Buchteln mit Ölweidenbeerenmarmelade

Auf dem Weg vor dem Garten meiner Tochter Jasmin stehen meine Gartennachbarin Frau B., deren Mann Hans-Georg und unser Gartenfachberater Pierre. Ich geselle mich dazu. Auf der anderen Seite des Zaunes sind meine Tochter und ihr Freund mit dem Rückschnitt von Sträuchern beschäftigt.

Frau B fragt: „Was sind das für Sträucher?“

Mein zukünftiger Schwiegersohn ergreift die Chance und hält einen kleinen Vortrag.

„Das sind Ölweiden. Sie gehören zu den Pioniergehölzen und trotzen nicht nur Hitze, Trockenheit und Wind. Sie gedeihen auch auf nährstoffarmen Böden und ernähren dabei sogar Nachbarpflanzen. Sie leben mit der Bakterien-Art Frankia alni in Symbiose. Die Bakterien helfen der Pflanze, den Stickstoff aus der Luft umzuwandeln und in den knöllchenartigen Gebilden an der Wurzel zu binden. Auf diese Weise gelingt den Ölweiden die Besiedlung stickstoffarmer Böden, auf denen sie ohne die Bakterien vermutlich keine Chance hätten.“

„Außerdem blühen die Ölweiden sehr schön und liefern Insekten damit reichlich Nahrung und für uns reifen vitaminhaltige Beeren. Diese Beeren sind je nach Ölweidensorte rot oder gelb“, ergänzt Jasmin.

„Ich seh schon.“ Frau B. zeigt auf eine dichte Traube johannisbeergroßer Früchte.

„Ein paar haben wir für die Vögel drangelassen. Die zwei Sträucher trugen über zehn Kilogramm Früchte“, erklärt Jasmin stolz.

„Macht ihr da Saft draus?“

„Saft und Marmelade,“ strahlt das Fräulein Tochter, streift ein paar Beeren ab und hält sie über den Zaun.

Wir naschen die gelben Früchte. Während Frau B. sich mit spitzen Fingern bedienen will, wurstelt sich ein junger Ohrenkneifer unter den Beeren hervor.

„Dich essen wir aber nicht mit.“ Jasmin füllt die Beeren von der einen in die andere Hand und schüttelt das Insekt dabei zu Boden.

„Schmeckt gut. Nicht zu süß, nicht zu sauer.“ Frau B. greift zur nächsten Beere.

„Ich habe auch Buchteln mit Ölweidenbeerenmarmelade mit.“ Jasmin läuft zum Gartenhaus und kehrt wenig später mit einer Papiertüte zurück. Für die Buchteln hatte mein Fräulein Tochter 30 Gramm frische Hefe in 250 Milliliter lauwarmer Hafermilch aufgelöst und mit 500 Gramm Dinkelmehl, 70 Gramm Puderzucker und zwei Prisen Salz zu einem geschmeidigen Hefeteig verknetet und diesen zugedeckt an einem warmen Ort eine Stunde gehen lassen. Dann teilte sie den Hefeteig in sechs gleichmäßige Stücke auf. Die Teigstücke füllte sie Marmelade und formte sie rund. Dann gab sie die Buchteln mit der Verschlussseite nach unten in eine mit zerlassener Margarine bestrichenen Form und bepinselte auch die Oberseite mit der zerlassenen Margarine. Dann lies sie die Teigstücken in der Form zugedeckt an einem warmen Ort abermals ca. 20 Minuten gehen.

Im auf 170 °C Ober- und Unterhitze vorheizen Backofen auf der mittleren Schiene wurde das Ganze in ca. 25 Minuten fertig gebacken und mit Puderzucker bestäubt.

Für die Marmelade kochte sie die Ölweidenbeeren in wenig Wasser und strich den entstehenden Fruchtbrei durch ein Sieb. Dieser Brei wurde nochmals mit Gelierzucker, Zimt, Ingwer und Orangenöl aufgekocht und in Gläser gefüllt.

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Auberginenbällchen

Meine Gartennachbarinnen Rapunzel und Frau B. hocken mit meinem Fräulein Tochter Jasmin und mir in meinem Garten zusammen und planen das nächste Gartenfest.

„Wollen wir wieder Suppen machen?“ Jasmin sieht fragend in die Runde.

„Da müssten wir Pfand auf unsere Suppenschalen nehmen oder Einweggeschirr benutzen. Die Brotschalen, die man mitessen konnte, gibt es leider nicht mehr,“ berichtet Rapunzel.

„Was?“ Das Fräulein Tochter ist empört. „Da gibt es ein umweltfreundliches Produkt und dann wird das einfach nicht mehr hergestellt?“

„Ja,“ nickt Rapunzel betrübt, „die hatten nur eine kleine Referenzproduktion laufen, weil sie eigentlich ihre weltweit einmalige Backtechnologie verkaufen wollten, mit der sie die knusprigen, essbaren Schalen in bio-veganer Qualität mit brotähnlichem Geschmack herstellten.“

„Du hörst dich an wie die Werbemanagerin von denen“, brummt Frau B. und angelt sich eines der Kochbücher, die vor uns auf dem Gartentisch liegen.

Jasmin springt auf und empört sich. „Das kannst du dir nicht ausdenken. Die waren Pioniere der Null-Müll-Bewegung und ihrer Zeit meilenweit voraus. Und dann scheitert sowas Großartiges an, ähm ja an was eigentlich?“

„Die haben einfach keine mutigen Partner für die Großproduktion der notwendigen Backmaschinen gefunden. Man könnte sagen, sie sind an den Bedenkenträgern in der kapitalistischen Marktwirtschaft gescheitert.“ Rapunzel zwirbelt sich ihre Haarspitzen.

„Scheißmarktwirtschaft,“ schreit Jasmin.

„Nana,“ Frau B. sieht von ihrem Kochbuch auf, „ist schon wieder Revolution?“

„Nun beruhige dich mal wieder,“ mische ich mich ein. „Dann müssen wir uns was anderes einfallen lassen. Das haben wir doch früher auch immer gemacht.“

„Genau,“ grinst Frau B., „es geht immer irgendwie weiter! Für jede Tür, die hinter dir ins Schloss fällt, öffnet sich vor dir eine Kellerluke.“

„Wir könnten Fingerfood anbieten,“ überlege ich weiter.

