Willkommen!

Die Gartengeschichten dieses Blogs, wurden bereits in der Verbandszeitschrift des  Landesverbandes Sachsen der Kleingärtner (LSK) „Sachsen aktuell“ veröffentlicht.

Dieser Blog dient dazu, die Geschichten und Rezepte einem größeren Personenkreis zugänglich zu machen.

Außerdem wird es hier hin und wieder Beiträge geben, die nicht in der Zeitung standen.

Ich wünsche allen Lesern gute Unterhaltung.

Kommentare und Anregungen sind ausdrücklich erbeten.

Karo-Tina Aldente

Grünkohl-Kartoffel-Auflauf mit Roter Bete, Sonnenblumenkernen und Erdnussguss

„Das gruselige Ding steht ja immer noch hier rum.“ Bruce schnappt sich den Halloween-Kürbis und trägt ihn aus dem Vereinsheim. Rapunzel, meine Gartennachbarin Frau B. und ich folgen ihm neugierig.

„Das ist nur, damit das neue Jahr genauso furchtbar anfängt, wie das alte aufgehört hat“, kommentiert Frau B. und schaut grimmig drein.

„Das neue Jahr soll NICHT genauso furchtbar anfangen, deshalb steht der Kürbis noch hier“, korrigiert Rapunzel.

„Euer altes Jahr war furchtbar?“ Bruce nimmt die Kerzenreste aus dem Kürbis und stellt ihn auf einen Stubben zwischen wilden Rosen. Dann schüttet er aus einem Eimer Vogelfutter hinein.

„Naja, erst der Hagelschaden im Frühjahr, dann die ewige Hitze, die Kartoffelkäferinvasion und dann ist auch noch Kojak gestorben“ sagt Rapunzel mit Trauermiene.

„Unser Kojak?“ Frau B. guckt ungläubig. Der wohnt doch bei uns nebenan.

„Wohnte“, sagt Bruce und nickt betrübt.

„Sein Auto steht noch an der Straße“, Hans-Georg B. blickt Hilfe suchend zu seiner Frau.

„Der war doch noch gar nicht so alt.“

„Knapp über 70“, bestätigt Bruce und fügt hinzu: „Ist schon beerdigt, alles im kleinen Kreis.“

Rapunzel stochert mit dem Fuß im Gebüsch unter dem Kürbis. „Iiiih – das hier müssen wir auch beerdigen.“ Sie schiebt mit der Fußspitze einen kleinen Kadaver aus der Grasnabe.

„Ist das eine tote Ratte?“

Bruce bückt sich.

„Nee, ein toter Maulwurf.“

Frau B. lädt uns ins Vereinsheim. „Lasst uns ein letztes Mal auf Kojak anstoßen.“
Sie füllt die Gläser mit alkoholfreiem Sekt. „Was anderes ist nicht da.“

„Da muss doch noch“, Bruce kramt im Schrank hinter der Theke. Er fördert einige Packungen Sonnenblumenkerne und gesalzene Erdnüsse zutage. „Mindestens haltbar bis Juli 2015“, liest er vor, „wann haben wir hier eigentlich zum letzten Mal Inventur gemacht?“

„Die sind bestimmt noch gut“, sage ich und öffne eine Tüte Erdnüsse.

„Lebensmittel sind wertvoll“, grinst Frau B.

Ich könnte einen Leichenschmaus richten“, schlage ich vor.

„Für den Maulwurf?“, fragt Rapunzel.

„Unsinn für Kojak.“
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Ich hole aus meinem Garten Kartoffeln, Grünkohl und Rote Beete.
Nach 20 Minuten sind 600 Gramm Pellkartoffeln fertig. Unterdessen putzte ich 800 Gramm Grünkohl und schälte 200 Gramm Rote Bete und schnitt alles in Scheiben und mundgerechte Happen. Ich fette eine große Auflaufform. Die gepellten und in Scheiben geschnittenen Kartoffeln werden nun abwechselnd mit Grünkohl und Roter Bete eingeschichtet. Zu guter Letzt streue ich 5 Esslöffel Sonnenblumenkerne drüber und mixe gesalzene Erdnüsse mit Sonnenblumenöl und Wasser zu einem Guss, den ich über das Gemüse träufele. Muskat und Pfeffer aus der Mühle darüber streuen und bei 200 Grad Celsius Umluft für 20 Minuten in den Backofen schieben.

