Geräucherte Kartoffeln mit Auberginendip

Mein Fräulein Tochter Jasmin und ich bereiten eine Sesampaste, die auch Tahini oder Tahin genannt  wird. Wir rösten 500 Gramm Sesamkörner in einer Pfanne ohne Fett goldgelb an und lassen sie wieder abkühlen. Dann geben wir den Inhalt der Pfanne zusammen zwei Gramm Salz in einen Mixer und fügen nach und nach sechs Esslöffel Rapsöl hinzu, bis eine cremige Masse entstanden ist.

Dann heizen wir den Backofen auf 220 °C vor. Auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech platzieren wir sechs Auberginen (zirka 1,3 kg), die wir zuvor gewaschen und mit einer Gabel eingestochen haben. Auf mittlerer Schiene backen die Eierfrüchte nun eine knappe halbe Stunde lang, bis die äußere Haut stellenweise verbrannt ist.

Währenddessen schälen wir sechs Knoblauchzehen und bereiten 125 Milliliter frisch gepressten Zitronensaft. Dann verrühren wir 200 Gramm Sojajoghurt mit 250 Gramm unserer Sesampaste, den zerquetschten Knoblauchzehen und dem Zitronensaft.

Von den abgekühlten Auberginen entfernen wir die verbrannte Schale und die Strünke. Das Innere der Eierfrüchte zerdrücken wir mit einer Gabel und heben die Gemüsemasse unter die Joghurt-Tahin-Mischung. Wir schmecken mit Salz ab und machen uns mit unserem Dip auf den Weg in unsere Gartenanlage.

Im Garten meiner Tochter herrscht reges Treiben. Einige junge Leute haben sich um einen Edelstahltrog versammelt. Der Freund meiner Tochter begrüßt uns. Sein Männerdutt ist ausgefranst und schwarze Striemen zieren sein Gesicht.

„Na mein Pflanzenkohle-Held,“ begrüßt das Fräulein Tochter ihren Philosophiestudenten und wir nicken in die Runde.

„Eine Ladung haben wir schon fertig,“ strahlt der Hobbyköhler und deutet auf einen Haufen Holzkohlestücke. „Die müssen nur noch zerkleinert und aufgeladen werden.“

„Aufgeladen?“

„Na zum Beispiel mit Urin oder einer Lösung mit effektiven Mikroorganismen“, erklärt einer. „Oder wir streuen das Kohlepulver nur in den Kompost“, wirft ein anderer ein.

Die Runde diskutiert über die jüngsten Erfahrungen. Begriffe wie Kontiki, Kohlendioxidspeicherung, Terra Preta, Biodiversität und Urgesteinsmehl schwirren hin und her.

Ich sehe mir den Stahlbottich genauer an. Am unteren Ende ist an einem Ventil ein Wasserschlauch angeschlossen. Im Inneren befindet sich eine tricherförmige Vertiefung in der gleichmäßig aufgeschichtete Holzstücke glimmen. Hin und wieder züngelt eine Flamme.

„Ich glaube wir können die nächste Lage einschichtet, beschließt das Fräulein Tochter und beginnt ungefähr gleich große Holzstücke in den Trichter zu legen.

„Wir können damit nachher noch grillen und wir haben Kartoffeln im Smoker.“

Wir inspizieren den Räucherofen. Die jungen Leute hatten vor einer Stunde das Gerät auf 130 °C vorgeheizt, mittelgroße Kartoffeln ringsum zehnmal mit einer Gabel eingestochen und mit einer Mischung aus Rapsöl, Salz und Pfeffer eingepinselt. Dann gaben sie eingeweichte Erlenholzschnitzel in den Einschub des Gerätes und die Erdäpfel in die Räucherkammer.

„Pack mal unsern Dip aus,“ weise ich Jasmin an, “ich glaube die sind gleich gar.“

Zucchinisuppe mit Belugalinsen

Meine Gartennachbarin Frau B. und ich werkeln in unseren Beeten. Auf der anderen Seite des Gartenweges klopft jemand auf Holz herum. Hin und wieder heult eine Flex auf, quietscht ein Akkuschrauber. Ich strecke mein Kreuz durch, spähe hinüber und frage: „Was lärmt Bruce denn da drüben herum?“

Auf dem Gartenweg kommen zwei Jungen auf einem Tretroller gesaust.

„Jetzt macht mal langsam“, ruft Frau B. ihnen zu und wendet sich zu mir. „Hans-Georg ist auch schon den halben Vormittag drüben und hier bleibt die Arbeit liegen.“

„Was bauen die denn?“

„Ach“, Frau B. winkt ab, „irgendwas an der Hütte mit Streben und Sparren.

Auf dem Gartenweg saust der Tretroller mit den beiden Jungen abermals vorbei.

