Kandierte Gänseblümchen

Ich stehe mit meinem Fräulein Tochter Jasmin in der Küche ihrer Wohngemeinschaft und rühre Zuckersirup. Mit 100 Milliliter Wasser hatte ich 125 Gramm Rohrohrzucker aufgelöst und kurz köcheln lassen. Nun rühre ich den langsam erkaltenden Sirup. Jasmin wusch derweil Gänseblümchen mit kaltem Wasser und legte sie auf ein Leinentuch zum Trocknen.

„Sieht hübsch aus“, stellt sie fest und zupft die Blüten zu einem Ring.

Mein Telefon klingelt und Bruce ist dran.

„Hör mal, Karo“, druckst er herum, „würdest du, ähm dürfte ich …“

„Was“, frage ich streng.

„Ich möchte dich gern als Schlichterin vorschlagen.“

Das Fräulein Tochter macht lange Ohren. Ich stelle das Telefon auf Lautsprecher.

„Jasmin hört mit“, sage ich.

„Hallo Holger“, flötet das Fräulein Tochter. Wir grinsen, als wir merken wie seltsam es sich anhört, wenn Bruce nicht mit seinem Spitznamen angesprochen wird.

„Hallo Jasmin“, krächzt es aus dem Lautsprecher.

„Also was sagst du?“

Jasmin stupst mich an und nickt theatralisch.

„Ach ich weiß nicht, was müsste ich da denn …?“

Das Fräulein Tochter schlägt sich die flache Hand vor die Stirn.

„Nuuun“, Bruce atmet hörbar, „wenn sich mal zwei Gärtner über irgendwas nicht einigen können, dann könntest du – ähm vermitteln.“

„Aber das mach ich doch schon. Zum Beispiel bei Hans-Georg und dem Neuen mit der LKW-Plane.“

„Weiß ich doch, aber wenn die Mitgliederversammlung dich als Schlichterin gewählt hat, dann machst du es offiziell.“

„Mhm, offiziell hört sich nach Verpflichtung an.“

„Sie macht es“, ruft Jasmin dazwischen.

„Also das möchte ich schon von deiner Mutter …“ Im Lautsprecher raschelt es.

„Bist du noch dran? Na gut, schlag mich halt vor.“ Rascheln und Knarzen.

„Das freut mich. Ich hätte da auch schon die erste Schlichtung.“

„Ich bin doch noch gar nicht gewählt.“

„Aber in drei Wochen wirst du gewählt sein. Bis dahin sollte der vorliegende Fall nicht weiter eskalieren.“

Ich bereue meine Zusage und frage tapfer: „Um welchen Fall handelt es sich denn?“

Das Fräulein Tochter simuliert lautlos einen Lachanfall.

„Na um Hans-Georg und den Neuen mit der LKW-Plane.“

Jasmin prustet los.

„Was ist denn mit den beiden schon wieder“, frage ich.

„Du weißt doch noch, wie die Parzelle des Neuen aussah, als der Wind die LKW-Plane verschoben hatte?“

„Ja, als wäre ein Heißluftballon notgelandet.“

„Der Neue behauptet, Hans-Georg hätte die Leinen der Plane gelockert. Also Danke für deine Kandidatur Karo, wir sehen uns spätestens zur Mitgliederversammlung.“ Bruce legt auf.

„Meine Mama kandidiert“, fasst Jasmin feierlich zusammen.

„Ja, ja“, wehre ich ab, “jetzt lass uns hier erstmal kandieren.

Wir tauchen die Gänseblümchen vorsichtig in den Sirup. Dann befestigen wir die Blütenstängel an einem Bindfaden und hängen die Blümchen über Backpapier zum Trocknen auf.