Wir essen.

Rapunzel sieht aus dem Fenster. Vor dem Vereinsheim versammeln sich Rabenkrähen.
„Ich glaube, immer wenn einer gestorben ist, dann kommen die Krähen“ sinnt Rapunzel.

„Quatsch“, Frau B. schüttelt ihren Kopf.

Wir sind alle ans Fenster getreten. Eine Krähe schnappt sich den Maulwurfkadaver und hüpft davon.

„Beerdigen.“ Bruce winkt ab.

Märchenhafter Mohnkloß

„Das nenne ich mal nachhaltig“ sagt Bruce und klopft auf den ausgehöhlten Kürbis in dessen Innerem Kerzen flackern, „Halloween ist doch lange vorbei.“

Die Tür des Vereinsheims fliegt auf und Pierre stürmt herein. „Braucht ihr Mohn?“

„Mohn? Ist das nicht verbo-„

Pierre unterbricht Frau B.: “Das ist morphinarmer Backmohn.“

Rapunzel tritt ein.

„Pierre verstößt gegen das Betäubungsmittelgesetz“, stichelt Frau B. und Rapunzel sieht sich mit großen Augen um.

„Wollten wir nicht heute Märchenstunde?“

„Die hat schon angefangen“, murrt Pierre.

„Ich könnte 250 Gramm Backmohn brauchen“, flüstere ich. Pierre schiebt mir eine Papiertüte zu.

„Könnt ihr eure kriminellen Machenschaften nicht woanders abwickeln“, frotzelt Frau B. weiter.

„Morphinarmer Wirtschaftsmohn ist erlaubt“, sagt Bruce. Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: “Wenn er nicht grad vorn am Gartenzaun steht.“

„Das nenne ich mal klar geregelt“, prustet Frau B. los.

Paul und sein Freund Moritz kommen zur Märchenstunde. Rapunzel hat sich mit einem alten Bettlaken hinter dem Tresen verkrochen. Wir warten, doch da keine weiteren Kinder eintreffen, rückt Frau B. ihre Brille zurecht und beginnt vorzulesen.

„In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König, dessen Töchter waren alle schön, dass die Sonne selber, die doch so vieles gesehen hat, sich verwunderte, sooft sie ihr ins Gesicht schien.“

„Wie bei uns, was Karo?“ unterbricht Frau B.

Moritz kräht dazwischen: “Das kenn ich schon.“

„Ach so?“ Frau B. sieht über den Rand ihrer Brille. „Dann weißt du bestimmt, wie es weitergeht.“

Moritz holt tief Luft: „Die Prinzessin geht immer zu einem Brunnen im Wald und spielt dort mit einer goldenen Kugel. Dann fällt die Kugel in den Brunnen und ein Frosch holt sie wieder herauf. Zum Schluss wirft die Königstochter den Frosch an die Wand und er wird zu einem Prinzen.“

„Gut, das hätten wir dann“, murmelt Frau B. und blättert weiter.

„Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen.“

Zufrieden bemerken wir, dass die Kinder dieses Märchen offenbar nicht kennen. An der Stelle als der Küster sich auf dem Glockenturm als Gespenst verkleidet hat, erhebt sich am Tresen hinter Frau B. Rapunzel mit dem übergehängten Bettlaken. Die Kinder bemerken sie zunächst gar nicht. Doch dann schreit Moritz aufgeregt: „Ein Gespenst, ein Gespenst!“

Frau B. dreht sich sehr langsam um. „Wenn wir jetzt ein Stück Mohnkuchen zur Beruhigung hätten.“

Rapunzel kichert und zieht das Laken ab. Wir lachen und Frau B. liest weiter.
Am folgenden Tag überbrühe ich 250 Gramm gemahlenen Mohn mit 250 Milliliter Zuckerwasser, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Je 50 Gramm Rosinen, gehackte Nüsse und 15 Gramm Zitronat setze ich in lauwarmen Wasser mit ein wenig Rumaroma zum Quellen an und hebe sie unter die Mohnmasse. Dann lege ich eine Schüssel mit Weißbrotscheiben oder Zwieback aus, darauf gebe ich eine Lage Mohnmasse. Dann wiederum eine Lage Weißbrot oder Zwieback, bis die Schüssel ganz gefüllt ist. Die oberste Lage ist Mohnmasse und wird nach dem Kaltstellen mit gehackten Mandeln garniert.