„Was hab ich euch gesagt“, schreit Frau B. hinterher und über den Gartenweg: „Hans-Georg, kommst du?“

„Gleich“, ruft Hans-Georg zurück, „Ich muss nur eben noch das Kopfband halten.“

„Essen ist gleich fertig“, setzt Frau B. erneut an und etwas leiser: „Kopfband, der soll mal aufpassen, dass er keinen Kopfverband kriegt. Ich hab gebratene Zucchini gemacht mit Plockwurst. Was gibt es bei dir?“

„Ich geh zu Jasmin, die macht auch was mit Zucchini.“

„Dann bring mir mal das Rezept mit. Für Zucchini hat man ja nie genug.“

Der Tretroller knallt gegen die Gartentür, die Hans-Georg soeben geöffnet hat. Die Jungen schluchzen und streiten. „Ich war das nicht, da musst du eben besser aufpassen, du – du  – Kackfrosch.“

Hans-Georg und Bruce grinsen und heben den Roller wieder auf. Doch keiner der Jungen will weiter damit fahren.

Frau B. schilt: „Das hab ich euch doch gesagt. Das immer erst was passieren muss. Na wartet mal.“ Frau B. holt aus ihrer Gartenschürze eine Tüte mit Gummitieren. „Seht ihr, ich hab hier auch einen Frosch für euch. Aber nur wenn ihr nicht wieder so schnell fahrt und aufhört zu heulen.“

Unterdessen hat Bruce auf seinem Smartphone etwas gesucht und zeigt uns das Display. „Ich hab hier auch einen Frosch und der ist ein richtiger Kackfrosch.“ Zu sehen ist ein Frosch, der eine verblüffend große Wurst ausscheidet.

„Da war das neulich vielleicht gar nicht vom Igel“, überlegt Hans-Georg.

„Ich geh jetzt zu Jasmin und wünsche Euch einen guten Appetit“, verabschiede ich mich. Frau B. winkt Bruce zur Zucchinipfanne.

Mein Fräulein Tochter hat 150 Gramm Belugalinsen in einem halben Liter Wasser gegart. Sie hackte zwei Knoblauchzehen, briet sie mit etwas Öl in einem Tiegel an. Dann fügte eine sehr kleine gehackte Chilischote, einen Teelöffel Kurkuma und einen halben Teelöffel abgeriebene Zitronenschale dazu, rührte etwas und gab schließlich etwa ein Kilogramm geschälte und in dicke Scheiben geschnittene Zucchini in den Tiegel. Nach einer Viertelstunde köcheln, füllte sie einen Viertelliter Gemüsebrühe auf und lies zugedeckt köcheln bis die Zucchini sehr weich sind. Dann gab sie zwei Esslöffel Zitronensaft dazu und pürierte alles mit dem Stabmixer. Sie fing die gekochten Linsen in einem Sieb, würzte mit Pfeffer und Salz und gab auf jeden Teller zwei Esslöffel Linsen und einen Esslöffel gehackte Petersilie.

Fenchel-Aprikosen-Gemüse mit Kichererbsenreis

Der Freund meiner Tochter Jasmin hockt im Garten vor einem großen Stein und hält in der Hand einen kleineren Stein.
„Klopf, klopf“, rufe ich über den Zaun. „Was treibst du da?“
„Ich versuche Aprikosensteine zu knacken, um an die Kerne zu gelangen.“
„Wie in der Steinzeit?“
„Hm, experimentelle Archäologie gewissermaßen.“
„Unfug“, ruft das Fräulein Tochter unter dem Vordach der Laube hervor, „der Nussknacker ist zu groß für die kleinen Dinger. Wir brauchen nur sechs Esslöffel Aprikosenkerne“, beschwichtigt Jasmin und winkt mich zu sich.
„Ein Glück, dass wir kein Persipan machen wollen“, stellt der experimentierende Archäologe fest.
„Persipan?“, frage ich.
„Das ist das Marzipan der armen Leute. Wenn keine Mandeln zur Verfügung standen, wurden als Ersatz Aprikosen- oder Pfirsichkerne verarbeitet. Dabei dürfen nur Kultursorten verwendet werden, denn die Kerne der Wildsorten enthalten zu viel Blausäure und schmecken bitter.“
„Wir haben ja eine Kultursorte“, sagt Jasmin und winkt erneut.
Unter dem Vordach zeigt sie mir einen Zettel mit einem Rezept.
60 Gramm Kichererbsen in kaltem Wasser einweichen und am nächsten Tag mit ungesalzenem Wasser gar kochen. 150 Gramm Reis in Gemüsebrühe kochen und dann mit je einem Teelöffel Kurkuma- und Korianderpulver mischen. Zwei Esslöffel Olivenöl erhitzen und darin eine geschälte und gehackte Zwiebel glasig dünsten. Die Zwiebel mit 20 Gramm gehackter, glatter Petersilie und je fünf Gramm gehacktem Koriandergrün und Minze zusammen den Kichererbsen und dem Saft einer Zitrone ebenfalls unter den Reis heben.
500 Gramm Knollenfenchel längs halbieren und in feine Streifen hobeln und in sechs Esslöffel Rapsöl mit zwei Teelöffel Kümmel für 30 Minuten marinieren. Bei acht Aprikosen das Fruchtfleisch vom Stein lösen. Die Steine knacken und die Kerne herauslösen und mit weiteren sechs Esslöffel Aprikosenkernen in einer Pfanne ohne Fett rösten. Sechs Esslöffel Zucker in einem Topf schmelzen lassen, die geviertelten Aprikosen und fünf Esslöffel Wasser hinzugeben kurz schwenken mit einem Teelöffel Kreuzkümmel, einer kleinen getrockneten Chilischote und je einer Prise Nelkenpulver, Anis, Zimt, schwarzem Pfeffer und Muskat würzen und zur Seite stellen. Pfanne abermals erhitzen und Fenchel mit der Marinade goldbraun anbraten.
Mit Salz abschmecken, Fenchel mit den Aprikosen und den Aprikosenkernen mischen und auf dem Reis anrichten.
„Da krieg ich ja beim Lesen Appetit.“
„Ja, nicht wahr?“ Das Fräulein Tochter strahlt. „Die Aprikosen haben wir übrigens von Bruce bekommen. Sein alter Baum trägt ganz gut. Unserer dagegen sieht eher traurig aus.“ Jasmin deutet auf einen jungen Aprikosenbaum, der einige verdorrte Äste hat. Irgendwas machen wir falsch.“
„Das könnte Apoplexie sein. Die trifft oft Bäume zwischen dem dritten und dem siebenten Standjahr. Erste Anzeichen sind, wenn nach anfänglichem Austrieb die Blätter und Triebspitzen welken. Unterhalb der welken Partien tritt oft Gummifluss auf, weil die Leitungsbahnen verstopft sind. Fragt mal Pierre was zu tun ist. Der ist schließlich unser Gartenfachberater. Aber der Baum ist vermutlich hin.“