„Zum Beispiel Auberginenbällchen,“ Frau B. liest vor: „Vier mittelgroße Auberginen waschen, würfeln, mit Salz bestreuen und eine Weile stehen lassen. Vier Frühlingszwiebel in Ringe schneiden, vier Knoblauchzehen schälen und hacken. Je vier Esslöffel Leinsamen und Wasser vermischen. In einer Pfanne vier Esslöffel Olivenöl erhitzen, die Auberginenwürfel fünf Minuten braten und dann 100 Milliliter Wasser auffüllen und das Gemüse fertig garen.

Das Leinsamengemisch mit Frühlingszwiebeln, Knoblauch, abgetropften Auberginen, 300 Gramm Semmelbrösel und zwei Esslöffeln Sojasoße vermengen und Bällchen formen. Die Bällchen in weiteren sechs Esslöffeln Olivenöl ausbacken.“

„Das hört sich gut an, die können wir dann im Fladenbrot anbieten, mit Sojajoghurt und gehackten Chilis,“ schlage ich vor.

„Oder mit einer schönen, fruchtigen Tomaten-Paprika-Pflaumen-Soße,“ springt Jasmin an.

„Da brate ich acht große, geschälte, gewürfelte Tomaten in Olivenöl, bis der Pfanneninhalt eindickt und schneide einen Blockpaprika und sechs Zwetschen in kleine Stücke, koche die kurz mit, gebe einen Esslöffel Pektin dazu, nochmal aufkochen – fertig.

Rhabarbercurry mit grünem Spargel

„Soll das Kunst sein?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beschattet ihre Augen mit der Hand und betrachtet skeptisch den Ostgiebel unseres Vereinsheims, an dem ein Baugerüst steht. Ihr Mann Hans-Georg zuckt mit den Schultern. Wenig unterhalb des Dachfirstes sind vier gelbe Knubbel an der Wand. In Höhe der Traufe ragt ein grauer Zylinder von der Größe eines Schnellkochtopfes aus der Fassade.

Ich bleibe stehen und lege ebenfalls meinen Kopf in den Nacken.

„Was guckt ihr?“ Rapunzel und Bruce gesellen sich zu uns.

„Wir fragen uns, was wir von der Fassadenkunst halten sollen.“ erklärt Hans Georg.

„Welche Kunst?“ Rapunzel hebt ratlos die Arme.

„Genau, welche Kunst?“ Lacht Bruce. „Wenn ihr die gelben Dinger meint, dass sind die Keramikisolatoren von der alten elektrischen Oberleitung, die die Maler abgeklebt haben.“

„Wirklich? Die sind mir noch nie aufgefallen.“ Meine Gartennachbarin Frau B. staunt. „Und was ist mit dem Topf weiter unten?“

„Das ist die Außenseite der Raumentlüftung, auch abgeklebt.“

„Schön, dass ich Euch alle hier treffe“, platzt mein Fräulein Tochter in die Runde, „Ich brauche noch Rhabarber, hat jemand welchen für mich?“

„Rhabarber kriegst du von uns“, sagt Hans-Georg großväterlich. „was hast du denn damit vor?“

„Ich will ein Rhabarbercurry machen.“  

„Das klingt interessant, verräts du das Rezept?“ Rapunzel kramt in ihrem Rucksack nach Zettel und Stift.

„Für vier Portionen nehme ich fünf bis sechs Stangen möglichst rote Stangen Rhabarber, weil die nicht so sauer sind.“

„Fünf bis sechs große oder kleine Stangen?“

„Es sollten so um die 450 Gramm sein, geschält und in ein bis zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. Dazu brauchst du 120 Gramm Zwiebelwürfel, 350 Gramm grob gewürfelte Süßkartoffel, 150 Gramm in kleine Stücke geschnittenen grünem Spargel und 100 Gramm abgespülte rote Linsen. Aber zunächst werden je ein Esslöffel Senfkörner, gemahlener Kreuzkümmel, ein Teelöffel gemahlene Kurkuma, je eine Teelöffelspitze Anissamen und Cayenne-Pfeffer sowie fünf Kardamomkapseln in einem Topf mit etwas Rapsöl angeröstet. Dann zwei Esslöffel Sojasoße und die Zwiebelwürfel dazugeben. Wenn die Zwiebel glasig gedünstet ist, werden je vier Teelöffel fein gewürfelten Knoblauch und Ingwer hinzugefügt. Immer wieder rühren, damit nichts anbrennt eventuell etwas Wasser angießen. Dann Rhabarber, Süßkartoffel, Spargel und rote Linsen dazugeben, mit 750 Milliliter Wasser auffüllen und eine halbe Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss mit ein bis zwei Esslöffeln Rohrohrzucker und ein paar Prisen Salz abschmecken und mit Reis servieren.“

Rapunzel beendet ihre Notizen und fragt: „Hat jemand noch grünen Spargel für mich?“

„Da sollte sich auch noch welcher finden“, sagt Hans-Georg.

„Anstelle von Reis müsste doch auch Hirse gehen?“

„Ja, auch Quinoa oder Bulgur.“

„Na mal sehen, was der Vorratsschrank so hergibt.“

Unterdessen betrachtet das Fräulein Tochter die Baustelle am Vereinsheim. „Was sind das eigentlich für gelbe Dinger da oben?“

Wir sehen uns an und rufen gemeinsam: „Das ist Kunst.“

„Soll das Kunst sein?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beschattet ihre Augen mit der Hand und betrachtet skeptisch den Ostgiebel unseres Vereinsheims, an dem ein Baugerüst steht. Ihr Mann Hans-Georg zuckt mit den Schultern. Wenig unterhalb des Dachfirstes sind vier gelbe Knubbel an der Wand. In Höhe der Traufe ragt ein grauer Zylinder von der Größe eines Schnellkochtopfes aus der Fassade.

Ich bleibe stehen und lege ebenfalls meinen Kopf in den Nacken.

„Was guckt ihr?“ Rapunzel und Bruce gesellen sich zu uns.

„Wir fragen uns, was wir von der Fassadenkunst halten sollen.“ erklärt Hans Georg.

„Welche Kunst?“ Rapunzel hebt ratlos die Arme.

