Willkommen!

Die Gartengeschichten dieses Blogs, wurden bereits in der Verbandszeitschrift des  Landesverbandes Sachsen der Kleingärtner (LSK) „Sachsen aktuell“ veröffentlicht.

Dieser Blog dient dazu, die Geschichten und Rezepte einem größeren Personenkreis zugänglich zu machen.

Außerdem wird es hier hin und wieder Beiträge geben, die nicht in der Zeitung standen.

Ich wünsche allen Lesern gute Unterhaltung.

Kommentare und Anregungen sind ausdrücklich erbeten.

Karo-Tina Aldente

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Rübenschmalz

„Das verstößt doch ganz sicher gegen die Datenschutzgrundverordnung.“ Meine Gartennachbarin Frau B. hebt mit spitzen Fingern ein Pappschild an, das an einer Schnur zwischen zwei Straßenbäumen hängt. Auf die Pappe hatte Bruce große Buchstaben gemalt: „AM SONNABEND AB 8 UHR BITTE FREIHALTEN BAUSTOFFLIEFERUNG FÜR KLEINGÄRTNERVEREIN“

„Das verstößt eher gegen irgendwelche Werbevorschriften“, lästert Hans-Georg B. und zeigt auf die Rückseite des Schildes, auf der das Logo eines bekannten Baumarktes prangt.

Bruce und ich stehen mit Schubkarre und Schaufel am Eingang unserer Gartenanlage.

„Ihr könnt dann gleich mal mithelfen“, knurrt Bruce.

„Gleich werden acht Tonnen Splitt für die Gartenwege und die Winterstreugutkisten gebracht“, erkläre ich.

„Oh, Splitt“, Hans-Georg B. stemmt sich die Hand mit abgewinkeltem Ellbogen in die Nierengegend. „Ich hab Rücken.“

Frau B. streckt ihren Zeigefinger in die Höhe. „Ich hab auch Rücken.“

Bruce wiederholt wie ein Oberkellner: „Das wären dann zweimal Rücken. Wünschen die Herrschaften etwas zu trinken? Und wenn ja, wird es dann zum Breitharken reichen?“

„Meine Harke hole ich mal“, nuschelt Hans-Georg B. und schlurft in Richtung seines Gartens davon.

Bruce dirigiert den Lkw Richtung Gartenzaun und gibt das Signal zum Abkippen. Wir werfen die ersten Schaufeln Splitt in die Schubkarre.

Frau B. folgt ihrem Gatten und ruft uns zu: „Ich frag mal rum, wer noch mit anpackt.“
Wenig später tauchen einige Gärtner mit Schubkarren und Schaufeln auf. Allen voran Pierre und Rapunzel.

„Endlich sieht man den Vorstand mal arbeiten“, stichelt Rapunzel.
Bruce wuchtet missmutig seine Schubkarre hoch und begrüßt die anderen mit: „Moin, Moin, immer ran an den Sarg und mitgeweint.“

Zwei Stunden später liegt nur noch ein kleines Häuflein Splitt auf dem Gehweg vor der Anlage.

„Machen wir heute Abend Rübengeistern?“, fragt Rapunzel.

„Natürlich“, antwortet Pauls Mutter, „die Kinder haben doch schon geschnitzt, wie die Weltmeister.“ sie deutet auf einen Zaunpfahl, auf dem eine riesige Zuckerrübe mit schrecklicher Fratze prangt.

„Aber erst mal machen wir eine Brotzeit“, sage ich und hole ein Tablett mit vorbereiteten Schnitten aus meiner Laube.

„Hm, schmeckt wie Fettbemme“, schmatzt Bruce, „was ist das?“

„Rübenschmalz.“

Ich hatte 400 g Pastinaken geputzt, in zirka 1,5 Zentimeter starke Scheiben geschnitten, diese auf beiden Seiten mit etwas Öl bepinselt und auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech bei 160 °C im vorgeheizten Ofen ungefähr 20 Minuten geröstet. Unterdessen schälte ich 100 g Petersilienwurzel und zwei kleine Zwiebeln, schnitt sie in feine Würfel und röstete diese in einer Pfanne kross an. Einen kleinen Apfel rieb ich und mischte einen EL Zitronensaft unter.
Die Pastinaken gab ich mit sechs EL Mandelmilch in einen Mixbecher und pürierte sie. Dazu rührte ich 50 g geschmolzene Margarine. Zum Schluss hob ich die Petersilien- und Zwiebelwürfel, vier TL Majoran sowie den geriebenen Apfel unter und schmeckte mit Pfeffer, Rauchsalz und geriebener Gewürznelke ab.