Gegrillte Weinblätter

Mein Fräulein Tochter Jasmin und ihr Philosophiestudent haben zur Grillparty in die gemeinsame Kleingartenparzelle geladen.
Ich bereitet zunächst eine Mischung aus einem halben Teelöffel Anis, je einem Teelöffel Zimt, Galgant, Muskatblüte und Kardamomsamen, je zwei Teelöffel Kurkuma, schwarzer Pfeffer, gemahlener Ingwer, Kubebenpfeffer, geriebene Muskatnuss, zwei Esslöffel Koriandersamen, drei Esslöffel Kreuzkümmel, zwei getrockneten Chilischoten, vier Pimentkörnern, acht Nelken und zwei Gramm Safranfäden. Wer nicht alle diese Gewürze zur Hand hat, kann beim Gewürzdealer seines Vertrauens auch nach der Mischung „Ras el Hanout“ fragen.
Von meinem Traubenwein Solaris hatte ich 30 große Weinblätter gepflückt und die Stiele entfernt.
Aus drei Esslöffeln Salz und anderthalb Litern Wasser koche ich eine Lake, füge einen Esslöffel Zucker und den Saft einer halben Zitrone hinzu, lege die gewaschenen Weinblätter in eine Glasschüssel und übergieße sie mit dem heißen Sud und stelle die Schüssel beiseite.
Dann koche ich 150 Gramm Quinoa mit einem Teelöffel Salz in 300 Milliliter Wasser.
Ich schäle eine mittelgroße Zwiebel, schneide feine Würfel und dünste diese in wenig Olivenöl bei mittlerer Hitze glasig. Dann hacke ich eine Tomate, zwei Knoblauchzehen und zwei Esslöffel Rosinen grob und gebe sie zur Zwiebel in die Pfanne. Ich schmecke mit zwei Teelöffel meiner Gewürzmischung und Salz ab, ziehe die Pfanne vom Herd, füge eine Hand voll gehackte, glatte Petersilie hinzu und verrühre alles mit dem gegarten Quinoa.
Dann fische ich die Weinblätter aus dem Sud und tupfe sie trocken.
Nun gebe ich auf jedes Weinblatt ein bis zwei Esslöffel von der Füllung, schlage die kurzen Seiten nach innen und rolle das Ganze auf und bepinsele die Rollen mit Olivenöl.
Als Dip verrühre ich 200 Gramm veganen Joghurt mit drei Esslöffel Tahin, je einem Esslöffel Zitronensaft und Olivenöl und einem Teelöffel Salz.
So gerüstet mache ich mich auf den Weg.
Vor der Parzelle meiner Tochter lungert Bruce herum.
„Du traust dich wohl nicht rein?“, frage ich.
„Die grillen doch nur Pflanzen“, nuschelt Bruce und äugt misstrauisch über den Zaun.
„Ja und?“
„Nein, ich mach nur Spaß. Ich warte nur noch auf Rapunzel und Pierre“, grinst Bruce.
„Was bringt ihr mit?“
„Rapunzel hat Babykarotten! Und ich Pilssuppe.“ Bruce stößt mit dem Fuß an einen Kasten Bier zu seinen Füßen.
„Und Pierre?“
„Zucchini, glaub ich.“
Meine Gartennachbarin Frau B. und ihr Mann Hans-Georg nähern sich.
„Ich höre die jungen Leute feiern?“ Frau B. hält eine Flasche Sekt hoch.
„Verspätete Parzelleneinweihung. Ging ja nicht eher, wegen der Seuche“, nicke ich.
„Apropos – haben wir Verluste zu beklagen?“, wendet sich Frau B. an Bruce.
Bruce Miene verfinstert sich. „Das darf ich dir gar nicht sagen, wegen Datenschutz.“
Frau B. zeigt sich unbeeindruckt. „Ich habe gehört, dass dein Vorpächter an Corona gestorben ist.“
„Kurtchen? Das war schon bei der ersten Welle im Altenheim.“
„Sonst niemand?“ Frau B. lässt nicht locker.
„Es gab schon einige Infektionen. Aber es sind alle wieder genesen, soweit ich weiß.“
„Na wir sind jedenfalls geimpft“, triumphiert Frau B. und schreitet Richtung Grill.