„Genau, welche Kunst?“ Lacht Bruce. „Wenn ihr die gelben Dinger meint, dass sind die Keramikisolatoren von der alten elektrischen Oberleitung, die die Maler abgeklebt haben.“

„Wirklich? Die sind mir noch nie aufgefallen.“ Meine Gartennachbarin Frau B. staunt. „Und was ist mit dem Topf weiter unten?“

„Das ist die Außenseite der Raumentlüftung, auch abgeklebt.“

„Schön, dass ich Euch alle hier treffe“, platzt mein Fräulein Tochter in die Runde, „Ich brauche noch Rhabarber, hat jemand welchen für mich?“

„Rhabarber kriegst du von uns“, sagt Hans-Georg großväterlich. „was hast du denn damit vor?“

„Ich will ein Rhabarbercurry machen.“  

„Das klingt interessant, verräts du das Rezept?“ Rapunzel kramt in ihrem Rucksack nach Zettel und Stift.

„Für vier Portionen nehme ich fünf bis sechs Stangen möglichst rote Stangen Rhabarber, weil die nicht so sauer sind.“

„Fünf bis sechs große oder kleine Stangen?“

„Es sollten so um die 450 Gramm sein, geschält und in ein bis zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. Dazu brauchst du 120 Gramm Zwiebelwürfel, 350 Gramm grob gewürfelte Süßkartoffel, 150 Gramm in kleine Stücke geschnittenen grünem Spargel und 100 Gramm abgespülte rote Linsen. Aber zunächst werden je ein Esslöffel Senfkörner, gemahlener Kreuzkümmel, ein Teelöffel gemahlene Kurkuma, je eine Teelöffelspitze Anissamen und Cayenne-Pfeffer sowie fünf Kardamomkapseln in einem Topf mit etwas Rapsöl angeröstet. Dann zwei Esslöffel Sojasoße und die Zwiebelwürfel dazugeben. Wenn die Zwiebel glasig gedünstet ist, werden je vier Teelöffel fein gewürfelten Knoblauch und Ingwer hinzugefügt. Immer wieder rühren, damit nichts anbrennt eventuell etwas Wasser angießen. Dann Rhabarber, Süßkartoffel, Spargel und rote Linsen dazugeben, mit 750 Milliliter Wasser auffüllen und eine halbe Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss mit ein bis zwei Esslöffeln Rohrohrzucker und ein paar Prisen Salz abschmecken und mit Reis servieren.“

Rapunzel beendet ihre Notizen und fragt: „Hat jemand noch grünen Spargel für mich?“

„Da sollte sich auch noch welcher finden“, sagt Hans-Georg.

„Anstelle von Reis müsste doch auch Hirse gehen?“

„Ja, auch Quinoa oder Bulgur.“

„Na mal sehen, was der Vorratsschrank so hergibt.“

Unterdessen betrachtet das Fräulein Tochter die Baustelle am Vereinsheim. „Was sind das eigentlich für gelbe Dinger da oben?“

Wir sehen uns an und rufen gemeinsam: „Das ist Kunst.“

„Soll das Kunst sein?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beschattet ihre Augen mit der Hand und betrachtet skeptisch den Ostgiebel unseres Vereinsheims, an dem ein Baugerüst steht. Ihr Mann Hans-Georg zuckt mit den Schultern. Wenig unterhalb des Dachfirstes sind vier gelbe Knubbel an der Wand. In Höhe der Traufe ragt ein grauer Zylinder von der Größe eines Schnellkochtopfes aus der Fassade.

Ich bleibe stehen und lege ebenfalls meinen Kopf in den Nacken.

„Was guckt ihr?“ Rapunzel und Bruce gesellen sich zu uns.

„Wir fragen uns, was wir von der Fassadenkunst halten sollen.“ erklärt Hans Georg.

„Welche Kunst?“ Rapunzel hebt ratlos die Arme.

„Genau, welche Kunst?“ Lacht Bruce. „Wenn ihr die gelben Dinger meint, dass sind die Keramikisolatoren von der alten elektrischen Oberleitung, die die Maler abgeklebt haben.“

„Wirklich? Die sind mir noch nie aufgefallen.“ Meine Gartennachbarin Frau B. staunt. „Und was ist mit dem Topf weiter unten?“

„Das ist die Außenseite der Raumentlüftung, auch abgeklebt.“

„Schön, dass ich Euch alle hier treffe“, platzt mein Fräulein Tochter in die Runde, „Ich brauche noch Rhabarber, hat jemand welchen für mich?“

„Rhabarber kriegst du von uns“, sagt Hans-Georg großväterlich. „was hast du denn damit vor?“

„Ich will ein Rhabarbercurry machen.“  

„Das klingt interessant, verräts du das Rezept?“ Rapunzel kramt in ihrem Rucksack nach Zettel und Stift.

„Für vier Portionen nehme ich fünf bis sechs Stangen möglichst rote Stangen Rhabarber, weil die nicht so sauer sind.“

„Fünf bis sechs große oder kleine Stangen?“

„Es sollten so um die 450 Gramm sein, geschält und in ein bis zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. Dazu brauchst du 120 Gramm Zwiebelwürfel, 350 Gramm grob gewürfelte Süßkartoffel, 150 Gramm in kleine Stücke geschnittenen grünem Spargel und 100 Gramm abgespülte rote Linsen. Aber zunächst werden je ein Esslöffel Senfkörner, gemahlener Kreuzkümmel, ein Teelöffel gemahlene Kurkuma, je eine Teelöffelspitze Anissamen und Cayenne-Pfeffer sowie fünf Kardamomkapseln in einem Topf mit etwas Rapsöl angeröstet. Dann zwei Esslöffel Sojasoße und die Zwiebelwürfel dazugeben. Wenn die Zwiebel glasig gedünstet ist, werden je vier Teelöffel fein gewürfelten Knoblauch und Ingwer hinzugefügt. Immer wieder rühren, damit nichts anbrennt eventuell etwas Wasser angießen. Dann Rhabarber, Süßkartoffel, Spargel und rote Linsen dazugeben, mit 750 Milliliter Wasser auffüllen und eine halbe Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss mit ein bis zwei Esslöffeln Rohrohrzucker und ein paar Prisen Salz abschmecken und mit Reis servieren.“

Rapunzel beendet ihre Notizen und fragt: „Hat jemand noch grünen Spargel für mich?“

„Da sollte sich auch noch welcher finden“, sagt Hans-Georg.

