Grünkohlsuppe

„Da bleibt ja gar nichts übrig.“ Rapunzel schlägt entsetzt beide Hände über dem Kopf zusammen. Unser Vorstand hatte einen Hobbywinzer engagiert, der an den Rebstöcken, die rings um Rapunzels Laube rankten, soeben eine Schnittvorführung beendete.

Die anderen Gartenfreunde, die dieser Schulungsveranstaltung beiwohnen, schweigen andächtig. Stumm beginnt Rapunzel die Weinruten einzusammeln.
„Du wirst schon sehen, wie schnell das alles wieder wächst“, tröstet Pierre und greift zur Harke.

„Wir haben da auch noch einen Weinstock“, meldet sich meine Gartennachbarin Frau B. und zwinkert mir listig zu.

Wir wechseln auf die Parzelle von Familie B. und der Hobbywinzer erklärt noch einmal das Prinzip des Zapfenschnitts. „Für Traubenwein ist der Zapfenschnitt fast immer geeignet. Bei alten Sorten und bei sehr wüchsigen, jungen Pflanzen versagt er jedoch mitunter. Diese tragen dann zwar Laub, aber keine Früchte, weil ihre stammnahen Knospen keine Anlagen zur Fruchtbildung enthalten. Dann sollten die Zapfen nicht nur ein bis zwei Knospen, sondern mindestens drei bis fünf Augen haben oder sogar mit einem Streckerschnitt gepflegt werden. Bei diesem mittellangen Schnitt bleiben drei bis sieben Knospen stehen. Der Streckerschnitt bietet eine höhere Ertragssicherheit, als der Zapfenschnitt.“

weinschnittklein

„Hohen Ertrag brauchen wir“, meldet sich Hans-Georg B. zu Wort. Ein Raunen geht durch die Reihen der Kleingärtner.

Ich winke Rapunzel zu. „Komm“, rufe ich, „wir müssen noch das Mittagessen fertig machen. Ich setze im Vereinsheim einen großen Topf mit zirka fünf EL Rapsöl auf die Herdplatte. Darin röste ich fünf in Würfel geschnittene Zwiebeln und gebe zwei Kilogramm klein geschnittene Grünkohlblätter dazu, die ich scharf anbrate. Dann lösche ich mit einem Liter Weißwein ab und füge zwei Liter kräftige Gemüsebrühe mit vier EL grobem Senf zu. Der Grünkohl muss nun ungefähr 20 Minuten köcheln. Rapunzel hat unterdessen zwei Kilogramm gekochte Kartoffeln gepellt, in kleine Würfel geschnitten und diese in Rapsöl goldgelb angebraten.

Als die Kleingärtner anrücken, füllen wir die Grünkohlsuppe in Schalen und geben jeweils Röstkartoffeln als Einlage hinzu.

Während des Essens geht die Fachsimpelei über den Rebschnitt weiter.

„Fruchtholz beim Wein ist einjähriges Holz, das auf zweijährigem Holz steht.“

„Im Mai werden Kümmertriebe ohne Blütenansatz und nicht benötigte Wasserschosse ausgebrochen. Wenn einer Knospe mehrere Triebe entspringen, bleibt nur der kräftigste stehen.“

„Dem Winterschnitt und dem Ausbrechen im Frühjahr folgen das Entspitzen im Juni und der Sommerschnitt.“

„Beim Sommerschnitt werden alle Triebe entfernt, die keine Trauben tragen. Je Traube verbleiben sechs bis acht Blätter an der Ranke.“

Rapunzel wendet ihren Kopf hin und her. „Donnerwetter, seid ihr plötzlich alle Weinschnittexperten?“

„Naja“, winkt Frau B. ab, „auf nix ist man so stolz, wie auf das, was man seit zwei Minuten weiß. Mal sehen, was im Sommer noch übrig ist, vom Fachwissen.“

„Oder nächstes Jahr“, fügt Hans-Georg B. hinzu.

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4 Gedanken zu “Grünkohlsuppe


  1. Rapunzel
    Jacob und Wilhelm Grimm

    Es war einmal ein Mann und eine Frau, die sich lange Zeit, aber ohne Erfolg, ein Kind gewünscht hatte. Schließlich glaubte die Frau, dass der gute Herr ihren Wunsch erfüllen würde. Durch das kleine hintere Fenster des Hauses dieser Leute konnten sie in einen herrlichen Garten sehen, der mit den schönsten Blumen und Kräutern gefüllt war. Der Garten war von einer hohen Mauer umgeben, und niemand wagte einzutreten, weil er einer Zauberin gehörte, die große Macht besaß und von allen gefürchtet wurde.

    Eines Tages stand die Frau an diesem Fenster und sie sah ein Bett mit dem schönsten Rapunzel. Es sah so frisch und grün aus, dass sie sich nach etwas sehnte. Es war ihr größter Wunsch, etwas Rapunzel zu essen. Dieses Verlangen nahm mit jedem Tag zu, und da sie nicht wusste, wie sie es schaffen sollte, wurde sie schwer erkrankt.

    Ihr Mann war verängstigt und fragte sie: „Was ist dir, liebe Frau?“

    „Oh“, antwortete sie, „wenn ich keinen Rapunzel aus dem Garten hinter unserem Haus bekomme, werde ich sterben.“

    Der Mann, der sie sehr liebte, dachte: „Bevor Sie Ihre Frau sterben lassen, müssen Sie ihr etwas Rapunzel besorgen, um jeden Preis.“

    Gerade als es dunkel wurde, kletterte er über die hohe Mauer in den Garten der Zauberin, grub schnell eine Handvoll Rapunzel aus und brachte sie seiner Frau. Sie machte sofort einen Salat daraus, den sie eifrig verschlang. Es schmeckte ihr so ​​gut, dass sie sich am nächsten Tag verdreifacht hatte. Wenn sie Ruhe hätte, müsste der Mann wieder in den Garten klettern. So machte er sich wieder auf den Weg, als es dunkel wurde. Aber kaum als er über die Mauer geklettert war, sah er zu seinem Entsetzen die Zauberin vor sich stehen.