Erdbeer-Königskerzenblüten-Smoothie

„Wenn das eine Königskerze ist, dann sind das dort auch welche.“ Mein Fräulein Tochter Jasmin nimmt einen jungen Blütenstand zwischen Daumen und Zeigefinger ihrer rechten Hand und deutet mit ihrer linken auf zahlreiche Blattrosetten.
„Gut“, lenkt ihr Freund ein und lässt sein Smartphone mit der Pflanzenbestimmungs-App sinken, “dann ist das eben kein dichtblütiges Wollkraut. Aber sind es nun kleinblütige Königskerzen, flockige Königskerzen oder filzige Königskerzen?“
„Die hier sind filzig.“ Das Fräulein Tochter streicht über die Blätter. „Also ist es eine filzige Königskerze. Oder doch kleinblütig?“, zweifelt sie.

Ich habe es mir im Hängestuhl im Garten meiner Tochter bequem gemacht und beobachte die beiden Naturforscher.
Am Zaun schlendert Pierre vorbei.
„He Pierre“, rufe ich, „was meinst du, dichtblütiges Wollkraut oder kleinblütige Königskerze.“
Pierre beschattet seine Augen mit der Hand, lässt seine Blicke schweifen und sagt: „Das ist doch
dasselbe, oder? Wie lautetet denn der botanische Name?“
Jasmin greift sich das Smartphone und liest: „Dichtblütiges Wollkraut – Verbascum densiflorum.
„Verbascum densiflorum ist die großblütige Königskerze, Wollkraut ist wohl nur ein anderer Name. Habt ihr da hinten auch Nachtkerzen?“
„Ja“, strahlt das Fräulein Tochter.
„Mhm“, pflichtet ihr Freund bei, “ist wie Weihnachten hier, überall Kerzen.“
„Dann passt mal schön auf, dass noch genügend Platz für Obst und Gemüse bleibt.“
„Wieso mindestens die Nachtkerzen sind Anbau und die Königskerzen zählen als Kräuter“, grinst Jasmin listig.
„Aber nicht, wenn der halbe Garten damit voll steht“, brummt Pierre, „und überhaupt, wieso ist die Nachtkerze Anbau?“
„Wir wollen die Wurzel als Gemüse essen“, klärt Jasmins Freund auf. „Die heißen auch Schinkenwurzel und werden wie Schwarzwurzel zubereitet.“
„Und ihr wollt Schinkenwurzel essen?“, fragt Pierre misstrauisch, „ich denke ihr seid Veganer?“
Jasmin stöhnt: „Nicht du auch noch, Pierre. Wir müssen uns hier schon genug dumme Sprüche anhören.“
„Dumme Sprüche?“, frage ich unschuldig.
„Mama, du weißt doch: Veganer essen meinem Essen das Essen weg. Essen Veganer Fleischtomaten? Wenn ihr Veganer seid, warum habt ihr nur so eine kleine Wiese?“
„Wiese? Versteh ich nicht“, wundert sich Pierre.
„Na Veganer essen doch nur Gras und Steine.“ Jasmin zwinkert Pierre versöhnlich zu.
„Ich sehe ja, dass ihr genügend Gemüseanbau im Garten habt. Kürbis, Mais, Bohnen, Salat. Nur das hier vorn, wo ihr Kaiserkrone dran geschrieben habt, das ist eine Kartoffel.“
„Nee, das ist schon richtig so, die Kartoffelsorte heißt Kaiserkrone.“
„Oh, wieder was gelernt. Na dann!“ Pierre wendet sich zum Gehen.
„Ihr zwei“, übernehme ich das Kommando, „könnt schon mal ein halbes Kilo Erdbeeren, ein paar Königskerzenblüten und einige Blätter Zitronenmelisse pflücken. Da mache ich uns einen schönen Smoothie draus. Wenn irgendwo schon ein paar Taglilien blühen, könnt ihr auch noch drei bis vier Blüten bringen.“
„Taglilienblüten?“, freut sich Jasmin, „dann zählen die ja auch zum Anbau.“

