Quiche mit grünem Spargel

Ich sitze vor unserem Vereinsheim und schlürfe einen Kaffee. Mein Gartennachbar Holger, den alle nur Bruce nennen, weil er ein bisschen wie Bruce Willis aussieht, kommt mit einem Plakat vorbei.

Darauf steht: „Nächstes Wochenende großer Frühjahrsputz!“

Ich frage: „Bist du damit nicht etwas spät dran?“

„Unsinn, das habe ich grade da hinten abgemacht.“ Bruce zeigt auf das andere Ende unserer Gartenanlage, an dem sich eine zweite Informationstafel befindet. Dann macht er sich daran das schwarze Brett am Vereinsheim neu zu bestücken. Er rückt einen Stuhl an die Tafel heran, schnappt sich die Plakatrolle, klettert auf den Stuhl zieht einen Tacker aus der Hosentasche und befestigt eine Ecke des Posters.

„Mist!“, höre ich ihn fluchen.
Bruce tänzelt auf dem Stuhl. Der Wind frischt auf und legt das Plakat um Bruce.
„Mist! Mist! Karo?“

„Ja?“ Ich schlendere hinüber.

„Kannst du das hier mal halten?“

Ich streiche das Plakat glatt und drücke es mit beiden Händen ans schwarze Brett. Bruce betrachtet seinen Tacker.

„Das Ding ist verstopft.“ Bruce nestelt am Hosenlatz und zieht einen Phasenprüfer heraus und fummelt damit die verkeilten Drahtklammern aus dem Gerät.

„Großes Sommerfest!“ Lese ich derweil auf dem neuen Aushang. Bruce befestigt alle Ecken, setzt dann den Tacker am Foto unseres Vorsitzenden an und schießt eine Klammer kurz über dessen Scheitel.

„Zur Sicherheit“, grinst er.

Meine Gartennachbarin Frau B. und ihr Mann Hans-Georg gesellten sich zu uns.

„Oha, sauber getackerter Scheitel“ attestiert Hans-Georg.

„Habt ihr Streit?“ Frau B. sieht Bruce argwöhnisch an.

„Ach der alte Bollerkopp, ewig am Nörgeln. Nix kann man dem recht machen“, bricht es aus Bruce heraus.

„Du bist aber auch nicht der geborene Diplomat“, erinnere ich Bruce.

Hans Georg B. ergreift Partei. „Zur nächsten Wahl lasse ich mich auch in den Vorstand wählen. Dann helfe ich dir.“

„Du im Vorstand?“ Frau B. verdreht ihre Augen. „Soweit kommt‘s noch. Für drei Elefanten ist unser Porzellanladen nun wirklich zu klein.“

„Ich gebe jedem ein Stück Spargelquiche aus“, lenke ich ab.

„Spargel? Ist das nicht ein wenig spät?“ Frau B. beäugt mein Tortenblech.

„Nö, grüner Spargel – Anfang Juni, passt schon noch.“ Ich reiche das Backwerk herum.
Ein Teig aus 300 Gramm Weizenmehl verknetet mit 150 Gramm Margarine, 5 Esslöffel Wasser und einem halben Teelöffel Salz ruhte vorab 1,5 Stunden im Kühlschrank.

Ich schälte 600 Gramm grünen Spargel und kochte ihn zirka 5 Minuten, derweil eine gehäutete und gewürfelte Zwiebel in etwas Öl goldbraun briet.

Im auf 200 g vorgeheizten Backofen buk der in die Tortenform gedrückte und mit Backlinsen bedeckte Teig für 10 Minuten vor. Dann entfernte ich die Linsen und gab den Spargel, die Zwiebelwürfel sowie 100 Gramm halbierte Cocktailtomaten auf den Teig und übergoss das Gemüse mit einem Mix aus je 4 Esslöffeln Kichererbsenmehl und Weizenmehl, 60 Gramm Cashewkernen, 500 Millilitern Sojasahne, 2 Teelöffeln Senf, 2 Knoblauchzehen und einer Prise Muskat. Nach weiteren 30 Minuten im Backofen würzte ich den Quiche mit frisch gemahlenem Salz und Pfeffer.

Spargel – Rosmarin – Kartoffeln

„Ein Alien, ein Alien!“, schreit der kleine Max und rennt aus meinem Garten zu Rapunzel hinüber.

Er hatte mir geduldig beim Kompostaussieben zugesehen. Hin und wieder klaubte er Regenwürmer aus dem frischen, duftenden Humus und steckte sie in eine Papiertüte.

„Was willst Du denn mit den Würmern machen?“, fragte ich.

„Ich werde Regenwurmzüchter.“

In der nächsten Ladung Komposterde, die auf dem Sieb landete, zuckte eine zirka fünf Zentimeter lange, dicke, weiße Käferlarve mit braunem Kopf. Beim nächsten Rütteln kam eine ebenso große, hellbraune Puppe zum Vorschein, bei der sich schon deutlich die Merkmale des zukünftigen Käfers abzeichneten.

Noch bevor ich erklären kann, dass es sich um Nashornkäfer handelt, rennt Max davon.

Es wird nicht lange dauern, denke ich, und er kehrt mit seinen Freunden zurück, um mit

ihnen seine Entdeckung zu bestaunen. Neben Max streifen auch Emma, Anna, Moritz, Alexander und viele andere Kinder durch unsere Gärten. Es ist im Prinzip alles so, wie vor hundert Jahren, nur dass die Eltern damals vermutlich nicht Vanessa, Jessica, Patrick und Fabian hießen.

