Schopska-Salat ohne Schafskäse

Ich sitze an der Laube und putze Paprikafrüchte. Kipirr, es scheppert an meiner Gartenpforte. Seit Jahren signalisiert mir dieses Geräusch Besucher und oft kommt mir dabei folgende Begebenheit in den Sinn:

Wenige Wochen nachdem ich meine Kleingartenparzelle gepachtet hatte, erklärte ich meiner Gartennachbarin Frau B., dass ich einen Urlaub in Bulgarien zu verbringen beabsichtigte.
Frau B. musterte mich eine Weile stumm. Dann fragte sie: „Bulgarien? Urlaub? Im September?“

Arglos antwortete ich: „Ja, warum?

„Warum?“ Frau B. rang sichtbar um Fassung. Dann brach es aus ihr heraus: „Wieso fahren sie überhaupt noch in Urlaub? Sie haben doch jetzt einen Garten.“

Sie sollte auf seltsame Art Recht behalten. Im nächsten Sommer brachte ich das Fräulein Tochter zur Welt und seither sind wir ausnahmslos außerhalb der Gartensaison in den Urlaub gefahren.

Damals jedoch, ließ ich den Garten Garten sein und besuchte das schöne Städtchen Nessebar am Schwarzen Meer. Dort entdeckte ich auf einem Markt eine kleine Kugel aus Messing. Der Verkäufer bemerkte mein Interesse. In seinen Händen entpuppte sich die Metallkugel als Schelle. Er bimmelte damit herum, deutete auf eine paar Schafe am Straßenrand und machte: „Böhh, böhh.“ Ich hatte mein Souvenir gefunden.

Wieder zu Hause angekommen band ich in Ermagelung eines Schafes, die Messingbimmel an mein Gartentor.

Das erste Kipirr des heutigen Tages verursachte Fräulein Tochter, im Schlepptau hat sie ihren bärtigen Freund mit dem Dutt.

„Na“, frage ich, „was macht die essbare Stadt?“

„Pfft“, macht das Fräulein Tochter, „alles abgeerntet und aufgegessen Mama. Wie sieht es bei Dir aus?“

„Ein paar Tomaten, Gurken, Zwiebeln und Paprika hab ich noch.“

„Das paßt prima. Wir haben Tofu wie Feta mitgebracht.“

Das Fräulein Tochter will mit ihren Freunden aus unserem Heimatort nicht nur eine essbare Stadt machen, sondern viele der jungen Leute verzichten auch auf alle Nahrungsmittel tierischer Herkunft.

„Tofu wie Feta?“

„Ganz einfach, Mama. 200 Gramm Tofu fein zerkrümeln. mit drei Esslöffel Hefeflocken, dem Saft einer halben Zitrone, zwei Esslöffel Olivenöl, einer gepressten Knoblauchzehe und einer Prise Salz mischen.“

„Fehlt ja nur noch das Gemüse für einen schönen Schopskasalat.“

Wir schnibbeln eine Schlangengurke, vier Tomaten, eine gelbe Paprikaschote, eine Zwiebel und geben eine gepresste Knoblauchzehe, drei Esslöffel Olivenöl, eine Handvoll gehackte, glatte Petersilie, Salz und Pfeffer dazu. Ich verschließe die Schüssel und sage:

„Für das optimale Aroma, muss das Gemüse mindestens zwei Stunden ziehen. Ihr könnt mir ja einstweilen im Garten helfen.“

Nach der Gartenarbeit, schneiden wir Weißbrot, mischen den Tofu unter das Gemüse und lassen es uns munden.

Meine Nachbarin Frau B. lugt zu unserem Gartentisch herüber, wünscht guten Appetit und fügt hinzu: „Ah, der junge Mann mit dem Dutt.“

„Das ist kein Dutt, das ist ein Man Bun“, klärt das Fräulein Tochter auf.

„Man Bun“, Frau B. schüttelt ihren Kopf und knurrt: „Könnte auch Kraut heißen, so wie es oben von der Rübe absteht.“

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27 Gedanken zu “Schopska-Salat ohne Schafskäse

  1. Ich eß meinen Tofu lieber mit Hackfleisch. Wabbeliges nichts und überwürztes Fleisch geben so einen schönen Kontrast.Aber Angst krieg ich schon bißchen wegen der ganzen Typen, die Töchter mal so anschleppen könnten. Ich seh mich schon jammern: Kannste Dir nicht mal wen anständigen suchen, so mit Dreadlocks, der seinem Schwiegervater Kräuter mitbringen kann…?!?

    Gefällt 5 Personen

    1. Is klar:
      Veganes Essen ist total lecker, Du mußt nur Sahne und Gehacktes drantun! 😀

      Die „geschmacksneutraler Wabbel Phase“ ist – zugegeben – eine Hürde, die überwunden werden will. Wenn man den Bogen aber einmal raushat, kocht es sich mit Tofu gar nicht übel.

      Nachdem die Wildschweine neulich freundlicherweise das Ernten für uns übernommen haben, liegen die Zutaten hier quasi schon bereit …
      Ich probier das gleich aus!

      Gefällt 3 Personen

      1. Hab nix gegen Vegan. Bin nur konservativ gegenüber Tofu. Den seh ich nicht als Ersatz für irgendwas sondern als normale Zutat asiatischer Gerichte. Da gibt’s welche mit Fleisch oder ohne, wie Misosuppe. Da gehört der eben wabbelig. Bei Vegan denk ich dann eher an Pasta Pomodori. Oder Kohlgemüse. Oder die Aubergine, die ich gleich in die Pfanne hau. Indische Linsen dagegen kann ich mir nur schwer ohne Butterfett und Joghurt vorstellen. Bin halt bißchen fanatisch was originale Rezepte angeht.

        Gefällt 2 Personen

  2. Danke für das Grinsen im Gesicht! 😀
    Toller Bericht und das Tofu ala Feta klingt sehr spannend.
    Meine Schwiegertochter ist Veganerin. Und beim letzten Salat, gab es ihren ohne Feta. Aber nun kann ich sie überraschen. 😉
    LG JJacky

    Gefällt 3 Personen

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