Rhabarberkuchen und Kartoffelchip

Eines meiner Lieblingsgemüse im Frühjahr ist der Rhabarber.
Ich entferne die Blätter und ziehe die Fasern entlang der Stange ab. Wenn ich ein halbes Kilogramm Rhabarberstangen beisammen habe, schneide ich zirka einen Zentimeter lange Stücke, streue 125 Gramm Rohrohrzucker zum Saft ziehen darüber und stelle die Schüssel beiseite.
Aus einem halben Kilogramm Mehl und einer Packung Trockenhefe knete ich mit 50 Gramm Rohrohrzucker, 80 Gramm Margarine, 125 Gramm Hafermilch und einer Prise Salz einen geschmeidigen Teig, der dann abgedeckt an einem warmen Ort auf die doppelte Größe gehen kann.
Den durch das Einzuckern gewonnenen Rhabarbersaft fülle ich mit Hafermilch auf einen halben Liter auf. Von dem Gemisch nehme ich fünf Esslöffel ab und rühre damit ein Päckchen Vanillepuddingpulver und 40 Gramm Zucker an. Die restliche Saft-Hafermilchmischung koche ich auf, nehme den Topf von der Platte, rühre das Puddingpulvergemisch unter und koche das Ganze noch einmal kurz auf. Dann hebe ich die Rhabarberstückchen unter.
Nun knete ich nur noch schnell 100 Gramm Rohrohrzucker, 150 Gramm Margarine und 200 Gramm gemahlene Haselnüsse für die Streusel und würze mit einer kräftigen Prise Zimtpulver und einer Messerspitze Salz.
Nun drücke ich den Hefeteig auf ein gefettetes Backblech, verteile das Rhabarber-Pudding-Gemisch darauf und darüber krümele ich die Streusel. Zum Schluss gebe ich das Blech auf die mittlere Schiene bei 180°C Ober- und Unterhitze für zirka eine halbe Stunde in den Backofen.
Ich packe eine Thermoskanne Kaffee und den Rhabarberkuchen ein und mache mich auf den Weg in die Kleingartenanlage. Bin gespannt wie weit mein Fräulein Tochter und ihr Freund mit ihrer Parzelle gekommen sind.
Doch erstmal gehe ich in meinen eigenen Garten. Meine Gartennachbarin Frau B. und ihr Mann Hans-Georg sind mit der Frühjahrsbestellung beschäftigt. Genauer, Hans-Georg bereitet im Hintergrund Beete vor und Frau B. kommt zu mir herüber, als sie mich meine Gartenpforte öffnen sieht.
„Na?“, fragt sie mit herausfordernder Geste, „Was sagst du zu meinem Elitegärtner?“
„Du meinst, weil er dort alles so schön auf Kante harkt? Sozusagen Saatbeet deluxe?“
„Nee“, prustet Frau B. los, „weil er alle elf Minuten eine Kartoffel aus dem vergangenen Jahr findet.“
„Alle elf Minuten? War das nicht die andere Truppe? Nicht Elitegärtner sondern Par- ähm Gärtnership?“
„Dann schon besser Kartoffelchip, hähähä.“
„Lacht ihr über mich?“ Hans-Georg hat seine Harke weggestellt und kommt zu uns herüber.
„Nöö“, wimmeln wir ab.
Ich hebe meinen Picknickkorb hoch. „Schau, ich habe hier Rhabarberkuchen und du weißt doch, sauer macht lustig.“
„Außerdem hast du doch mich.“ Frau B. tätschelt ihrem Gatten beruhigend den Hals.
Der beißt in ein Stück Kuchen und mümmelt: „Ich versteh Bahnhof. So sauer ist der doch gar nicht.“
„Ich hätte da hinten auch noch Rhabarber, brauchst du noch welchen?“, bietet Frau B. an.
Bevor ich abwehren kann, macht sich Hans-Georg auf den Weg. „Ich hol schnell welchen.“
Frau B. lacht und zwinkert mir zu.

