Sechs Jahre Rezeptgeschichten aus dem Kleingärtnerverein

Liebe Leser:innen, liebe Follower:innen,

WordPress hat mit elektronischer Präzision gratuliert und nun, leicht verspätet wie alle Beiträge in diesem Jahr, ist es wiedereinmal an mir, Danke zu sagen.

Danke für die Likes.

Danke für die Kommentare.

Danke für die Treue.

Vor uns liegt das verflixte siebente Jahr.

Machen wir das Beste draus.

Erdbeer-Königskerzenblüten-Smoothie

„Wenn das eine Königskerze ist, dann sind das dort auch welche.“ Mein Fräulein Tochter Jasmin nimmt einen jungen Blütenstand zwischen Daumen und Zeigefinger ihrer rechten Hand und deutet mit ihrer linken auf zahlreiche Blattrosetten.
„Gut“, lenkt ihr Freund ein und lässt sein Smartphone mit der Pflanzenbestimmungs-App sinken, “dann ist das eben kein dichtblütiges Wollkraut. Aber sind es nun kleinblütige Königskerzen, flockige Königskerzen oder filzige Königskerzen?“
„Die hier sind filzig.“ Das Fräulein Tochter streicht über die Blätter. „Also ist es eine filzige Königskerze. Oder doch kleinblütig?“, zweifelt sie.

Ich habe es mir im Hängestuhl im Garten meiner Tochter bequem gemacht und beobachte die beiden Naturforscher.
Am Zaun schlendert Pierre vorbei.
„He Pierre“, rufe ich, „was meinst du, dichtblütiges Wollkraut oder kleinblütige Königskerze.“
Pierre beschattet seine Augen mit der Hand, lässt seine Blicke schweifen und sagt: „Das ist doch
dasselbe, oder? Wie lautetet denn der botanische Name?“
Jasmin greift sich das Smartphone und liest: „Dichtblütiges Wollkraut – Verbascum densiflorum.
„Verbascum densiflorum ist die großblütige Königskerze, Wollkraut ist wohl nur ein anderer Name. Habt ihr da hinten auch Nachtkerzen?“
„Ja“, strahlt das Fräulein Tochter.
„Mhm“, pflichtet ihr Freund bei, “ist wie Weihnachten hier, überall Kerzen.“
„Dann passt mal schön auf, dass noch genügend Platz für Obst und Gemüse bleibt.“
„Wieso mindestens die Nachtkerzen sind Anbau und die Königskerzen zählen als Kräuter“, grinst Jasmin listig.
„Aber nicht, wenn der halbe Garten damit voll steht“, brummt Pierre, „und überhaupt, wieso ist die Nachtkerze Anbau?“
„Wir wollen die Wurzel als Gemüse essen“, klärt Jasmins Freund auf. „Die heißen auch Schinkenwurzel und werden wie Schwarzwurzel zubereitet.“
„Und ihr wollt Schinkenwurzel essen?“, fragt Pierre misstrauisch, „ich denke ihr seid Veganer?“
Jasmin stöhnt: „Nicht du auch noch, Pierre. Wir müssen uns hier schon genug dumme Sprüche anhören.“
„Dumme Sprüche?“, frage ich unschuldig.
„Mama, du weißt doch: Veganer essen meinem Essen das Essen weg. Essen Veganer Fleischtomaten? Wenn ihr Veganer seid, warum habt ihr nur so eine kleine Wiese?“
„Wiese? Versteh ich nicht“, wundert sich Pierre.
„Na Veganer essen doch nur Gras und Steine.“ Jasmin zwinkert Pierre versöhnlich zu.
„Ich sehe ja, dass ihr genügend Gemüseanbau im Garten habt. Kürbis, Mais, Bohnen, Salat. Nur das hier vorn, wo ihr Kaiserkrone dran geschrieben habt, das ist eine Kartoffel.“
„Nee, das ist schon richtig so, die Kartoffelsorte heißt Kaiserkrone.“
„Oh, wieder was gelernt. Na dann!“ Pierre wendet sich zum Gehen.
„Ihr zwei“, übernehme ich das Kommando, „könnt schon mal ein halbes Kilo Erdbeeren, ein paar Königskerzenblüten und einige Blätter Zitronenmelisse pflücken. Da mache ich uns einen schönen Smoothie draus. Wenn irgendwo schon ein paar Taglilien blühen, könnt ihr auch noch drei bis vier Blüten bringen.“
„Taglilienblüten?“, freut sich Jasmin, „dann zählen die ja auch zum Anbau.“