„Das ist ja eine schöne Schmiererei.“ Jasmin schleckt sich ihre Finger sauber. „Wie lange brauchen die jetzt?“

„Morgen tauchst du sie noch einmal, nach zwei Tagen streust du vorsichtig Rohrohrzucker drüber und dann nochmal für weitere vier Tagen aufhängen.“

Deftiger Kohlrabi-Eintopf

„Die jungen Leute können alle kein Gartenhaus mehr bauen.“

Mein Gartennachbar Hans-Georg B. deutet auf eine Bauruine, die in unserer Gartenanlage nur „das Hochhaus“ genannt wird. Ein Junggärtner hatte das undichte Pultdach einer Laube abgerissen und bevor er die neuen Sparren auflegte, einen Ring aus alten Fenstern eingebaut.

Hochhauslaube_klein

Dabei unterliefen ihm einige Fehler, die dazu führten, dass er das neue Dach wenig später mit Planen abdecken musste. Gespannt warteten die anderen Gärtner auf die Fortsetzung des Baugeschehens. Doch der Wind zerriss die erste Plane, wenig später die zweite und bald auch Plane Nummer drei.

Da der verhinderte Gartenhausarchitekt auch keinen nennenswerten Obst- und Gemüseanbau realisierte, wurde er vom Vorstand gekündigt. Der nächste Bauherr installierte zunächst eine massive LKW-Plane.

„Na, habt ihr da einen Neuen?“ fragt Hans-Georg unseren stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Bruce, der grade des Weges kommt.

„Hm“, brummt Bruce, kratzt sich am Kopf und schaut nachdenklich auf das Planenungetüm, das wie ein auf einer Streuobstwiese liegengebliebener 40-Tonner wirkt.

„Nach hoffentlich renkt der sich nicht auch beim Arschabwischen den Daumen aus.“

„Hans-Georg“, tadelt meine Gartennachbarin Frau B. ihren Gatten und fügt hinzu: “Ihr müsst den jungen Lauten auch mal was zutrauen.“

„Mach ich doch“, grollt Hans-Georg, „denen trau ich alles zu.“

„Ich hab schon Hilfe angeboten, aber er meint, er kriegt das allein hin.“ Bruce wendet sich seinem Garten zu.

„Dann sollen die Neuen eben nur noch diese Baumarkthütten zusammenstecken. Dafür wird es ja wohl noch reichen. So kann das jedenfalls nicht bleiben“ murrt Hans-Georg.

„Da sind wir uns einig. Wenigsten gärtnert der Neue“, sage ich und zeige auf einige Mangold- und Grünkohlpflanzen.

„Ist der Kohlrabi noch vom letzten Jahr?“, fragt Frau B., zeigt auf das Frühbeet und zieht sich fröstelnd ihre Strickjacke enger um die Schultern.

„Na im Winter ist der sicher nicht gewachsen“ spottet Hans-Georg.

„Habt ihr es denn noch nicht gelesen?“ frage ich. „Kohlrabi funktioniert angeblich im Frühbeet als Wintergemüse. Selbst wenn er durchgefroren war, wird er wieder knackig.“

„Na, wer’s glaubt.“ Hans-Georg winkt ab.

Ich gehe in meinen Garten und hole Kohlrabi aus meinem Gewächshaus und Kartoffeln, Sellerie und Möhren aus der Miete.

Nachdem ich das Gemüse geputzt und geschält habe, setze ich einen Topf mit einem Liter Wasser auf. Zuerst gebe ich 200 Gramm feingewürfelten Knollensellerie hinein, dann 500 Gramm Kartoffelwürfel und 250 Gramm gestiftelte Möhren. Einen halben Teelöffel Salz dazu und zehn Minuten kochen lassen. Danach gebe ich zirka zwei Kilo kleine Kohlrabiwürfel zur Suppe und lasse das Ganze weitere zehn Minuten kochen.
Aus einem Esslöffel Mehl und einer Flocke Margarine bereite ich in einem kleinen Tiegel eine helle Mehlschwitze, die ich zum Binden unter die Suppe ziehe. Danach schmecke ich mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss ab. Zu guter Letzt zupfe ich frischen Feldsalat und verteile ihn über den Portionen.

