Basilikumeis

„Trockenwiese“, schnauft Pierre und drückt sich seinen Strohhut tiefer in die Stirn. Bruce stößt neben ihm mit dem Fuß gegen einen kleinen Erdhügel. Ein Staubwölkchen stiebt auf.

Rapunzel versucht die beiden zu motivieren. „Ach kommt schon. Der Anfang ist doch gemacht. Trockenwiesen sind sehr artenreiche Biotope. Wir haben hier schon Fetthenne, Silberdisteln, Ackerhornkraut, Wiesensalbei, Steinklee, Hahnenfuß, Zittergras …“

„Und Steine“, ergänzt Pierre, bückt sich zu einer Sode, die er mit der Grabegabel geliftet hat, klaubt einen großen runden Kieselstein heraus und wirft ihn seitwärts zum Rand der Fläche am Eingang unserer Gartenanlage. Mit einem Klick stößt der Stein einen anderen Stein zur Seite.

„Wir könnten hier eine schöne Boule-Fläche anlegen“, schlägt Kojak vor.

„Wir werten ein bereits vorhandenes Biotop auf!“ Rapunzel schiebt mit den Händen die Sode vor Pierres Gabel zur Seite und setzt eine Heidenelke ein. Umgehend wird sie von einem blauen Schmetterling umflattert.

„Seht ihr?“ Rapunzel lächelt breit.

„Das ist doch bloß ein blöder Zufall“, murrt Kojak.

Rapunzel nimmt einen Topf mit Thymian, stürzt die Pflanze heraus und kontrolliert den Wurzelballen. „Mach hier mal ein Loch“, fordert sie Pierre auf.

Der setzt die Gabel an und tritt erst mit einem, dann mit beiden Füßen darauf. Die Gabel dringt nicht tief ein und Pierre droht mitsamt seinem Arbeitsgerät umzufallen. Bruce stützt ihn. Pierre steigt von der Gabel und setzt sie neu an. Abermals fördert er einen faustgroßen Kieselstein zutage.

„Vielleicht sollten wir eine Garteneisenbahn bauen“, sinniert Bruce, „Schotter hätten wir genug.

„Ihr lockert mal die kahlen Stellen auf und Rapunzel und ich hole noch ein paar Pflanzen“, schlage ich vor.

„Und wenn ihr schön fleißig seid, bringen wir euch ein Eis mit“, ergänzt Rapunzel und zwinkert mir zu, denn wir hatten schon etwas vorbereitet.

Zirka 20 Gramm Basilikumblätter wurden mit einer Mischung aus 200 Millilitern Reismilch und 130 Millilitern Kokosmilch gründlich püriert, mit weiteren 400 Millilitern Reismilch und 260 Millilitern Kokosmilch aufgefüllt und nochmals kurz mit dem Pürierstab verarbeitet. Das Ganze kurz aufgekocht und für eine viertel Stunde abgedeckt zum Ziehen gestellt. Währenddessen mischten wir in einer Schüssel je ein Gramm Johannisbrotkernmehl und Guarkernmehl, eine Prise Salz und 240 Gramm Zucker mit einem Schneebesen, gossen die Basilikum-Pflanzenmilchmischung vorsichtig dazu und mixten alles noch einmal gut durch. Danach stellten wir den Topf in den Kühlschrank und gaben später die abgekühlte Masse in die Eismaschine. Das Ergebnis lag nun seit dem Morgen im Tiefkühler.

Die Männer haben sich in den Schatten des alten Holunderbaumes gesetzt, als wir mit dem Eis und einigen Pflanzen zurückkehren

„Was ist das für Eis“, schnalzt Kojak.

„Rate mal.“

„Was mit Kräutern?“

„Richtig! Basilikum.“

„Hm“, grunzt Pierre, “geht auch Thymian?“ Er nickt in Richtung des Trockenbiotops.

Rapunzel verdreht ihre Augen. Ein Grashüpfer federt aus den Zittergräsern und landet zu ihren Füßen.

Quiche mit grünem Spargel

Ich sitze vor unserem Vereinsheim und schlürfe einen Kaffee. Mein Gartennachbar Holger, den alle nur Bruce nennen, weil er ein bisschen wie Bruce Willis aussieht, kommt mit einem Plakat vorbei.

Darauf steht: „Nächstes Wochenende großer Frühjahrsputz!“

Ich frage: „Bist du damit nicht etwas spät dran?“

„Unsinn, das habe ich grade da hinten abgemacht.“ Bruce zeigt auf das andere Ende unserer Gartenanlage, an dem sich eine zweite Informationstafel befindet. Dann macht er sich daran das schwarze Brett am Vereinsheim neu zu bestücken. Er rückt einen Stuhl an die Tafel heran, schnappt sich die Plakatrolle, klettert auf den Stuhl zieht einen Tacker aus der Hosentasche und befestigt eine Ecke des Posters.