„Anstelle von Reis müsste doch auch Hirse gehen?“

„Ja, auch Quinoa oder Bulgur.“

„Na mal sehen, was der Vorratsschrank so hergibt.“

Unterdessen betrachtet das Fräulein Tochter die Baustelle am Vereinsheim. „Was sind das eigentlich für gelbe Dinger da oben?“

Wir sehen uns an und rufen gemeinsam: „Das ist Kunst.“

„Soll das Kunst sein?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beschattet ihre Augen mit der Hand und betrachtet skeptisch den Ostgiebel unseres Vereinsheims, an dem ein Baugerüst steht. Ihr Mann Hans-Georg zuckt mit den Schultern. Wenig unterhalb des Dachfirstes sind vier gelbe Knubbel an der Wand. In Höhe der Traufe ragt ein grauer Zylinder von der Größe eines Schnellkochtopfes aus der Fassade.

Ich bleibe stehen und lege ebenfalls meinen Kopf in den Nacken.

„Was guckt ihr?“ Rapunzel und Bruce gesellen sich zu uns.

„Wir fragen uns, was wir von der Fassadenkunst halten sollen.“ erklärt Hans Georg.

„Welche Kunst?“ Rapunzel hebt ratlos die Arme.

„Genau, welche Kunst?“ Lacht Bruce. „Wenn ihr die gelben Dinger meint, dass sind die Keramikisolatoren von der alten elektrischen Oberleitung, die die Maler abgeklebt haben.“

„Wirklich? Die sind mir noch nie aufgefallen.“ Meine Gartennachbarin Frau B. staunt. „Und was ist mit dem Topf weiter unten?“

„Das ist die Außenseite der Raumentlüftung, auch abgeklebt.“

„Schön, dass ich Euch alle hier treffe“, platzt mein Fräulein Tochter in die Runde, „Ich brauche noch Rhabarber, hat jemand welchen für mich?“

„Rhabarber kriegst du von uns“, sagt Hans-Georg großväterlich. „was hast du denn damit vor?“

„Ich will ein Rhabarbercurry machen.“  

„Das klingt interessant, verräts du das Rezept?“ Rapunzel kramt in ihrem Rucksack nach Zettel und Stift.

„Für vier Portionen nehme ich fünf bis sechs Stangen möglichst rote Stangen Rhabarber, weil die nicht so sauer sind.“

„Fünf bis sechs große oder kleine Stangen?“

„Es sollten so um die 450 Gramm sein, geschält und in ein bis zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten. Dazu brauchst du 120 Gramm Zwiebelwürfel, 350 Gramm grob gewürfelte Süßkartoffel, 150 Gramm in kleine Stücke geschnittenen grünem Spargel und 100 Gramm abgespülte rote Linsen. Aber zunächst werden je ein Esslöffel Senfkörner, gemahlener Kreuzkümmel, ein Teelöffel gemahlene Kurkuma, je eine Teelöffelspitze Anissamen und Cayenne-Pfeffer sowie fünf Kardamomkapseln in einem Topf mit etwas Rapsöl angeröstet. Dann zwei Esslöffel Sojasoße und die Zwiebelwürfel dazugeben. Wenn die Zwiebel glasig gedünstet ist, werden je vier Teelöffel fein gewürfelten Knoblauch und Ingwer hinzugefügt. Immer wieder rühren, damit nichts anbrennt eventuell etwas Wasser angießen. Dann Rhabarber, Süßkartoffel, Spargel und rote Linsen dazugeben, mit 750 Milliliter Wasser auffüllen und eine halbe Stunde köcheln lassen.

Zum Schluss mit ein bis zwei Esslöffeln Rohrohrzucker und ein paar Prisen Salz abschmecken und mit Reis servieren.“

Rapunzel beendet ihre Notizen und fragt: „Hat jemand noch grünen Spargel für mich?“

„Da sollte sich auch noch welcher finden“, sagt Hans-Georg.

„Anstelle von Reis müsste doch auch Hirse gehen?“

„Ja, auch Quinoa oder Bulgur.“

„Na mal sehen, was der Vorratsschrank so hergibt.“

Unterdessen betrachtet das Fräulein Tochter die Baustelle am Vereinsheim. „Was sind das eigentlich für gelbe Dinger da oben?“

Wir sehen uns an und rufen gemeinsam: „Das ist Kunst.“

Kürbisburger

Neulich las ich bei einem Facebookfreund den Aufruf: „Bürger! Haltet Eure Küchentüren fest verschlossen! Bald werden Euch Gartenbesitzer wieder Kürbisse schenken wollen.“

Er erntete neben dem üblichen Kalauer von der Bowle mit den ganzen Früchten viel Widerspruch. Von: „Liebe Gartenbesitzer! Ich will Kürbisse!“ über „Her damit!“ bis: „Kann denn ein Kürbis lügen? Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Kürbisse.“

Mein Fräulein Tochter und ich verschenken zwar auch hin und wieder einen Kürbis, aber nur auf Nachfrage. Ansonsten verarbeiten wie unsere Ernte selbst.

Einen Würfel Hefe lösen wir in 300 Milliliter lauwarmem Wasser auf und kneten damit ein Gemisch aus 600 Gramm Dinkelmehl (Type 630) und zwei Teelöffeln Salz zu einem Teig, den wir 30 Minuten zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen. Danach formen wir mit bemehlten Händen 14 Portionen und backen im auf 200 °C vorgeheizten Ofen in zirka 20 Minuten Brötchen.

Während unsere Burger-Brötchen backen und abkühlen, schälen und kochen wir acht mittelgroße Kartoffeln. Auch einen Butternutkürbis wird geschält und entkernt. Dann raspele ich 600 Gramm Kürbisfleisch in eine Schüssel. Darüber werden 20 Milliliter Gemüsebrühe gegossen und sechs Esslöffel Maismehl sowie 60 Gramm Dinkelflocken gestreut. Wir rühren die zerquetschten Kartoffeln dazu und schmecken mit Muskatnuss, Pfeffer und Salz ab. Aus zwei Zwiebeln werden feine Ringe und aus vier Tomaten Scheiben geschnitten. Zwei kleine Lollo-Rosso-Salatköpfe zupfen wir vorsichtig zu einzelnen Blättern.

Die Kürbismasse formen wir zu 14 flachen Patties und braten diese bei mittlerer Hitze in etwas Öl auf beiden Seiten an.

Wir schneiden die abgekühlten Brötchen in Hälften, verteilen auf den Böden Zwiebelringe, Tomatenscheiben und Salatblätter. Darauf setzen wir die Kürbisbratlinge, geben etwas Ketchup und Steaksauce darüber und setzen die Deckel auf.