Mohnkloß_klein

Getrocknetes Suppengemüse

Rapunzel, die alle so nennen, weil in ihrem Garten überall Feldsalat wächst, meine Gartennachbarin Frau B. und ich sind im Vereinsheim verabredet. Wir wollen gemeinsam einen Vorrat Suppengemüse anlegen.

Rapunzel stapelt zwanzig Halbliter-Bügelgläser auf den Tresen.

Vor zwei Tagen hatten wir 20 Stangen Porree, fünf Kilogramm Möhren, 20 Petersilienwurzeln sowie 10 kleine Sellerieknollen mit Blättern zusammengetragen. Die Möhren, die Petersilienwurzeln und die Sellerieknollen schälten wir und schnitten sie in dünne Stifte. Die zarten Sellerieblätter wurden gewaschen und trocken geschleudert, nachdem wir die Stielansätze herausgeschnitten hatten. Vom Lauch entfernten wir die äußeren Blätter und die Wurzelansätze. Dann schnitten wir ihn in feine Streifen. In einem großen Topf mit Salzwasser blanchierten wir das Gemüse, schreckten es in Eiswasser ab und tupften alles mit Küchenpapier trocken. Danach breiteten wir die Gemüseteilchen auf weißen Baumwollbetttüchern aus.

Nun war das Gemüse vorgedarrt und wir bestücken die Bleche unseres Backofens. Bei 50 °C wird der Trockenvorgang mit gelegentlichem Wenden der Gemüsestückchen fortgesetzt.

Derweil planen wir unseren Märchenabend. Einige Mütter hatten die Idee, Anfang Dezember für die Kinder der Gartenfreunde eine Märchenvorlesung zu organisieren – sicher auch mit dem Hintergedanken, den Eltern einen freien Abend für ungestörte Weihnachtsfestvorbereitungen zu verschaffen.
Rapunzel war für dieses Vorhaben sofort Feuer und Flamme  und überredete Frau B. und mich zur Mithilfe.

Zunächst gilt es geeignete Märchen auszuwählen.

„Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack“, schlage ich vor.

„Die Bremer Stadtmusikanten“, sagt Rapunzel.

„Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“, fügt Frau B. mit finsterer Miene hinzu.

Die Tür des Vereinsheims fliegt auf und mein Fräulein Tochter und ihr Freund treten ein.

„Was guckt ihr so erschrocken“, fragt der vollbärtige Philosophiestudent mit dem Männerdutt, „habt ihr ein schlechtes Gewissen wegen der Energieverschwendung?“ Er deutet auf den Backofen, an dem Rapunzel grade neue Bleche einschiebt.

„Müsst ihr nicht zu irgendeiner Klimademonstration?“, fragt Frau B. spitz.

„Da waren wir grade.“ Das Fräulein Tochter winkt ab.

„Wir bereiten einen Märchenabend für die Vereinskinder vor“, erklärt Rapunzel.

„Und trocknen Suppengemüse“, füge ich hinzu.

„Riecht gut“, stellt das Fräulein Tochter fest.

„Nee, im Ernst, wollt ihr es nicht mal mit einer Sonnendarre versuchen? Ich besorge euch einen Bauplan“, bietet der Philosophiestudent an.

„Die könntet ihr auch mit den Kindern bauen“, ergänzt das Fräulein Tochter.

„Wir erzählen den Kindern jetzt erstmal Märchen“, sagt Frau B. bestimmt.

„Bring den Plan ruhig mal mit“, lenke ich ein.

„Eine bessere Darre als unser altes Vereinsheim gibt es nicht“, nörgelt Frau B. weiter.

„Die Sonnendarre bauen wir nächstes Jahr, heute mischen wir Lorbeerblätter und Pfefferkörner unter das trockene Gemüse.“ Rapunzel hält die Gewürztüten hoch.

Jahrestag & Jahresdank

Liebe Leserinnen und Leser,

schon wieder ist ein Jahr vergangen und wenn es die automatische Benachrichtigung von WordPress nicht gäbe, dann hätte ich dieses Jubiläum glatt verpasst.

So starten wir ins fünfte Jahr. Ich hoffe alle habe weiterhin viel Spaß an den Gartengeschichten und natürlich auch an den Rezepten.