Pak Choi-Karottenpfanne mit Teriyaki-Soße

Auf dem Weg zwischen meinem Garten und der Parzelle unseres stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Holger, den alle nur Bruce nennen, weil er dem jungen Bruce Willis ähnlich sieht, steht seit ein paar Wochen eine Gartenbank.
Seitdem es die Kontaktbeschränkungen gibt, blieben immer häufiger Gärtnerinnen und Gärtner auf dem Weg stehen, um ein Schwätzchen mit Bruce oder mir oder Bruce und mir zu halten. Da haben wir es ein wenig bequemer gestaltet und auch Klappstühle in unseren Parzellen bereitgestellt, um den Abstand wahren zu können.
Auf der Bank sitzt heute Rapunzel. Als sie mich sieht, setzt sie schnell eine FFP2-Maske auf.
„Moin Karo“, nuschelt Rapunzel.
„Moin!“
Kaum bin ich vorbei, zieht Rapunzel ihre Maske wieder herunter.
Mein Fräulein Tochter schenkte mir ein Stimmungsset. Mund-Nasen-Bedeckungen für jede Gemütslage. Heute wäre eigentlich „Lächeln“ dran gewesen, denn schließlich habe ich einen Gartentag geplant. Aber diese Maske war in der Wäsche und so ist es doch die mit dem gefletschten Raubtiergebiss geworden.
„Uiuiui, du siehst aber gefährlich aus“, kommentiert Rapunzel. Ich ziehe meine Maske herunter und frage: „Wartest du auf mich oder auf Bruce?“
„Auf dich. Ich hab das da geerntet“, Rapunzel deutet auf ein Körbchen mit Blattgemüse, „und wollte dich fragen, was du da draus machen würdest.“
„Was hast du denn da?“
„Frisch getriebene Mangoldblättchen und Pak Choi.“
„Pak Choi, mhm was ganz Feines. Da sag noch Einer, aus China kämen nur Viren und Schutzmasken.“
„Ich würde gern irgendwas Kurzgebratenes oder Gedünstetes damit machen.“
„Dann versuch es doch mal mit Möhren, Zwiebeln, Reis und Teriyaki-Soße.“
„Teriwas?“
„Teriyaki. Das ist eine japanische Soße. Die kannst du entweder fertig kaufen oder du mischst Sojasoße, Zucker und Reiswein zu ungefähr gleichen Teilen und kochst das Ganze kurz auf und reduzierst bei schwacher Hitze, bis du die gewünschte Konsistenz hast. Manche nehmen auch Knoblauch und Ingwer dazu.“
„Ich glaube, ich schau mal nach der fertigen Soße. Reiswein und Sojasoße hab ich auch nicht vorrätig. Und das Gemüse einfach kurz anbraten?“
„Zunächst schneidest du aus zwei großen Zwiebelhälften Streifen. Dann zwei große Möhren schälen und in kleine Stifte teilen. Einen Esslöffel Rapsöl erhitzen. Darin die Karottenstifte und Zwiebelringe mit einer Prise Zucker anbraten. Von 500 Gramm Pak Choi zunächst die Blattrippen heraustrennen, in mundgerechte Stücke teilen und ebenfalls in die Pfanne geben und kurz scharf anbraten. Nun 3 Messerspitzen schwarzer Pfeffer, je zwei Messerspitzen Nelkenpulver und Fenchelpulver, je eine Messerspitze Anispulver und Zimtpulver sowie 5 Esslöffel Teriyaki-Soße und das in Streifen geschnittene Blattgemüse hinzufügen. Wenn vorhanden, gibst du noch einen Esslöffel Sesam hinein. Diese schnelle Gemüsepfanne schmeckt zu Reis oder auch Nudeln.“
„Donnerwetter, das hast du einfach so im Kopf?“
„Na ja, ich habe grad am Wochenende Chinakohl auf diese Art zubereitet. Nächste Woche hätte ich auch wieder nachschlagen müssen.“

Schokokuchen mit Schweizerhose

Ich heize meinen Backofen auf 180 Grad Celsius vor. Den Inhalt von je einem Päckchen Backpulver und Vanillezucker vermenge ich mit 350 Gramm Mehl, 130 Gramm Zucker, je einer Prise Salz und Zimt, einer Messerspitze Nelkenpulver, 6 Esslöffeln Kakaopulver stark entölt und 100 Gramm fein gehackter Zartbitterschokolade.
Dann rühre ich 100 Milliliter Rapsöl, einen halben Liter Hafermilch sowie 70 Gramm fein gehackte Walnüsse dazu.
Den entstandenen Teig gebe ich in eine gefettet 26er Springform. Danach wasche, schäle und viertele ich 600 Gramm Birnen. Das vergangene Jahr war bei uns ein Birnenjahr. Mein Bäumchen von der Sorte Schweizerhose hing zum ersten Mal richtig voll. Ich erntete kurz vor der Vollreife. So waren die Früchte in der kühlen Kammer recht gut lagerfähig. Die Birnenteilchen drücke ich im Wechsel mit etwa 30 Gramm grob gehackten Walnüssen rundherum in den Teig. Danach schiebe ich die Springform für eine dreiviertel Stunde auf die mittlere Schiene bei Ober- und Unterhitze ins vorgeheizte Rohr. Nach zirka 35 bis 40 Minuten mache ich die Stäbchenprobe. Wenn kein Teig mehr am Holzstäbchen haftet, ist der Kuchen gar.
Ich lasse mein Backwerk auskühlen und rüste mich für einen Spaziergang in meinen Garten.
Kaum in der Gartenanlage angekommen, begegnet mir Rapunzel.
„Mhm!“ macht sie und schmult in meinen Picknickkorb. „Schokokuchen?“
„Mit Schweizerhose“, ergänze ich.
„Wie jetzt? Du hast Schweizerhosen an?“
„Unsinn, die Birnen heißen Schweizerhose, weil sie grün und gelb gestreift sind, wie die Hosen von der Schweizergarde.“
„Und diese Birnen hast du woher?“
„Dort von meinem Birnbaum“, ich zeige Rapunzel die Richtung. „Das ist eine sehr alte Sorte, die nur in sonnigen, geschützten Weinlagen richtig gut gedeiht.“
Im Hintergrund rappelt sich meine Gartennachbarin Frau B. aus ihrem mit Decken dick gepolsterten Gartenstuhl. In der Hand hält sie ein Fernglas.
„Aha“, lästert Rapunzel, “Vorsicht, wachsame Nachbarschaft.“
„Jawohl“, entgegnet Frau B. grimmig, „aber nicht wie du denkst. Ich beobachte die Vögel am Futterhaus.“
„Beobachtest du auch den da?“ Rapunzel zeigt auf eine gestreifte Katze.
„Der ist eine die, und stört hier immer meine Piepmätze“ korrigiert Frau B. grimmig
„Aber den rufen doch alle Wilhelm? Und da hört er auch drauf.“
„Was du nicht alles weißt“, grummelt Frau B. und ruft: “Wilhelm, Wilhelm.“
Die Katze interessiert sich mehr für die Vögel am Futterhaus.
Nun schürzt Rapunzel die Lippen, schnalzt mit der Zunge und flötet: „Wilhelm mein Katerle, komm doch mal her.“
Tatsächlich wendet sich das gestreifte Katzentier von der Vogelfutterstelle ab und tänzelt federnd in Richtung Rapunzel.
Frau B. bückt sich überraschend behände, greift die Streunerin und hält sie an den Vordertatzen hoch.
„Wenn das ein Kater ist, fresse ich einen Besen.“
Nach erfolgter Diagnose setzt Frau B. die Katze wieder auf den Gartenboden. Die flüchtet umgehend zu Rapunzel und streicht um deren Beine.
„Na gut“ sagt Rapunzel versöhnlich und hockt sich nieder, „ dann nenne ich dich eben Frau Wilhelm.“