Weil diese Kürbisburger warm am besten schmecken, verpacken wir sie rasch in einer Isoliertasche und machen uns auf den Weg in unsere Gartenanlage, wo wir schon erwartet werden.

Der Vorstand und einigen Gartenfreunde und Gartenfreundinnen sitzen mit gebührendem Abstand in einem Stuhlkreis vor dem Vereinsheim um eine Feuerschale herum. Unser alter Vorsitzende, will die Amtsgeschäfte an Bruce übergeben, aber noch will niemand aus der Runde, das Amt des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von Bruce übernehmen. Just als wir eintreffen, meldet sich der Freund vom Fräulein Tochter und fragt: „Was wäre denn alles zu machen als Stellvertreter?“ Bruce brummt. „Alles.“

„Nana, nana“, mischt sich der alte Vorsitzende ein, „so schlimm ist das auch wieder nicht. Der Vorsitzende vertritt den Verein nach außen, also gegenüber Verband, Stadtverwaltung, Dienstleistungsfirmen und so weiter und der stellvertretende Vorsitzende kümmert sich um die Belange der Mitglieder, also Pachtverträge, Arbeitseinsätze, Gartenordnung und sowas alles.“

„Und sowas ALLES, sag ich doch“, knurrt Bruce.

„Ich kann‘s ja mal versuchen“, sagt mein Schwiegersohn in spe.

Ein Aufatmen geht durch die Runde, und die Kürbisburger schmecken gleich nochmal so gut.

Gegrillte Weinblätter

Mein Fräulein Tochter Jasmin und ihr Philosophiestudent haben zur Grillparty in die gemeinsame Kleingartenparzelle geladen.
Ich bereitet zunächst eine Mischung aus einem halben Teelöffel Anis, je einem Teelöffel Zimt, Galgant, Muskatblüte und Kardamomsamen, je zwei Teelöffel Kurkuma, schwarzer Pfeffer, gemahlener Ingwer, Kubebenpfeffer, geriebene Muskatnuss, zwei Esslöffel Koriandersamen, drei Esslöffel Kreuzkümmel, zwei getrockneten Chilischoten, vier Pimentkörnern, acht Nelken und zwei Gramm Safranfäden. Wer nicht alle diese Gewürze zur Hand hat, kann beim Gewürzdealer seines Vertrauens auch nach der Mischung „Ras el Hanout“ fragen.
Von meinem Traubenwein Solaris hatte ich 30 große Weinblätter gepflückt und die Stiele entfernt.
Aus drei Esslöffeln Salz und anderthalb Litern Wasser koche ich eine Lake, füge einen Esslöffel Zucker und den Saft einer halben Zitrone hinzu, lege die gewaschenen Weinblätter in eine Glasschüssel und übergieße sie mit dem heißen Sud und stelle die Schüssel beiseite.
Dann koche ich 150 Gramm Quinoa mit einem Teelöffel Salz in 300 Milliliter Wasser.
Ich schäle eine mittelgroße Zwiebel, schneide feine Würfel und dünste diese in wenig Olivenöl bei mittlerer Hitze glasig. Dann hacke ich eine Tomate, zwei Knoblauchzehen und zwei Esslöffel Rosinen grob und gebe sie zur Zwiebel in die Pfanne. Ich schmecke mit zwei Teelöffel meiner Gewürzmischung und Salz ab, ziehe die Pfanne vom Herd, füge eine Hand voll gehackte, glatte Petersilie hinzu und verrühre alles mit dem gegarten Quinoa.
Dann fische ich die Weinblätter aus dem Sud und tupfe sie trocken.
Nun gebe ich auf jedes Weinblatt ein bis zwei Esslöffel von der Füllung, schlage die kurzen Seiten nach innen und rolle das Ganze auf und bepinsele die Rollen mit Olivenöl.
Als Dip verrühre ich 200 Gramm veganen Joghurt mit drei Esslöffel Tahin, je einem Esslöffel Zitronensaft und Olivenöl und einem Teelöffel Salz.
So gerüstet mache ich mich auf den Weg.
Vor der Parzelle meiner Tochter lungert Bruce herum.
„Du traust dich wohl nicht rein?“, frage ich.
„Die grillen doch nur Pflanzen“, nuschelt Bruce und äugt misstrauisch über den Zaun.
„Ja und?“
„Nein, ich mach nur Spaß. Ich warte nur noch auf Rapunzel und Pierre“, grinst Bruce.
„Was bringt ihr mit?“
„Rapunzel hat Babykarotten! Und ich Pilssuppe.“ Bruce stößt mit dem Fuß an einen Kasten Bier zu seinen Füßen.
„Und Pierre?“
„Zucchini, glaub ich.“
Meine Gartennachbarin Frau B. und ihr Mann Hans-Georg nähern sich.
„Ich höre die jungen Leute feiern?“ Frau B. hält eine Flasche Sekt hoch.
„Verspätete Parzelleneinweihung. Ging ja nicht eher, wegen der Seuche“, nicke ich.
„Apropos – haben wir Verluste zu beklagen?“, wendet sich Frau B. an Bruce.
Bruce Miene verfinstert sich. „Das darf ich dir gar nicht sagen, wegen Datenschutz.“
Frau B. zeigt sich unbeeindruckt. „Ich habe gehört, dass dein Vorpächter an Corona gestorben ist.“
„Kurtchen? Das war schon bei der ersten Welle im Altenheim.“
„Sonst niemand?“ Frau B. lässt nicht locker.
„Es gab schon einige Infektionen. Aber es sind alle wieder genesen, soweit ich weiß.“
„Na wir sind jedenfalls geimpft“, triumphiert Frau B. und schreitet Richtung Grill.