Pak Choi-Karottenpfanne mit Teriyaki-Soße

Auf dem Weg zwischen meinem Garten und der Parzelle unseres stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Holger, den alle nur Bruce nennen, weil er dem jungen Bruce Willis ähnlich sieht, steht seit ein paar Wochen eine Gartenbank.
Seitdem es die Kontaktbeschränkungen gibt, blieben immer häufiger Gärtnerinnen und Gärtner auf dem Weg stehen, um ein Schwätzchen mit Bruce oder mir oder Bruce und mir zu halten. Da haben wir es ein wenig bequemer gestaltet und auch Klappstühle in unseren Parzellen bereitgestellt, um den Abstand wahren zu können.
Auf der Bank sitzt heute Rapunzel. Als sie mich sieht, setzt sie schnell eine FFP2-Maske auf.
„Moin Karo“, nuschelt Rapunzel.
„Moin!“
Kaum bin ich vorbei, zieht Rapunzel ihre Maske wieder herunter.
Mein Fräulein Tochter schenkte mir ein Stimmungsset. Mund-Nasen-Bedeckungen für jede Gemütslage. Heute wäre eigentlich „Lächeln“ dran gewesen, denn schließlich habe ich einen Gartentag geplant. Aber diese Maske war in der Wäsche und so ist es doch die mit dem gefletschten Raubtiergebiss geworden.
„Uiuiui, du siehst aber gefährlich aus“, kommentiert Rapunzel. Ich ziehe meine Maske herunter und frage: „Wartest du auf mich oder auf Bruce?“
„Auf dich. Ich hab das da geerntet“, Rapunzel deutet auf ein Körbchen mit Blattgemüse, „und wollte dich fragen, was du da draus machen würdest.“
„Was hast du denn da?“
„Frisch getriebene Mangoldblättchen und Pak Choi.“
„Pak Choi, mhm was ganz Feines. Da sag noch Einer, aus China kämen nur Viren und Schutzmasken.“
„Ich würde gern irgendwas Kurzgebratenes oder Gedünstetes damit machen.“
„Dann versuch es doch mal mit Möhren, Zwiebeln, Reis und Teriyaki-Soße.“
„Teriwas?“
„Teriyaki. Das ist eine japanische Soße. Die kannst du entweder fertig kaufen oder du mischst Sojasoße, Zucker und Reiswein zu ungefähr gleichen Teilen und kochst das Ganze kurz auf und reduzierst bei schwacher Hitze, bis du die gewünschte Konsistenz hast. Manche nehmen auch Knoblauch und Ingwer dazu.“
„Ich glaube, ich schau mal nach der fertigen Soße. Reiswein und Sojasoße hab ich auch nicht vorrätig. Und das Gemüse einfach kurz anbraten?“
„Zunächst schneidest du aus zwei großen Zwiebelhälften Streifen. Dann zwei große Möhren schälen und in kleine Stifte teilen. Einen Esslöffel Rapsöl erhitzen. Darin die Karottenstifte und Zwiebelringe mit einer Prise Zucker anbraten. Von 500 Gramm Pak Choi zunächst die Blattrippen heraustrennen, in mundgerechte Stücke teilen und ebenfalls in die Pfanne geben und kurz scharf anbraten. Nun 3 Messerspitzen schwarzer Pfeffer, je zwei Messerspitzen Nelkenpulver und Fenchelpulver, je eine Messerspitze Anispulver und Zimtpulver sowie 5 Esslöffel Teriyaki-Soße und das in Streifen geschnittene Blattgemüse hinzufügen. Wenn vorhanden, gibst du noch einen Esslöffel Sesam hinein. Diese schnelle Gemüsepfanne schmeckt zu Reis oder auch Nudeln.“
„Donnerwetter, das hast du einfach so im Kopf?“
„Na ja, ich habe grad am Wochenende Chinakohl auf diese Art zubereitet. Nächste Woche hätte ich auch wieder nachschlagen müssen.“