Krautschnecken

„Im Garten gibt es immer was zu tun!“ Meine Gartennachbarin Frau B. nickt mir eifrig zu, als ich ihr erzähle, das mein Fräulein Tochter mit ihrem Philosophiestudenten jede freie Minute auf ihrer der jüngst erworbenen Parzelle verbringen.
Hans-Georg B. stellte schnaufend einen Klapptisch nahe am Zaun zum Gartenweg auf die Grenze zwischen unseren Parzellen.
„Was soll denn das werden?“, wendet Frau B. sich an ihren Gatten.
„Na ich schaffe die Voraussetzungen für ein gemeinsames Essen, ohne dass wir unsere privaten Bereiche verlassen müssen.“
„Ist er nicht clever? Hole doch bitte eine Plexiglasscheibe.“
„Soll ich?“
„Der macht das wirklich.“
„Wenn wir die Abstände einhalten, geht es auch ohne Trennscheibe“, schmunzele ich.
„Was gibt es denn bei euch?“
„Kartoffelsalat mit Würstchen. Wir üben schon mal für Weihnachten.“
„Bei mir Krautschnecken.“ Ich zeige meinen Picknickkorb. Seit die jungen Leute auf ihrer Parzelle werkeln, backe ich fast jeden Tag.
Aus 500 g Dinkelmehl (Type 630), 300 ml lauwarmen Wasser, einem Päckchen Trockenhefe, zwei Esslöffeln Rapsöl und einer kräftigen Prise Salz knetete ich einen Teig, der danach an einem warmen, zugfreien Ort eine halbe Stunde gehen durfte. In der Zwischenzeit schnitt ich einen mittelgroßen Weißkohl und zwei Zwiebeln in Streifen. In einem großen Topf erhitzte ich etwas Öl und briet die Gemüsestreifen an. Dann gab ich zwei Esslöffel Zucker hinzu, um den Topfinhalt zu karamellisieren. Danach löschte ich mit 50 ml Weißwein und 100 ml Gemüsebrühe ab und fügte einen Esslöffel Wacholderbeeren in einem Teesieb hinzu. Das Ganze ließ ich unter gelegentlichem Rühren köcheln, bis die Flüssigkeit verdampft war. Ich entfernte die Wacholderbeeren, drückte in einem Sieb die restliche Flüssigkeit aus dem Gemüse und verteilte es auf dem Teig, den ich zu zwei rechteckigen Fladen ausgerollt hatte. Dann würzte ich mit Pfeffer, Salz und frisch geriebener Muskatnuss. Dann rollte ich die Teigfladen jeweils von der kurzen Seite her auf und zerschnitt sie mit einem feuchten Messer in zirka 1,5 Zentimeter dicke Scheiben. Die Scheiben werden dann auf zwei mit Backpapier ausgelegten Blechen platziert und bei 180 Grad Celsius Umluft im vorgeheizten Ofen in zirka 20 Minuten goldbraun gebacken.
„Hunger“, ruft Jasmin.
„Auf dem Gartenweg müsst Ihr den Mundnasenschutz aufbehalten“, stellt Frau B. hämisch fest.
„Aber nicht, wenn wir einen Imbiss zu uns nehmen“, kontert Jasmin, macht einen langen Arm zum Picknickkorb, greift sich eine Krautschnecke und zieht sich mit der anderen Hand die Maske unters Kinn.
„Ihr könntet ja hereinkommen“, wende ich ein.
„Nein Mama! Es sind nur Besuche des eigenen Gartens gestattet!“
„Sagt bloß, ihr kennt die Coronaregeln?“ Hans-Georg B. hebt erstaunt die Augenbrauen.
„Also ich habe schon im Oktober den Überblick verloren. Risikogebiet, kein Risikogebiet, Mundnasenschutz, Hände waschen, Lüften.“
„Na gelüftet ist hier ja schon mal“, stellt Frau B. fest und schwenkt ihren Arm, an dessen Handgelenk ihr Mundnasenschutz baumelt, im Halbkreis.