„Mist!“, höre ich ihn fluchen.
Bruce tänzelt auf dem Stuhl. Der Wind frischt auf und legt das Plakat um Bruce.
„Mist! Mist! Karo?“

„Ja?“ Ich schlendere hinüber.

„Kannst du das hier mal halten?“

Ich streiche das Plakat glatt und drücke es mit beiden Händen ans schwarze Brett. Bruce betrachtet seinen Tacker.

„Das Ding ist verstopft.“ Bruce nestelt am Hosenlatz und zieht einen Phasenprüfer heraus und fummelt damit die verkeilten Drahtklammern aus dem Gerät.

„Großes Sommerfest!“ Lese ich derweil auf dem neuen Aushang. Bruce befestigt alle Ecken, setzt dann den Tacker am Foto unseres Vorsitzenden an und schießt eine Klammer kurz über dessen Scheitel.

„Zur Sicherheit“, grinst er.

Meine Gartennachbarin Frau B. und ihr Mann Hans-Georg gesellten sich zu uns.

„Oha, sauber getackerter Scheitel“ attestiert Hans-Georg.

„Habt ihr Streit?“ Frau B. sieht Bruce argwöhnisch an.

„Ach der alte Bollerkopp, ewig am Nörgeln. Nix kann man dem recht machen“, bricht es aus Bruce heraus.

„Du bist aber auch nicht der geborene Diplomat“, erinnere ich Bruce.

Hans Georg B. ergreift Partei. „Zur nächsten Wahl lasse ich mich auch in den Vorstand wählen. Dann helfe ich dir.“

„Du im Vorstand?“ Frau B. verdreht ihre Augen. „Soweit kommt‘s noch. Für drei Elefanten ist unser Porzellanladen nun wirklich zu klein.“

„Ich gebe jedem ein Stück Spargelquiche aus“, lenke ich ab.

„Spargel? Ist das nicht ein wenig spät?“ Frau B. beäugt mein Tortenblech.

„Nö, grüner Spargel – Anfang Juni, passt schon noch.“ Ich reiche das Backwerk herum.
Ein Teig aus 300 Gramm Weizenmehl verknetet mit 150 Gramm Margarine, 5 Esslöffel Wasser und einem halben Teelöffel Salz ruhte vorab 1,5 Stunden im Kühlschrank.

Ich schälte 600 Gramm grünen Spargel und kochte ihn zirka 5 Minuten, derweil eine gehäutete und gewürfelte Zwiebel in etwas Öl goldbraun briet.

Im auf 200 g vorgeheizten Backofen buk der in die Tortenform gedrückte und mit Backlinsen bedeckte Teig für 10 Minuten vor. Dann entfernte ich die Linsen und gab den Spargel, die Zwiebelwürfel sowie 100 Gramm halbierte Cocktailtomaten auf den Teig und übergoss das Gemüse mit einem Mix aus je 4 Esslöffeln Kichererbsenmehl und Weizenmehl, 60 Gramm Cashewkernen, 500 Millilitern Sojasahne, 2 Teelöffeln Senf, 2 Knoblauchzehen und einer Prise Muskat. Nach weiteren 30 Minuten im Backofen würzte ich den Quiche mit frisch gemahlenem Salz und Pfeffer.

Fräulein Tochters Cevapcici mit Frühlingssalat

Mein Fräulein Tochter hat sich zum Gartenbesuch angekündigt. „Mama, ich bringe Cevapcici mit“, sprach sie durchs Telefon. „Machst du einen Salat?“

Meine Jasmin ernährt sich vegan und fertigt Cevapcici aus Kidneybohnen, Champignons, Kartoffeln, Walnusskernen und Kichererbsen.

Zunächst gart sie 250 Gramm fein gewürfelte, festkochende Kartoffeln. Nebenher putzt sie 300 Gramm Champignons, schneidet sie in kleine Stücke und brät diese mit zwei gehackten Schalotten in einer Pfanne mit 2 Esslöffel Olivenöl, bis die Flüssigkeit verdampft ist. 230 Gramm Kichererbsen und 255 Gramm Kidneybohnen aus der Dose werden abgegossen und mit einer zerquetschten Knoblauchzehe und den Kartoffelstücken in einer Pfanne erhitzt. Dann werden alle Zutaten mit einer Gabel grob zerdrückt. 100 Gramm Walnusskerne mit einem Mixer zu einer feinen Masse zerkleinern und mit 120 Gramm Paniermehl und einen halben Teelöffel Kreuzkümmel zum Kartoffel-Bohnen-Pilz-Gemisch rühren. Mit Pfeffer aus der Mühle und Rauchsalz abschmecken, zirka drei Zentimeter dicke und acht bis zehn Zentimeter lange Röllchen formen und für mindestens eine Stunde in den Kühlschrank stellen. Vor dem Grillen werden die Röllchen mit Olivenöl eingepinselt.