Wirsingkohl mit Buchweizen und Schwarzwurzel

Als ich zum ersten Mal Buchweizen anbaute, fragte meine Gartennachbarin Frau B. misstrauisch: „Was ist das denn schon wieder für neumodischer Kram?“
Doch obwohl ich das Pseudogetreide seither regelmäßig anbaue, ernte ich die Nüsschen dieses Knöterichgewächses nicht mehr. Die Reife ist mir zur unregelmäßig. Damit ist das Ernten sehr mühselig und das Schälen mit der Handmühle war auch eine Erfahrung, die ich nicht wiederholen möchte.
Dennoch bestelle ich ganz gern ein Beet mit den wärmeliebenden Pflanzen. Die Insekten lieben die weiß-rosa Blüten, die Pflanzen taugen auch zur Gründüngung.
Zum Kochen verwende ich Buchweizen aus der Tüte.
Aber zunächst schäle ich 300 Gramm Schwarzwurzeln, 100 Gramm Knollensellerie, zwei Zwiebeln und zwei Karotten und schneide grobe, bissgerechte Stücke. Sechs mittelgroße Champignons putze ich und schneide sie in Scheiben.
In einer hohen Pfanne erhitze ich Rapsöl und gebe das ganze Gemüse und 100 Gramm rohen Buchweizen hinein. Dann wasche ich 300 Gramm Wirsingkohlblätter und schneide sie in zirka 1,5 Zentimeter breite Streifen gebe sie mit in die Pfanne und lasse sie kurz mitbraten. Zwei Knoblauchzehen zerquetsche ich und füge sie auch zum Gemüse. Danach gieße ich Wasser an, bis das Gemüse fest bedeckt ist und decke die Pfanne zu. Der Buchweizen benötigt das Wasser zum Garen. Hin und wieder sehe ich nach, ob noch ausreichend Flüssigkeit in der Pfanne ist und gieße bei Bedarf etwas Wasser nach. Wenn der Buchweizen gar ist, schmecke ich mit Pfeffer und Salz ab.
Ich sehe zur Uhr. Mein Fräulein Tochter hatte sich zum Essen angemeldet.
Mein Telefon klingelt. Bruce ist dran.
Er druckst herum. „Karo, du kochst doch gern?“
„Ja?“
„Es gibt da diesen Wettbewerb der Kleingärtnervereine.“
„Und?“
„Kennst Du unseren Nachbarverein?“
„Nehmen die jetzt auch am Wettbewerb teil?“
„Ja und ein Vögelchen hat mir gesungen, dass die jetzt ein Kochbuch mit den Lieblingsrezepten ihrer Gärtner gemacht haben.“
„Ach, das hab ich in der Post gehabt. Ich fragte mich schon, was das soll.“
„Das hab ich dir in den Briefkasten gesteckt, damit du weißt, worum es da geht und vielleicht so was Ähnliches für unseren Verein machen kannst.“
„Krieg ich Bedenkzeit?“
„Bis gestern!“
Es klingelt an der Tür.
„Ich melde mich“, flöte ich in den Hörer, lege auf und lasse meine Tochter Jasmin herein.
Im Flur greife ich das Kochbuch vom Altpapierstapel.
„Oh, Weiterbildung?“, scherzt das Fräulein Tochter.
Ich reiche ihr die Broschüre mit verzweifelter Geste. „Bruce will ein Kochbuch für unseren Verein.“
Jasmin blättert und zitiert aus dem Inhaltsverzeichnis: „Würstchen im Schlafrock, Pflaumen im Speckmantel, Grillsteak mit Käse überbacken. So was sollst Du auch machen?“
„Mhm.“
„Dem ist aber schon klar, dass du nix mit Speck, Butter oder“, Jasmin zeigt auf ein Brombeertortenrezept und zitiert: „Gelatine machst?“
„Ich weiß nicht.“ Er sagt, dass die das Kochbuch in ihrem Vereinsheim ausgestellt haben.
„Vereinsheim“, stöhnt Jasmin, „weißt du wie mein Freund die Bude nennt? Mettigelauffangstation.“

