Robby-Bubble-Bowle

(In diesem Beitrag wird eine Kindersekt-Sorte erwähnt. Die Autor:in wurde von der Herstellerfirma nicht dafür bezahlt. Trotzdem vorsichtshalber hiermit die Werbekennzeichnung.)

Mein zukünftiger Schwiegersohn kämpft mit dem Gartenschlauch, der in zahlreichen Schleifen und Windungen zu seinen Füßen liegt. „Was hast du denn mit dem Schlauch gemacht? Deinen Namen getanzt?“  

Mein Fräulein Tochter ist empört. „Das war ich nicht. Ich bin doch eben erst mit dir in den Garten gekommen. Vielleicht war es meine Mutter.“

Die beiden haben mich noch nicht bemerkt.

„Deine Mutter“, der Freund meiner Tochter macht eine bedeutsame Pause, „deine Mutter weiß, wie man mit einem Gartenschlauch umgeht.“

„Deine Mutter, deine Mutter“, äfft meine Tochter Jasmin ihn nach.

„Oh, ihr seid schon aus eurem Urlaub zurück?“, frage ich unschuldig.

„Huch, jetzt hast du mich aber erschreckt, wo kommst du denn so plötzlich her?“

Ich deute mit gestrecktem Zeigefinger Richtung Himmel.

„Wer hat unseren Schlauch derart verknotet?“, fragt Jasmin streng.

„Ich nicht. Vielleicht war es Rapunzel, sie hat mir in den vergangenen Tagen geholfen euren Garten zu gießen.“

„Und dann lässt sie dieses Kuddelmuddel einfach liegen?“

„Sie wollte bestimmt noch weitermachen. Sie gibt am Vereinsheim nur schnell den Kindern was zu Trinken.“

„Durst hätte ich auch. Komm wir gehen mal gucken

Am Vereinsheim sitzen sieben Kinder mit Gläsern in den Händen, aus denen Trinkhalme ragen. „Klopf, klopf.“ Rufe ich und luge durch die Küchentür. Rapunzel wendet sich vom geöffneten Kühlschrank ab und fragt mit Blick auf meine Begleitung: „Na, wie wars in Amsterdam?“

„Das sag ich dir erst, wenn du mir auch was zu trinken gibst“, zickt mein Fräulein Tochter. Rapunzel schenkt ein und beginnt Zutaten aufzuzählen. Zunächst habe ich gestern einen Aufguss von je einer Hand voll  Melisse, Ysop, Thymian, schwarzen Johannisbeeren und Pfefferminze sowie je einer kräftigen Prise Kardamom, Nelke, Muskatnuss und Zimt gemacht. Da wollte ich eigentlich was für mich draus mixen. Aber als vorhin die Kinder kamen, habe ich kurzerhand acht Zentiliter davon mit zwei Litern eiskaltem Mineralwasser, 0,3 Liter Bitterlemon und zwei Flaschen von diesem Kindersekt hier gemischt, der bei der jüngsten Feier übriggeblieben ist. Rapunzel hält eine bunte Flasche hoch.

Ich lese: „Robby-Bubble-Berry“.

„Dazu gab ich noch 150 Gramm Heidelbeeren und einige Zweige Estragon“, ergänzt Rapunzel.

„Also wie wars in Amsterdam?“ Wiederholt Rapunzel ihre Frage.

„Für Radfahrer ein Traum. Da können sich die deutschen Städte mal eine Scheibe abschneiden“, beginnt der Freund meiner Tochter zu schwärmen. Sein Männerdutt hüpft auf und nieder, während er die Erlebnisse der Urlaubsradtour schildert.

„Und wie viele berühmte Personen da geboren sind“, stichelt Jasmin.

„Genau,“ steigt unser Alleinunterhalter ein, „Rembrandt, Baruch de Spinoza, Peter Post.“

„Und wie viele berühmte Personen da gestorben sind“, frotzelt Jasmin.

„Auch Rembrandt, Oswalt Kolle, Robby Müller.“

Rapunzel fragt: „Wer sind Peter Post und Robby Müller?“

„Peter Post war ein Radsportler und Robby Müller ein begnadeter Kameramann.“

Mein zukünftiger Schwiegersohn schüttelt den Kopf über so viel Unwissenheit.

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