Vielen Dank für Eure Treue.

Vielen Dank für Eure Likes.

Vielen Dank für Eure Kommentare.

Feierliche Grüße aus dem herbstlichen Garten.

Herbstlaub_Wilder_Wein

 

Schwarzer Knoblauch

„Was riecht denn bei Dir so?“ Kojak schnüffelt hörbar in Richtung meiner Laube. „Das müffelt hier schon seit Tagen.“

„Dir entgeht wirklich nichts“, antworte ich mit unschuldigem Augenaufschlag.

„Wird das eine Spritzbrühe gegen Blattläuse?“

„Nein, wenn es fertig ist, kannst du ja mal kosten kommen.“

Kojak verzieht sein Gesicht. „Riecht nicht sehr lecker.“

„Wenn es fertig ist, schmeckt es super.“

„Wann wird das sein?“

Ich überlege.

Vor fünfeinhalb Wochen hatten mein Fräulein Tochter, Rapunzel und meine Gartennachbarin Frau B. den Einkochautomaten vom Verein ausgeliehen und in meine Laube geschleppt. Wir putzten von den äußeren Schalen unserer frischesten und größten Knoblauchknollen grade so viel, dass keine Erdanhaftungen mehr daran waren. Die Wurzeln entfernten wir und die Stiele kürzten wir auf zirka 1,5 Zentimeter. Dann stapelten wir die Knollen in einen Einsatztopf. Diesen verschlossen wir dicht mit Aluminiumfolie, damit der Knoblauch nicht austrocknet. Dann stellten wir den Einsatz in den Einweckautomaten und programmierten das Gerät auf dauerhaft 60 °C.

„Vielleicht morgen oder übermorgen.“

Kojak sieht mich misstrauisch an. „Und solange riecht das hier, wie es riecht?“

Ich zucke mit meinen Achseln.

Kojak zieht ab.

Kaum ist er fort, taucht mein Fräulein Tochter am Gartenzaun auf.

„Mama, wir schreiben Tag vierzig der Knoblauchzeitrechnung“, spricht sie und nickt wichtig.

„Ist das schon heute?“, frage ich.

Sie hält ihr Telefon hoch, auf dessen Display die Kalenderfunktion prangt.

„Hm, dann schalte ich mal aus.“

Wir gehen zur Laube. Auch meine Gartennachbar Frau B. kommt herüber und fragt: „Ist das Zeug jetzt fertig fermentiert?“

„Eigentlich ist das keine richtige Fermentation“, doziert das Fräulein Tochter, „denn wir haben ja nichts gären lassen und auch keine Enzyme verwendet. Vielmehr handelt es sich um die sogenannte Maillard-Reaktion, bei der, vereinfacht ausgedrückt, Aminosäuren, Proteine und Peptide unter Einwirkung von Hitze zu neuen Verbindungen umgewandelt werden.“

Frau B. und ich sehen das Fräulein Tochter staunend an.

Frau B. fragt trocken: „Sag mal, Jasmin, was macht eigentlich dein Freund?“

„Der hätte das jetzt auch nicht besser erklären können“, schmollt Jasmin.

„Eben!“ Frau B. lacht.

Nachdem der Knoblauch abgekühlt ist, entfernen wir die Alufolie und teilen die Knollen auf. „Vergesst nicht für Rapunzel eine volle Schüssel bei Seite zu stellen“, erinnert uns Frau B.“ und für Pierre, der hat auch mindestens sechs Knollen beigesteuert.“

Ich zerbreche eine Knolle, entferne die Schale und zerdrücke die schwarzen Knoblauchzehen. Wir streichen die Paste auf Weißbrot.

„Hm, schmeckt wie Schokolade“ schmatzt das Fräulein Tochter.

„Eher wie Lakritze“, wende ich ein.

„Schokolade, Lakritze – ich schmecke hier Pflaumenkompott mit einem Hauch Balsamico.“ Frau B. sieht uns herausfordernd an.

„Hauptsache mein Atem riecht hinterher nicht wie bei frischen Knoblauch“, sage ich.

„Da kannst du beruhigt sein, Mama“, sagt Jasmin und beißt in die nächste Schnitte.