Schokokuchen mit Schweizerhose

Ich heize meinen Backofen auf 180 Grad Celsius vor. Den Inhalt von je einem Päckchen Backpulver und Vanillezucker vermenge ich mit 350 Gramm Mehl, 130 Gramm Zucker, je einer Prise Salz und Zimt, einer Messerspitze Nelkenpulver, 6 Esslöffeln Kakaopulver stark entölt und 100 Gramm fein gehackter Zartbitterschokolade.
Dann rühre ich 100 Milliliter Rapsöl, einen halben Liter Hafermilch sowie 70 Gramm fein gehackte Walnüsse dazu.
Den entstandenen Teig gebe ich in eine gefettet 26er Springform. Danach wasche, schäle und viertele ich 600 Gramm Birnen. Das vergangene Jahr war bei uns ein Birnenjahr. Mein Bäumchen von der Sorte Schweizerhose hing zum ersten Mal richtig voll. Ich erntete kurz vor der Vollreife. So waren die Früchte in der kühlen Kammer recht gut lagerfähig. Die Birnenteilchen drücke ich im Wechsel mit etwa 30 Gramm grob gehackten Walnüssen rundherum in den Teig. Danach schiebe ich die Springform für eine dreiviertel Stunde auf die mittlere Schiene bei Ober- und Unterhitze ins vorgeheizte Rohr. Nach zirka 35 bis 40 Minuten mache ich die Stäbchenprobe. Wenn kein Teig mehr am Holzstäbchen haftet, ist der Kuchen gar.
Ich lasse mein Backwerk auskühlen und rüste mich für einen Spaziergang in meinen Garten.
Kaum in der Gartenanlage angekommen, begegnet mir Rapunzel.
„Mhm!“ macht sie und schmult in meinen Picknickkorb. „Schokokuchen?“
„Mit Schweizerhose“, ergänze ich.
„Wie jetzt? Du hast Schweizerhosen an?“
„Unsinn, die Birnen heißen Schweizerhose, weil sie grün und gelb gestreift sind, wie die Hosen von der Schweizergarde.“
„Und diese Birnen hast du woher?“
„Dort von meinem Birnbaum“, ich zeige Rapunzel die Richtung. „Das ist eine sehr alte Sorte, die nur in sonnigen, geschützten Weinlagen richtig gut gedeiht.“
Im Hintergrund rappelt sich meine Gartennachbarin Frau B. aus ihrem mit Decken dick gepolsterten Gartenstuhl. In der Hand hält sie ein Fernglas.
„Aha“, lästert Rapunzel, “Vorsicht, wachsame Nachbarschaft.“
„Jawohl“, entgegnet Frau B. grimmig, „aber nicht wie du denkst. Ich beobachte die Vögel am Futterhaus.“
„Beobachtest du auch den da?“ Rapunzel zeigt auf eine gestreifte Katze.
„Der ist eine die, und stört hier immer meine Piepmätze“ korrigiert Frau B. grimmig
„Aber den rufen doch alle Wilhelm? Und da hört er auch drauf.“
„Was du nicht alles weißt“, grummelt Frau B. und ruft: “Wilhelm, Wilhelm.“
Die Katze interessiert sich mehr für die Vögel am Futterhaus.
Nun schürzt Rapunzel die Lippen, schnalzt mit der Zunge und flötet: „Wilhelm mein Katerle, komm doch mal her.“
Tatsächlich wendet sich das gestreifte Katzentier von der Vogelfutterstelle ab und tänzelt federnd in Richtung Rapunzel.
Frau B. bückt sich überraschend behände, greift die Streunerin und hält sie an den Vordertatzen hoch.
„Wenn das ein Kater ist, fresse ich einen Besen.“
Nach erfolgter Diagnose setzt Frau B. die Katze wieder auf den Gartenboden. Die flüchtet umgehend zu Rapunzel und streicht um deren Beine.
„Na gut“ sagt Rapunzel versöhnlich und hockt sich nieder, „ dann nenne ich dich eben Frau Wilhelm.“

Jubiläum!

Hoch die Tassen! Wir feiern den 5. Jahrestag.

Nach dem ersten Jahr wurde ich gefragt, ob ich mir weitere 12 Rezeptgeschichten zutraue.

Nach dem vierten Jahr gab es den ersten Versuch, die Rubrik durch einen andere Autorin zu besetzen.

Irgendein Schlaumeier hatte aus: „So schmeckt es in Bayern“ bzw. „So schmeckt es in Sachsen“ oder „So schmeckt es im Sauerland“ den wahnsinnig originellen Slogan: „So schmeckt es aus dem Kleingarten“ geklöppelt.

Und weil der Schlaumeier gute Kontakte zu „höheren Stellen“ hat, wurde gleich mal ein Förderprogramm angezapft.

Was gefördert wird, muss ja gut sein. ^^ Deshalb gibt es auch im Jahr 5 die Bemühungen, die Gartenrezeptgeschichten durch eine schnöde aber geförderte Rezeptecke zu ersetzen.

Ich hoffe ja, die Zeitungsmacher kriegen noch mit, dass die Rezeptgeschichten in klitzekleines bisschen mehr sind, als nur Rezepte.

Aber auch wenn die Geschichten um Frau B., Pierre, Rapunzel, Bruce, dem Fräulein Tochter und all den anderen vielleicht bald nicht mehr in der Zeitung stehen werden, hier auf dem Block wird es weitergehen.