Spinatstrudel mit Kürbis

„Was ist denn da schon wieder los?“ Meine Gartennachbarin Frau B. beugt sich über ihren Kompost und späht über die rückwärtige Grenze unserer Gärten hinüber zum nächsten Vereinsweg. Vor der Parzelle eines sehr alten Gartenfreundes haben sich der alte Vorsitzende, Bruce, Pierre, Kojak und einige andere Kleingärtner eingefunden.

„Los Karo, wir gehen da auch mal rüber“, ordnet Frau B. an und ich folge neugierig.

Bruce und Kojak gestikulieren in Richtung des pittoresken Gartenhäuschens.

„Für die einen ist es ein historisches Bauwerk und für die anderen die wahrscheinlich längste Holzwurmfarm der Anlage“, höre ich Kojak sagen.

„Die Wertermittler haben der Bude eine Standzeitverlängerung von drei Jahren zugebilligt“, wendet Bruce ein.

Meine Gartennachbarin deutet auf die Parzelle und fragt: „Hat der etwa aufgehört?“
Pierre grinst: „So kann man das auch sagen.“

Bruce zeigt nach oben: „Der gärtnert nun woanders und wir werden hier jetzt erst mal aufräumen, bevor die Parzelle neu verpachtet wird.“

Wir betreten den leicht verwahrlosten Garten. Bruce öffnet das Gartenhaus. Die Männer beginnen, die Einrichtungsgegenstände zu sortieren. „Seht mal, was ich gefunden habe!“ Kojak wuchtet einen Plastiksack aus dem Abstellraum.

„VEB Leuna-Werke Walter Ulbricht“, liest Pierre vor. „Hier ist noch mehr.“ Bruce nimmt eine Halbliterflasche mit Bi 58 aus einem Regal.

VEB_Leuna_Werke

Es folgen ein Blechkanister mit der Aufschrift: „Holzschutz – bienengefährlich“ und mehrere Säcke mit verblichenen Etiketten.

„Das wird ein Fall für die Schadstoffannahmestelle“, brummt Bruce.
Frau B. und ich sehen uns im Garten um.

„Na, brauchst Du Spinat?“ Meine Gartennachbarin deutet auf ein sehr großes Beet mit Spinatpflanzen, die ganz offensichtlich gut über den Winter gekommen waren. Ich deute auf die Chemikaliensammlung vor der Laube und sage: „Nicht aus diesem Garten.“

„Oder den hier“, Frau B. zeigt auf einen Hokkaidokürbis, der im oberen Mulm des Kompostbehälters halb versunken und offensichtlich nicht mehr zu gebrauchen ist.

Ich lehne ab. „Nee, lass mal, habe ich alles noch selbst. Aber gute Idee.“

Zu Hause bereite ich aus 250 Gramm Mehl, einer Prise Salz, einer Tasse Wasser und zwei Esslöffel Rapsöl einen Strudelteig und stelle ihn beiseite.

Für die Füllung gare ich 400 Gramm Hokkaidokürbisfleisch in 50 Milliliter Apfelsaft zirka fünf Minuten, quetsche es mit einer Gabel zu Püree und schmecke mit Pfeffer, Salz und Muskat ab. Eine Zwiebel und eine Knoblauchzehe schälen und hacken. 100 Gramm Räuchertofu mit einer Gabel zerdrücken und mit wenig Rapsöl in einer Pfanne goldgelb rösten. Dann die Zwiebel und die Knoblauchzehe mit braten. 250 Gramm Blattspinat klein schneiden, ebenfalls in die Pfanne geben und mit Pfeffer, Salz, Muskatnuss und Paprikapulver abschmecken.
Ich heize den Backofen auf 220 °C Ober- und Unterhitze vor und rolle den Strudelteig auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech aus. Zunächst die Kürbismasse aufstreichen, danach die Spinatfüllung darüber verteilen, den Strudel einrollen, mit zwei bis drei Esslöffel Sojasahne bestreichen und zirka 20 Minuten backen.