Tatsächlich kommt Max wenig später mit Paul und Moritz zurück, um mit ihnen einen Blick auf die vermeintlichen Außerirdischen zu werfen.

„Was essen die?“, fragt Paul.

„Holz“, antworte ich.

„Ihihihi“, sagt Max und schickt sich an, in meinen Spatenstiel zu beißen.

„Apropos Essen“, höre ich vom Gartentor her. Rapunzel war den Alienforschern gefolgt.

„Ich hätte da Spargel im Angebot.“

„Jaaa! Spargel!“ Die Rasselbande stürmt auf Rapunzel zu.

Wir gehen gemeinsam zu ihr hinüber. Peu à peu finden sich Pierre, Bruce und die Eltern der Kinder ein.

Rapunzel hatte schon am Vortag Spargelstangen gestochen, gewaschen und mit Olivenöl, Rosmarin und Salz mariniert. Rapunzel hebt die Haube des Grills, um nach den Folienkartoffeln und der Grillschale mit dem Spargel zu sehen.

„Mein Rosmarin hat den Winter leider nicht überlebt!“, Rapunzel deutet auf den fast vertrockneten Strauch. Wir streifen Zweige und Nadeln ab.

„Die taugen noch fürs Badewasser“, sagt Pierre. Wir packen alle ein paar Hände voll Rosmarin ein.

„Au ja, ein Vollbad kann ich heute brauchen.“ Ich biege demonstrativ meinen Rücken grade.

„Kompost umsetzen, hm?“, brummt Bruce.

Wir gehen mit den Kindern Hände waschen. Rapunzel verteilt den Spargel und Kartoffeln auf Tellern und legt Besteck bereit.

„Die Alienkäfer essen Holz“, sagt Paul wenig später schmatzend zu Pierre.

„Und weißt Du auch, wer noch im Kompost wohnt?“, fragt Pierre.

„Regenwürmer“, prescht Max vor und zeigt auf seine Papiertüte.

„Und Bazillen“, ergänzt Moritz neunmalklug.

„Du meinst wohl Bakterien?“ fragt Rapunzel.

„Hm“, nickt Moritz.

„Außerdem sind im Kompost auch Pilze und viele andere Mikroorganismen. Deshalb muss man sich immer gut die Hände waschen“, ergänzt Rapunzel.

„Mikrowas?“, fragt Paul.

„Mi-kro-org-a-nis-men“, wiederholt Rapunzel.

„Ich kenn‘ nur Mikrowelle“, sagt Max, springt auf, greift seine Regenwurmtüte und läuft zu Rapunzels Kompost.

Seppo-Blog-Auszeichnung — Erste Antworten

1. Was haben Seppo und Du gemeinsam? (Dani Wolf)

Die nahe liegende Antwort ist natürlich: ein/en Blog. Eine entferntere: Gemeinsame Vorfahren.

2. Wieso hättest Du die SBA nicht verdient? (ebd.)

Karotinasblog ist nicht besonders gut gestaltet.
Mein Garten ist schöner.
Da fällt mir ein, ich könnte ja mal ein paar Fotos ~

3. Eine Woche lang keine (soziale) Technik: kein Handy, kein Facebook, kein Blog – nichts. Was würde das mit Dir machen? (FranCesca Bommer)

Ich habe mich, um eine Antwort auf diese Frage geben zu können, einem Selbstversuch unterzogen. Vom 02.04.2016 bis zum 09.04.2016 blieben Handy, Rechner und Fernseher aus. In dieser Zeit lebte ich einfach weiter. Danach mussten allerdings 1087 Mails sowie diverse Facebook- und WhatsUp-Nachrichten gesichtet und beantwortet werden. Anhand der WordPress-Statistiken konnte ich feststellen, dass nach Beginn meines angekündigten Experiments sowohl die Anzahl der Seitenaufrufe als auch die Anzahl der neuen Follower zurück gingen. Fazit: Mir machte es nix aus, dem Blog schon.

4. Was inspiriert Dich für Deine Themen? (ebd.)

Die nahe liegende Antwort: Das Leben. Eine entferntere: Außerirdische befahlen mir: Schreib über Obst, Gemüse, Kochen, Backen und Grillen in einem Kleingärtnerverein.

5. Wer hat Dir das Hirn so manipuliert, dass Du bei so einem Wettbewerb teilnimmst? (Angel Mohli)

Siehe Frage 4.

6. Wer sollte Deinen Blog besser nicht lesen? (Sarah Katt)

Außerirdische.

7. Auf einer Skala von eins bis zehn: Was isst Du am liebsten? (Manuel Höttges)

Meine augenblickliche Hitliste lautet:

1:   Scharfer Kichererbseneintopf
2:   Chili-Bohnen-Burger mit Mangosauce
3:   Sauerkraut-Gnocchi mit würzigem Cashewschmelz
4:   Seitanmedaillon mit Kartoffel-Pastinaken-Püree und Tsampa-Petersiliensauce
5:   Muffins
6:   Rohkost-Kokosmakronen
7:   Falafel mit Erdnusssauce
8:   Spargel & sautierte Pilze an Zitronenlinguini
9:   Zitronenpasta mit geröstetem Rosenkohl
10: Schokotorte mit Zucchini

Allen anderen Food-Bloggern, die es nicht in meine heutigen Top-Ten-Liste geschafft haben, sei versichert: Ich lese und koche auch Rezepte von Euren Seiten. Follow you follow me    😉

Die Antworten auf die Fragen 8 bis 14 folgen in Kürze.

Allerliebste Grüße aus dem Garten ❤

Florinde_klein