Auf dem Weg zu meinem Garten sehe ich Rapunzel inmitten einer Hundemeute. Seit sich herumgesprochen hat, dass Rapunzel Hunde hütet, hat sich ihr Rudel stetig vergrößert. Heute sind ein Rehpinscher, ein Yorkshire Terrier, Bruno, der Promenadenmischling der Schwester meiner Gartennachbarin Frau B. und der Basset Hound unseres alten Vorsitzenden in ihrer Obhut. Die kleinen Hunde springen wechselseitig im Halbkreis umeinander herum und der Basset hockt zu Rapunzels Füßen.

„Hunde sind in der gesamten Kleingartenanlage an der Leine zu führen“, äffe ich mit gespielter Strenge unseren alten Vorsitzenden nach.

Rapunzel winkt ab. „Bei dem da“, sagt sie und nickt in Richtung des Basset, „wäre das ja auch kein Problem, die anderen drei machen nur Fitz.“

„War ja auch nur Spaß“, lache ich.

„Wenn ich weiter gehe, lege ich sie wieder in Ketten“, fügt Rapunzel entschlossen hinzu.
Die Hunde buhlen um meine Aufmerksamkeit. Nur der Basset verfolgt das Treiben scheinbar emotionslos. Erst als Bruno nur zwei Meter vor ihm ein Bein hebt, rappelt er sich auf, tappert zu der Stelle, die Bruno markiert hat und hebt nun seinerseits einen Hinterlauf. Doch genau in dem Moment, als er seinen Herrschaftsanspruch wieder herstellen will, springt ihm der Zwergpinscher in die Seite. Der Basset verliert sein Gleichwicht und plumpst auf den Hintern.

Wir lachen. Mein Fräulein Tochter gesellt sich zu uns. Von Hunden umringt hebt sie die mitgebrachte Schüssel über ihren Kopf.

„Was hast du denn da?“ Rapunzel reckt sich neugierig.

Jasmin hält die Schüssel Rapunzel hin, lüpft den Deckel und sagt: “Rate mal.“

„Hm“, rätselt Rapunzel, „sieht ein bisschen aus wie das hier.“ Sie hält ein oben verknotetes, schwarzes Beutelchen hoch.

„Du bist doof“, schmollt Jasmin und fragt mich: „Was gibt es für Salat?“

„Feldsalat, junge Löwenzahnblätter mit Gänseblümchen- und Veilchenblüten, Essig und Öl.“

Gebratener Kopfsalat mit Sonnenblumenkernen und Pflaumen

Es geht doch nichts über Nachbarschaftshilfe. Meine Gartennachbarin Frau B. hält meine Leiter, die unter meinem Pflaumenbaum steht, mit beiden Händen fest umklammert. Vom Mann meiner Nachbarin, Hans-Georg B., sind nur die karierten Socken in den ausgelatschten Sandalen, die Stachelbeerwaden und die Ränder der Hosenbeine von ehemals olivgrünen Cargoshorts zu sehen.

Ich habe Unterstützung bei der Pflaumenernte. Eben reicht Hans-Georg B. einen vollen Korb nach unten und stößt dabei gegen mein Vogelfutterhaus, das sich daraufhin aus seiner angestammten Astgabel löst und zu Boden kracht. Das Vogelfutter liegt in einem Meter Umkreis verstreut. „Hoppla!“, hören wir Hans-Georgs Stimme, “Was ist passiert da unten?“

„Du willst mich wohl erschlagen?“, rohrspatzt meine Gartennachbarin die Leiter hinauf.

„Jetzt hast du Karos Futterhäuschen kaputtgemacht. Das musst du aber gleich wieder reparieren!“

Zu mir gewendet fährt sie in versöhnlichem Tonfall fort: „Der Hans-Georg füttert ja jetzt auch das ganze Jahr über.“

Immer mehr Gartenfreunde füllen in den Sommermonaten Vogelfutter nach. Der Erfolg gibt ihnen Recht. In unserer Gartenanlage sind neben den allgegenwärtigen Meisen, Spatzen, Rotschwänzchen und Amseln auch Grünfinken, Rotkehlchen, Gimpel, Stieglitze, Drosseln und Buchfinken regelmäßig zu sehen.

Mein Gartennachbar steigt ächzend von der Leiter und bückt sich nach den Resten meiner Vogelfutterstelle. Unbeholfen dreht er die einzelnen Bretter hin und her. Dabei murmelt er: „Das kriegen wir schon irgendwie wieder hin.“

Wir lassen uns im Schatten meines Vordachs nieder. Hans-Georg hat zuvor seinen Werkzeugkasten geholt und beginnt mit der Restaurierung.

Auf meinem Kompost landet eine Elster. „Na?“, begrüßt meine Gartennachbarin den Rabenvogel, „Da guckste, was?“ Die Elster hält ihren Kopf schräg, als würde sie Frau B. verstehen.

Unterdessen zieht das verstreute Vogelfutter weitere Gäste an. Die Spatzen zanken laut tschilpend um die besten Bissen. Plötzlich segelt ein Schatten heran. Mit einem sanften Plop landet ein größerer Vogel auf meinem Vordach. Nach ein paar klackenden Trippelschritten, die sich anhören wie die ersten großen Regentropfen eines aufziehenden Gewitters, schiebt eine Ringeltaube ihren Kopf neugierig über die Dachkante. Wenig später flattert auch sie hinab zum Fuße des Pflaumenbaumes.