Dreimal Dank und zweimal sorry

Liebe Leser*innen,

heute gratulierte WordPress zum dreijährigen Bestehen dieses kleinen Blogs hier.

Es ist also wieder einmal an der Zeit meinen Followern und Leser*innen Danke zu sagen.

Wie auch schon in den vergangenen zwei Jahren heißt es:

Danke für Eure Likes.

Danke für die vielen freundlichen Kommentare.

Danke für die Treue.

dav
dav

Im vergangenen Jahr verlief die Entwicklung etwas weniger rasant, als zuvor. Nach dem Ende des Mitmachblogs und vor allem nach dem Inkrafttreten der DSGVO haben einige meiner Follower Ihre Blogs auf privat geschaltet oder sind sonstwie im www verloren gegangen.

Auch ich war in den vergangenen 12 Monaten nicht mehr ganz so aktiv, wie viele es von mir gewohnt waren. Im Gartenleben war einfach zu viel los (vor allem gießen, gießen und nochmal gießen) und die Zeit für Blogbeiträge war knapp bemessen.

Deshalb auch:

Sorry für die wenigen Beiträge.

                    &

Sorry für das verpasste Blinddate der Gartenblogs.

Hoffentlich ist nicht der Eindruck entstanden, ich würde keine anderen Blogs mehr besuchen. Ich lese bei Euch so viel und so oft ich kann.  🙂 Großes Gartenblogehrenwort. 😀

Bleibt mir weiter gewogen und freut Euch auf mindestens zwölf weitere Gartengeschichten mit Rezept in den kommenden Monaten.

Allerbeste Grüße aus dem Garten

Immer die Eure  ❤  😉  😀

 

Wassermelonenschalen-Chutney

Im vergangenen Sommer entwickelten sich meine Wassermelonenpflanzen prächtig. Die Früchte konnten sich sehen lassen. Doch obwohl ich mir mit der Ernte Zeit ließ, misstrauisch an den Melonen herumklopfte und diese erst von den Pflanzen trennte, wenn sie, meiner Meinung nach, den richtigen Klang hatten, waren die Schalen meiner Wassermelonen verhältnismäßig dick. Ich suchte nach Rezepten. Die grünweiße Innenschale taugt zum Beispiel als Salatbeilage oder als Zutat für Smoothies.

Ich machte Chutney. In einer tiefen Pfanne mit 4 Esslöffel Rapsöl dünstete ich 20 Gramm feingehackten Ingwer, je vier Teelöffel gelbe Senfsamen und Kreuzkümmel und vier in kleine Würfel zerteilte Schalotten an. Dann schälte ich die harte dunkelgrüne Schale der Melone dünn ab. Ich schnitt 400 Gramm der hellgrünen Restschale in kleine Würfel und gab sie dazu. 80 Gramm Rohrohrzucker streute ich bei gelegentlichem Umrühren in die Pfanne. Als der Zucker geschmolzen war löschte ich mit je vier Esslöffel Aceto Balsamico und Apfelessig ab, goss 400 Milliliter naturtrüben Apfelsaft auf und ließ die Flüssigkeit einkochen. Danach füllte ich den Pfanneninhalt in saubere Gläser, verschloss und stürzte diese.

Schon bald ergab sich die Gelegenheit das Ergebnis meiner Kochübung einem kritischen Publikum zu präsentieren.

Bereits als ich mich auf dem Gartenweg nähere, ist aus der Richtung, in der sich die Sitzecke meiner Gartennachbarn Familie B. befindet, leises Gackern und Glucksen zu vernehmen. Dazwischen brandet lauteres Kichern und Krähen auf und als ich mich am Gartentor bemerkbar mache, schwappt mir eine Kaskade schallenden Gelächters entgegen.