Focaccia mit Rosmarin, Basilikum und Cocktailtomaten

„Und wo willst du den backen?“, fragt meine Gartennachbarin Frau B., nachdem sie einen Blick auf meinen Hefeteig geworfen hatte, der in meinem Korb in einer Schüssel unter einem feuchten Tuch ruht.

„Ich will Bruce‘ neuen Grill benutzen.“

„Bruce? Der ist doch gar nicht da. Der kam heute Morgen, schulterte seine Wiedehopfhacke und schritt davon, als zöge er mit Spartakus gegen Crassus. Außerdem sagte er was von Bärenjagd. Aber ich glaube der ist nur mit Hans-Georg, Kojak und Pierre am Vereinshaus zugange.“

„Bären jagen? Doch nicht die Waschbären von denen alle reden?“

„Keine Ahnung. Außer auf ein paar unscharfen Fotos von der Wildkamera in Kojaks Garten hat die ja noch niemand zu Gesicht bekommen.“

„Bei mir hat jemand Pflaumen genascht. Das könnten Waschbären gewesen sein.“

„Oder die Nachbarn“, gibt Frau B. zu bedenken.

„Die gehen doch nicht in meinen Garten, ohne mich zu fragen?“

„Du willst doch auch in Bruce Garten, wenn der nicht da ist.“

„Ich könnte ihn fragen gehen.“

„Da kannst du auch gleich den Backofen im Vereinsheim benutzen.“

Damit hat Frau B. zweifelsohne Recht. Ich ernte schnell vier Rispen Cocktailtomaten, drei kleine Zweige Rosmarin und zwei Hände voll Basilikumblätter und gehe ins Vereinsheim.

Für den Teig hatte ich zwei Teelöffel Trockenhefe mit einem halben Liter lauwarmen Wasser schaumig gerührt. Dann mischte ich 300 g Weizenmehl (Typ 550) und 300 g Vollkornmehl mit einem halben Teelöffel Salz formte in der Mitte der Schüssel eine Mulde und goss die Hefemischung hinein. Nach einigen Minuten rühren verbanden sich die Zutaten zu einer zähen Masse, die ich mit Mehl bestäubte und etwa zehn Minuten auf einem Holzbrett knetete. Dann spülte ich die Schüssel ab, pinselte sie mit Olivenöl aus und legte den Teigklumpen hinein. Nach rund einer Stunde hatte sich sein Volumen verdoppelt.

Im Vereinsheim bestäube ich den Teig nochmals mit Mehl und knete ihn weitere fünf Minuten durch.

Dann ziehe ich den Teig etwa 1,5 Zentimeter stark auf ein tiefes Backblech und bedecke das Blech, ebenso wie zuvor die Schüssel, mit einem feuchten Tuch. Während dessen der Ofen auf 200 °C vorgeheizt wird, geht der Teig für eine halbe Stunde.

Die Tomaten und die gehackten Kräuter werden tief in den Teig hineingedrückt mit drei Esslöffeln Olivenöl beträufelt und alles etwa eine halbe Stunde gebacken.
Meine Gartennachbarin Frau B. kommt ins Vereinsheim.

„Ich hab uns Limonade mit Grapefruitminze und Basilikum gemacht.“ Sie stellt eine große Glaskaraffe auf den Tisch.

Wir sehen nach den Männern.

„Wie tief steckt der Krepel da drin?“ Hören wir Hans-Georg fragen.

Als wir um die Ecke biegen, holt Bruce grade schwungvoll aus und lässt die Wiedehopfhacke herunter sausen. Er steht in einem knietiefen Erdloch. Bruce fördert die knotige Wurzel einer wilden Brombeere zutage.

„Das nimmt kein Ende.“ Kojak schüttelt seinen Glatzkopf und wirft die babyarmstarke Wurzel auf eine mit ähnlichen Objekten gut gefüllte Schubkarre.

„Ihr könnt ja nach dem Essen weitermachen.“ Sagt meine Gartennachbarin bestimmt.

Fünf sind mehr als Eins

über Fünf sind mehr als Eins

Ich schrieb auf diesem Blog ja schon gelegentlich, dass die Geschichten rund um Rapunzel, Bruce, Frau B. und die anderen Kleingärtner zwar durch reale Ereignisse inspiriert, ansonsten jedoch frei erfunden sind.