„Kochen wir dann gemeinsam Pflaumenmus?“, fragt meine Gartennachbarin.

„Später gerne, jetzt habe ich erst mal Hunger, ich brate uns schnell was.“

Ich mische eine fein gehackte Knoblauchzehe, je einen Teelöffel frisch geriebenen Ingwer und Zucker mit je einem Esslöffel Wasser und Tamari-Sojasoße. In der Pfanne erhitze ich einen Esslöffel Rapsöl und brate zwei geviertelte Salatköpfe mit Peffer und Salz zirka acht Minuten unter häufigem Wenden an. Dann gebe ich vier große, geviertelte Pflaumen und 40 g Sonnenblumenkerne hinein, rühre weitere vier Minuten. Zum Schluss gieße ich die Sojasoßenmischung darüber und rühre weiter zwei bis drei Minuten. Dazu reiche ich Fladenbrot.

Krautsalat mit Extras

Als in unserem Verein beschlossen wurde, eine Tauschbörse einzurichten, gingen die Meinungen weit auseinander. Einige unkten Tauschbörse sei nur ein vornehmer Begriff für Gerümpelecke. Andere fanden die Idee prima.

Wie meist im Leben, hatten alle ein bisschen recht. Mitunter liegen in der Tauschecke stumpfe Sägen, angeschlagenes Geschirr oder zerflederte Gartenzeitungen. Derlei Gaben werden diskret entsorgt. Denn auch gut funktionierende Kinderschubkarren, wunderbare weiße Dahlien und herrlich nostalgische Tischdeckenhalter fanden durch die Tauschbörse neue Besitzer.

Ich stehe vor einem Karton mit Büchern und Schallplatten und blättere in einem alten Kochbuch.

„Na“, fragt Pierre, der unbemerkt zu mir herangetreten ist, „Schätze heben?“
„Ich weiß noch nicht“, antworte ich unschlüssig.

Pierre nimmt eine Schallplatte und liest vor: „Ein Laubenpieper ist keine Kreuzung von Fliegenschnäpper und Regenpfeifer.“

„Hä?“ Ich lasse das Kochbuch sinken.

Pierre hält das Cover hoch. „Laubenpiepers Hitparade“ steht darauf.

„Die ist 32 Jahre alt, genau wie Du, Karo!“

Ich merke wie ich erröte. „Ach, Pierre, du alter Charmeur.“

„Ich habe noch einen Schallplattenspieler in meiner Laube“, fährt Pierre fort. „Wir könnten heute Abend eine kleine Party machen und Welthits wie „Schön ist so ein Gartenzwerg“ oder „Laubenpiepergartenhundefest“ anhören.

Ich nicke.

„Okay, ich sage dann mal den anderen Bescheid.“ Pierre klemmt sich die Schallplatte unter den Arm.

Ich rette zwei kleine Rotkohlköpfe durch vorzeitige Ernte vor gefräßigen Raupen. Zirka 120 g Sellerie schneide ich in feine Streifen, 400 g Rotkohl und 200 g Möhren werden fein geraspelt und vier Salatköpfe in mundgerechte Stücke geteilt.

Für das Dressing weiche ich 200 g ungeröstete Cashewkerne in 350 ml heißem Wasser für eine halbe Stunde im Mixbecher ein. Dann gebe ich zwei EL Senf, zwei Knoblauchzehen, eine Hand voll Dill, ein wenig Estragon, je vier EL Gewürzessig und Olivenöl hinzu, mixe alles durch und stelle das Dressing kühl.

Aus einem Zweipfundweißbrot vom Vortag schneide ich Würfel und vermenge diese mit vier EL Olivenöl, zwei EL Kräuteressig, Pfeffer, Salz und vier zerquetschten Knoblauchzehen. Wenn die Brotwürfel gut durchgezogen sind, werden sie in der Pfanne oder auf einem Backblech geröstet.

Am Abend weht von Pierres Laube „Wir sind die lustigen Holzhackerbuam“ herüber. Meine Gartennachbarin Frau B. tänzelt beschwingt den Gartenweg entlang und mahnt ihren Mann Hans-Georg, der zwei große Klappstühle schleppt, zur Eile.

Ich verdrehe die Augen, Bruce und Rapunzel kommen auch herüber und schauen mich mitleidig an. „Das kann ja heiter werden“, wispert Rapunzel und nickt in Richtung Pierres Partylaube. Von dort klingt die Melodie des Schneewalzers auf einer Ziehharmonika. Als wir eintreffen tönt es: „Wir trinken auf die Nachbarschaft, mit Erdbeerwein und Möhrensaft. Widdewiddewitt bumm bumm.“

Auch Pierre hat Krautsalat zubereitet. „Wie früher“ strahlt er, „Weißkohl, Karotten und Äpfel reiben, Pfeffer, Salz, Essig – fertig.“

 

Das Coverfoto der Amiga-Schallplatte von 1986 ist von Volker Ettelt.