„Hach Karo“, meine Gartennachbarin wischt sich eine Träne aus dem Augenwinkel und winkt mir, „komm rein, komm rein, komm rein.“

Bei Frau B. hatten sich fünf Gärtnerinnen zum Kaffeeklatsch eingefunden. Genauer gesagt waren sie bei meinem Eintreffen schon zum Likörklatsch übergegangen.
Ich stelle ein Glas Chutney in die fröhliche Runde.

„Wir reden grade über Kojak“, kichert Rapunzel.

Natürlich meint sie nicht den legendären Lollybälle lutschenden TV-Kommissar aus dem Manhattan der 1970er Jahre, sondern einen unserer Gärtner, der mit dem Kojak-Darsteller Telly Savalas nicht nur die Frisur gemeinsam hat.

Auch um unseren Kojak ranken sich zahlreiche Legenden. Eine besagt, dass er während seiner Armeezeit zu einer Eliteeinheit gehörte. Eine andere, dass er ein Schriftsteller sei. Manche Gärtner erzählen hinter vorgehaltener Hand, dass Kojak früher beim Geheimdienst gearbeitet habe. Wieder andere sagen, er sei Versicherungsvertreter.

„Und“, frage ich, “gibt es da was Neues?“

„Wir haben Kojak alle schon sehr lange nicht mehr gesehen. Vielleicht hat er seine Parzelle aufgegeben?“ fasst meine Gartennachbarin Frau B. zusammen.

„Das glaube ich nicht. Ich habe Kojak des Öfteren in aller Frühe beim Gießen gesehen“, sage ich.

„Das kriegen wir heute nicht mehr raus“, lenkt Frau B. ab und drückt mir ein Glas Likör in die Hand. Die Gärtnerinnen beginnen wieder zu giggeln.

Gebratener Kopfsalat mit Sonnenblumenkernen und Pflaumen

Es geht doch nichts über Nachbarschaftshilfe. Meine Gartennachbarin Frau B. hält meine Leiter, die unter meinem Pflaumenbaum steht, mit beiden Händen fest umklammert. Vom Mann meiner Nachbarin, Hans-Georg B., sind nur die karierten Socken in den ausgelatschten Sandalen, die Stachelbeerwaden und die Ränder der Hosenbeine von ehemals olivgrünen Cargoshorts zu sehen.

Ich habe Unterstützung bei der Pflaumenernte. Eben reicht Hans-Georg B. einen vollen Korb nach unten und stößt dabei gegen mein Vogelfutterhaus, das sich daraufhin aus seiner angestammten Astgabel löst und zu Boden kracht. Das Vogelfutter liegt in einem Meter Umkreis verstreut. „Hoppla!“, hören wir Hans-Georgs Stimme, “Was ist passiert da unten?“

„Du willst mich wohl erschlagen?“, rohrspatzt meine Gartennachbarin die Leiter hinauf.

„Jetzt hast du Karos Futterhäuschen kaputtgemacht. Das musst du aber gleich wieder reparieren!“

Zu mir gewendet fährt sie in versöhnlichem Tonfall fort: „Der Hans-Georg füttert ja jetzt auch das ganze Jahr über.“

Immer mehr Gartenfreunde füllen in den Sommermonaten Vogelfutter nach. Der Erfolg gibt ihnen Recht. In unserer Gartenanlage sind neben den allgegenwärtigen Meisen, Spatzen, Rotschwänzchen und Amseln auch Grünfinken, Rotkehlchen, Gimpel, Stieglitze, Drosseln und Buchfinken regelmäßig zu sehen.

Mein Gartennachbar steigt ächzend von der Leiter und bückt sich nach den Resten meiner Vogelfutterstelle. Unbeholfen dreht er die einzelnen Bretter hin und her. Dabei murmelt er: „Das kriegen wir schon irgendwie wieder hin.“

Wir lassen uns im Schatten meines Vordachs nieder. Hans-Georg hat zuvor seinen Werkzeugkasten geholt und beginnt mit der Restaurierung.

Auf meinem Kompost landet eine Elster. „Na?“, begrüßt meine Gartennachbarin den Rabenvogel, „Da guckste, was?“ Die Elster hält ihren Kopf schräg, als würde sie Frau B. verstehen.