Chefsalat light

„Du machst was?“ Meine Gartennachbarin Frau B. verzieht ihr Gesicht. Halb bewundernd halb angewidert ruht ihr Blick auf Bruce, der sich am Kopf kratzt, auf Pierre zeigt und sagt:
„Der da hat mich überredet.“

„Einer muss die Arbeit machen“, grinst Pierre, „und der Chef ist schon ganz schön alt.“

„Wer ist schon ganz schön alt?“ fragt Rapunzel, die sich eben zu uns gesellt hat.

„Unser Vorstandsvorsitzender“, schnaubt Frau B. und fügt mit einer Kopfbewegung Richtung Bruce hinzu: „Und der da wird unser neuer Vorsitzender.“

„Stellvertretender Vorsitzender“, korrigiert Pierre, „erstmal wird er Stellvertreter.“ Pierre klopft Bruce auf die Schulter.

„Vielleicht werde ich ja nicht gewählt“, sinniert Bruce.

„Nicht gewählt, nicht gewählt“, äfft Frau B. Bruce nach. „Die werden dich schon wählen, weil sie froh sind, dass sie es nicht selber machen müssen. Das ist doch immer dasselbe. Erst will es keiner machen und kaum findet sich einer bereit, hacken alle auf ihm herum.“

„Ihr hackt doch nicht auf mir herum!“ Bruce wirkt entschlossen. Ich höre ihn schon zu dem streitsüchtigen Alten im letzten Garten unseres Weges sagen: „Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke.“

„Wir nicht“, beschwichtigt Frau B. „aber hier gibt es ja noch zweihundert andere Gärtner.“

Pierre, Rapunzel und ich nicken.

„Aaah, unser neuer Vorsitzender“, ruft Kojak schon von weitem. Kojak ist schon seit ein paar Jahren stellvertretender Vorsitzender und hat offenbar keine Ambitionen, selbst Vorsitzender zu werden.

„Stellvertretender Vorsitzender.“ antworten Rapunzel, Pierre und Bruce im Chor.

„Weiß ich doch“, sagt Kojak.

„Wenn er gewählt wird“, fügt Frau B. mit ernster Miene hinzu.

„Wird er schon.“ Kojak winkt ab. „Da kann er dann gleich mal, dem da hinten“, Kojak deutet auf den verwilderten Garten am Ende unseres Weges, „sagen, dass wir hier Obst und Gemüse anbauen und nicht Schuppen und Koniferen.“

Wir schmunzeln.

„Da mache ich euch zur Feier des Tages einen schönen Chefsalat.“ verkünde ich.

„Aber braucht es dazu nicht Eier und Schinken?“, fragt Rapunzel.

„Wenn wir Eier hätten, könnten wir Eier mit Schinken machen, wenn wir Schinken hätten“, lamentiert Frau B. und verdreht ihre Augen.

„Keine Sorge, ich kriege auch ohne Eier und Schinken einen Chefsalat hin“, lache ich in die Runde.

Für acht Portionen zerteile ich zwei Köpfe Eisbergsalat in mundgerechte Stücke. Dazu gebe ich zwei Salatgurken, acht Tomaten, acht getrocknete Tomaten und zwei Avocado, die ich zuvor in Würfel geschnitten habe. Aus 250 g Räuchertofu schneide ich feine Streifen und hebe sie unter das Gemüse. Zu guter Letzt rühre ich aus 200 g Hummus, gehackter Petersilie, Pfeffer, Salz und Olivenöl ein dickflüssiges Dressing. Noch einmal hebe ich alles mit dem Salatbesteck um, streue einige Oliven darüber, nehme die Schüssel und geselle mich wieder zu den anderen.

„Ich nenne es einfach Chefsalat light“, sage ich während ich Portionen in kleinen Schüsseln austeile.