Spinat-Rucola-Rührtofu-Wrap

„Ach ist das schön grün“, quäkt es aus meinem Smartphone.
„Bei mir auch.“
„Bei mir auch.“
„Bei mir – upps Entschuldigung, das war keine Absicht“, höre ich mein Fräulein Tochter. Das satte Blattgrün schwindet kurz von meinem Display. Ich sehe Jasmins Handfläche und höre sie sagen: „Ich habe nämlich hier“, sie schwenkt die Kamera zu einem kleinen Holzgestell auf ihrer Küchenarbeitsfläche, „eine Staffelei für mein Telefon gebastelt, die offenbar nicht stabil genug ist. Ihr solltet eigentlich mich und die Arbeitsplatte sehen und nicht den Inhalt der Spinatschüssel.“
Mein Fräulein Tochter hatte vor ein paar Tagen angeboten, via Konferenz-App mit uns gemeinsam zu kochen. Dazu stellte sie die Anmeldedaten und die Zutatenliste auf unsere Vereinswebseite und nun waren außer mir und meiner Tochter auch Rapunzel, meine Gartennachbarin Frau B. und zwei weitere Gärtnerinnen angemeldet.
Jede von uns hatte bereits vor unserer Konferenz 125 Milliliter lauwarmes Wasser, einen Esslöffel Olivenöl und je einen Teelöffel Zucker, Trockenhefe und Salz gemischt und vorsichtig 250 Gramm Mehl (Type 405) dazu gerührt, den Teig kurz geknetet, eine Stunde zugedeckt ruhen gelassen, dann dünn ausgerollt und in einer großen, beschichteten Pfanne ohne Fett zu Fladen ausgebacken. Die Fladen sind fertig, wenn auf beiden Seiten leichte hellbraune Flecken entstanden sind und werden in der Backröhre warm gehalten.
Nun schälen wir je eine kleine Zwiebel und eine Knoblauchzehe. „Die Zwiebel in feine Würfel schneiden und mit zwei Teelöffeln Margarine anrösten. Dazu 120 Gramm frischen Spinat leicht zusammenfallen lassen, den gepressten Knoblauch zugeben und mit 1 Esslöffel Hafersahne andicken lassen“, ordnet das Fräulein Tochter an.
Eine weitere Zwiebel wird geschält und gewürfelt. Dann eine große Tomate und eine halbe Blockpaprika waschen, putzen und hacken. „Jetzt müsst ihr 3 Esslöffel Rapsöl stark erhitzen und 250 Gramm mit einer Gabel zerdrückten Tofu darin goldbraun anrösten“, höre ich das Fräulein Tochter, die immer die nebenbei Zutaten in die Kamera hält. „Nun geben wir den gehackten Paprika, einen Teelöffel Kurkuma und zwei Teelöffel Currypulver dazu, braten kurz weiter, löschen mit zwei Esslöffel Sojasoße ab, fügen die Tomatenwürfel und 2 Esslöffel Hafersahne hinzu und schmecken mit Pfeffer und Kala-Namak-Salz ab. Einkochen lassen dann runter vom Feuer, zwei Esslöffel Schnittlauchröllchen unterrühren und warm stellen. Wenn ihr das habt, werden 50 Gramm Rucola gewaschen und trocken geschleudert. Danach auf den Fladen Spinat verstreichen, in der Mitte Rührtofu verteilen und etwas Rucola darauf legen, die Fladen links, rechts und unten umklappen, leicht andrücken und aufrollen. Die Teigrolle mit frischem Rucola anrichten, guten Appetit.“
„Ich denke, du magst gar keinen Tofu“, motzt Frau B. aus dem Off und schwenkt anklagend ihre Kamera auf ihren Gatten, der den Rührtofu aus der Pfanne löffelt. „Schmeckt wie Rührei“, kommentiert dieser und hält anerkennend den abgeschleckten Löffel hoch.

Rhabarberkuchen und Kartoffelchip

Eines meiner Lieblingsgemüse im Frühjahr ist der Rhabarber.
Ich entferne die Blätter und ziehe die Fasern entlang der Stange ab. Wenn ich ein halbes Kilogramm Rhabarberstangen beisammen habe, schneide ich zirka einen Zentimeter lange Stücke, streue 125 Gramm Rohrohrzucker zum Saft ziehen darüber und stelle die Schüssel beiseite.
Aus einem halben Kilogramm Mehl und einer Packung Trockenhefe knete ich mit 50 Gramm Rohrohrzucker, 80 Gramm Margarine, 125 Gramm Hafermilch und einer Prise Salz einen geschmeidigen Teig, der dann abgedeckt an einem warmen Ort auf die doppelte Größe gehen kann.
Den durch das Einzuckern gewonnenen Rhabarbersaft fülle ich mit Hafermilch auf einen halben Liter auf. Von dem Gemisch nehme ich fünf Esslöffel ab und rühre damit ein Päckchen Vanillepuddingpulver und 40 Gramm Zucker an. Die restliche Saft-Hafermilchmischung koche ich auf, nehme den Topf von der Platte, rühre das Puddingpulvergemisch unter und koche das Ganze noch einmal kurz auf. Dann hebe ich die Rhabarberstückchen unter.
Nun knete ich nur noch schnell 100 Gramm Rohrohrzucker, 150 Gramm Margarine und 200 Gramm gemahlene Haselnüsse für die Streusel und würze mit einer kräftigen Prise Zimtpulver und einer Messerspitze Salz.
Nun drücke ich den Hefeteig auf ein gefettetes Backblech, verteile das Rhabarber-Pudding-Gemisch darauf und darüber krümele ich die Streusel. Zum Schluss gebe ich das Blech auf die mittlere Schiene bei 180°C Ober- und Unterhitze für zirka eine halbe Stunde in den Backofen.
Ich packe eine Thermoskanne Kaffee und den Rhabarberkuchen ein und mache mich auf den Weg in die Kleingartenanlage. Bin gespannt wie weit mein Fräulein Tochter und ihr Freund mit ihrer Parzelle gekommen sind.
Doch erstmal gehe ich in meinen eigenen Garten. Meine Gartennachbarin Frau B. und ihr Mann Hans-Georg sind mit der Frühjahrsbestellung beschäftigt. Genauer, Hans-Georg bereitet im Hintergrund Beete vor und Frau B. kommt zu mir herüber, als sie mich meine Gartenpforte öffnen sieht.
„Na?“, fragt sie mit herausfordernder Geste, „Was sagst du zu meinem Elitegärtner?“
„Du meinst, weil er dort alles so schön auf Kante harkt? Sozusagen Saatbeet deluxe?“
„Nee“, prustet Frau B. los, „weil er alle elf Minuten eine Kartoffel aus dem vergangenen Jahr findet.“
„Alle elf Minuten? War das nicht die andere Truppe? Nicht Elitegärtner sondern Par- ähm Gärtnership?“
„Dann schon besser Kartoffelchip, hähähä.“
„Lacht ihr über mich?“ Hans-Georg hat seine Harke weggestellt und kommt zu uns herüber.
„Nöö“, wimmeln wir ab.
Ich hebe meinen Picknickkorb hoch. „Schau, ich habe hier Rhabarberkuchen und du weißt doch, sauer macht lustig.“
„Außerdem hast du doch mich.“ Frau B. tätschelt ihrem Gatten beruhigend den Hals.
Der beißt in ein Stück Kuchen und mümmelt: „Ich versteh Bahnhof. So sauer ist der doch gar nicht.“
„Ich hätte da hinten auch noch Rhabarber, brauchst du noch welchen?“, bietet Frau B. an.
Bevor ich abwehren kann, macht sich Hans-Georg auf den Weg. „Ich hol schnell welchen.“
Frau B. lacht und zwinkert mir zu.