Unterdessen zieht das verstreute Vogelfutter weitere Gäste an. Die Spatzen zanken laut tschilpend um die besten Bissen. Plötzlich segelt ein Schatten heran. Mit einem sanften Plop landet ein größerer Vogel auf meinem Vordach. Nach ein paar klackenden Trippelschritten, die sich anhören wie die ersten großen Regentropfen eines aufziehenden Gewitters, schiebt eine Ringeltaube ihren Kopf neugierig über die Dachkante. Wenig später flattert auch sie hinab zum Fuße des Pflaumenbaumes.

„Kochen wir dann gemeinsam Pflaumenmus?“, fragt meine Gartennachbarin.

„Später gerne, jetzt habe ich erst mal Hunger, ich brate uns schnell was.“

Ich mische eine fein gehackte Knoblauchzehe, je einen Teelöffel frisch geriebenen Ingwer und Zucker mit je einem Esslöffel Wasser und Tamari-Sojasoße. In der Pfanne erhitze ich einen Esslöffel Rapsöl und brate zwei geviertelte Salatköpfe mit Peffer und Salz zirka acht Minuten unter häufigem Wenden an. Dann gebe ich vier große, geviertelte Pflaumen und 40 g Sonnenblumenkerne hinein, rühre weitere vier Minuten. Zum Schluss gieße ich die Sojasoßenmischung darüber und rühre weiter zwei bis drei Minuten. Dazu reiche ich Fladenbrot.

Der Mitmachblog ist tot – es lebe die DSGVO

Liebe LeserInnen,

als mir die WordPress-Statistik heute morgen meine 1200 ste Followerin anzeigte, wollte ich eigentlich nur schnell einen kurzen Dankeschön-Beitrag schreiben, um Caro alias -the kitchen kangaroo-  zu begrüßen und natürlich all die 199 anderen Blogger und Leser, die sich seit der zurückliegenden Follower-Statistik-Danksagung hier auf Karotinasblog eingefunden haben.

Zum Beispiel Niii, die sich seit einigen Wochen hier von Geschichte zu Geschichte klickt.

Herzlich Willkommen, Ihr alle, ich hoffe es gefällt Euch auch weiterhin.

Bei der Suche nach dem Beitrag zum 1000 sten Follower fiel mir allerdings auf, dass alle vom MitmachBlog rebloggten Beiträge auf meinem Blog nicht mehr lesbar waren, weil der MitmachBlog wegen der DSGVO auf privat geschaltet wurde.

Ich möchte aber, dass auch in Zukunft alle meine Beiträge für alle meine Follower lesbar sind. Deshalb habe ich meine 39 Beiträge vom Mitmachblog rebloggten Beiträge noch einmal als  Kopien eingestellt. Es mag sein, dass nicht alle Links in den Beiträgen funktionieren, weil alles was zum MitmachBlog führt, nur für die wenigen Mitstreiter, die dort noch als Autoren gelistet sind, lesbar sein wird.

Wenn ich mal gaaaanz viel Zeit habe, werde ich da auch noch nachbessern.

Zunächst jedoch viel Spaß mit den alten und den neuen Beiträgen.

Bienenfleißige Grüße aus dem Garten

Kalte grüne Suppe

Rapunzel bat mich, ihr beim junge Erbsen palen behilflich zu sein.
„Willst Du grüne Gurken?“, fragt sie nebenher. Ich nicke.

Im hinteren Teil des Gartens tuscheln die Kinder.

„Was hecken die wohl schon wieder aus?“, frage ich. Rapunzel zuckt mit den Schultern. Es ist diese Gelassenheit, die Rapunzels Parzelle bei allen Kindern der Nachbarschaft beliebt macht.

Wir unterbrechen unsere Arbeit und schlendern auf Rapunzels Gewächshaus zu. Dabei kommen wir – natürlich rein zufällig – an dem Hochbeet vorbei, hinter dem die Kinder in Deckung gegangen sind.

Die Kinder sind vollkommen in ihr Spiel vertieft. Offenbar versuchen sie zwei Weinbergschnecken, zu einem Wettrennen, zu animieren. Doch die Rivalen in spe haben sich beide in ihre Behausungen zurückgezogen.

„Warum kommen die nicht raus“, fragt Paul.

„Nun ja“, antwortet Rapunzel, „stell dir mal vor, du bist vor einem Riesen in euer Gartenhaus geflüchtet und jetzt steht der Riese da und versucht dich herauszulocken. Da würdest du doch auch nicht …“

„Doch“ sagt der kleine Moritz entschlossen. „Ich würde rauskommen und schnell weg laufen.“

„Es gibt doch gar keine Riesen“, stellt Paul überlegen fest.

