einem Barhocker. Er hat ein Mundharmonikagestell um, zupft auf einer zwölfsaitigen Gitarre herum und singt dazu Lieder von Bob Dylan und Jonny Cash.

Nebenan hat der Bauer für frisch Verliebte und Familien ein Labyrinth ins Maisfeld gesät. Darin kann ein Wissensquiz absolviert werden. Ersten Preis eine Flasche Heidelbeerwein, zweiter Preis eine Jumbo-Tüte Tortilla-Chips, dritter Preis freier Eintritt ins Maisfeldlabyrinth im nächsten Jahr.

Wir lassen uns nicht ablenken und steuern geradewegs auf die Reihen der Heidelbeersträucher zu.

Nur der Beschallung aus dem Kofferverstärker des Alleinunterhalters können wir nicht ausweichen. Der Countrybarde schmückt seinen Vortrag mit kleinen Ankündigungen. Bereits als wir ankamen fragte er uns nach Wunschtiteln, was von Pierre, ohne lange zu überlegen, mit: „Strawberry Fields forever“ beantwortet wurde.

Scheinbar hat unser Kleinkünstler Pierres Wunschtitel nicht im Repertoire, denn er spielt das Lied der Beatles nicht. Stattdessen säuselt es zu uns herüber: „Im nächsten Lied geht es um einen jungen Mann, der in die Welt hinausziehen möchte. Er macht sich Sorgen, dass er eine Familie niemals wieder sehen wird, und als er sich von seiner Mutter verabschiedet, sagt sie …“
„… dann nimm mal gleich den Müll mit raus.“, ergänzt Frau B. weise.

Wir grinsen und pflücken. Nach ungefähr einer Stunde haben wir über sechs Kilo Blaubeeren in unseren Körben, bezahlen und treten zufrieden die Heimfahrt an.

Zu Hause wasche ich ein Kilogramm Heidelbeeren uns tupfe sie trocken. Mit einer Gabel stelle ich einen Fruchtbrei her, gebe den Saft einer Zitrone, eine Messerspitze gemahlener Gewürznelken, eine kräftige Prise Muskat, zwei Lorbeerblätter, schwarzen Pfeffer aus der Mühle, eine aufgeschnittene Vanilleschote und eine kleine Zimtstange sowie ein Kilo Gelierzucker hinzu und lasse alles in einem verschlossenen Topf eine Nacht lang stehen.

Morgen werde ich den Fruchtbrei unter ständigem Rühren langsam zum Kochen bringen. Nach zirka vier Minuten sprudelndem Kochen entferne ich die Zimtstange, die Lorbeerblätter und die Vanilleschote. Dann fülle ich angewärmte Schaubgläser, verschließe und stürze sie.

Chefsalat light

„Du machst was?“ Meine Gartennachbarin Frau B. verzieht ihr Gesicht. Halb bewundernd halb angewidert ruht ihr Blick auf Bruce, der sich am Kopf kratzt, auf Pierre zeigt und sagt:
„Der da hat mich überredet.“

„Einer muss die Arbeit machen“, grinst Pierre, „und der Chef ist schon ganz schön alt.“

„Wer ist schon ganz schön alt?“ fragt Rapunzel, die sich eben zu uns gesellt hat.

„Unser Vorstandsvorsitzender“, schnaubt Frau B. und fügt mit einer Kopfbewegung Richtung Bruce hinzu: „Und der da wird unser neuer Vorsitzender.“

„Stellvertretender Vorsitzender“, korrigiert Pierre, „erstmal wird er Stellvertreter.“ Pierre klopft Bruce auf die Schulter.

„Vielleicht werde ich ja nicht gewählt“, sinniert Bruce.

„Nicht gewählt, nicht gewählt“, äfft Frau B. Bruce nach. „Die werden dich schon wählen, weil sie froh sind, dass sie es nicht selber machen müssen. Das ist doch immer dasselbe. Erst will es keiner machen und kaum findet sich einer bereit, hacken alle auf ihm herum.“

„Ihr hackt doch nicht auf mir herum!“ Bruce wirkt entschlossen. Ich höre ihn schon zu dem streitsüchtigen Alten im letzten Garten unseres Weges sagen: „Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke.“

„Wir nicht“, beschwichtigt Frau B. „aber hier gibt es ja noch zweihundert andere Gärtner.“

Pierre, Rapunzel und ich nicken.

„Aaah, unser neuer Vorsitzender“, ruft Kojak schon von weitem. Kojak ist schon seit ein paar Jahren stellvertretender Vorsitzender und hat offenbar keine Ambitionen, selbst Vorsitzender zu werden.

„Stellvertretender Vorsitzender.“ antworten Rapunzel, Pierre und Bruce im Chor.

„Weiß ich doch“, sagt Kojak.

„Wenn er gewählt wird“, fügt Frau B. mit ernster Miene hinzu.

„Wird er schon.“ Kojak winkt ab. „Da kann er dann gleich mal, dem da hinten“, Kojak deutet auf den verwilderten Garten am Ende unseres Weges, „sagen, dass wir hier Obst und Gemüse anbauen und nicht Schuppen und Koniferen.“

Wir schmunzeln.

„Da mache ich euch zur Feier des Tages einen schönen Chefsalat.“ verkünde ich.

„Aber braucht es dazu nicht Eier und Schinken?“, fragt Rapunzel.

„Wenn wir Eier hätten, könnten wir Eier mit Schinken machen, wenn wir Schinken hätten“, lamentiert Frau B. und verdreht ihre Augen.

„Keine Sorge, ich kriege auch ohne Eier und Schinken einen Chefsalat hin“, lache ich in die Runde.

Für acht Portionen zerteile ich zwei Köpfe Eisbergsalat in mundgerechte Stücke. Dazu gebe ich zwei Salatgurken, acht Tomaten, acht getrocknete Tomaten und zwei Avocado, die ich zuvor in Würfel geschnitten habe. Aus 250 g Räuchertofu schneide ich feine Streifen und hebe sie unter das Gemüse. Zu guter Letzt rühre ich aus 200 g Hummus, gehackter Petersilie, Pfeffer, Salz und Olivenöl ein dickflüssiges Dressing. Noch einmal hebe ich alles mit dem Salatbesteck um, streue einige Oliven darüber, nehme die Schüssel und geselle mich wieder zu den anderen.

„Ich nenne es einfach Chefsalat light“, sage ich während ich Portionen in kleinen Schüsseln austeile.

Frau B. reicht den Brotkorb herum und fügt hinzu: „Kunststück, es sind ja nur die stellvertretenden Chefs da.“