Pak Choi-Karottenpfanne mit Teriyaki-Soße

Auf dem Weg zwischen meinem Garten und der Parzelle unseres stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Holger, den alle nur Bruce nennen, weil er dem jungen Bruce Willis ähnlich sieht, steht seit ein paar Wochen eine Gartenbank.
Seitdem es die Kontaktbeschränkungen gibt, blieben immer häufiger Gärtnerinnen und Gärtner auf dem Weg stehen, um ein Schwätzchen mit Bruce oder mir oder Bruce und mir zu halten. Da haben wir es ein wenig bequemer gestaltet und auch Klappstühle in unseren Parzellen bereitgestellt, um den Abstand wahren zu können.
Auf der Bank sitzt heute Rapunzel. Als sie mich sieht, setzt sie schnell eine FFP2-Maske auf.
„Moin Karo“, nuschelt Rapunzel.
„Moin!“
Kaum bin ich vorbei, zieht Rapunzel ihre Maske wieder herunter.
Mein Fräulein Tochter schenkte mir ein Stimmungsset. Mund-Nasen-Bedeckungen für jede Gemütslage. Heute wäre eigentlich „Lächeln“ dran gewesen, denn schließlich habe ich einen Gartentag geplant. Aber diese Maske war in der Wäsche und so ist es doch die mit dem gefletschten Raubtiergebiss geworden.
„Uiuiui, du siehst aber gefährlich aus“, kommentiert Rapunzel. Ich ziehe meine Maske herunter und frage: „Wartest du auf mich oder auf Bruce?“
„Auf dich. Ich hab das da geerntet“, Rapunzel deutet auf ein Körbchen mit Blattgemüse, „und wollte dich fragen, was du da draus machen würdest.“
„Was hast du denn da?“
„Frisch getriebene Mangoldblättchen und Pak Choi.“
„Pak Choi, mhm was ganz Feines. Da sag noch Einer, aus China kämen nur Viren und Schutzmasken.“
„Ich würde gern irgendwas Kurzgebratenes oder Gedünstetes damit machen.“
„Dann versuch es doch mal mit Möhren, Zwiebeln, Reis und Teriyaki-Soße.“
„Teriwas?“
„Teriyaki. Das ist eine japanische Soße. Die kannst du entweder fertig kaufen oder du mischst Sojasoße, Zucker und Reiswein zu ungefähr gleichen Teilen und kochst das Ganze kurz auf und reduzierst bei schwacher Hitze, bis du die gewünschte Konsistenz hast. Manche nehmen auch Knoblauch und Ingwer dazu.“
„Ich glaube, ich schau mal nach der fertigen Soße. Reiswein und Sojasoße hab ich auch nicht vorrätig. Und das Gemüse einfach kurz anbraten?“
„Zunächst schneidest du aus zwei großen Zwiebelhälften Streifen. Dann zwei große Möhren schälen und in kleine Stifte teilen. Einen Esslöffel Rapsöl erhitzen. Darin die Karottenstifte und Zwiebelringe mit einer Prise Zucker anbraten. Von 500 Gramm Pak Choi zunächst die Blattrippen heraustrennen, in mundgerechte Stücke teilen und ebenfalls in die Pfanne geben und kurz scharf anbraten. Nun 3 Messerspitzen schwarzer Pfeffer, je zwei Messerspitzen Nelkenpulver und Fenchelpulver, je eine Messerspitze Anispulver und Zimtpulver sowie 5 Esslöffel Teriyaki-Soße und das in Streifen geschnittene Blattgemüse hinzufügen. Wenn vorhanden, gibst du noch einen Esslöffel Sesam hinein. Diese schnelle Gemüsepfanne schmeckt zu Reis oder auch Nudeln.“
„Donnerwetter, das hast du einfach so im Kopf?“
„Na ja, ich habe grad am Wochenende Chinakohl auf diese Art zubereitet. Nächste Woche hätte ich auch wieder nachschlagen müssen.“