    „Wie kannst du es wagen“, fragte sie mit einem wütenden Blick, „in meinen Garten zu klettern und wie ein Dieb meinen Rapunzel zu stehlen? Sie werden dafür bezahlen.“

    „Oh“, antwortete er, „lass die Gnade die Gerechtigkeit überwinden. Ich kam aus der Not, um dies zu tun. Meine Frau sah Ihren Rapunzel von unserem Fenster aus, und eine solche Sehnsucht überkam sie, dass sie sterben würde, wenn sie keine bekommen würde Essen.“

    Die Wut der Zauberin ließ etwas nach und sie sagte: „Wenn die Dinge so sind, wie Sie sagen, werde ich Ihnen gestatten, so viel Rapunzel zu nehmen, wie Sie möchten. Aber unter einer Bedingung: Sie müssen mir das Kind geben, das Ihre Frau der Welt bringen wird Es wird gut gehen, und ich werde mich wie eine Mutter darum kümmern. “

    In seiner Angst stimmte der Mann alles zu.

    Als die Frau geboren wurde, erschien die Zauberin, nannte das kleine Mädchen Rapunzel und nahm sie mit. Rapunzel wurde das schönste Kind unter der Sonne. Als sie zwölf Jahre alt war, sperrte die Fee sie in einen Turm, der in einem Wald stand und weder eine Tür noch eine Treppe hatte, sondern nur ein winziges kleines Fenster ganz oben.

    Als die Zauberin eintreten wollte, stand sie unten und rief:
    Rapunzel, Rapunzel,
    Lass deine Haare zu mir runter.
    Rapunzel hatte herrlich lange Haare, so fein wie gesponnenes Gold. Als sie die Stimme der Zauberin hörte, löste sie ihre Zöpfe, wickelte sie um einen Fensterhaken, ließ ihr Haar 20 Meter zu Boden fallen, und die Zauberin kletterte darauf hinauf.

    Ein paar Jahre später kam es vor, dass ein Königssohn durch den Wald ritt. Als er sich dem Turm näherte, hörte er ein so schönes Lied, dass er stehen blieb, um zu hören. Es war Rapunzel, der die Zeit verging, indem er mit ihrer süßen Stimme sang. Der Prinz wollte zu ihr hinaufsteigen und suchte im Turm nach einer Tür, aber es war keine zu finden.

    Er ritt nach Hause, aber das Lied hatte sein Herz so berührt, dass er jeden Tag in den Wald zurückkehrte und es hörte. Einmal, als er so hinter einem Baum stand, sah er die Zauberin herankommen und hörte sie sagen:
    Rapunzel, Rapunzel,
    Lass dein Haar herunter.
    Dann ließ Rapunzel ihre Haarsträhnen herunter und die Zauberin kletterte sie zu ihr hinauf.

    „Wenn das die Leiter in den Turm ist, dann werde ich irgendwann mein Glück versuchen.“

    Und am nächsten Tag, gerade als es dunkel wurde, ging er zum Turm und rief:
    Rapunzel, Rapunzel,
    Lass dein Haar herunter.
    Die Haare fielen herunter und der Prinz stieg hoch.

    Zuerst hatte Rapunzel schreckliche Angst, als ein Mann, wie sie ihn noch nie zuvor gesehen hatte, zu ihr kam. Der Prinz begann jedoch auf sehr freundliche Weise mit ihr zu reden und sagte ihr, dass sein Herz so sehr von ihrem Gesang berührt worden sei, dass er keine Ruhe finden könne, bis er sie nicht persönlich gesehen hatte. Dann verlor Rapunzel ihre Furcht und als er sie fragte, ob sie ihn als ihren Mann nehmen würde, dachte sie: „Er hätte mich lieber als die alte Frau Gothel.“ Sie sagte ja und legte ihre Hand in seine.

    Sie sagte: „Ich würde gerne mit dir gehen, aber ich weiß nicht, wie ich herunterkomme. Jedes Mal, wenn du kommst, bring eine Seidenschnur mit, aus der ich eine Leiter flechten werde. und du kannst mich auf deinem Pferd mitnehmen. “ Sie vereinbarten, dass er jeden Abend zu ihr kommen würde, denn die alte Frau kam am Tag.

    Der Prinz war von Trauer erfüllt, und in seiner Verzweiflung warf er sich vom Turm. Er flüchtete mit seinem Leben, aber die Dornen, in die er fiel, steckten seine Augen aus. Blind ging er im Wald umher, aß nichts als Gras und Wurzeln und tat nichts als zu weinen und zu heulen über den Verlust seiner geliebten Frau. So wanderte er einige Jahre elend herum und kam schließlich in die Wildnis, wo Rapunzel mit den Zwillingen, die sie geboren hatte, elend lebte.

    Er hörte eine Stimme und hielt es für vertraut. Er ging darauf zu, und als er sich näherte, erkannte Rapunzel ihn und weinte und warf ihre Arme um seinen Hals. Zwei ihrer Tränen fielen in seine Augen, und sie wurden wieder klar, und er konnte so gut sehen wie zuvor. Er führte sie in sein Reich, wo er mit Freude empfangen wurde, und sie lebten lange Zeit glücklich und zufrieden.

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