Frau B. reicht den Brotkorb herum und fügt hinzu: „Kunststück, es sind ja nur die stellvertretenden Chefs da.“

Ackerbohnen mit Oliven und Zitrone

„Himmel Kruzitürken Sakrament!“  Lautes Fluchen schallt über unseren Gartenweg. Ich spähe zu Bruce hinüber. Auch meine Gartennachbarin Frau B. vermutet offenbar die Quelle des Geschreis in der Parzelle, die meiner gegenüberliegt. Wir recken unsere Hälse, doch es ist nichts zu sehen. Ich rufe: „Bruce? Was ist los?“ Es folgt ein weiterer Fluch und metallisches Scheppern. Frau B. ruft: „Holger? Können wir helfen?“

Plötzlich taucht Holgers verschwitzter Oberkörper auf. Mit seinem dreckverschmierten Gesicht sieht er einmal mehr aus wie Bruce Willis.

„Wisst ihr, was Kurtchen hier alles vergraben hat?“  Opa Kurt war Holgers Vorpächter. Ohne eine Antwort abzuwarten, klettert Bruce aus der Grube, zieht einen Metallrahmen herauf und kommt damit auf uns zu. „Ich wollte nur die Rasenkante neu setzen“, beginnt Bruce zu berichten. „Aber schon bei einem halben Spaten Tiefe kam ich nicht mehr weiter. Da hab ich den ganzen Krempel gefunden.“ Bruce deutet auf einen Haufen alte Eisenteile. „Und jetzt auch noch das hier.“ Bruce stellt den rostigen Metallrahmen vor uns ab und kratzt mit dem Spatenblatt daran herum.

Frau B. sagt: „Sieht aus wie ein Klapptischgestell.“

„Jupp.“ Bruce drückt mit Mühe die Bügel auseinander.

Der Lärm hat auch Rapunzel und Kojak angelockt.

„Bruce hat den Klapptisch ausgegraben“, informiert Frau B. die Neuankömmlinge.

„Solange es nicht der Klappstuhl ist“, kichert Kojak.

„Das könnte sogar noch taugen. Da geh ich mit der Drahtbürste drüber. Dann wird das wieder wie neu.“ Bruce klappt das Gestell zusammen.

„Sind das da hinten Ackerbohnen?“, lenkt Rapunzel unsere Aufmerksamkeit auf das Beet hinter der Ausgrabungsstätte.

„Ackerbohnen, Favabohnen, Puffbohnen, Viehbohnen, wie du willst“, bestätigt Bruce.

„Sind die schon reif?“, forscht Rapunzel weiter.

„Müssten. Ich hab die schon Ende Februar gesteckt.“

„Was machst Du damit?“

„Essen!“

„Ich meine, wie du sie zubereitest.“

„Ich? Gar nicht. Aber ich hab einen türkischen Kollegen, der macht da immer ein verdammt leckeres Essen draus.“

„Und könntest du mir das Rezept besorgen?“

Bruce grinst und kramt einen zerfledderten Zettel aus seiner Geldbörse. Rapunzel faltet das Papier mit spitzen Fingern auseinander und liest vor: „Für vier Personen zwei Gemüsezwiebeln und zwei Knoblauchzehen fein würfeln und in zwei Esslöffeln Olivenöl anschwitzen. Dann 600 Gramm Favabohnen unterrühren und mit einem Viertelliter Gemüsebrühe auffüllen. Ein Lorbeerblatt, einen Zweig Thymian, einen Zweig Rosmarin, Apfeldicksaft, Pfeffer und Salz dazugeben und zirka eine halbe Stunde bei mäßiger Hitze köcheln lassen. Währenddessen eine Zitrone schälen und in Würfel schneiden und ein halbes Bund glatte Petersilie fein hacken.
Danach die Kräuter und das Lorbeerblatt herausnehmen und die Bohnen gut abtropfen lassen. Olivenöl darüber träufeln, nochmals salzen und pfeffern, die Zitronenwürfel, die Petersilie und 170 g schwarze Oliven unter die Bohnen heben und warm servieren.“

„Mist“, sagt Bruce, “jetzt hab ich Hunger und muss die Saubohnen erst noch ernten.“

Spargel – Rosmarin – Kartoffeln

„Ein Alien, ein Alien!“, schreit der kleine Max und rennt aus meinem Garten zu Rapunzel hinüber.