Gemüselasagne

Seit ein paar Jahren haben wir in unseren Kleingartenanlage Restmülltonnen, eine Recycling-Tonne für Papier und Pappe und eine gelbe Tonne für Verpackungsmüll aus Metall und Kunststoff.

Ich komme grade dazu, als Pierre und Rapunzel einen großen Karton aus Wellpappe, der neben der blauen Tonne steht, wegschleppen wollen.

„Was soll das denn werden?“, frage ich und die zwei halten inne.

„Rapunzel will ein Lasagne-Beet bauen“, sagt Pierre und lächelt breit.

Neugierig folge ich den beiden. Sie schichten eine Lage Pappe in einen Rahmen aus Brettern. Darauf legen sie umgedrehte Rasensoden. Dann folgt eine Schicht Holzhäcksel, feine Zweige und Laub, eine Schicht Grünschnitt, darauf eine Lage grober Kompost, wieder Holzhäcksel, Grünschnitt und so weiter, bis ein zirka fünfzig Zentimeter hohes Beet entstanden ist. Auf die oberste Lage streuen Rapunzel und Pierre ein Gemisch aus Kompost und Pflanzerde.

„Jetzt werde ich das Ganze vierzehn Tage lang kräftig wässern und dann kann ich Gemüse pflanzen.“ Rapunzel hebt die Gießkanne und ein sanfter Wasserschwall rinnt aus der Brausetülle auf ihr Schichtbeet.

„Ganz schön viel Aufwand“, stelle ich fest.

„Genau wie bei richtiger Lasagne“, sagt Pierre, „hast du schon mal Lasagne gemacht, Karo?“

Ich nicke.

Ich hackte zwei Zwiebeln und vier Knoblauchzehen klein, briet sie in einem Topf mit Olivenöl glasig und gab je 200 g fein gewürfelte Karotten und Zucchini sowie eine Tasse Gemüsebrühe dazu. Als die Flüssigkeit weitestgehend verdampft war, rührte ich vier Esslöffel Tomatenmark unter. Danach schälte ich 700 Gramm Tomaten, teilte sie in kleine Stücken schüttete diese zusammen mit je zwei Teelöffel getrockneten Oregano, Basilikum und Thymian, Pfeffer und Salz in den Topf. Auf kleiner Flamme köchelte diese Gemüsesauce vor sich hin.

In der Zwischenzeit heizte ich den Ofen auf 220°C vor und begann die Béchamelsauce zuzubereiten. Ich schmolz in einem Topf vier Esslöffel Margarine, gab sieben Esslöffel Mehl hinzu und schwitzte es goldbraun an. Dabei rührte ich mit einem Schneebesen ständig um und gab nach und nach einen Liter Sojamilch hinzu. Die Sauce dickte ein. Nach zirka zehn Minuten hatte sie die gewünschte Konsistenz erreicht und ich gab drei Teelöffel geriebene Muskatnuss zu und schmeckte mit Pfeffer und Salz ab.
Zur Gemüsesauce fügte ich 200 g fein gewürfelten Gemüsepaprika, ohne diesen mit zu kochen.

Nun bedeckte ich den Boden einer großen Auflaufform dünn mit Béchamelsauce und legte die erste Schicht Lasagneplatten hinein. Dann eine Schicht Gemüsesauce, gefolgt von einer weiteren Schicht Hartweizengrießplatten. Wieder Bécamelsauce und so fort, bis alle Zutaten aufgebraucht waren. Für die angegebenen Mengen Sauce benötigte ich eine 500 g – Packung vegane Lasagneplatten. Die letzte Schicht war Béchamelsauce. Darüber verteilte ich 400 g veganen Streukäse.

Die Lasagne buk ich bei 220°C auf mittlerer Schiene etwa eine dreiviertel Stunde lang im Ofen, bis der Käse schön goldbraun geworden war und „pflanzte“ Basilikumblätter darauf.

Rosenkohlcremesuppe mit karamellisierten Walnüssen

Seit Bruce im Vorstand mitarbeitet, komme ich kaum noch an seinem Garten vorbei, ohne dass er mir Aufträge aufhalst. Mal soll ich einen Brief bei einem Gartenfreund, der in meiner Nachbarschaft wohnt, einwerfen, mal braucht Bruce Hilfestellung beim Anbringen von Zetteln im Informationskasten. Auch heute ruft er: „Karo, warte mal bitte einen Augenblick.“

Ich stelle meinen Spankorb mit Rosenkohl ab und Bruce eilt mit langen Schritten auf mich zu. Er fragt: „Hast du morgen Nachmittag schon was vor?“
Was für eine Frage? Natürlich habe ich was vor. Ich habe immer irgendwas vor. Ich schüttele meinen Kopf.