Vielleicht finde ich ja auch endlich die Zeit, den schon seit zwei Jahren gehegten Wunsch umzusetzen und die bisher erschienen Geschichten in einem Buch zusammenzufassen. Das muss doch auch ohne Förderung irgendwie hinzukriegen sein.

Bleibt mir noch, wieder einmal danke zu sagen.

Danke für Eure Treue.

Danke für Eure Likes.

Danke für Eure Kommentare.

Auf ins 6. Jahr.

Bittersüße Grüße aus dem Garten

Sandorn-Hagebutten-Suppe

„Ist das nicht schön?“ Mein Fräulein Tochter strahlt übers ganze Gesicht und lehnt sich an ihren Freund, der seine Blicke schweifen lässt wie ein Großgrundbesitzer.
Die beiden stehen vor einer zirka 200 Quadratmeter großen Kleingartenparzelle in unserer Anlage, nur einen Gartenweg von meinem Garten entfernt. Im Vordergrund rostet ein altes Rollreifenfass, dahinter schließen sich einige Rosensträucher und vier Sanddornbüsche an, die grade groß genug sind, um die alte Holzlaube pittoresk erscheinen zu lassen.
„Was habt ihr dafür bezahlt?“
„Das ist das Beste! Wir haben sogar noch vierhundertfünfzig Euro bekommen.“
„Aber dafür müsst ihr doch bestimmt noch viele Aufgaben erfüllen?“
„Die drei großen, alten Stubben und die Zuckerhutfichte müssen wir roden, den frei stehenden Schuppen dahinten abreißen und vierzig Quadratmeter Gemüsebeete neu anlegen. Wollen wir mal reingehen?“
Ich nicke.
Wir betreten den Weg aus alten Betonplatten, der schnurgrade vom Gartentor zur Gartenlaube führt.
„Den müssen wir auch noch neu gestalten.“ Jasmin beschreibt mit großer Geste den Bogen, in dem der künftige Weg vom Tor an die Grenze zur Nachbarparzelle und weiter zum Gartenhaus verlaufen soll.
Neben der Laube liegt ein Riffelblech.
„Was ist denn da drunter?“ Ich bücke mich und versuche die Metallplatte anzuheben.
„Ach“, wiegelt das Fräulein Tochter ab, das ist eine alte Grube, die müssen wir auch noch verfüllen. Unter dem Blech ist der Rand eines eingegrabenen Fasses zu sehen. Ein beißender Geruch schlägt uns entgegen. „Das ist ja widerlich.“ Ich wende mich ab.
„Der alte Pächter hat gesagt, dass er jahrelang nichts mehr da reingetan hat“, nörgelt Jasmin.
„Riecht nicht so“, stellt der neue Hausherr fest und nestelt an seinem Dutt.
„Das kriegen wir schon hin, nicht?“ Jasmin knufft ihren Philosophen in die Seite.
Bei den Sanddornsträuchern, stelle ich fest, dass die Beeren reif sind. Sie sind kräftig orange, weich und auf der Oberfläche leicht glasig.
„Komm, wir pflücken gleich.“ Jasmin holt eine Schale. Ihr Freund zupft unterdessen Hagebutten von den Rosenbüschen. „Lass noch welche für die Vögel dran“, instruiert ihn das Fräulein Tochter. „An diesem Sanddorn hier sind gar keine Beeren“, wundert sie sich. „Das könnte daran liegen, dass das ein männlicher Strauch ist“, mokiert sich ihr Galan.
„Ich wollte nur mal testen, ob du das weißt“, schmollt Jasmin.
Sie legt Folien unter die weiblichen Sanddornpflanzen. „Für den Fall, dass welche runterfallen“, kommentiert sie. Vorsichtig beginnen wir mit der Ernte. „Nachher zählen wir, wer die wenigsten Kratzer hat“, ruft Jasmin fröhlich.
Zuhause halbieren wir 250 g Hagebutten und entfernen die Kerne. Wir setzen sie zusammen mit 150 g gewaschenen und zerdrückten Sanddornbeeren, 50 g Zucker, 20 g geschältem und fein gehacktem Ingwer und einem halben Liter naturtrübem Apfelsaft für 20 Minuten zum Köcheln auf.
Danach ziehen wir den Pürierstab kurz durch die Suppe, würzen mit Vanillezucker und Zimt und servieren mit Birnenstückchen, gehackten Walnüssen und Zwieback.