Er hatte mir geduldig beim Kompostaussieben zugesehen. Hin und wieder klaubte er Regenwürmer aus dem frischen, duftenden Humus und steckte sie in eine Papiertüte.

„Was willst Du denn mit den Würmern machen?“, fragte ich.

„Ich werde Regenwurmzüchter.“

In der nächsten Ladung Komposterde, die auf dem Sieb landete, zuckte eine zirka fünf Zentimeter lange, dicke, weiße Käferlarve mit braunem Kopf. Beim nächsten Rütteln kam eine ebenso große, hellbraune Puppe zum Vorschein, bei der sich schon deutlich die Merkmale des zukünftigen Käfers abzeichneten.

Noch bevor ich erklären kann, dass es sich um Nashornkäfer handelt, rennt Max davon.

Es wird nicht lange dauern, denke ich, und er kehrt mit seinen Freunden zurück, um mit

ihnen seine Entdeckung zu bestaunen. Neben Max streifen auch Emma, Anna, Moritz, Alexander und viele andere Kinder durch unsere Gärten. Es ist im Prinzip alles so, wie vor hundert Jahren, nur dass die Eltern damals vermutlich nicht Vanessa, Jessica, Patrick und Fabian hießen.

Tatsächlich kommt Max wenig später mit Paul und Moritz zurück, um mit ihnen einen Blick auf die vermeintlichen Außerirdischen zu werfen.

„Was essen die?“, fragt Paul.

„Holz“, antworte ich.

„Ihihihi“, sagt Max und schickt sich an, in meinen Spatenstiel zu beißen.

„Apropos Essen“, höre ich vom Gartentor her. Rapunzel war den Alienforschern gefolgt.

„Ich hätte da Spargel im Angebot.“

„Jaaa! Spargel!“ Die Rasselbande stürmt auf Rapunzel zu.

Wir gehen gemeinsam zu ihr hinüber. Peu à peu finden sich Pierre, Bruce und die Eltern der Kinder ein.

Rapunzel hatte schon am Vortag Spargelstangen gestochen, gewaschen und mit Olivenöl, Rosmarin und Salz mariniert. Rapunzel hebt die Haube des Grills, um nach den Folienkartoffeln und der Grillschale mit dem Spargel zu sehen.

„Mein Rosmarin hat den Winter leider nicht überlebt!“, Rapunzel deutet auf den fast vertrockneten Strauch. Wir streifen Zweige und Nadeln ab.

„Die taugen noch fürs Badewasser“, sagt Pierre. Wir packen alle ein paar Hände voll Rosmarin ein.

„Au ja, ein Vollbad kann ich heute brauchen.“ Ich biege demonstrativ meinen Rücken grade.

„Kompost umsetzen, hm?“, brummt Bruce.

Wir gehen mit den Kindern Hände waschen. Rapunzel verteilt den Spargel und Kartoffeln auf Tellern und legt Besteck bereit.

„Die Alienkäfer essen Holz“, sagt Paul wenig später schmatzend zu Pierre.

„Und weißt Du auch, wer noch im Kompost wohnt?“, fragt Pierre.

„Regenwürmer“, prescht Max vor und zeigt auf seine Papiertüte.

„Und Bazillen“, ergänzt Moritz neunmalklug.

„Du meinst wohl Bakterien?“ fragt Rapunzel.

„Hm“, nickt Moritz.

„Außerdem sind im Kompost auch Pilze und viele andere Mikroorganismen. Deshalb muss man sich immer gut die Hände waschen“, ergänzt Rapunzel.

„Mikrowas?“, fragt Paul.

„Mi-kro-org-a-nis-men“, wiederholt Rapunzel.