„Aber wenn es welche gäbe, würde ich laufen“, beharrt Moritz, „nicht drin bleiben, wie die doofe Schnecke.“

„Die Schnecke ist doch nicht doof“, wendet Rapunzel ein. „Die ist sogar ziemlich schlau und verkriecht sich in ihrem Haus, um sich zu schützen.“

„So wie die Katze?“, fragt Moritz.

Rapunzel und ich schmunzeln.

Eines schönen Abends schlossen die Eltern des kleinen Moritz aus Versehen eine streunende Katze ein, die ins Gartenhaus geschlichen war. Am nächsten Tag hatte das Tier die halbe Inneneinrichtung zerlegt und konnte nur mit einiger Mühe unter dem alten Küchenbuffet hervorgelockt werden.

„So wie die Katze“, kichert Rapunzel. „Nun aber husch, eure Mütter warten bestimmt schon.

Die Kinder ziehen ab.

„Für morgen werde ich uns eine schöne kalte grüne Suppe bereiten“, sage ich nachdem mir Rapunzel zwei Schlangengurken gereicht hatte.

Ich werde die Gurken waschen und schneide sie in grobe Stücke. Dazu gebe ich einen grünen Apfel ohne Kerngehäuse, eine kleine Zwiebel, zwei Knoblauchzehen und 150 Gramm junge Erbsen, einer großen Handvoll frischer Minze und 100 Milliliter Wasser in den Mixer. Nach dem Pürieren gebe ich 200 Gramm junge Erbsen und eine in ganz feine Stückchen geschnittene grüne Paprikafrucht hinzu, würze mit Salz und Pfeffer und stelle alles für ein paar Stunden in den Kühlschrank. Zum Servieren werde ich noch in Olivenöl geröstete Weißbrotwürfel in die kalte Suppe streuen.

Als wir gehen wollen, kommt uns ein ängstlicher Moritz entgegen.

„Ich glaube meine Eltern sind nach Hause gegangen und die Katze ist schon wieder eingesperrt.“

Ungläubig folgen wir ihm. In der Tat ist die Laube verschlossen und aus dem Inneren dringt eigenartiges Raunen und Ächzen. Rapunzel lenkt Moritz ab und ich klopfe ans Fenster. Im Inneren sehe ich die geröteten Wangen von Moritz‘ Mutter.

„Lasst mal die Katze raus, euer Kind will nach Hause“, rufe ich.

Krautsalat mit Extras

Als in unserem Verein beschlossen wurde, eine Tauschbörse einzurichten, gingen die Meinungen weit auseinander. Einige unkten Tauschbörse sei nur ein vornehmer Begriff für Gerümpelecke. Andere fanden die Idee prima.

Wie meist im Leben, hatten alle ein bisschen recht. Mitunter liegen in der Tauschecke stumpfe Sägen, angeschlagenes Geschirr oder zerflederte Gartenzeitungen. Derlei Gaben werden diskret entsorgt. Denn auch gut funktionierende Kinderschubkarren, wunderbare weiße Dahlien und herrlich nostalgische Tischdeckenhalter fanden durch die Tauschbörse neue Besitzer.

Ich stehe vor einem Karton mit Büchern und Schallplatten und blättere in einem alten Kochbuch.

„Na“, fragt Pierre, der unbemerkt zu mir herangetreten ist, „Schätze heben?“
„Ich weiß noch nicht“, antworte ich unschlüssig.

Pierre nimmt eine Schallplatte und liest vor: „Ein Laubenpieper ist keine Kreuzung von Fliegenschnäpper und Regenpfeifer.“

„Hä?“ Ich lasse das Kochbuch sinken.

Pierre hält das Cover hoch. „Laubenpiepers Hitparade“ steht darauf.

„Die ist 32 Jahre alt, genau wie Du, Karo!“

Ich merke wie ich erröte. „Ach, Pierre, du alter Charmeur.“

„Ich habe noch einen Schallplattenspieler in meiner Laube“, fährt Pierre fort. „Wir könnten heute Abend eine kleine Party machen und Welthits wie „Schön ist so ein Gartenzwerg“ oder „Laubenpiepergartenhundefest“ anhören.