„Fein“, strahlt Bruce, „dann kannst du doch bestimmt den Baumsachverständigen zu unserem Walnussbaum am Vereinsheim führen?“

„Was ist dem mit dem Baum?“

„Da sind ziemlich zentral einige große Pilze gewachsen und ich befürchte, dass die darüber befindlichen Äste abbrechen.“

„Das wäre aber schade.“ Ich ziehe einen Flunsch.

„Viel schlimmer wäre, wenn wir deshalb den ganzen Baum fällen müssen.“ Bruce reicht mir einen Beutel mit Walnüssen. „Hier – es sind vielleicht die letzten.“

„Wann kommt der Baumsachverständige?“ frage ich.

„Gegen vierzehn Uhr. Wenn du nicht dagegen hast, sende ich ihm deine Telefonnummer.“

„Ok!“ Ich lege die Walnüsse zu meinen Kohlröschen.

Zu Hause putze ich ein halbes Kilo Rosenkohl und halbiere die Röschen. Dann schäle und würfele ich dreihundert Gramm mehlig kochende Kartoffeln. Außerdem schäle und hacke ich zwei Schalotten und schwitze sie in heißem Rapsöl an. Später gebe ich den Rosenkohl und die Kartoffeln zu den Schalotten und gieße 500 Milliliter Gemüsebrühe an. Nach zirka zwanzig Minuten ist das Gemüse gar und ich püriere es mit dem Zauberstab. Während des Pürierens gieße ich 350 Milliliter Sojamilch dazu. Drei kräftige Prisen Muskatnuss und zwei Esslöffel Weißweinessig werden untergerührt, die Suppe kurz aufkochen, dann die Hitze reduzieren und ungefähr vier Minuten sachte köcheln lassen.

Währenddessen erhitze ich einen Esslöffel Rapsöl in einem kleinen Tiegel. Darin bringe ich zwei Esslöffel Rohrohrzucker zum Schmelzen. Jeweils einen Esslöffel Wasser und Balsamicoessig rühre ich hinein, bis der Zucker anfängt zu karamellisieren. Dann gebe ich 80 Gramm grob gehackte Walnusskerne dazu und würze mit Salz und Pfeffer.

Dann nehme ich die Suppe vom Herd, rühre fünf Esslöffel Sojasahne hinein, schmecke mit Salz und Pfeffer ab und streue vier Esslöffel gehackte, krause Petersilie darüber.

Es geht nichts über frische Walnusskerne. Jedes Jahr gibt es ein wunderbares Schauspiel, wenn die Nüsse reif sind und die Gartenfreunde schon in aller Frühe im Laub unterm Baum herumsuchen. Jeder tut so, als sei er rein zufällig vorbei gekommen und habe just im Augenblick die Idee gehabt ein paar Nüsse aufzuklauben. Manchmal jedoch fallen die Masken und der Futterneid tritt offen zu Tage. Bruce kam einmal dazu, wie zwei Kleingärtner mit Holzstangen, die sie zum Abschlagen von Nüssen verwendet hatten, aufeinander losgingen. Er hatte damals Mühe die Streithähne zu trennen.

Kürbissuppe mit Popel

Meine Gartennachbarinnen Frau B. und Rapunzel sitzen mit einigen anderen Gärtnerinnen am Vereinsheim und bespaßen Kinder mit Herbstbasteleien. Aus Pappzylindern von verbrauchten Toilettenpapierrollen entstehen Fledermäuse. Walnussschalen und Kiefernzapfen werden zu Spinnen umgestaltet. Die Kinder sind kostümiert.

„Na“, frage ich im Vorübergehen, „wollt ihr einen Kürbis haben?“

„Ich weiß wo es lang geht.“ Paul stürmt, gefolgt von den anderen Kindern, in Richtung meines Gartens davon. Frau B. reibt sich mit einem Küchentuch die Leimreste von den Händen. Wir gehen der Rasselbande nach.

Wie nicht anders zu erwarten, hockt hinter jeder Hecke ein Pirat, ein Vampir oder ein Gespenst, um mit lautem „BUH“ hervorzuspringen, wenn wir uns nähern.

In meinem Garten stehen die Kinder ratlos am Kompost. „Und wo ist der Kürbis?“, fragt Paul.

„Der hier gefällt euch wohl nicht?“ Ich klopfe auf einen zirka sieben Kilogramm schweren, graugrünen Kürbis der Sorte „Sweet Grey“.

„Der ist ja gar nicht orange“, moniert Paul.

„Das ist doch gar kein Kürbis“, ergänzt Moritz und schließt seine Expertise mit den Worten: „Das ist ein Popel.“

„Ihhihihi, ein Popel“, kreischen die Kinder.

Ich wuchte den Kürbis auf meinen Bollerwagen und wir ziehen zurück zum Vereinsheim.

Schnell stellen die Kinder fest, dass der „Popel“ innen orange ist. Sie helfen beim Aushöhlen. Ich bereite unterdessen das Kochfeuer vor.