„Ich kenn‘ nur Mikrowelle“, sagt Max, springt auf, greift seine Regenwurmtüte und läuft zu Rapunzels Kompost.

Bärlauch-Hirse-Bratlinge mit Löwenzahnsalat

Bruce und Pierre werkeln hinter dem Haupteingang zu unserer Kleingartenanlage an einer Holzkiste. Darin befand sich der Streusand. Gartenfreunde, die Winterdienst auf den an unser Vereingelände angrenzenden Bürgersteigen verrichteten, benötigten im vergangenen Winter reichlich Sand. Nun ist die Kiste leer. Die ideale Gelegenheit morsche Bretter auszuwechseln.

Als die beiden mich sehen, unterbrechen sie ihre Arbeit.

„Na“, fragt Bruce, „brauchst du Löwenzahn?“ Er deutet auf junge Triebe, die rings um die Kiste aus dem Boden geschossen waren.

„Natürlich!“ sage ich im vorüber gehen. „Ich hole nur schnell meinen Unkrautstecher.“ Bruce und Pierre werfen sich vielsagende Blicke zu. Pierre macht mümmelnde Mundbewegungen.

„Das habe ich gesehen.“, sage ich.

Pierre grinst.

Die Ausbeute ist beachtlich. Ich schneide die Löwenzahnwurzeln ab und wasche die Blätter gründlich. 800 g reichen für vier Personen. Aus 12 EL Olivenöl, 4 TL Senf, 4 EL Essig und vier zerstampften kleinen Pellkartoffeln mische ich ein Dressing. Frisch gemahlener Pfeffer und Salz runden die Sache ab. Die Pellkartoffeln im Dressing mildern die Bitterstoffe der Löwenzahnblätter. Diesen Bitterstoffen verdankt der Löwenzahn auch seine appetitanregende Wirkung. Ein idealer Kandidat für Vorspeisen.

Das Fräulein Tochter kündigt telefonisch einen ihrer alljährlichen Frühjahrsbärlauchschnorrbesuche an.

„Was willst denn machen? Pesto?“, frage ich.

„Mamma, ich habe schon was gemacht, aber ich brauche mehr Bärlauch.“

„Was hast du denn gemacht?“

„Bärlauch-Hirse-Bratlinge. Ich bringe gleich mal welche mit.“

Seit einigen Jahren entwickelt sich mein Bärlauchbestand zufriedenstellend. Unter einem opulenten Fliederbusch sprießen die leckeren Blätter im Frühling aus dem Boden. Jetzt, wo ich genauer hinschaue, entdecke ich auch die Stelle, die meine Tochter bereits beerntet hatte. Wenigstens kann sie hier den Bärlauch nicht mit giftigen Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen verwechseln, denke ich.

Kipirr!“ Meine Gartentürschelle scheppert. Das Fräulein Tochter trägt eine Vorratsdose zum Grill vor meiner Laube.

Für die Bratlinge hatte das Fräulein Tochter eine Zwiebel (70 g) fein gehackt und in Rapsöl angebraten, 300 g Hirse gewaschen und in 600 ml Gemüsebrühe zirka 10 Minuten geköchelt und dann eine feingewürfelte Karotte (110 g) dazugegeben und alles weitere 15 Minuten bei wenig Hitze quellen lassen. Eine gute Hand voll Bärlauchblätter wurden mit 4 El Rapsöl püriert und zusammen mit den Zwiebelstückchen, je einer kräftigen Prise Muskat, Salz und Pfeffer und einer Tasse Semmelbrösel unter die Hirsemasse gerührt. Zum Schluss formte sie mit angefeuchteten Händen Bratlinge und briet diese von beiden Seiten kurz an.

Wir heizen den Grill, verpassen den Hirse-Bärlauch-Frikadellen etwas mehr Bräune, naschen Löwenzahnsalat und beschließen die Handwerker an der Streusandkiste zu beköstigen. Pierre und Bruce langen kräftig zu.