Ich nicke.

„Okay, ich sage dann mal den anderen Bescheid.“ Pierre klemmt sich die Schallplatte unter den Arm.

Ich rette zwei kleine Rotkohlköpfe durch vorzeitige Ernte vor gefräßigen Raupen. Zirka 120 g Sellerie schneide ich in feine Streifen, 400 g Rotkohl und 200 g Möhren werden fein geraspelt und vier Salatköpfe in mundgerechte Stücke geteilt.

Für das Dressing weiche ich 200 g ungeröstete Cashewkerne in 350 ml heißem Wasser für eine halbe Stunde im Mixbecher ein. Dann gebe ich zwei EL Senf, zwei Knoblauchzehen, eine Hand voll Dill, ein wenig Estragon, je vier EL Gewürzessig und Olivenöl hinzu, mixe alles durch und stelle das Dressing kühl.

Aus einem Zweipfundweißbrot vom Vortag schneide ich Würfel und vermenge diese mit vier EL Olivenöl, zwei EL Kräuteressig, Pfeffer, Salz und vier zerquetschten Knoblauchzehen. Wenn die Brotwürfel gut durchgezogen sind, werden sie in der Pfanne oder auf einem Backblech geröstet.

Am Abend weht von Pierres Laube „Wir sind die lustigen Holzhackerbuam“ herüber. Meine Gartennachbarin Frau B. tänzelt beschwingt den Gartenweg entlang und mahnt ihren Mann Hans-Georg, der zwei große Klappstühle schleppt, zur Eile.

Ich verdrehe die Augen, Bruce und Rapunzel kommen auch herüber und schauen mich mitleidig an. „Das kann ja heiter werden“, wispert Rapunzel und nickt in Richtung Pierres Partylaube. Von dort klingt die Melodie des Schneewalzers auf einer Ziehharmonika. Als wir eintreffen tönt es: „Wir trinken auf die Nachbarschaft, mit Erdbeerwein und Möhrensaft. Widdewiddewitt bumm bumm.“

Auch Pierre hat Krautsalat zubereitet. „Wie früher“ strahlt er, „Weißkohl, Karotten und Äpfel reiben, Pfeffer, Salz, Essig – fertig.“

 

Das Coverfoto der Amiga-Schallplatte von 1986 ist von Volker Ettelt.

Awarde in Zeiten der Cholera –

Quatsch – Moment – ich hab’s gleich –

… in Zeiten der DSGVO

so heißt das    – – –   natüüüürlich.

Bevor die gestrengen Internettürsteher mich nun vermutlich bald rausschmeißen, weil ich die falschen Erklärungen abgegeben habe, mache ich mir hier den Spaß die Nominierung von Carola anzunehmen.

Mal wieder zu spät, ich bitte untertänigst um Entschuldigung dafür und bedanke mich auf das Artigste.

Es ist meine fünfte Nominierung, das bedeutet, es wurden schon 28 Dinge über Karotinas Blog ausgeplaudert; Nun also weitere sieben Fakten, Fakten, Fakten und immer auch ans Faken denken.

Die Geschichten aus dem Kleingärtnerverein sind frei erfunden und jegliche Ähnlichkeit mit real existierenden Personen sollte mit Humor genommen werden, denn sie ist nicht beabsichtigt. Das würde jedenfalls mein Anwalt behaupten, wenn ich mir einen leisten könnte.

Der Kleingärtnerverein, der die Quelle der Inspiration ist, hat 2017 den ersten Preis im Wettbewerb des Landes Sachsen „Gärten in der Stadt“ erhalten.

2018 bestehen gute Aussichten, dass auch im 24. Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ ein Preis errungen wird. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Gegenwärtig freuen sich die Kleingärtner des Vereins über den ersten Preis beim Wettbewerb der Stadt Dresden und des Stadtverbandes „Dresdner Gartenfreunde“ e. V. und führen nun zum zweiten Mal nach 2014 den Titel: „Schönste Kleingartenanlage Dresdens“.

Die Rezepte sind ausnahmslos vegan, weil im Garten nun mal bloß Obst und Gemüse wachsen.

Es gab mal den Versuch einen Leberwurstbaum  zu kultivieren. Aber der ist gescheitert und Leberwürste wären ohnehin nicht daran gewachsen.