In dem Kleingärtnerverein, aus dem die allermeisten Inspirationen stammen, gibt es seit einigen Wochen ein Kunstprojekt bei dem Künstler*innen, Kunsthistoriker*innen und Kleingärtner*innen nachbarschaftlich korrespondieren. Eine sehr spannende Sache, an die ich beim Lesen des Textes von Stephanie Jaeckel, deren Blog „Klunker des Alltags“ ich sehr lesenswert finde, denken musste.

Kooperierende Grüße aus dem Garten

Fünf sind mehr als Eins

Ach so, beinahe vergessen: Dies ist ein Werbebeitrag wegen der Verlinkung. Ich erhalte allerdings keinerlei Vergütungen, sondern finde einfach nur die Beiträge auf: https://klunkerdesalltags.blog/  gut.  🙂  😀

Basilikumeis

„Trockenwiese“, schnauft Pierre und drückt sich seinen Strohhut tiefer in die Stirn. Bruce stößt neben ihm mit dem Fuß gegen einen kleinen Erdhügel. Ein Staubwölkchen stiebt auf.

Rapunzel versucht die beiden zu motivieren. „Ach kommt schon. Der Anfang ist doch gemacht. Trockenwiesen sind sehr artenreiche Biotope. Wir haben hier schon Fetthenne, Silberdisteln, Ackerhornkraut, Wiesensalbei, Steinklee, Hahnenfuß, Zittergras …“

„Und Steine“, ergänzt Pierre, bückt sich zu einer Sode, die er mit der Grabegabel geliftet hat, klaubt einen großen runden Kieselstein heraus und wirft ihn seitwärts zum Rand der Fläche am Eingang unserer Gartenanlage. Mit einem Klick stößt der Stein einen anderen Stein zur Seite.

„Wir könnten hier eine schöne Boule-Fläche anlegen“, schlägt Kojak vor.

„Wir werten ein bereits vorhandenes Biotop auf!“ Rapunzel schiebt mit den Händen die Sode vor Pierres Gabel zur Seite und setzt eine Heidenelke ein. Umgehend wird sie von einem blauen Schmetterling umflattert.

„Seht ihr?“ Rapunzel lächelt breit.

„Das ist doch bloß ein blöder Zufall“, murrt Kojak.

Rapunzel nimmt einen Topf mit Thymian, stürzt die Pflanze heraus und kontrolliert den Wurzelballen. „Mach hier mal ein Loch“, fordert sie Pierre auf.

Der setzt die Gabel an und tritt erst mit einem, dann mit beiden Füßen darauf. Die Gabel dringt nicht tief ein und Pierre droht mitsamt seinem Arbeitsgerät umzufallen. Bruce stützt ihn. Pierre steigt von der Gabel und setzt sie neu an. Abermals fördert er einen faustgroßen Kieselstein zutage.

„Vielleicht sollten wir eine Garteneisenbahn bauen“, sinniert Bruce, „Schotter hätten wir genug.

„Ihr lockert mal die kahlen Stellen auf und Rapunzel und ich hole noch ein paar Pflanzen“, schlage ich vor.

„Und wenn ihr schön fleißig seid, bringen wir euch ein Eis mit“, ergänzt Rapunzel und zwinkert mir zu, denn wir hatten schon etwas vorbereitet.

Zirka 20 Gramm Basilikumblätter wurden mit einer Mischung aus 200 Millilitern Reismilch und 130 Millilitern Kokosmilch gründlich püriert, mit weiteren 400 Millilitern Reismilch und 260 Millilitern Kokosmilch aufgefüllt und nochmals kurz mit dem Pürierstab verarbeitet. Das Ganze kurz aufgekocht und für eine viertel Stunde abgedeckt zum Ziehen gestellt. Währenddessen mischten wir in einer Schüssel je ein Gramm Johannisbrotkernmehl und Guarkernmehl, eine Prise Salz und 240 Gramm Zucker mit einem Schneebesen, gossen die Basilikum-Pflanzenmilchmischung vorsichtig dazu und mixten alles noch einmal gut durch. Danach stellten wir den Topf in den Kühlschrank und gaben später die abgekühlte Masse in die Eismaschine. Das Ergebnis lag nun seit dem Morgen im Tiefkühler.

Die Männer haben sich in den Schatten des alten Holunderbaumes gesetzt, als wir mit dem Eis und einigen Pflanzen zurückkehren

„Was ist das für Eis“, schnalzt Kojak.