„Und“, frage ich, „gut?“

„Hm“, schmatzt Bruce, „für Hasenfutter sogar sehr gut.“

Kalter Hund

„Muorjanee!“, höre ich meine Gartennachbarin Frau B. im Telefonhörer röcheln.

Vermutlich habe ich mich kurz zuvor auch nicht viel anders angehört, als mein Smartphon klingelte und Kojaks Nummer im Display prangte. An einem Sonntag vor Sonnenaufgang, darf man so klingen.

Die Nachricht, die Kojak zu übermitteln hatte, weckte allerdings umgehend alle Lebensgeister.

„Bei dir und deinen Gartennachbarn wurden die Lauben aufgebrochen. Hast du die Telefonnummern? Dann ruf die mal an. Polizei und Vorstand habe ich schon verständigt.“

Wenig später treffen wir uns in der Gartenanlage. Kojak hatte auf seinem Heimweg vom Nachtdienst offene Gartentüren bemerkt und wenig später auch die zerstörten Laubentüren und Laubenfenster entdeckt.

Schnell wird klar, dass die Schäden an den Gebäuden größer sind, als der Wert des erbeuteten Diebesgutes.

„Handwerker waren das jedenfalls keine.“, resümiert Bruce und stellt zufrieden fest, dass die Einbrecher bei ihm außer einer Flasche Wodka nichts entwendet haben. Alle Werkzeuge liegen noch im Regal.

„Gärtner waren es auch nicht.“, sage ich und zeige auf meine prall gefüllte Saatgutdose.

„Wer will Kaffee?“, ruft Frau B. und winkt mit einer Thermoskanne.

Mir war als Notfrühstück ein Naschwerk in die Hände gefallen, das ich eigentlich meiner Tochter schenken wollte.

Ich hatte 400 g Mehl, 170 g Margarine, 120 g Rohrohrzucker, acht EL Sojasahne und einem TL Salz zu einem Teig verrührt. Den Teigklumpen wickelte ich in Klarsichtfolie und stellte ihn kühl. Nach etwa zwei Stunden rollte ich ihn auf bemehlter Arbeitsfläche dünn aus und schnitt vier mal sechs Zentimeter große Kekse, die ich in den auf 180 °C vorgeheizten Backofen schob.

Ich schmolz vorsichtig 250 g Kokosfett und rührte 250 g Puderzucker, 125 g Kakaopulver hinein. Die Schokomasse darf nicht mehr zu flüssig sein, wenn sie in eine mit Alufolie, ausgekleidete Kastenform gegossen wird. Nach der ersten Schicht Schokomasse folgt eine Schicht von den Keksen und so fort bis die Form mit einer letzten Schicht Schokomasse gefüllt ist. Danach braucht die Süßigkeit einige Stunden im Kühlschrank.

Wir schlürfen Kaffee und naschen reihum aus der Backform. Die Männer sinnieren über Einbruchsabwehrstrategien. Eisenzacken auf den Eingangstüren, Scheinwerfer mit Bewegungsmeldern oder gar Kameras werden erwogen.

„Ein Wachhund wäre doch auch was.“, scherzt Bruce und zeigt auf Rapunzel, die mit einem kleinen schwarzbraunen Hund an der Leine auf uns zustrebt. Der Hund trägt ein weiß-grün kariertes Mäntelchen und zittert. Er stellt sich am Gartenzaun auf, lässt die braunen Flecken über seinen Augen tanzen und blickt flehend in alle Richtungen.

„Du hast einen Hund?“ frage ich.

„Nur zur Pflege, bis das Frauchen wieder aus dem Krankenhaus entlassen ist.“ Rapunzel erbarmt sich und nimmt den Kleinen auf den Arm.

„Oooch, wie alt ist der denn?“ will Frau B. wissen.

„Sieben!“

Frau B. runzelt ihre Stirn. „Sieben was? Wochen?“

„Nein“, lacht Rapunzel, „sieben Jahre.“

Frau B. winkt ab. „Na, dann wird das kein Dobermann mehr.“