Alle Leser dieses kleinen Hobbygärtnerküchenaufschreibblogs sind sich vollkommen darüber im Klaren, dass im Internet mit Keksen geworfen wird, die WordPress und andere backen, damit sie sich die ID-Nummern der Computer, die von den Lesern benutzt werden, besser merken können.

So, das waren wieder sieben Sachen.

Ich habe das Gefühl die DSGVO hat dem Awardunwesen den Garaus gemacht.

Nominieren werde ich natürlich niemanden. Am Ende werde ich im Rahmen der neuen Regeln noch dafür verklagt.

Vielen Dank nochmal an Carola und allerherzlichste Grüße aus dem Garten an alle Leser, Follower und Freunde.

Ihr seid die Besten.

Eine etwas andere Erdbeertorte

„Nichts auf der Welt ist so mächtig, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Viktor Hugo

Dieser Schriftzug prangt in geschwungenen Lettern auf einem Schild über der Tür zum Gartenhäuschen von Holger, den alle nur Bruce nennen, weil er dem jungen Bruce Willis ähnlich sieht.

Bruce hat die Tür zum Gartenhaus ausgehängt und im Türrahmen steht ein mächtiger Kühlschrank.

Im Inneren von Bruce Gartenhütte rumort es und ich höre die Stimme von Hans-Georg B.: „Jetzt schieb schon endlich. Das wird langsam warm hier drin.“

„Ich schiebe doch schon. Das hängt aber irgendwo.“ Bruce nimmt das Kabel und versucht es platzsparender zu verstauen.

„Ganz schön groß, nicht?“ Meine Gartennachbarin Frau B. blickt unschuldig zu Bruce auf und wendet sich unmittelbar danach an ihren Gatten: „Hans-Georg? Ist da drin überhaupt genug Platz für dich und den Kühlschrank?“

Bruce stöhnt auf.

Hans-Georgs Stimme tönt dumpf: „Das ist jetzt nicht hilfreich.“

„Ok, dann warte ich mal hier.“ Frau B. lässt sich auf der Hollywoodschaukel nieder.

Die Männer unternehmen einen weiteren Versuch, Holz knarrt, Blech quietscht, der Schrank ist ein paar Zentimeter weiter in der Hütte.

„Soll ich Euch Schmierseife holen?“ Frau B. schaukelt und fügt fröhlich hinzu: „Oder einen Verbandskasten?“

„Wäre es nicht klüger gewesen, die Hütte um den Kühlschrank herum zu bauen?“, wage ich einzuwenden.

Bruce schnauft und knurrt: „Als die Hütte gebaut wurde, gab es den Kühlschrank noch gar nicht.“

Zwei abgeschraubte Türrahmenleisten und eine halbe Stunde später, steht das Kühlgerät am dafür vorgesehenen Ort und wir werden Zeugen der feierlichen Einweihung. Bruce stöpselt das Kabel in die Steckdose, öffnet die Tür, das Licht im Inneren erstrahlt und fällt auf einen vollen Kasten Bier.

„Du hattest da einen Kasten Bier drin?“ Hans-Georg B. drückt demonstrativ sein Kreuz durch. „Ich hab mich schon gewundert, warum das Ding so schwer ist.“ Bruce reicht ihm eine Flasche zur Versöhnung.

Ich betrachte skeptisch die ungenutzten Einschübe und Fächer und frage: “Du weißt aber schon, dass Luft kühlen unökologisch ist?“

„Natürlich“, antwortet Bruce, „der wird schon noch voll werden. Du könntest ja zum Beispiel eine Torte hineinstellen.“ Er zwinkert mir zu.

Ich überlege. „Gar keine schlechte Idee. Ich wollte schon immer mal eine spezielle Erdbeertorte machen, für die ich nie genug Platz in meinem Kühlschrank hatte.

Ich beginne mit der Arbeit. Ein halbes Kilo Erdbeeren wird geputzt und gewaschen. Dann tupfe ich die Beeren trocken und schneide sie in kleine Würfel. Danach zerbrösele ich 300 Gramm Zwieback zu feinen Krümeln und röste diese in einer Pfanne mit 80 Gramm Margarine an. Eine Lage Zwieback-Margarine-Gemisch drücke ich eine eingefettete 26er Springform. Es folgt eine Lage Erdbeeren und so fort. Die letzte Schicht Erdbeeren bestreue ich mit fein gehackter Minze. Die Deckschicht aus Zwiebackmasse wird ebenfalls fest angedrückt und mit gehackten Haselnüssen garniert. Danach kommt der Kuchen für zirka 12 Stunden in den Kühlschrank.