Schnell werden 12 Kartoffeln geschält und 12 Äpfel gewaschen und die Kerngehäuse entfernt. Die Äpfel und Kartoffeln in kleine Stücke schneiden und zusammen mit drei Kilogramm Kürbisfleischwürfeln und sechs Lorbeerblättern in drei Liter Gemüsebrühe für 20 Minuten kochen.
Währenddessen schäle und hacke ich 120 Gramm frischen Ingwer, schneide drei Chilischoten in feine Ringe vermenge alles mit dem Saft von drei Zitronen und drei Orangen. Wenn das Gemüse gar ist, werde ich diese Zutaten zusammen mit 600 Millilitern Kokosmilch in den Kessel gießen, mit Currypulver, Salz und Pfeffer würzen und das Ganze pürieren. Ein solcher Kessel reicht für ungefähr 20 Portionen.

Aber noch ist es nicht so weit. Die Kinder haben unter Aufsicht von Rapunzel den Kürbis mit einer Fratze versehen und stellen nun vorsichtig Teelichter hinein.

Pirat Paul hat sich in der Kiste mit den Sitzauflagen versteckt. Immer wenn sich ein Ahnungsloser der Kiste nähert reißt er unter furchteinflößendem Geschrei den Deckel auf.

Ein zirka dreijähriges Gespenst sorgt für Erheiterung, weil es immer wieder auf sein Bettlaken tritt und hinfällt. Die Mutter tröstet ihren Gruselzögling, der wegen der allgemeinen Schadenfreude in Tränen ausgebrochen war.

Als die Suppe fertig ist, fülle ich sie in essbare Schalen.

Es wird ruhiger am Festplatz. Der Kürbis grinst in die Dunkelheit. Wir rücken näher ans Feuer.

„Habt ihr meinen Seeräuber gesehen?“ fragt eine Stimme aus dem Halbdunkel.
Wir schauen uns um.

„Ich hab ihn“, meldet Rapunzel. Sie hält den Deckel der Sitzkissenkiste geöffnet. Zwischen zwei Bierbankauflegern liegt selig schlummernd Paul.

Papas Arrugadas con Mojo

„Och, nicht die schon wieder.“ Meine Gartennachbarin Frau B. zieht mich am Arm hinter den alten Holunderbusch an ihrer Laube. Mit eingezogenen Köpfen spähen wir hinüber zum Zaun. Auf dem Gartenweg schlendern der kleine Paul und sein Freund Moritz. Die Kinder lugen zwischen den Latten hindurch. Schon haben sie uns entdeckt.

„Können wir Käfer sammeln?“ rufen sie uns zu.

„Mist“, murmelt Frau B. und reckt sich. Wir treten aus der Deckung.

„Na – ihr -zwei“, sagt Frau B. betont langsam und streicht sich mit beiden Händen über ihre Schürze.

„Können wir Käfer sammeln?“, wiederholt Paul seine Frage.

Vor einigen Wochen hatte Frau B. es für eine gute Idee gehalten, die Kinder zum Absammeln von Kartoffelkäfern zu rufen. Die wenigen Käfer waren schnell in alten Speiseeisverpackungen verstaut. Doch die Kinder wollten mehr. Fortan sammelten sie alles, was nicht schnell genug davonflog oder wegkrabbelte.

„Hier – äh – gibt es keine Käfer“ lügt Frau B. und scharrt mit dem Fuß ein paar Feuerwanzen beiseite.

Die Kinder bleiben skeptisch. „Wir könnten ja nochmal nachschauen.“ ruft Moritz.

„In die Ecke Besen Besen“, wispere ich. Frau B. funkelt mich an und zischt: „Lästere nur. Ich schicke die gleich zu dir.“ Doch dann huscht ein spitzbübisches Grinsen über ihr Gesicht.

„Aber mal was anderes“, ruft sie den Kindern zu, „wollt ihr mir beim Kartoffeln ernten helfen?“

„Jaaa!“

Frau B. greift zur Grabegabel. Sie zieht das Kartoffelkraut, Paul und Moritz klauben die Erdäpfel aus der Furche.

„Ach hier seid ihr!“ Pauls Mutter ist ihren Schützlingen gefolgt.

„Wie machen sie das nur“, fragt sie Frau B.“, bei uns krieg ich die kaum ins Beet.“

„Och“, erwidert Frau B. bescheiden, „das hat sich so ergeben.“

„Ihr könnt dann gleich bei uns weitermachen“, sagt Pauls Mutter zu den eifrigen Erntehelfern und fügt für Frau B. und mich erklärend hinzu: „Wir waren nämlich im Urlaub.“

„So? Urlaub?„, schnauft meine Gartennachbarin, „Wo denn?“

„Auf Teneriffa!“ schlaumeiert Paul.

„Soll ich uns Papas arrugadas machen?“, frage ich.

„Papa was?“ albert Paul.

„Diese salzigen Kartoffeln, die wir im Urlaub gegessen haben“, erklärt Pauls Mutter.

„Au ja – mit der scharfen Soße die?“

„Mit scharfer Soße – kommt sofort“, erwidere ich.