Krautschnecken

„Im Garten gibt es immer was zu tun!“ Meine Gartennachbarin Frau B. nickt mir eifrig zu, als ich ihr erzähle, das mein Fräulein Tochter mit ihrem Philosophiestudenten jede freie Minute auf ihrer der jüngst erworbenen Parzelle verbringen.
Hans-Georg B. stellte schnaufend einen Klapptisch nahe am Zaun zum Gartenweg auf die Grenze zwischen unseren Parzellen.
„Was soll denn das werden?“, wendet Frau B. sich an ihren Gatten.
„Na ich schaffe die Voraussetzungen für ein gemeinsames Essen, ohne dass wir unsere privaten Bereiche verlassen müssen.“
„Ist er nicht clever? Hole doch bitte eine Plexiglasscheibe.“
„Soll ich?“
„Der macht das wirklich.“
„Wenn wir die Abstände einhalten, geht es auch ohne Trennscheibe“, schmunzele ich.
„Was gibt es denn bei euch?“
„Kartoffelsalat mit Würstchen. Wir üben schon mal für Weihnachten.“
„Bei mir Krautschnecken.“ Ich zeige meinen Picknickkorb. Seit die jungen Leute auf ihrer Parzelle werkeln, backe ich fast jeden Tag.
Aus 500 g Dinkelmehl (Type 630), 300 ml lauwarmen Wasser, einem Päckchen Trockenhefe, zwei Esslöffeln Rapsöl und einer kräftigen Prise Salz knetete ich einen Teig, der danach an einem warmen, zugfreien Ort eine halbe Stunde gehen durfte. In der Zwischenzeit schnitt ich einen mittelgroßen Weißkohl und zwei Zwiebeln in Streifen. In einem großen Topf erhitzte ich etwas Öl und briet die Gemüsestreifen an. Dann gab ich zwei Esslöffel Zucker hinzu, um den Topfinhalt zu karamellisieren. Danach löschte ich mit 50 ml Weißwein und 100 ml Gemüsebrühe ab und fügte einen Esslöffel Wacholderbeeren in einem Teesieb hinzu. Das Ganze ließ ich unter gelegentlichem Rühren köcheln, bis die Flüssigkeit verdampft war. Ich entfernte die Wacholderbeeren, drückte in einem Sieb die restliche Flüssigkeit aus dem Gemüse und verteilte es auf dem Teig, den ich zu zwei rechteckigen Fladen ausgerollt hatte. Dann würzte ich mit Pfeffer, Salz und frisch geriebener Muskatnuss. Dann rollte ich die Teigfladen jeweils von der kurzen Seite her auf und zerschnitt sie mit einem feuchten Messer in zirka 1,5 Zentimeter dicke Scheiben. Die Scheiben werden dann auf zwei mit Backpapier ausgelegten Blechen platziert und bei 180 Grad Celsius Umluft im vorgeheizten Ofen in zirka 20 Minuten goldbraun gebacken.
„Hunger“, ruft Jasmin.
„Auf dem Gartenweg müsst Ihr den Mundnasenschutz aufbehalten“, stellt Frau B. hämisch fest.
„Aber nicht, wenn wir einen Imbiss zu uns nehmen“, kontert Jasmin, macht einen langen Arm zum Picknickkorb, greift sich eine Krautschnecke und zieht sich mit der anderen Hand die Maske unters Kinn.
„Ihr könntet ja hereinkommen“, wende ich ein.
„Nein Mama! Es sind nur Besuche des eigenen Gartens gestattet!“
„Sagt bloß, ihr kennt die Coronaregeln?“ Hans-Georg B. hebt erstaunt die Augenbrauen.
„Also ich habe schon im Oktober den Überblick verloren. Risikogebiet, kein Risikogebiet, Mundnasenschutz, Hände waschen, Lüften.“
„Na gelüftet ist hier ja schon mal“, stellt Frau B. fest und schwenkt ihren Arm, an dessen Handgelenk ihr Mundnasenschutz baumelt, im Halbkreis.

Kartoffelkuchen

„Das ist nett von Dir, aber danke. Vielleicht hast du ja wichtigere Termine.“
Mein zukünftiger Schwiegersohn zieht seine Haare zu einem straffen Dutt.
„Ach, das macht mir überhaupt nichts aus“, wiegele ich ab.
Mein Fräulein Tochter kommt zu uns. „Was gibst?
Deine Mutter will uns beim Zaunbau helfen.
„Und einen Kuchen bringe ich auch mit“, trumpfe ich auf.
„Kuchen ist immer gut. Wir sehen uns dann morgen.“
Die jungen Leute gehen und ich mache aus 250 Gramm Weizenmehl, 160 Milliliter Wasser und 30 Gramm Frischhefe einen Vorteig, den ich eine Stunde an einem warmen Ort gehen lasse bis er sein Volumen ungefähr verdreifacht hat.
Derweil werden 250 Gramm geschälte Kartoffeln gekocht.
Dann walke ich aus dem Vorteig, weiteren 500 Gramm Weizenmehl, die mittlerweile ausgekühlten und zerdrückten Kartoffeln, 50 Gramm feingehacktes Orangeat, 200 Gramm zerlassene Margarine, 1 Gramm Zimt, eine Prise Nelkenpulver und eine Prise gemahlener Kardamom ungefähr 10 Minuten bis ein geschmeidiger Teig entstanden ist, der nicht mehr klebt. Anschließend füge ich 100 Gramm Rohrohrzucker und 10 Gramm Salz hinzu und knete nochmals durch. Zum Schluss 100 Gramm Rosinen unter den Teig heben und alles auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech ausbreiten, mit den Fingerspitzen kleine Dellen eindrücken und mit einem Gemisch aus 100 Gramm Rohrohrzucker, 70 Gramm zerlassener Margarine und einem Teelöffel Zimt übergießen. Nach weiteren 20 Minuten an einem warmen, zugfreien Ort schiebe ich das Blech auf mittlerer Schiene bei 180 ° C für eine halbe Stunde in den Backofen.
Am nächsten Morgen packe ich eine Thermoskanne Kaffee, ein paar Becher und meinen Kartoffelkuchen ein und mache mich auf den Weg in unsere Kleingartenanlage. Als ich eintreffe, ist die Erneuerung des Gartenzaunes bereits in vollem Gange. Ich schnappe mir einen Klappstuhl und lasse mich an einer Stelle nieder, von der ich das Baugeschehen gut überblicken kann.
„So sieht also Deine Hilfe aus, Mama“, tadelt mich Jasmin.
„Ich bin euer Joker. Falls es Schwierigkeiten gibt.“
Nicht, dass ich den jungen Leuten den Zaunbau nicht zutrauen würde, ich bin vor allem auf eine andere Entwicklung gespannt.
Wie nicht anders erwartet, dauert es nicht lange und die ersten Gartennachbarn machen den Kleingartenneulingen ihre Aufwartung.
„Neuer Zaun? Viel Arbeit, was?“
„Ja, ja viel Arbeit!“
„Aber der alte Zaun war doch noch gut.“
„Noch gut?“ Jasmins Philosophiestudent hält anklagend ein sichtlich angegriffenes Stück Holz hoch.
„Die Querriegel kommen meist zu erst. Viel Arbeit was?“
„Ja, ja viel Arbeit.“
„Hm, hier riecht es nach frischem Holz. Habt ihr die Latten vorher schon mit Holzschutz gestrichen?“
„Haben wir.“ Jasmin deutet auf zwei Böcke auf denen Latten zur weiteren Verwendung lagern.
„Könnt ihr dann bei mir gleich weitermachen, was?“
„Erstmal sehen wie weit wir hier kommen.“
„Und soll da später noch Farbe dran?“
„Wissen wir noch nicht. Wir dachten, wir lassen das Holz verwittern und es wird dann silbergrau.“
„Ich hab noch eine Büchse mit brauner Farbe.“
„Nein danke.“
„Trotzdem viel Arbeit.“
„Ja, ja viel Arbeit.“