Gemüselasagne

Seit ein paar Jahren haben wir in unseren Kleingartenanlage Restmülltonnen, eine Recycling-Tonne für Papier und Pappe und eine gelbe Tonne für Verpackungsmüll aus Metall und Kunststoff.

Ich komme grade dazu, als Pierre und Rapunzel einen großen Karton aus Wellpappe, der neben der blauen Tonne steht, wegschleppen wollen.

„Was soll das denn werden?“, frage ich und die zwei halten inne.

„Rapunzel will ein Lasagne-Beet bauen“, sagt Pierre und lächelt breit.

Neugierig folge ich den beiden. Sie schichten eine Lage Pappe in einen Rahmen aus Brettern. Darauf legen sie umgedrehte Rasensoden. Dann folgt eine Schicht Holzhäcksel, feine Zweige und Laub, eine Schicht Grünschnitt, darauf eine Lage grober Kompost, wieder Holzhäcksel, Grünschnitt und so weiter, bis ein zirka fünfzig Zentimeter hohes Beet entstanden ist. Auf die oberste Lage streuen Rapunzel und Pierre ein Gemisch aus Kompost und Pflanzerde.

„Jetzt werde ich das Ganze vierzehn Tage lang kräftig wässern und dann kann ich Gemüse pflanzen.“ Rapunzel hebt die Gießkanne und ein sanfter Wasserschwall rinnt aus der Brausetülle auf ihr Schichtbeet.

„Ganz schön viel Aufwand“, stelle ich fest.

„Genau wie bei richtiger Lasagne“, sagt Pierre, „hast du schon mal Lasagne gemacht, Karo?“

Ich nicke.

Ich hackte zwei Zwiebeln und vier Knoblauchzehen klein, briet sie in einem Topf mit Olivenöl glasig und gab je 200 g fein gewürfelte Karotten und Zucchini sowie eine Tasse Gemüsebrühe dazu. Als die Flüssigkeit weitestgehend verdampft war, rührte ich vier Esslöffel Tomatenmark unter. Danach schälte ich 700 Gramm Tomaten, teilte sie in kleine Stücken schüttete diese zusammen mit je zwei Teelöffel getrockneten Oregano, Basilikum und Thymian, Pfeffer und Salz in den Topf. Auf kleiner Flamme köchelte diese Gemüsesauce vor sich hin.

In der Zwischenzeit heizte ich den Ofen auf 220°C vor und begann die Béchamelsauce zuzubereiten. Ich schmolz in einem Topf vier Esslöffel Margarine, gab sieben Esslöffel Mehl hinzu und schwitzte es goldbraun an. Dabei rührte ich mit einem Schneebesen ständig um und gab nach und nach einen Liter Sojamilch hinzu. Die Sauce dickte ein. Nach zirka zehn Minuten hatte sie die gewünschte Konsistenz erreicht und ich gab drei Teelöffel geriebene Muskatnuss zu und schmeckte mit Pfeffer und Salz ab.
Zur Gemüsesauce fügte ich 200 g fein gewürfelten Gemüsepaprika, ohne diesen mit zu kochen.

Nun bedeckte ich den Boden einer großen Auflaufform dünn mit Béchamelsauce und legte die erste Schicht Lasagneplatten hinein. Dann eine Schicht Gemüsesauce, gefolgt von einer weiteren Schicht Hartweizengrießplatten. Wieder Bécamelsauce und so fort, bis alle Zutaten aufgebraucht waren. Für die angegebenen Mengen Sauce benötigte ich eine 500 g – Packung vegane Lasagneplatten. Die letzte Schicht war Béchamelsauce. Darüber verteilte ich 400 g veganen Streukäse.

Die Lasagne buk ich bei 220°C auf mittlerer Schiene etwa eine dreiviertel Stunde lang im Ofen, bis der Käse schön goldbraun geworden war und „pflanzte“ Basilikumblätter darauf.