Schokokuchen mit Schweizerhose

Ich heize meinen Backofen auf 180 Grad Celsius vor. Den Inhalt von je einem Päckchen Backpulver und Vanillezucker vermenge ich mit 350 Gramm Mehl, 130 Gramm Zucker, je einer Prise Salz und Zimt, einer Messerspitze Nelkenpulver, 6 Esslöffeln Kakaopulver stark entölt und 100 Gramm fein gehackter Zartbitterschokolade.
Dann rühre ich 100 Milliliter Rapsöl, einen halben Liter Hafermilch sowie 70 Gramm fein gehackte Walnüsse dazu.
Den entstandenen Teig gebe ich in eine gefettet 26er Springform. Danach wasche, schäle und viertele ich 600 Gramm Birnen. Das vergangene Jahr war bei uns ein Birnenjahr. Mein Bäumchen von der Sorte Schweizerhose hing zum ersten Mal richtig voll. Ich erntete kurz vor der Vollreife. So waren die Früchte in der kühlen Kammer recht gut lagerfähig. Die Birnenteilchen drücke ich im Wechsel mit etwa 30 Gramm grob gehackten Walnüssen rundherum in den Teig. Danach schiebe ich die Springform für eine dreiviertel Stunde auf die mittlere Schiene bei Ober- und Unterhitze ins vorgeheizte Rohr. Nach zirka 35 bis 40 Minuten mache ich die Stäbchenprobe. Wenn kein Teig mehr am Holzstäbchen haftet, ist der Kuchen gar.
Ich lasse mein Backwerk auskühlen und rüste mich für einen Spaziergang in meinen Garten.
Kaum in der Gartenanlage angekommen, begegnet mir Rapunzel.
„Mhm!“ macht sie und schmult in meinen Picknickkorb. „Schokokuchen?“
„Mit Schweizerhose“, ergänze ich.
„Wie jetzt? Du hast Schweizerhosen an?“
„Unsinn, die Birnen heißen Schweizerhose, weil sie grün und gelb gestreift sind, wie die Hosen von der Schweizergarde.“
„Und diese Birnen hast du woher?“
„Dort von meinem Birnbaum“, ich zeige Rapunzel die Richtung. „Das ist eine sehr alte Sorte, die nur in sonnigen, geschützten Weinlagen richtig gut gedeiht.“
Im Hintergrund rappelt sich meine Gartennachbarin Frau B. aus ihrem mit Decken dick gepolsterten Gartenstuhl. In der Hand hält sie ein Fernglas.
„Aha“, lästert Rapunzel, “Vorsicht, wachsame Nachbarschaft.“
„Jawohl“, entgegnet Frau B. grimmig, „aber nicht wie du denkst. Ich beobachte die Vögel am Futterhaus.“
„Beobachtest du auch den da?“ Rapunzel zeigt auf eine gestreifte Katze.
„Der ist eine die, und stört hier immer meine Piepmätze“ korrigiert Frau B. grimmig
„Aber den rufen doch alle Wilhelm? Und da hört er auch drauf.“
„Was du nicht alles weißt“, grummelt Frau B. und ruft: “Wilhelm, Wilhelm.“
Die Katze interessiert sich mehr für die Vögel am Futterhaus.
Nun schürzt Rapunzel die Lippen, schnalzt mit der Zunge und flötet: „Wilhelm mein Katerle, komm doch mal her.“
Tatsächlich wendet sich das gestreifte Katzentier von der Vogelfutterstelle ab und tänzelt federnd in Richtung Rapunzel.
Frau B. bückt sich überraschend behände, greift die Streunerin und hält sie an den Vordertatzen hoch.
„Wenn das ein Kater ist, fresse ich einen Besen.“
Nach erfolgter Diagnose setzt Frau B. die Katze wieder auf den Gartenboden. Die flüchtet umgehend zu Rapunzel und streicht um deren Beine.
„Na gut“ sagt Rapunzel versöhnlich und hockt sich nieder, „ dann nenne ich dich eben Frau Wilhelm.“