Kartoffelkuchen

„Das ist nett von Dir, aber danke. Vielleicht hast du ja wichtigere Termine.“
Mein zukünftiger Schwiegersohn zieht seine Haare zu einem straffen Dutt.
„Ach, das macht mir überhaupt nichts aus“, wiegele ich ab.
Mein Fräulein Tochter kommt zu uns. „Was gibst?
Deine Mutter will uns beim Zaunbau helfen.
„Und einen Kuchen bringe ich auch mit“, trumpfe ich auf.
„Kuchen ist immer gut. Wir sehen uns dann morgen.“
Die jungen Leute gehen und ich mache aus 250 Gramm Weizenmehl, 160 Milliliter Wasser und 30 Gramm Frischhefe einen Vorteig, den ich eine Stunde an einem warmen Ort gehen lasse bis er sein Volumen ungefähr verdreifacht hat.
Derweil werden 250 Gramm geschälte Kartoffeln gekocht.
Dann walke ich aus dem Vorteig, weiteren 500 Gramm Weizenmehl, die mittlerweile ausgekühlten und zerdrückten Kartoffeln, 50 Gramm feingehacktes Orangeat, 200 Gramm zerlassene Margarine, 1 Gramm Zimt, eine Prise Nelkenpulver und eine Prise gemahlener Kardamom ungefähr 10 Minuten bis ein geschmeidiger Teig entstanden ist, der nicht mehr klebt. Anschließend füge ich 100 Gramm Rohrohrzucker und 10 Gramm Salz hinzu und knete nochmals durch. Zum Schluss 100 Gramm Rosinen unter den Teig heben und alles auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech ausbreiten, mit den Fingerspitzen kleine Dellen eindrücken und mit einem Gemisch aus 100 Gramm Rohrohrzucker, 70 Gramm zerlassener Margarine und einem Teelöffel Zimt übergießen. Nach weiteren 20 Minuten an einem warmen, zugfreien Ort schiebe ich das Blech auf mittlerer Schiene bei 180 ° C für eine halbe Stunde in den Backofen.
Am nächsten Morgen packe ich eine Thermoskanne Kaffee, ein paar Becher und meinen Kartoffelkuchen ein und mache mich auf den Weg in unsere Kleingartenanlage. Als ich eintreffe, ist die Erneuerung des Gartenzaunes bereits in vollem Gange. Ich schnappe mir einen Klappstuhl und lasse mich an einer Stelle nieder, von der ich das Baugeschehen gut überblicken kann.
„So sieht also Deine Hilfe aus, Mama“, tadelt mich Jasmin.
„Ich bin euer Joker. Falls es Schwierigkeiten gibt.“
Nicht, dass ich den jungen Leuten den Zaunbau nicht zutrauen würde, ich bin vor allem auf eine andere Entwicklung gespannt.
Wie nicht anders erwartet, dauert es nicht lange und die ersten Gartennachbarn machen den Kleingartenneulingen ihre Aufwartung.
„Neuer Zaun? Viel Arbeit, was?“
„Ja, ja viel Arbeit!“
„Aber der alte Zaun war doch noch gut.“
„Noch gut?“ Jasmins Philosophiestudent hält anklagend ein sichtlich angegriffenes Stück Holz hoch.
„Die Querriegel kommen meist zu erst. Viel Arbeit was?“
„Ja, ja viel Arbeit.“
„Hm, hier riecht es nach frischem Holz. Habt ihr die Latten vorher schon mit Holzschutz gestrichen?“
„Haben wir.“ Jasmin deutet auf zwei Böcke auf denen Latten zur weiteren Verwendung lagern.
„Könnt ihr dann bei mir gleich weitermachen, was?“
„Erstmal sehen wie weit wir hier kommen.“
„Und soll da später noch Farbe dran?“
„Wissen wir noch nicht. Wir dachten, wir lassen das Holz verwittern und es wird dann silbergrau.“
„Ich hab noch eine Büchse mit brauner Farbe.“
„Nein danke.“
„Trotzdem viel Arbeit.“
„Ja, ja viel Arbeit.“