Zunächst entfache ich das Feuer in der Schale und hänge einen Kessel mit vier Litern Wasser darüber. Je Liter Wasser streue ich 300 g Speisesalz hinein. In das kochende Wasser gebe ich vier Kilogramm kleine Kartoffeln, die wir gründlich gewaschen haben. Nach zirka 20 Minuten sind die Erdäpfel gar. Ich fische sie mit einer Lochkelle heraus und gebe sie in eine Schüssel. Während des Abkühlens bildet sich eine Salzkruste. Für die scharfe Soße (Mojo) schäle ich 100 g Knoblauch, putze zwei rote Paprikaschoten und vier scharfe Peperoni und püriere alles mit vier getrocknete Tomaten, zwei Teelöffel Kreuzkümmel, zwei Teelöffel süßes Paprikapulver, zwei Teelöffel Salz in einem Mixer. Zirka 400 bis 500 Milliliter Olivenöl und 150 Milliliter Essig gebe ich vorsichtig zu, damit die Soße nicht zu dünn wird.

Chefsalat light

„Du machst was?“ Meine Gartennachbarin Frau B. verzieht ihr Gesicht. Halb bewundernd halb angewidert ruht ihr Blick auf Bruce, der sich am Kopf kratzt, auf Pierre zeigt und sagt:
„Der da hat mich überredet.“

„Einer muss die Arbeit machen“, grinst Pierre, „und der Chef ist schon ganz schön alt.“

„Wer ist schon ganz schön alt?“ fragt Rapunzel, die sich eben zu uns gesellt hat.

„Unser Vorstandsvorsitzender“, schnaubt Frau B. und fügt mit einer Kopfbewegung Richtung Bruce hinzu: „Und der da wird unser neuer Vorsitzender.“

„Stellvertretender Vorsitzender“, korrigiert Pierre, „erstmal wird er Stellvertreter.“ Pierre klopft Bruce auf die Schulter.

„Vielleicht werde ich ja nicht gewählt“, sinniert Bruce.

„Nicht gewählt, nicht gewählt“, äfft Frau B. Bruce nach. „Die werden dich schon wählen, weil sie froh sind, dass sie es nicht selber machen müssen. Das ist doch immer dasselbe. Erst will es keiner machen und kaum findet sich einer bereit, hacken alle auf ihm herum.“

„Ihr hackt doch nicht auf mir herum!“ Bruce wirkt entschlossen. Ich höre ihn schon zu dem streitsüchtigen Alten im letzten Garten unseres Weges sagen: „Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke.“

„Wir nicht“, beschwichtigt Frau B. „aber hier gibt es ja noch zweihundert andere Gärtner.“

Pierre, Rapunzel und ich nicken.

„Aaah, unser neuer Vorsitzender“, ruft Kojak schon von weitem. Kojak ist schon seit ein paar Jahren stellvertretender Vorsitzender und hat offenbar keine Ambitionen, selbst Vorsitzender zu werden.

„Stellvertretender Vorsitzender.“ antworten Rapunzel, Pierre und Bruce im Chor.

„Weiß ich doch“, sagt Kojak.

„Wenn er gewählt wird“, fügt Frau B. mit ernster Miene hinzu.

„Wird er schon.“ Kojak winkt ab. „Da kann er dann gleich mal, dem da hinten“, Kojak deutet auf den verwilderten Garten am Ende unseres Weges, „sagen, dass wir hier Obst und Gemüse anbauen und nicht Schuppen und Koniferen.“

Wir schmunzeln.

„Da mache ich euch zur Feier des Tages einen schönen Chefsalat.“ verkünde ich.

„Aber braucht es dazu nicht Eier und Schinken?“, fragt Rapunzel.

„Wenn wir Eier hätten, könnten wir Eier mit Schinken machen, wenn wir Schinken hätten“, lamentiert Frau B. und verdreht ihre Augen.

„Keine Sorge, ich kriege auch ohne Eier und Schinken einen Chefsalat hin“, lache ich in die Runde.

Für acht Portionen zerteile ich zwei Köpfe Eisbergsalat in mundgerechte Stücke. Dazu gebe ich zwei Salatgurken, acht Tomaten, acht getrocknete Tomaten und zwei Avocado, die ich zuvor in Würfel geschnitten habe. Aus 250 g Räuchertofu schneide ich feine Streifen und hebe sie unter das Gemüse. Zu guter Letzt rühre ich aus 200 g Hummus, gehackter Petersilie, Pfeffer, Salz und Olivenöl ein dickflüssiges Dressing. Noch einmal hebe ich alles mit dem Salatbesteck um, streue einige Oliven darüber, nehme die Schüssel und geselle mich wieder zu den anderen.

„Ich nenne es einfach Chefsalat light“, sage ich während ich Portionen in kleinen Schüsseln austeile.

Frau B. reicht den Brotkorb herum und fügt hinzu: „Kunststück, es sind ja nur die stellvertretenden Chefs da.“