„Rate mal.“

„Was mit Kräutern?“

„Richtig! Basilikum.“

„Hm“, grunzt Pierre, “geht auch Thymian?“ Er nickt in Richtung des Trockenbiotops.

Rapunzel verdreht ihre Augen. Ein Grashüpfer federt aus den Zittergräsern und landet zu ihren Füßen.

Brotsalat quer durch den Garten

„Ich denke, wir haben Insektensterben?“

Bruce steht vor der Kletterrose an seinem Torbogen und spricht zu einem unsichtbaren Gegenüber. Ich lege meine soeben geerntete Lauchzwiebel beiseite, und versuche einen Blick auf den geheimnisvollen Gesprächspartner zu erhaschen.
Bruce spritzt mittlerweile mit scharfem Wasserstrahl zwischen den Rosenblättern herum.

„Euch werde ich´s schon zeigen.“

Ich entschließe mich, Bruce vorsichtshalber anzusprechen.

„Was ist denn bei dir los?“

„Die Blattläuse sind los.“

„Ach so“, sage ich erleichtert. „Weißt du, dass es in Mitteleuropa über achthundert Blattlausarten gibt? Das sind mehr als Wildbienenarten.“

Bruce mustert mich misstrauisch.

„Na und? Mir wären jetzt ein paar der zirka achtzig in Deutschland gesichteten Marienkäferarten recht. Die könnten sich an meiner Rose schön den Bauch vollschlagen.“

Bruce reibt mit Daumen und Zeigefinger über einen Rosenstiel, hält mir das Ergebnis unter die Nase und grinst: „Blattlaustatar:“

Ich wende mich ab.

„Hast du meinen neuen Grill schon gesehen?“ Bruce macht eine einladende Geste.
Ich schiebe mich vorsichtig durch den klatschnassen Rosenbogen.

„Mit Haube“, strahlt Bruce, „mit dem kann ich alles.“

„Auch backen?“

„Auch backen!“

Haubengrill_anonym

Ich überlege kurz und sage: „Wir können ja erst mal was Einfaches versuchen. Ich würde heute gern ein paar Brotstücke rösten.“

„Nichts leichter als das.“

Ich hole schnell eine Schüssel mit zwei Fladenbroten, die ich bereits in mundgerechte Rauten zerschnitten habe.

„Aber keine schwarzen Ränder“ sage ich streng. Bruce greift sich die Schüssel und atmet hörbar aus.

Ich kehre in meine Parzelle zurück und ernte einen Römersalat, je eine Hand voll Portulak, Petersilie und marokkanische Minze, zehn Radieschen, zehn Cocktailtomaten, eine kleine grüne Gurke, einen grünen Spitzpaprika. Auch meine Lauchzwiebeln nehme ich mit dazu, wasche sie und schneide sie in feine Ringe. Den Römersalat schneide ich in schmale Streifen und zupfe Minze und Petersilie darüber. Dann putze ich das Gemüse, schneide es in kleine Würfel und gebe es ebenfalls in die Schüssel.
Aus einer Knoblauchzehe, einem Teelöffel Salz und zwei Esslöffeln Sumach mische ich mit zwei Esslöffeln Zitronensaft und vier Esslöffeln Olivenöl ein Dressing, welches ich vorsichtig unter die anderen Zutaten hebe.

Als ich mit meiner Salatschüssel zu Bruce zurückkehre, haben sich Pierre und Kojak am Grill eingefunden. Die Herren fachsimpeln.

„Und“, frage ich, „fertig?

„Brot“, mault Kojak, „das ist Grillfrevel.“

Bruce schiebt die Grillhaube zurück.

Die Fladenbrotrauten sind rundherum goldgelb.

„Prima“, strahle ich, „holt mal Schüsseln, der Salat ist gleich fertig.“

Ich hebe die knusprigen Brotstücke unter das Gemüse und serviere.

„Und beim nächsten Mal, backen wir Fladenbrote im Grill. Dazu nehme ich einen Würfel Hefe, einen Teelöffel Zucker, einen Teelöffel Salz, sechs Esslöffel Olivenöl, fünfhundert Gramm Weizenmehl und dreihundert Milliliter Wasser. Daraus mache ich einen schönen Hefeteig“, träume ich, doch die Kerle schmatzen nur und hören gar nicht zu, sondern schmatzen nur genüsslich vor sich hin.